Das Kloster Doberan ist eine ehemalige Zisterzienser-Abtei in Bad Doberan, die nach der Annahme des Christentums durch den Obodritenfürsten Pribislaw als Kloster in Mecklenburg gegründet wurde und sich später zu einem geistlichen, politischen und wirtschaftlichen Zentrum im Land entwickelte. Die Klosterkirche, das Doberaner Münster, zählt zu den bedeutendsten hochgotischen Backsteinbauten in Europa. Das Kloster besaß bis zur Reformation umfangreichen Grundbesitz und war Grablege des Fürstentums Mecklenburg.

Geschichte Beginn in Althof mini|hochkant|links|Kapelle Althof

Nach der Niederlage gegen Heinrich den Löwen in der Schlacht bei Verchen 1164 unterwarf sich Fürst Pribislaw 1167 und ließ sich taufen. Eine Bedingung des Siegers war die Verpflichtung, durch den Aufbau von Klöstern den christlichen Glauben im Land zu verbreiten und zu festigen. So musste er dem ersten Schweriner Bischof Berno die Gründung eines Klosters gestatten. Dieser veranlasste die erste Klostergründung in Mecklenburg durch Zisterzienser aus dem Kloster Amelungsborn im Weserbergland. Die Niederlassung erfolgte in Althof oder auch Alt Doberan, einem Dorf in der Nähe des späteren Doberan. Die Zisterzienser waren als Reformorden und wegen ihrer wirtschaftlichen Erfolge prädestiniert für die schwierige Aufgabe, inmitten einer nicht christlichen und damit feindlich gesinnten und unwirtlichen Umgebung ein geistiges und wirtschaftliches Zentrum aufzubauen.

Am 1. März 1171 wurde das Kloster von zwölf Mönchen und dem Abt Conrad bezogen. Die Anzahl der Brüder entsprach dem allgemeinen, auch von den Zisterziensern stets beachteten monastischen Brauch und war die Mindestanzahl für die Bildung eines Konvents, der damit an die biblischen Apostel unter der Führung Christi erinnern sollte. Die Mönche wurden bei der Gründung von 25 Laienbrüdern unterstützt. Das Kloster besaß dank großzügiger Schenkungen bald erheblichen Grundbesitz. Dieser reichte von Rostock im Osten bis Kröpelin im Westen und im Süden teilweise bis Satow.

Schon in Althof wurde das Kloster als Grablege des mecklenburgischen Fürstenhauses genutzt. 1172 wurde Woizlawa, die Gemahlin Pribislaws, dort bestattet. Die heute noch erhaltene Kapelle wurde wahrscheinlich im 14. Jahrhundert über diesem Grab errichtet.

Nachdem Pribislaw am 30. Dezember 1178 nach einem unglücklichen Sturz während eines Turniers in Lüneburg gestorben war, entbrannten neue Kriege und Unruhen in dem gerade christianisierten Land. Während dieser wurde am 10. November 1179 das Kloster verwüstet und alle 78 Einwohner, darunter auch alle Mönche, umgebracht.

In Althof, heute ein Ortsteil von Bad Doberan, stehen noch Reste der alten Klosterscheune. Die Neuansiedlung des Klosters erfolgte 1186 in Doberan.

Bau der Klosterkirche mini|hochkant|Das Münster in Bad Doberan mini|Plan der Klosteranlagen im Mittelalter

Am 3. Oktober 1232 wurde auf dem Gelände des Klosters in Anwesenheit hoher geistlicher und weltlicher Würdenträger eine romanische Kirche geweiht. Die Weihe nahm Bischof Brunward von Schwerin im Beisein des Päpstlichen Legaten Bischof Balduin von Semigallien vor.MUB I. (1863) Nr. 406. Durch Blitzschlag wurde am 30. Mai 1291 ein Klostergebäude in Brand gesetzt, das Feuer breitete sich aus und griff auch auf den Dachstuhl der Klosterkirche über. Dieser und die hölzerne Decke wurden dabei zerstört. Eine Reparatur des Schadens wäre sicher möglich gewesen, aber die Bedeutung und die finanziellen Mittel des Klosters waren bereits so bestellt, dass die Mönche einen repräsentativen Neubau beschlossen. Um 1295, unter dem Abt Johann von Dalen, begann der Bau, wobei erhaltene Teile der romanischen Kirche in den neuen Baukörper einbezogen wurden. 1296 waren der Rohbau und das Dachwerk der gotischen Kirche fertiggestellt, 1301 die erste Bronzeglocke unter Abt Johann von Elbing geweiht. Neun Jahre später war die Erstausstattung des Chorraumes fertig, der Hochaltar bereits um 1300. Am 4. Juni 1368 wurde das Münster durch Bischof Friedrich II. von Schwerin, assistiert von Weihbischof Goswinus Grope und den Äbten Engelhard von Amelungsborn und Gottschalk von Doberan, geweiht. Die Klosterkirche war die wichtigste landesfürstliche Grablege im Mittelalter.

Bedeutung des Klosters Seit dem 13. Jahrhundert war Doberan ein Wallfahrtsort. Grund dafür war das durch ein Hostienwunder entstandene „Heilige Blut“. Diese Reliquie wurde im Hochaltar des Münsters aufbewahrt. mini|Conventssiegel des Klosters Doberan aus dem Jahr 1337 Im 14. Jahrhundert gab es im Kloster Auseinandersetzungen zwischen sächsischenaus Niedersachsen stammenden und wendischenaus den Wendischen Hansestädten an der südlichen Ostseeküste stammenden Konversen, die 1336 offen ausbrachen und nach den Gewalttaten des wendischen Laienbruders Johann Kruse 1337 in einer Flucht der sächsischen Mönche nach Rostock gipfelten. Trotz dieser Schwierigkeiten entwickelte sich das Kloster gut und hatte seine Blütezeit im 15. Jahrhundert. Ein Grund für die wirtschaftlichen Erfolge war u. a. das seit 1218 bestehende Recht, innerhalb des Klosters Handwerker ansiedeln zu dürfen. Das Kloster besaß Mühlen in Güstrow, Parchim, Malchin und Gnoien und Salzpfannen in Lüneburg und Sülze. Mehrere Grangien, die von Laienbrüdern bewirtschaftet wurden, sicherten die Versorgung des Klosters mit Nahrungsmitteln und anderen landwirtschaftlichen Produkten. Zuvorderst zu nennen ist der unmittelbar am Kloster gelegene Kammerhof. Bekannt sind ferner Güter in Alt Farpen bei Blowatz oder Hof Redentin bei Krusenhagen, kurzzeitig gehörte auch Kägsdorf bei Bastorf zum Kloster Doberan. Weitere Grangien befanden sich in Hinter Bollhagen, Jennewitz, Satow, Retschow sowie Althof. Das Kloster produzierte auch Glas; es war die erste nachgewiesene Produktionsstätte für Glas in Mecklenburg vor 1268. Selbst Heringsfang mit eigenen Booten und der Handel mittels einer dazugehörigen Handelsflotte wurde betrieben.

1209 wurde von Doberan aus das (kurz nach dem Doberaner Kloster gegründete und in den Unruhen nach Pribislaws Tod 1179 verlassene) Kloster Dargun wieder besiedelt und 1258 in Pommern, im heute polnischen Pogódki bei Kościerzyna (Berent) ein Filialkloster gegründet, welches 1276 nach Pelplin verlegt wurde.

Kirchenpolitisch erlangte das Kloster eine herausragende Bedeutung, als 1402 der Doberaner Abt Johannes IV. Plate von Papst Bonifatius IX. das Recht erhielt, bischöfliche Insignien zu verwenden. Papst Martin V. berief 1430 Abt Bernhard Witte zum Kurator der Universität Rostock, die 1419 gegründet worden war.

Äbte des Klosters Namen und Jahreszahlen bezeichnen die nachweisbare Erwähnung als Abt.Friedrich Compart: Geschichte des Klosters Doberan bis zum Jahre 1300. 1872 S. 117–137.Sven Wichert: Das Zisterzienserkloster Doberan im Mittelalter. 2000 S. 247–248.

1171–1179 Konrad I. aus Amelungsborn 1186–1210 Gottfried I. aus Amelungsborn 1210–1218 Hugo 1219 Eilhard 1219–1225 Matthäus 1226–1229 Segebod I. 1229–1243 Gottfried II. 1243–1249 Engelbert 1250–1252 Arnold 1253–1257 Heinrich I. 1258–1260 Konrad II. 1262–1268 Werner 1270–1276 Georg von Zerchen 1278–1283 Segebod II. 1283–1291 Konrad III. von Lübeck 1291–1293 Hildeward 1294–1299 Johann I. von Dalen 1299 Marcolf 1301–1306 Johann II. von Elbingen 1306 Johann III. von Hildesheim 1306–1311 Gerhard von Braunschweig 1312–1326 Berthold von Hildesheim 1326–1328 Johann IV. von Höxter 1328–1332 Johann II. von Elbingen (abgesetzt) 1332–1337 Konrad IV. (Rücktritt) 1337–1339 MartinGrabplatte mit lateinischer Inschrift „Im Jahr des Herrn 1339 am 14. Tag vor den Kalenden des Mai (18. April) starb Herr Martin, 24. Abt in Doberan. Seine Seele ruhe in Frieden Amen Seine Seele ruhe in Frieden. Amen.“ erhalten. 1339–1361 JakobGrabplatte mit lateinischer Inschrift „Im Jahr des Herrn 1361 am achten Tag vor den Iden des März (8. März) starb Herr Jakob, 25. Abt in Doberan, der dieser Kirche in löblicher Weise 22 Jahre lang vorstand. Seine Seele ruhe in Frieden. Amen.“ erhalten 1361–1384 Gottschalk HöppenerGrabplatte mit lateinischer Inschrift „Im Jahr des Herrn 1391 starb Herr Gottschalk, 26. Abt in Doberan, am Fest des heiligen Evangelisten Lukas (18. Oktober), der die Abtei 23 Jahre führte, auf deren Leitung er dann aus eigenem Willen verzichtete, danach acht weitere Jahre Gott treu und still dienend. Betet für ihn.“ erhalten. 1384–1389 Martin II.Grabplatte mit lateinischer Inschrift „Im Jahr des Herrn 1389 am Tag des heiligen Bischofs Servatius (13. Mai) starb der angesehene Vater Herr Martin 27 Abt dieser Kirche der fünf Jahre lang mit Martin, 27. Abt dieser Kirche, der fünf Jahre lang mit Gottesfurcht die Doberaner Abtei regierte.“ erhalten 1390–1403 Johann IV. PlateGrabplatte mit lateinischer Inschrift „Im Jahr des Herrn 1420 am sechsten Tag vor den Iden des Mai (10 Mai) starb Herr Johannes Plate Iden des Mai (10. Mai) starb Herr Johannes Plate, 28. Abt in Doberan. Betet.“ erhalten. 1404–1423 Hermann Bokholt 1424–1442 Bernhard Witte aus Wismar 1442–1457 Johann V. Vramt 1457–1459 Nikolaus I. 1459–1465 Johann V. Vramt 1465–1489 Johann VII. WilkenGrabplatte erhalten. 1489–1498 Franz MeyneEintrag im Rostocker Matrikelportal; Grabplatte erhalten. 1499 Laurentius I. 1501–1504 Heinrich II. Mutzel von RatzeburgEintrag im Rostocker Matrikelportal; Grabplatte erhalten. 1506–1536 Nikolaus II. 1541–1543 Laurentius II. TammeImmatrikulation und Promotion zum Bakkalar im Rostocker Matrikelportal 1549–1552 Nikolaus III. PeperkornGeorg Christian Friedrich Lisch: Der letzte Abt des Klosters Doberan. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Band 38 (1873), S. 5–12 Digitalisat

Säkularisation Die Reformation und die Lehren Martin Luthers fanden zunehmend auch Anhänger in Mecklenburg. Die bedeutendsten Anhänger der neuen Lehre waren die beiden mecklenburgischen Herzöge Heinrich V. und Albrecht VII. Albrecht VII. wandte sich jedoch bald wieder dem Katholizismus zu, während sich sein Bruder Heinrich V. zum neuen Glauben bekannte und im Jahr 1526 dem Torgauer Bund beitrat. Der offene Konflikt zwischen den Brüdern führte am 7. Mai 1520 zu einer Teilung Mecklenburgs (Neubrandenburger Hausvertrag) in die Teile Schwerin und Güstrow. Das Kloster Doberan fiel nun in den Herrschaftsbereich Schwerins, welches Heinrich V. unterstand. Dieser berief 1521 Joachim Slüter als Reformator für Mecklenburg an die Universität Rostock. Durch Slüter bestand ein enger Kontakt nach Wittenberg. Slüter trieb die Reformation in Mecklenburg voran. Das Doberaner Kloster stand zwar unter dem Schutz des Herzogs, doch bei einer 1552 durch Johann Albrecht I. initiierten Generalvisitation wurde eine revidierte Kirchenordnung publiziert, in der die Säkularisation der Landesklöster und die Einverleibung ihrer Besitzstände in das landesherrliche Domanium geregelt war. Damit endete klösterliche Leben im Doberaner Kloster, welches erst 1530 durch Kaiser Karl V. eine Bestätigung seiner Privilegien erhalten hatte.

Am 7. März 1552 kam es zu einem Vergleich zwischen dem amtierenden Abt Nikolaus Peperkorn und dem Herzog. Der Abt bestätigte dem Herzog, dass er das Kloster und die Besitztümer übergeben habe. Er zog mit seinen noch lebenden Mitbrüdern in das Tochterkloster Pelplin. Vermutlich kam es schon vorher zu einem Niedergang des Klosters, denn es hatte seine geistliche Vormachtstellung schon 1419 an die gerade gegründete Universität Rostock abgeben musste. In Doberan wurde ein herzogliches Amt eingerichtet und das Kloster und dessen Besitz durch den herzoglichen Hauptmann Jürgen Rathenow in Besitz genommen. Aus der Klosterkirche wurden die Reliquien entfernt und die Klosteranlagen teilweise zerstört. Herzog Ulrich von Mecklenburg-Güstrow konnte diesem Prozess Einhalt gebieten und die Klosterkirche retten. Er wollte die Kirche als Grablege des Fürstenhauses erhalten. Bald danach begann auf Veranlassung seiner Gemahlin, der Herzogin Elisabeth, eine Sanierung der Klosterkirche.

16. Jahrhundert bis heute