mini|Jacques de Molay Jacques de Molay, auch Jacob de Molay und Jacobus von Molay (* zwischen 1240 und 1250 in Molay, heutiges Département Haute-Saône in der Freigrafschaft Burgund (Franche-Comté); † 11. oder 18. März 1314 in Paris) war der dreiundzwanzigste und letzte Großmeister des Templerordens. In seine Zeit als Großmeister fällt die Zerschlagung des Templerordens durch König Philipp IV. von Frankreich und die offizielle Auflösung des Ordens durch Papst Clemens V. beim Konzil von Vienne (1312). Zwei Jahre später wurde Jacques de Molay zusammen mit Geoffroy de Charnay auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.
Leben Herkunft Über das Leben Jacques de Molays vor seiner Zeit als Großmeister des Templerordens ist nur weniges zweifelsfrei belegt. Schon das Geburtsjahr lässt sich nicht mit Bestimmtheit feststellen. Man kann jedoch annehmen, dass de Molay um 1244 geboren wurde. Dies ergibt sich ausgehend von 1265 (Eintritt in den Templerorden) daraus, dass die Ordensregel die Aufnahme Erwachsener vorsah, d. h. die Aufnahme nach dem Ritterschlag, der üblicherweise im Alter von 20 Jahren erfolgte. Da jedoch auch Fälle belegt sind, in denen die Aufnahme in den Orden schon früher erfolgte, ist dies auch bei de Molay möglich und ein um wenige Jahre späteres Geburtsjahr nicht auszuschließen.
Bei der Herkunft ist gesichert, dass er aus der Freigrafschaft Burgund, der heutigen Region Bourgogne-Franche-Comté stammte. Da de Molay adelig sein musste, um Tempelritter zu werden, lässt sich die Herkunft auf zwei Gemeinden einschränken: Jacques de Molay stammte entweder aus der Ortschaft Molay im heutigen Département Jura, die damals zum Lehen von Rahon gehörte, oder aus Molay im heutigen Département Haute-Saône, das damals zum Dekanat Traves in der Diözese Besançon ressortierte. Aufgrund einiger Indizien kann angenommen werden, dass de Molay aus dem Ort Molay im Dekanat Traves stammt. Ein Geschlecht de Molay aus dem ländlichen, niederen Adel ist dort seit dem Jahr 1138 urkundlich belegt. Jacques ist möglicherweise ein Sohn des Gérard de Molay, der als Vasall des Seigneurs von La Rochelle 1233 urkundlich erwähnt wird.
Die Freigrafschaft Burgund gehörte damals zum Heiligen Römischen Reich, die de Molays waren also Untertanen des römisch-deutschen Kaisers. Jacques de Molay wuchs in der Zeit der Kreuzzüge des Königs Ludwig IX. von Frankreich auf. Über seine Kindheit und Jugend ist sonst nichts bekannt. Man kann annehmen, dass die Berichte und Erzählungen der heimkehrenden Kreuzritter aus dem benachbarten Frankreich auch den jugendlichen de Molay beeinflussten.
De Molay als Templer Im Jahre 1265 wurde Jacques (nach eigenen Angaben) von Humbert de Pairud, Generalvisitator des Ordens in Frankreich und England, sowie von Amaury de la Roche, dem Ordensmeister der Provinz Frankreich, in der Ordenskapelle der Komturei Beaune in den Templerorden aufgenommen. Über die Beweggründe seines Eintritts ist nichts bekannt. Entsprechend dem damals Üblichen kann man annehmen, dass sozialer oder wirtschaftlicher Druck den jungen Adeligen in die Reihen der Kreuzritter führte oder dass er von seinem Vater für die kirchliche Laufbahn prädestiniert worden war (der Templerorden galt als geistlicher Orden). Es wäre aber auch möglich, dass der Lehnsherr sich dem Kreuzzug anschloss und alle Vasallen ihm folgen mussten.
De Molay gab später an, als junger Ritter unter dem Großmeister Guillaume de Beaujeu im Orient gewesen zu sein. Beaujeu wurde 1273 zum Großmeister gewählt. Daraus kann man schließen, dass de Molay irgendwann zwischen 1270 und 1282 ins Heilige Land kam. Zu dieser Zeit näherte sich die Herrschaft der Kreuzfahrer in der Region bereits ihrem Ende. Den Grandes Chroniques de France ist zu entnehmen, dass sich der kampfbegierige junge Ritter gegen den Großmeister aufgelehnt zu haben scheint, weil er dessen Linie, in der Zeit des Waffenstillstandes mit dem Sultan der Mameluken einen friedlichen Ausgleich zu suchen, anfangs nicht mittragen wollte.
Großmeister des Ordens hochkant|mini|Großmeisterwappen des Jacques de Molay: „Geviert von Silber und Blau, in 1 und 4 ein durchgehendes rotes Tatzenkreuz, in 2 und 3 ein goldener Schrägbalken.“ (Jacques de Molays eigenes Wappen war: „In Blau ein goldener Schrägbalken.“)
Im September 1291 – nach dem Fall von Akkon und damit dem Ende der Kreuzfahrerstaaten – nahm de Molay am Generalkapitel des Ordens in Zypern teil und wurde als Nachfolger von Pierre de Sevry, der in Akkon gefallen war, zum Marschall des Ordens gewählt. 1292, vermutlich im Februar, starb der Großmeister Thibaud Gaudin. Jacques de Molay wurde daraufhin zum Großmeister des Ordens gewählt. Dies muss vor dem 20. April 1292 gewesen sein: Ein Brief an den Meister der Provinz Aragón mit diesem Datum, den de Molay als Großmeister unterzeichnet hat, liegt im Archivo General de la Corona de Aragón in Barcelona vor.
1293 brach er zu einer ausgedehnten Reise in den Okzident auf, die ihn zunächst in die Provence führte. Im August 1293 nahm er am Generalkapitel des Ordens in Montpellier teil. 1294 reiste er nach England und anlässlich der Wahl von Papst Bonifaz VIII. nach Italien. Anfang 1296 kam er zu einem weiteren Generalkapitel des Ordens nach Arles. Im Herbst kehrte er nach Zypern zurück. Diese Reise hatte zunächst den Zweck, mit den europäischen Herrschern Übereinkommen zu erzielen, um die angestrebte Rücknahme der Privilegien der Templer zu verhindern (die Templer waren von sämtlichen Abgaben, Steuern und Lehnspflichten befreit). Auch wurden zwischen den Templern und dem Königshaus von Aragón intensive Verhandlungen einen Tausch von Ländereien betreffend geführt. In England erreichte er die Herabsetzung einer Strafzahlung, die über den örtlichen Ordensmeister verhängt worden war. Mit König Karl II. von Neapel verhandelte er über die Aufhebung von besonderen Kontrollen der Templerschiffe. Vor allem ging es aber darum, Unterstützung für das Heilige Land zu erhalten. Nach dem Fall Akkons 1291 bedeutete das die Verteidigung der verbliebenen christlichen Staaten auf Zypern (wohin sich auch die Templer zurückgezogen hatten) und in Armenien. Außerdem mussten die stark geschrumpften Reserven des Ordens an Kämpfern und Material wieder ergänzt werden. So setzte sich de Molay in seinen Verhandlungen mit den einzelnen Herrschern dafür ein, dass sämtliche Exporte von den einzelnen Tempelgütern nach Zypern von allen Zöllen befreit werden sollten. Letztlich sollte der Boden bereitet werden für die angestrebte Rückeroberung des Heiligen Landes, denn diese blieb das Hauptanliegen der Ritterorden.
In Limassol auf Zypern befand sich der Hauptsitz der Templer. De Molay suchte einen Ausgleich mit König Heinrich II. von Zypern. Dieser wollte die Einkünfte der Orden – das betraf neben den Templern auch die Johanniter und Zisterzienser – beschränken und ihnen den weiteren Landerwerb untersagen. In den Verhandlungen darüber ersuchte de Molay auch Papst Bonifaz VIII. um Vermittlung.
Ab 1299 setzte sich de Molay massiv dafür ein, zusammen mit anderen christlichen Streitkräften und im Bündnis mit den Mongolen das Heilige Land zurückzuerobern. Ein erster Angriff des persischen Khans Ghazan Ende 1299 erfolgte unter der Teilnahme armenischer Truppen sowie armenischer Templer- und Johanniter-Kontingente. Ghazan richtete zwei Schreiben an die Ritterorden auf Zypern, in der er um Unterstützung ersuchte. Er schickte diese Schreiben aber erst ab, als er schon wochenlang im Feld stand. Die auf Zypern ansässigen Kontingente konnten nicht mehr eingreifen. Ghazan eroberte im Dezember zunächst Aleppo. Am 24. Dezember 1299 errang der Khan mit seinen armenischen Verbündeten einen glanzvollen Sieg über die Mameluken bei Homs; wegen der schlechten Versorgungslage der mongolischen Reiterei musste man aber die Verfolgung der flüchtenden Feinde bald einstellen und vergab so die Chance auf einen nachhaltigen Erfolg. Dennoch gelang es ihnen, in den ersten Monaten des Jahres 1300 Syrien fast vollständig zu erobern. Zugleich verstärkte der Khan seine diplomatischen Bemühungen. Für den November 1300 kündigte er einen neuen Feldzug an.
Im Frühjahr 1300 griff eine kleine Flotte, die aus Abordnungen der Templer, der Johanniter, des Königs von Zypern und des Khans bestanden, Ägypten an; Rosette und Alexandria wurden geplündert. Daraufhin wandte man sich nach Norden gegen Akkon und Tartus; ein Versuch, die Hafenstadt Maraclea einzunehmen, scheiterte aber. Molay betrieb die Koordination mit den Verbündeten und die Leitung der templerischen Beteiligung an den Unternehmungen von Zypern aus. Ende September brach Ghazan von Täbris auf, während Templer und Johanniter und der König von Zypern ihre Truppen auf der Insel Ruad vor Tartus in Stellung brachten. Doch ein ungewöhnlich strenger Winter brachte den Vormarsch der Mongolen zum Erliegen, und Ghazan musste den Angriff auf die Mameluken auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Einstweilen hielten die Templer die Insel und unternahmen von dort immer wieder Streifzüge auf das Festland. 1302 wurden sie von der Insel vertrieben und erlitten dabei schwere Verluste (siehe Belagerung von Aruad). Die mongolischen Angriffe scheiterten im Jahr 1303 endgültig und Ghazan starb im darauffolgenden Jahr. Dies bedeutete das Ende der christlichen Bemühungen, über Bündnisse mit den Mongolen zum Erfolg zu gelangen.
De Molay blieb in den folgenden Jahren auf Zypern. Im Jahr 1306 kam es auf Zypern zu einer Revolte, in der der Bruder des Königs, Amalrich von Tyrus, die Macht auf der Insel übernahm. In die Revolte, die von Teilen des örtlichen Adels unterstützt wurde, hatten sich de Molay und Foulques de Villaret, der Großmeister der Johanniter, nicht eingemischt, waren aber im Folgenden bemüht, einen Ausgleich zwischen den verfeindeten Brüdern zu erzielen.
Im Oktober 1306 brach de Molay nach Frankreich auf. Papst Clemens V. residierte zu dieser Zeit in Poitiers. Er hatte die Führer der Ritterorden eingeladen, um mit ihnen zwei Anliegen zu besprechen: die Vereinigung der Ritterorden und die Vorbereitung eines neuen Kreuzzuges. Beide Ordensmeister hatten dazu Denkschriften vorgelegt, über die nun beraten werden sollte (die de Molays sind erhalten). Aufgrund einer Erkrankung des Papstes wurde der Termin der Zusammenkunft aber von November 1306 auf das kommende Jahr verschoben.
Zwischen dem französischen König Philipp IV. und de Molay soll es zu Verstimmungen gekommen sein. Ein Grund war, dass der Schatzmeister des Ordens (siehe auch Templerschatz) gleichzeitig der Schatzmeister des Königs war, da die Templer die Staatsfinanzen in Frankreich verwalteten. Der Schatzmeister des Ordens hatte an Philipp IV. eine enorme Summe Geld verliehen, was aber der Zustimmung des Großmeisters bedurft hätte. Dazu kam nun, dass sich de Molay einer Vereinigung der Kreuzfahrer-Orden heftig widersetzte, von der Philipp IV. jedenfalls profitiert hätte, denn er rechnete sich gute Chancen aus, zum Großmeister eines vereinigten Ordens aufzusteigen.
In Frankreich, England und Spanien kursierten allerhand Gerüchte über angebliche Verfehlungen der Templer. Die Vorwürfe betrafen häretische Praktiken wie Götzendienst, Verleugnung Christi im Aufnahmezeremoniell und Laienabsolution sowie mangelnde Wohltätigkeit, Habsucht und Anmaßung. Guillaume de Nogaret, ein Vertrauter des französischen Königs, hatte bereits 1305 Ermittlungen gegen die Templer eingeleitet, um belastendes Material zu sammeln. Dieses sollte in erster Linie dazu dienen, den Papst, dem der Templerorden unterstand, zu erpressen. Bei einer Unterredung mit dem König versuchte de Molay, einige Praktiken des Templerordens wie die Laienabsolution zu entschuldigen. De Molay ersuchte den Papst selbst um eine Untersuchung der Vorwürfe. Der Papst stimmte zu und behielt sich die Leitung der Untersuchungen vor. Er kündigte an, diese Untersuchungen in der zweiten Oktoberhälfte 1307 zu beginnen.