Die BSG Stahl Brandenburg war eine Betriebssportgemeinschaft in der Stadt Brandenburg an der Havel. Sie wurde am 20. November 1950 gegründet. Erfolgreiche Sektionen waren Fußball und Handball, von denen Mannschaften zeitweise in der jeweils höchsten Spielklasse der DDR antraten. Nach der politischen Wende 1989/90 gründeten sich einige Sektionen in neue Sportvereine aus, während die vormalige BSG sich als eingetragener Verein in die SG Stahl Brandenburg umstrukturierte.

Geschichte mini|500px|Genese der BSG Stahl Brandenburg von 1950 bis 2022 Die BSG Stahl Brandenburg war eine der größten Betriebssportgemeinschaften der DDR. Zeitweise über 2.000 Mitglieder betrieben in der BSG des Stahl- und Walzwerkes Brandenburg Sport. So gab es zu Hochzeiten mehr als fünfzehn Sektionen. Dies waren unter anderem Fußball, Handball, Rugby, Rudern, Kanu, Leichtathletik, Volleyball, Billard, Schach, Tischtennis, Kegeln, Badminton, Gymnastik, Kraftsport, Boxen, Ringen und Segeln. Daneben war der BSG ein Spielmannszug angegliedert. Die Sportler Stahl Brandenburgs konnten zahlreiche nationale und internationale Erfolge erringen. Die Kanutin Birgit Fischer gewann bei Olympischen Spielen beispielsweise achtmal Gold und viermal Silber, womit sie die erfolgreichste deutsche Olympionikin der Geschichte ist. Überregional bekannt wurden auch die Fußballer, die sieben Jahre in der Oberliga spielten und 1986 sogar am UEFA-Pokal teilnahmen. Auch die Handballer spielten in der DDR-Oberliga. 1990 wurde die BSG in der neuen Rechtsform eingetragener Verein überführt. Sie besteht als SG Stahl Brandenburg fort.

Wappenhistorie 1950–1990

Sektionen Fußball mini|Heimstätte der Fußballer: Stahlstadion Saisondaten 1951–1991 Spielklasse Saison Platz Tore Punkte Kreisliga Brandenburg-Stadt 1951/52 2. n. b. n. b. Bezirksklasse Potsdam, Staffel B 1952/53 7. 45:53 20-20 Bezirksklasse Potsdam, Staffel B 1953/54 2. 97:24 36-12 Bezirksklasse Potsdam, Staffel B 1954/55 2. 47:23 33-11 Bezirksklasse Potsdam, Staffel B (Übergangsrunde) 1955 10. 14:19 9-15 Bezirksliga Potsdam 1956 2. 77:48 48-18 Bezirksliga Potsdam 1957 2. 91:41 38-14 II. DDR-Liga 1958 13. 35:68 14-38 Bezirksliga Potsdam 1959 10. 50:57 22-30 Bezirksliga Potsdam 1960 10. 44:58 21-31 Bezirksliga Potsdam Gruppe 2 1961/62 5. 58:63 37-35 Bezirksliga Potsdam Gruppe 2 1962/63 8. 37:44 21-23 Bezirksliga Potsdam Gruppe 2 1963/64 7. 50:56 26-26 Bezirksliga Potsdam 1964/65 3. 96:40 44-16 Bezirksliga Potsdam 1965/66 4. 56:45 34-22 Bezirksliga Potsdam 1966/67 2. 95:26 48-12 Bezirksliga Potsdam 1967/68 1. 87:19 52-8 Bezirksliga Potsdam 1968/69 3. 89:25 47-13 Bezirksliga Potsdam 1969/70 1. 108:16 53-7 DDR-Liga Staffel Nord 1970/71 8. 42:40 27-25 DDR-Liga Staffel C 1971/72 7. 30:26 19-21 DDR-Liga Staffel C 1972/73 2. 34:21 28-16 DDR-Liga Staffel C 1973/74 6. 43:35 23-21 DDR-Liga Staffel C 1974/75 8. 35:25 22-22 DDR-Liga Staffel C 1975/76 8. 34:34 22-22 DDR-Liga Staffel C 1976/77 8. 21:27 19-25 DDR-Liga Staffel C 1977/78 9. 32:28 19-25 DDR-Liga Staffel C 1978/79 8. 27:33 19-25 DDR-Liga Staffel B 1979/80 4. 29:29 23-21 DDR-Liga Staffel B 1980/81 5. 48:32 26-18 DDR-Liga Staffel B 1981/82 5. 46:38 28-16 DDR-Liga Staffel B 1982/83 1. 53:21 35-9 DDR-Liga Staffel B 1983/84 1. 62:29 34-10 DDR-Oberliga 1984/85 11. 25:39 20-32 DDR-Oberliga 1985/86 5. 27:23 29-23 DDR-Oberliga 1986/87 9. 27:34 23-29 DDR-Oberliga 1987/88 4. 44:37 29-23 DDR-Oberliga 1988/89 11. 36:43 22-30 DDR-Oberliga 1989/90 10. 35:37 24-28

Aufstieg Qualifikation für den UEFA-Cup Abstieg

Die Fußballsektion war die bekannteste der BSG Stahl Brandenburg und wurde 1950 gegründet. Bis zum Jahr 1955 spielte die BSG in der fünftklassigen Bezirksklasse. Da die Fußballsektion der BSG Einheit Brandenburg aufgelöst wurde, übernahm die BSG Stahl deren Startplatz in der viertklassigen Bezirksliga. Bereits drei Jahre später, 1958, stieg Stahl Brandenburg in die drittklassige II. DDR-Liga auf, stieg jedoch nach einem Jahr wieder ab. Nach dem Wiederaufstieg und dem Etablieren in der dritten Liga gelang 1970 Aufstieg in die DDR-Liga, der zweiten Liga im System des DDR-Fußballverbandes. Dort etablierte sich Stahl schnell und wurde bereits in der Saison 1972/73 Zweiter der Staffel C. In der Folge konnte die BSG jedoch nicht an diesen Erfolg anknüpfen und belegte in der spielstarken Staffel C in den nächsten Jahren hintere Plätze. Erst ein Wechsel in die Staffel B ab der Saison 1979/80 brachte Fortschritte. Auf Anhieb wurde der 4. Platz erreicht. In den zwei nachfolgenden Spielzeiten belegte Stahl jeweils den fünften Tabellenplatz, wobei man jeweils hinter dem übermächtigen 1. FC Union Berlin mit mehreren Mannschaften um Platz zwei in der Staffel kämpfte. Zudem konnte Stahl unter Trainer Karl Schäffner mehrere oberligaerfahrene Spieler verpflichten, allen voran Karsten Heine, der sich in der Aufstiegssaison 1983/84 zum Mittelfeldregisseur aufschwang und alle Spiele bestritt. Schon länger spielten da bereits Eckart Märzke, Christoph Ringk und Frank Jeske, die sich zu tragenden Säulen der Stahlelf entwickelten. In der Saison 1982/83 gewann die BSG erstmals ihre Staffel, scheiterte jedoch in der Aufstiegsrunde zur DDR-Oberliga. Dies hatte einen Trainerwechsel zur Folge. Nach fünf Jahren Tätigkeit wurde Karl Schäffner von seinem Amt entbunden und der oberligaerfahrene Heinz Werner verpflichtet. Vor der Saison 1983/84 wechselte der Magdeburger Stürmer Holger Döbbel an die Havel. Auch mit dessen 16 Toren in Liga und Qualifikation setzte man sich nunmehr nach dem Staffelsieg auch in der Qualifikationsrunde erfolgreich durch.

Die Stammelf des Aufsteigers Hubert Gebhardt(28 Jahre / 20 Spiele) Christoph Ringk (24/28) Eckhart Märzke (31/29), Gerhard Kraschina (28/29), Winfried Kräuter (27/29) Karsten Heine (29/30), Michael Schulz (26/29) , Rainer Fliegel (31/28) Frank Jeske (24/30), Peter Schoknecht (25/26), Holger Döbbel (23/25)

Für die nachfolgende erste Oberligasaison verstärkte sich Stahl mit weiteren späteren Leistungsträgern wie Eberhard Janotta, Jens Pahlke und Silvio Demuth, zudem reifte mit Juniorennationalspieler Markus Wuckel ein Talent in den eigenen Reihen heran. Auch der eigentlich für die Oberliga gesperrte Torhüter Detlef Zimmer konnte nach einflussreicher Fürsprache des Generaldirektors des Trägerbetriebs Edelstahlkombinats Brandenburg, Hans-Joachim Lauck, an die Havel geholt werden. Zimmer entwickelte sich zu einer der Stützen des neuen Oberligisten. Die Havelstädter beendeten die Saison punktgleich vor der BSG Stahl Riesa auf dem elften Tabellenplatz. Vorentscheidenden Charakter hatte dabei der 1:0-Heimsieg gegen die BSG Chemie Leipzig, einem direkten Abstiegskonkurrenten, am drittletzten Spieltag. Schon einen Spieltag später konnte Stahl den Klassenerhalt feiern, da Chemie Leipzig wiederum verlor und durch sein schlechteres Torverhältnis die Brandenburger nicht mehr überholen konnte. Durch einen Heimsieg im letzten Spiel gegen Stahl Riesa zog man sogar noch an den Elbestädtern vorbei. Markenzeichen der Stahlelf war die Heimstärke im Stahlstadion, man verlor von dreizehn Heimspielen nur vier. Auch in der Gunst der Zuschauer lag Brandenburg ziemlich weit oben, sie hatte den sechstbesten Zuschauerschnitt aller Oberligisten bei Heimspielen. Im Sommer 1985 wurde nach zwei erfolgreichen Spielzeiten Heinz Werner zum FC Karl-Marx-Stadt verabschiedet und Peter Kohl, der in der abgelaufenen Saison noch Stahl Riesa trainiert hatte, verpflichtet. Hinzu kamen die Abgänge von Karsten Heine und Markus Wuckel, die nicht adäquat ersetzt werden konnten.

Die zweite Oberligasaison beendete Stahl Brandenburg dennoch überraschend auf dem fünften Platz. Schon nach der Hinrunde, bei der man zwischenzeitlich sogar auf Platz vier stand, befand man sich bereits auf diesem Tabellenplatz. In der Winterpause kam es zu einem Tauschgeschäft zwischen dem BFC Dynamo und Stahl. Der starke Mittelfeldakteur Michael Schulz war den Hauptstädtern aufgefallen und entwickelte sich auch beim Serienmeister zum Stammspieler. Im Gegenzug wurden Bernd Kubowitz und Jan Voß an die Havel delegiert, wobei sich vor allem Voß als Verstärkung entpuppte. Nach einem eher schwachen Rückrundenstart mit zwei Niederlagen und zwei torlosen Unentschieden besiegte die Stahlelf in den drei nachfolgenden Spielen unter anderem den 1. FC Lokomotive Leipzig und auswärts Dynamo Dresden. Durch Spielausfälle begünstigt fanden sich die Havelstädter für einen Spieltag sogar auf Tabellenplatz zwei wieder. In der Endabrechnung waren die Brandenburger nur durch ihr schlechteres Torverhältnis vom punktgleichen Viertplatzierten 1. FC Magdeburg getrennt und ließen zum Beispiel die SG Dynamo Dresden, gegen die die Stahlelf in beiden Spielen gewann, hinter sich. Auch der Zuschauerzuspruch war wieder hoch, die BSG hatte den viertbesten Zuschauerschnitt bei Heimspielen.

Dadurch, dass der 1. FC Lok Leipzig als Vizemeister FDGB-Pokalsieger wurde und damit im Europacup der Pokalsieger startete, berechtigte Platz fünf zur Teilnahme am UEFA-Cup. Am 10. Juli 1986 wurde in Genf der nordirische Vertreter Coleraine FC den Brandenburgern für die erste Runde als Gegner zugelost. Für die dritte Oberligasaison konnte Stahl die Mannschaft zwar zusammenhalten, aber auch keine namhaften Neuzugänge vermelden. Lediglich mit Ingolf Pfahl von Stahl Riesa konnte ein gestandener Abwehrspieler verpflichtet werden, der sich alsbald auch zur Stammkraft entwickelte. Hinzu kam von der TSG Wismar mit Timo Lange ein 18-jähriges Talent, welches sich auch als Verstärkung erweisen sollte. Der Saisonstart begann mit drei Unentschieden in Folge, ehe gegen den FC Vorwärts Frankfurt mit 1:0 der erste Sieg gelang. Abwechslung brachte die Teilnahme am UEFA-Cup, in dem man zuerst auswärts antrat. Beim FC Coleraine wurde ein achtbares 1:1 erreicht, ging dabei durch Eberhard Janotta sogar in Führung. Im Rückspiel siegte die Stahlelf im ausverkauften Stadion vor 18.000 Zuschauern mit 1:0 durch ein Tor von Frank Jeske. In der zweiten Runde bekam man den späteren Europapokalsieger IFK Göteborg zugelost, an dem man letztendlich scheiterte. Das Hinspiel verlor Brandenburg 2:0, das Rückspiel endete vor über 15.000 Zuschauern 1:1 (Torschütze Jan Voß). Erschwerend kam dabei hinzu, dass sich Mitte Oktober mit Janotta und Ferl zwei Leistungsträger verletzt hatten. Dennoch konnte sich Stahl in der Oberliga gut behaupten und bewegte sich in der Rückrunde immer zwischen Platz sieben bis neun. Die Saison wurde auf dem neunten Tabellenplatz beendet, darüber hinaus stieß man bis ins Halbfinale des FDGB-Pokals vor, in dem man beim zu diesem Zeitpunkt schon feststehenden Oberligaaufsteiger Hansa Rostock mit 0:1 verlor.