Die argentinische Rugby-Union-Nationalmannschaft () ist die Nationalmannschaft Argentiniens in der Sportart Rugby Union und repräsentiert das Land bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Sie wird meist als Los Pumas (dt.: Die Pumas) bezeichnet und gilt als beste Mannschaft des amerikanischen Kontinents. Die organisatorische Verantwortung trägt die Unión Argentina de Rugby (UAR).

Einwanderer von den Britischen Inseln verbreiteten den Rugbysport in Argentinien gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Das erste Test Match fand 1910 gegen das britische Auswahlteam British Lions statt. Der Weltverband World Rugby betrachtet Argentinien neben zehn anderen als eine Rugbynation der ersten Stärkeklasse (tier one). Seine wichtigsten internationalen Auftritte hat das Team bei den alle vier Jahre stattfindenden Weltmeisterschaften. Seit deren Einführung im Jahr 1987 hat es an jedem Turnier teilgenommen. Das beste Ergebnis erreichten die Pumas bei der Weltmeisterschaft 2007 in Frankreich mit dem dritten Platz.

Gegen fast alle anderen Nationalmannschaften Amerikas ist Argentinien bis heute unbesiegt geblieben, die einzigen Niederlagen resultierten gegen Kanada (letztmals 2005). Entsprechend ist die Dominanz bei südamerikanischen und panamerikanischen Meisterschaften. Lange Zeit war Argentinien die einzige Mannschaft der ersten Stärkeklasse, die nicht an einem jährlichen Turnier teilnahm. Dies änderte sich 2012, als das Turnier Tri Nations mit der Aufnahme der Pumas zur Rugby Championship erweitert wurde. Seither spielen sie jedes Jahr gegen die Wallabies aus Australien, die All Blacks aus Neuseeland und die Springboks aus Südafrika um den Titel der besten Mannschaft der Südhemisphäre. Bisher wurden vier argentinische Nationalspieler in die World Rugby Hall of Fame aufgenommen. Traditionell spielt Argentinien in himmelblau und weiß gestreiften Trikots, mit weißen Hosen und Socken in himmelblau und weiß – also in den Farben der Flagge Argentiniens.

Organisation

mini|Karte der argentinischen Regionalverbände Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in Argentinien ist die Unión Argentina de Rugby (UAR). Die UAR wurde am 10. April 1899 als River Plate Rugby Union gegründet und wurde 1987 Vollmitglied des International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby). Sie war außerdem im Jahr 1988 Gründungsmitglied des südamerikanischen Kontinentalverbandes CONSUR (Confederación Sudamericana de Rugby; heute Sudamérica Rugby, SAR). Die Unión Argentina de Rugby besteht aus 25 Regionalverbänden, die zu einem großen Teil mit den Provinzen Argentiniens übereinstimmen. Die höchste Rugby-Union-Liga in Argentinien ist die Nacional de Clubes, an der je zur Hälfte Mannschaften aus Buenos Aires und aus den Provinzen teilnehmen. Von 2016 bis 2020 nahm mit den Jaguares eine argentinische Mannschaft an Super Rugby teil, der internationalen Rugbyliga der Südhemisphäre. Seit 2026 nehmen die vier argentinischen Teams Capibaras, Dogos, Pampas und Tarucas an der Profiliga Super Rugby Americas teil. Diese umfasst auch Teams aus Brasilien, Chile, Paraguay und Uruguay. Die meisten Nationalspieler stehen bei europäischen Vereinen in der englischen oder französischen Liga unter Vertrag.

Neben der eigentlichen Nationalmannschaft ruft die UAR weitere Auswahlmannschaften zusammen. Die Pumitas bilden die U-20-Nationalmannschaft und nehmen an der entsprechenden Rugby Championship sowie den Weltmeisterschaften teil. Kinder und Jugendliche werden bereits in der Schule an den Rugbysport herangeführt und je nach Interesse und Talent beginnt dann die Ausbildung. Die zweite Nationalmannschaft Argentiniens bilden die Argentina XV (wobei XV für die Anzahl Spieler im Rugby Union steht). Ab 2010 bestand die Auswahlmannschaft Pampas XV, die zwar ausschließlich aus argentinischen Spielern zusammengesetzt war, aber in Südafrika am Vodacom Cup teilnahm (anschließend bis zur Auflösung 2015 an der World Rugby Pacific Challenge).

Geschichte

Die Anfänge mini|Die erste argentinische Mannschaft vor dem Spiel gegen die British Lions, 1910 Ähnlich wie beim Fußball brachten britische Einwanderer, die für Banken und Eisenbahngesellschaften unter britischer Kontrolle tätig waren, den Rugbysport mit nach Argentinien. Briten waren auch die Gründer der ersten Rugbyvereine und blieben in den ersten Jahrzehnten weitgehend unter sich. Einheimische Spieler waren bei zahlreichen Vereinen zu Beginn gar nicht zugelassen und wurden erst allmählich und nur ausnahmsweise aufgenommen.Spinetto: Ciento veinte años de rugby argentino. S. 9. Das erste Spiel fand 1873 auf dem Gelände des Buenos Aires Cricket & Rugby Club statt, wobei es sich um eine Mischung aus Rugby und Fußball handelte. Am 14. Mai 1874 folgte das erste Spiel nach den standardisierten Regeln der englischen Rugby Football Union (RFU).Spinetto: Ciento veinte años de rugby argentino. S. 8. Sechs Vereine aus Buenos Aires und Rosario gründeten 1899 den Verband River Plate Rugby Union, die spätere Unión Argentina de Rugby (UAR). Bis zur Entstehung des ersten rein argentinischen Vereins vergingen weitere fünf Jahre. Ihm gehörte unter anderem der Luftfahrtpionier Jorge Newbery an.

mini|links|hochkant|Reginald Cooper, Mannschaftskapitän 1928 Anlässlich der Hundertjahrfeier der Mai-Revolution reiste 1910 eine Auswahl englischer und schottischer Spieler nach Argentinien. Die argentinischen Zeitungen bezeichneten die tourende Mannschaft als Combinado Británico; heute wird sie als Reserveauswahl der British Lions betrachtet, die zur selben Zeit durch Südafrika tourte. Das Team gewann alle sechs Spiele. Darunter war das erste Test Match gegen eine Auswahl des argentinischen Verbandes, das am 12. Juni 1910 auf dem Sportplatz der Sociedad Sportiva Argentina stattfand und mit einem 28:3-Sieg der Gäste endete. Auf Seiten der Argentinier standen fast ausschließlich Nachfahren britischer Einwanderer im Einsatz. Einzige Ausnahme war Barry Heatlie, der früher für Südafrika gespielt hatte und bei der weiteren Verbreitung des Rugbysports in Argentinien eine führende Rolle innehatte.

Auf Einladung der River Plate Rugby Union reisten die British Lions im Juli und August 1927 zum zweiten Mal nach Argentinien. Das Gästeteam stand unter der Leitung von James Baxter, dem damaligen RFU-Präsidenten. Die Briten bestritten in Buenos Aires neun Spiele und blieben unbesiegt. Darunter waren auch vier Test Matches, die Argentinien alle mit mehr als 30 Punkten Unterschied verlor. Trotz der deutlichen Unterlegenheit der Gastgeber erwies sich die Tour als großer finanzieller Erfolg. Die Junior Springboks, die Juniorenauswahl Südafrikas, waren im Juli 1932 zu Besuch; sie traten unter anderem zu zwei inoffiziellen Länderspielen an und gewannen beide deutlich. Im August 1936 besuchten die British Lions Argentinien zum dritten (und bisher letzten) Mal, wobei sie alle zehn Partien für sich entschieden. Darunter war auch ein Spiel gegen die argentinische Nationalmannschaft, das trotz der Genehmigung der Tour durch das International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby) nicht als Test Match zählte. Einen Monat später reiste die Nationalmannschaft erstmals überhaupt ins Ausland. Dabei gewann sie in Valparaíso beide Test Matches gegen Chile deutlich. Die Chilenen statteten im August 1938 einen Gegenbesuch ab, wobei den Argentiniern der erste Heimsieg gelang.

Nachkriegsjahre mini|links|Das argentinische Team bei der Südamerika-Meisterschaft 1951 mini|hochkant|Argentinien gegen Frankreich, Titelbild von El Gráfico, 1954 Wegen des Zweiten Weltkrieges kam es zu einer elfjährigen Unterbrechung des internationalen Spielbetriebes. Im August und September 1949 war mit Frankreich erstmals eine europäische Nationalmannschaft in Argentinien zu Gast. Die zwei Test Matches gegen die Franzosen am Ende der neun Spiele umfassenden Tour gingen zwar verloren, doch das Ergebnis fiel jeweils wesentlich knapper aus als erwartet. Eines der Haupthindernisse bei der Weiterentwicklung des argentinischen Rugbys war die geographische Isolation des Landes in Bezug auf andere wichtige Rugbynationen. Obwohl in Brasilien, Chile, Paraguay und Uruguay ebenfalls Rugby gespielt wurde, ist das Spielniveau in Argentinien seit jeher um Klassen besser, weshalb die Nationalmannschaft in Südamerika weitestgehend konkurrenzlos ist. Dies zeigte sich exemplarisch bei der 1951 erstmals ausgetragenen Südamerikameisterschaft, bei der die Argentinier den anderen Teilnehmern nicht den Hauch einer Chance ließen. Bis zu ihrer letztmaligen Teilnahme im Jahr 2013 verloren sie kein einziges Spiel.

Im August und September 1952 reiste die irische Nationalmannschaft durch Südamerika, doch die Durchführung dieser Tour schien zunächst unsicher. Kurz nach der Abreise der Iren verstarb die argentinische Präsidentengattin Eva Perón, worauf Staatstrauer herrschte. Alle neun in Buenos Aires vorgesehenen Spiele fanden trotzdem statt, darunter beide Begegnungen mit dem argentinischen Nationalteam. Diese endeten mit einem Unentschieden und einem Sieg für Irland, erhielten aber keinen Test-Match-Status. Dennoch hatten die Argentinier bewiesen, dass sie durchaus mit europäischen Teams mithalten konnten, was der Verband als ermutigend betrachtete. Zwei Jahre später reisten die Franzosen zum zweiten Mal nach Argentinien und entschieden beide Test Matches in Buenos Aires relativ deutlich für sich.

Nachdem mehrere Anläufe, die Universitäten Oxford und die Cambridge zu einem prestigeträchtigen Besuch nach Argentinien zu holen, gescheitert waren, gelang dies schließlich 1956. Die gemeinsame Auswahl beider Universitäten, der auch mehrere englische Nationalspieler angehörten, blieb in beiden Begegnungen mit der argentinischen Nationalmannschaft siegreich und entschied auch die übrigen Spiele für sich. Noch besser mit der internationalen Konkurrenz mithalten konnten die Argentinier im September 1959, als die Junior Springboks erstmals nach über einem Vierteljahrhundert wieder durch Südamerika tourten. In den beiden Begegnungen mit der südafrikanischen Nachwuchsauswahl fielen die Niederlagen jeweils knapp aus. Die französische Nationalmannschaft war im Juli und August 1960 zum dritten Mal zu Besuch in Argentinien. Während ihrer Südamerikatour gewannen die Gäste alle 13 Spiele, darunter drei Test Matches. Dennoch zeigten sie sich von den Leistungen der Gastgeber sehr beeindruckt.

Zunehmende internationale Kontakte mini|links|Die argentinische Mannschaft während der 1965-Tour nach Rhodesien und Südafrika mini|Marcelo Pascual erzielt den entscheidenden Versuch gegen die Junior Springboks (1965)