Rüti ist eine politische Gemeinde im Bezirk Hinwil des Kantons Zürich in der Schweiz.

Wappen Blasonierung In Gold ein rotes gotisches R

Geographie Die Zürcher Oberländer Gemeinde Rüti liegt durchschnittlich 465 Meter über dem Meeresspiegel. Der höchste Punkt befindet sich mit 778 Meter über dem Meeresspiegel auf dem Batzberg zwischen Rüti und Wald ZH, einem beliebten Ausflugsziel, das sowohl Wanderern als auch Naturliebhabern beeindruckende Ausblicke bietet. Der tiefste Punkt liegt auf 441 Metern unterhalb der Chüeweid an der Jona, die aus den nördlich gelegenen Tössbergen durch Rüti fliesst. Diese idyllische Flusslandschaft prägt das Ortsbild und bietet eine wichtige Lebensader für die heimische Flora und Fauna.

Geschichte Die Gegend wurde vermutlich im 8. und 9. Jahrhundert besiedelt. Der Ortsteil Fägswil wurde 807 in einer Sankt Galler Urkunde zum ersten Mal genannt. In einer Urkunde von Kaiser Otto II. (955–983) aus dem Jahr 972 wurde Rüti als Riutun bezeichnet. Der Name geht auf das schweizerdeutsche Wort Rüti zurück. Es bedeutet „Rodung, von Holzwuchs und Buschwerk gereinigtes, urbar gemachtes Stück Land“.Schweizerisches Idiotikon Band VI Sp. 1811ff.

1206 wurde das Kloster Rüti durch Lütold IV. von Regensberg gegründet. Um das Kloster entstand ein kleinbäuerliches Dorf, dessen Bewohner Ackerbau, Viehwirtschaft, landwirtschaftliche Lohnarbeit und Textilverarbeitung betrieben. Auf dem Batzberg erbaute ein Zweig der Meyer von Dürnten, Ministerialen der Grafen von Toggenburg und des Klosters Einsiedeln, östlich von Fägswil eine Burg. Sie scheint im 14. Jahrhundert aufgegeben worden zu sein; heute sind nur noch Reste des Halsgrabens zu erkennen. 1238 erwarb das Kloster Rüti die freien Leute des heutigen Ortsteils Ferrach von den Grafen von Toggenburg für 80 Mark Silber Zürcher Währung und übernahm Rechte und Pflichten der Toggenburger Vogtei. Das Kloster vertrat damit erstmals öffentlich-rechtliche Funktionen, die Kaufurkunde wurde für die nächsten 300 Jahre zur Offnung (Gemeindeordnung) für die Bewohner des Weilers, die jeweils an Gerichts- und Schwörtagen vorgelesen wurde.

1408 kam Rüti als Teil der Landvogtei Grüningen unter Zürcher Obrigkeit. Das Klostergut ging nach Aufhebung des Klosters im Zuge der Reformation in den Besitz der Stadt Zürich über, die es im Amt Rüti, repräsentiert durch einen Amtmann, verwalten liess. Das Amthaus, das Innere des Kirchturms und Teile des Kirchenschiffs sowie mehrere der verbliebenen Klostergebäude fielen am 3. Dezember 1706 einem Grossbrand weitgehend zum Opfer und machten 1710 dem Neubau des Amtshauses Platz. Bereits 1833 wurde das Amt Rüti aufgehoben, die noch verbliebenen Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden verkauft und mehrheitlich abgebrochen.

mini|links|Blick von der Schanz auf die verbliebenen Klostergebäude, im Hintergrund die reformierte Kirche (vor 1706)

Rüti verfügte bereits ab Mitte des 16. Jahrhunderts über eine eigene Volksschule im Pfarrhaus – gegründet auf Heinrich Bullingers Initiative hin von den in Rüti verbliebenen Prämonstratenser-Chorherren. Rüti war auch ein Quartier in der Zürcher Militärorganisation. Als Grenzwehr entstanden kurz vor dem Ersten Villmergerkrieg Mitte des 17. Jahrhunderts Befestigungen, die sogenannte Schanz nördlich des Amthauses. Im Pilgersteg wurde 1866 der erste katholische Gottesdienst im Zürcher Oberland nach der Reformation gefeiert. In Tann, in der Gemeinde Dürnten, steht seit 1879 die katholische Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit der 1963 bis 1964 geschaffenen katholischen Kirchgemeinde Rüti.

Das Dorf nahm erst mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert einen wirtschaftlichen Aufschwung. 1847 entstand die Webereimaschinenfabrik Caspar Honegger in der Joweid, die spätere Maschinenfabrik Rüti AG mit weltweiten Beziehungen, später Teil des Georg Fischer-Konzerns, Sulzer Textil und seit 2001 im Besitz der italienischen Promatech. 1833 erhielt Rüti Anschluss an das kantonale Strassennetz und 1859 an die Bahnstrecke Zürich–Uster–Rapperswil. Letztere wurde 1932 elektrifiziert und wird seit 1990 von der S-Bahn Zürich befahren. 1873 eröffnete die Nagelfabrik Hess Pilgersteg, 1886 die Federnfabrik Baumann & Cie (heute: Baumann Federn AG) und 1895 die Zentralheizungen Johann Müller AG. Die Gemeindewerke begannen 1897 ihre Tätigkeit, die Post im Jahr 1911.

Das regionale Einkaufszentrum Bandwies besteht seit den 1970er-Jahren. Das 1875 eröffnete Krankenhaus, später Kreisspital, ist im Jahr 2000 aus finanziellen und politischen Gründen geschlossen worden. Heute ist in den Gebäuden das Rekrutierungszentrum von Armee und Zivilschutz für die Kantone Zürich, Zug, Schaffhausen und Thurgau untergebracht. Die Gemeinde hat eine reformierte Kirche. Katholiken besuchen die Kirche Hl. Dreifaltigkeit in Tann. Im Jahr 2007 wurde das 1200-Jahr-Jubiläum mit verschiedenen Anlässen und Festen gefeiert.

Bevölkerung mini|Rüti ZH, historisches Luftbild von 1919, aufgenommen aus 300 Metern Höhe von Walter Mittelholzer mini|Das Gemeindehaus mit der Gemeindeverwaltung mini|Die evangelisch-reformierte Kirche, links das Amthaus beim Klosterhof mini|Das Krematoriumsgebäude im Friedhof auf dem Chlaus, zusammen mit der reformierten Kirche seit November 2009 ein Objekt der Klasse A im KGS-Inventar des Bundes mini|Die römisch-katholische Kirche in Tann, im Bildhintergrund der Bachtel

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1634 139 1764 701 1850 1'292 1900 4'796 1950 6'647 1970 9'546 1990 10'513 2000 11'153 2010 11'934 2019https://statistik.zh.ch/internet/justiz_inneres/statistik/de/daten/gemeindeportraet_kanton_zuerich.html#a-content (abgerufen am 7. Februar 2020) 12'254 2023 12'862

Rüti hat über 10'000 Einwohner und ist somit eine Stadt, auch wenn das Leben in Rüti eher dörflich ist und das Stadtrecht nie erworben wurde. Der Ausländeranteil liegt bei über 20 Prozent. Die Einwohnerzahl überstieg 1971/72 erstmals die Grenze von 10'000 Einwohnern, sank aber in den nächsten Jahren infolge der Rezession markant, stieg aber in den späten 1990er-Jahren wieder deutlich an.

Religion Am 31. Dezember 2018 gehörten 29,01 % der Bevölkerung der katholischen Kirche und 27,57 % der evangelisch-reformierten Kirche an.

Innerhalb der regionalen Sektion der Evangelischen Allianz sind aus Rüti die Evangelisch-Reformierte Kirche, die Chrischona-Gemeinde, die Evangelische Täufergemeinde ETG und die Freie Evangelische Gemeinde vertreten (Stand 2019).http://www.each.ch/ea-r%C3%BCti-tann-d%C3%BCrnten.html (abgerufen am 11. Juni 2019).

Von den anderen Kirchen hat es in Rüti eine Neuapostolische Kirche.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat setzt sich aus folgenden neun Personen zusammen (Stand 1. Juli 2022):Gemeinderat Rüti In: www.rueti.ch, 27. Februar 2022. Abgerufen am 19. September 2022. https://www.rueti.ch/politik-verwaltung/gemeinderat.html/247 Yvonne Bürgin, Die Mitte Carola Arn, EVP Beatrix Dubler, FDP Roger Hess, Die Mitte Claudia Lehmann, SP Stephan Müller, FDP Bruno Rüegg, GLP Thomas Stauber, SVP Peter Weidinger, Die Mitte

Gemeindepräsidentin ist Yvonne Bürgin.Resultate Gemeinderatswahlen In: www.rueti.ch, 27. Februar 2022, abgerufen am 30. Juni 2022.

Nationale Wahlen Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Rüti (in Klammern Veränderung in % gegenüber 2019):

SVP 30,35 % (+0,26), SP 16,14 % (+2,79), Mitte 14,44 % (+2,69), Grüne 9,37 % (−3,22), FDP 8,84 % (−0,95), glp 7,82 % (−2,75), EDU 4,77 % (+0,39), EVP 4,67 % (−1,08).

Wirtschaft und Infrastruktur Rüti beheimatet Geschäfte wie Coop, Migros, Denner, Aldi und Dosenbach. Alle grossen Läden ausser Aldi sind an der Bandwiesstrasse zu finden, welche das Zentrum von Rüti bildet. Die zwei grössten Einkaufszentren sind, wie fast in jeder grösseren Stadt in der Schweiz, der Coop und die Migros. Der Coop ist im Jahr 2001 in ein grösseres Gebäude gezogen. Die Migros wurde im Jahr 2004 umgebaut und das Sortiment erweitert.

Verkehr Öffentlich Rüti liegt an der Bahnstrecke Rapperswil–Uster–Zürich (ehemals Glatthalbahn) und ist zudem Ausgangspunkt der ehemaligen Tösstalbahn. Bedient wird der Bahnhof Rüti von den Linien , (seit Dezember 2006) und (Tösstallinie) der S-Bahn Zürich sowie im Nachtnetz am Wochenende von der :

Die Verkehrsbetriebe Zürcher Oberland (VZO) betreiben seit 1946 ein dichtes Busnetz im Zürcher Oberland, wozu seit 1988 ein gut ausgebautes Ortsbusnetz in Rüti gehört.

Es existieren folgende Buslinien, die durch die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) bedient werden:

Bahnhof Rüti – Wald – Gibswil – Fischenthal – Steg – Bahnhof Bauma (nur abends ab ca. 20 Uhr; Bahnersatz) Bahnhof Rüti – Tann – Oberdürnten – Hadlikon – Bahnhof Hinwil Bahnhof Rüti – Bad Kämmoos – Bubikon – Wolfhausen – Hombrechtikon – Stäfa Frohberg Bahnhof Rüti – Bandwies – Drei Eichen – Bahnhof Rüti (Rundkurs) Bahnhof Rapperswil – Kempraten – Rüti – Wald – Laupen – Goldingen – Atzmännig

Daneben existiert folgende Buslinie, die durch die Schneider AG bedient wird: Bahnhof Rüti – Ermenswil – Eschenbach – Neuhaus – Uznach – Kaltbrunn

Strassen Rüti ist Kreuzungspunkt der Hauptstrasse 15 Rapperswil–Tösstal–Winterthur–Schaffhausen mit der Hauptstrasse 345 Eschenbach SG–Wetzikon–Grafstal ZH. Nebenstrassen verbinden Rüti mit Nachbardörfern und -gemeinden, nach Norden mit Tann, Dürnten und Oberdürnten, im Osten mit Fägswil, Wald und Laupen. Die Hauptstrasse 336 nach Hombrechtikon bietet im Kämmoos Anschluss an die Oberlandautobahn A15, ebenso die Hauptstrasse 15 südlich von Rüti beim Anschluss 12 Rapperswil.

Industrie Als wichtigster Industriezweig in Rüti galt lange Zeit die Textil- und Webmaschinenindustrie. 1816: Baumwollspinnerei Honegger im Wydacher 1857–1960: Mechanische Seidenweberei Rüti 1873: Nagelfabrik Hess im Pilgersteg 1886: Federnfabrik Baumann & Cie. (heute: Baumann Federn AG) 1895: Zentralheizungen Johann Müller AG 1904: Möbelfabrik Embru bis 1982: Maschinenfabrik Rüti, Teil des Georg-Fischer-Konzerns Ab 1982: Sulzer AG, welche jedoch im Jahr 2001 das Unternehmen Sulzer Textil gänzlich an italienische Besitzer verkaufte

In Rüti fand eine Umstellung vom Industriedorf zum Dienstleistungsdorf statt.

Abwasserreinigung ARA Rüti, Abwasserreinigungsanlage Grubensteg an der Jona

Bildung mini|Sekundar- und Realschule, rechts die Turnhalle (2011)

Rüti hat zehn Schulhäuser. Die Berufsschule am Sonnenplatz für die Technische Ausbildung, die Schulhäuser Widacher, Lindenberg, Schlossberg, Eschenmatt, Alpenblick, Ferrach und Fägswil für die Primarschule und die Schulhäuser Schanz und Egg für die Sekundarschule. Mit der 2004 abgeschlossenen Gesamterneuerung wurden die bislang zwei getrennten Gebäudekomplexe zusammengefasst.http://www.osrueti.ch/p80000412.html Geschichte der Sekundarschule Rüti (abgerufen am 23. Juli 2011).

Kultur Die Gemeinde hat ein reiches Vereinsleben mit rund 120 Vereinen aller Art, ein Ortsmuseum ("Gemeindechronik") und seit 2013 eine erweiterte Bibliothek für Rüti und dessen Nachbargemeinde Dürnten. Die Reformierte Kirche Rüti und das Krematoriumsgebäude im Friedhof auf der Chlaus-Anhöhe sind seit November 2009 als Objekte der Klasse A (KGS-Nr. 7648) im KGS-Inventar des Bundes aufgenommen.

Sehenswürdigkeiten

Freizeit und Erholung Südöstlich von Fägswil liegt das Naherholungsgebiet Grossweierriet. Der Bachtel als Zürcher Oberländer Hausberg ist ein Ausflugsziel. Auf den Wanderwegen durch Wälder, Naturschutzgebiete und Weiler, entlang von Bächen, Weihern und Wasserfällen zu den Aussichtspunkten, kann man sich am Bachtel mit seinem markanten Sendeturm und dem zwischen Wald und Rüti gelegenen Batzberg (778 m. ü. M.) orientieren.

Höhlen und Grotten:

– Batzberghöhle: Unterhöhlung hinter einem Giessen, im Westen des Batzbergs, ca. 600 Meter südsüdöstlich des Hofes Büel

– Guldenberghöhle mit Giessen, zwischen Rüti und Wald, im Quellgebiet des Goldbaches im Südosten des Batzbergs

– Batzberggrotte mit unterirdischem See, östlich der Guldenberghöhle, nahe Ruine Batzberg