Billstedt ist der östlichste Stadtteil im Bezirk Hamburg-Mitte der Freien und Hansestadt Hamburg. Er umfasst die ehemals selbständigen Dörfer Kirchsteinbek, Öjendorf und Schiffbek sowie die Großsiedlung Mümmelmannsberg. Mit rund 73.000 Einwohnern ist er der zweitgrößte Hamburger Stadtteil nach Rahlstedt.
Geographie mini|Billstedt um 1790, damals noch Schiffbeck, Öjendorf, Schle(e)m und (Kirch-)Steinbeck
Innere Stadtteilgliederung Im westlichen Teil an der Grenze zu Hamburg-Horn überwiegt eine niedriggeschossige Bebauung von früheren Arbeitersiedlungen, teils auch als Reihenhaussiedlungen mit angeschlossenen Hintergärten.
Im Nordosten deckt sich die Bezirksgrenze mit dem Verlauf der Autobahnen 24 und 1, die hier am Kreuz Hamburg-Ost zusammentreffen. Auf Billstedter Gebiet liegen dabei die Autobahn-Anschlussstellen Hamburg-Jenfeld (A 24) sowie Hamburg-Öjendorf und Hamburg-Billstedt an der A 1. Dazwischen liegen in dem Viereck bis zum Jenfelder Bach bzw. dem ehemaligen Stadtteil Schiffbek im Westen und bis zur Glinder Straße bzw. der Siedlung Öjendorf im Süden 4½ Quadratkilometer weitgehend unbebauter Fläche. Diese besteht größtenteils aus dem Öjendorfer Friedhof und dem Öjendorfer Park mit dem etwa 46 Hektar großen Öjendorfer See. Im nördlichen Teil, der an Jenfeld grenzt, liegt die kleine Hochhaussiedlung Dringsheide.
Der südliche Teil in dem Dreieck zwischen dem Straßenzug Schiffbeker Höhe / Glinder Straße und der Autobahn-Anschlussstelle Hamburg-Billstedt ist weitgehend mit Einfamilienhäusern bebaut. Der südöstliche Zipfel an der Grenze zu Oststeinbek und zum Bezirk Bergedorf wird von der Großsiedlung Mümmelmannsberg eingenommen.
Eine typische Stadtkernbebauung mit mehrgeschossigen Häusern und Ladengeschäften ist nur im Bereich der südlich an der Grenze zu Hamburg-Billbrook gelegenen Gabelung der Möllner Landstraße und der Billstedter Hauptstraße anzutreffen. Hier liegt auch rund um den U-Bahnhof Billstedt das Stadtteilzentrum mit dem Kundenzentrum Billstedt des Bezirks Mitte, einem Einkaufszentrum (Billstedt Center) und dem Busbahnhof. Die Südgrenze bildet die namensgebende Bille.
Nachbarstadtteile und -gemeinden Der Stadtteil wird umgrenzt von: Jenfeld (Bezirk Wandsbek) im Norden Barsbüttel, Oststeinbek (beide Kreis Stormarn) im Osten Lohbrügge und Billwerder (Bezirk Bergedorf) im Süden Billbrook (Bezirk Hamburg-Mitte) im Südwesten Horn (Bezirk Hamburg-Mitte) im (Nord-)Westen
Geschichte Billstedt entstand am 2. Februar 1928 aus dem Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen, zum Kreis Stormarn gehörigen und damit preußischen Gemeinden Kirchsteinbek, Öjendorf und Schiffbek. Den Namen entwickelten die drei Gemeinderäte in einer längeren Diskussion; er bezieht sich auf den Fluss Bille, der die neue Ortschaft südlich begrenzte.Horst Beckershaus: Die Namen der Hamburger Stadtteile. Woher sie kommen und was sie bedeuten, Hamburg 2002, ISBN 3-434-52545-9, S. 21 Bei der Reichstagswahl März 1933 stimmten in Billstedt 27,5 % für die NSDAP, 5,5 % für die DNVP, 33,3 % für die SPD und 26,4 % für die KPD bei einer Wahlbeteiligung von 90,2 %. Somit erreichten die beiden linken Parteien SPD und KPD fast 60 Prozent der Stimmen, was zu diesem Zeitpunkt sehr ungewöhnlich war. Im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes wurde Billstedt 1937/38 nach Hamburg eingemeindet. Bei Bauarbeiten auf einem Sportplatz in Billstedt stieß im November 2017 ein Baggerfahrer auf ein Hakenkreuz von vier mal vier Metern, das bis dahin in 40 Zentimeter Tiefe unter der Grasnarbe verborgen war. An der Stelle im Hein-Klink-Stadion hatte früher ein großes Denkmal gestanden. Das Hakenkreuz wurde wenige Tage nach der Entdeckung entfernt.Hamburg – Baggerfahrer legt riesiges Hakenkreuz frei, Spiegel online, 21. November 2017, abgerufen am 23. November 2017.Bezirk entfernt Hakenkreuz
Anfang der 1970er Jahre wurde die Großwohnsiedlung Mümmelmannsberg erbaut. Kirchsteinbek mini|Evangelisch-lutherischer Friedhof in Kirchsteinbek mit Friedhofskapelle
Kirchsteinbek wurde 1216 als Stenbeke erstmals urkundlich erwähnt. Der Name geht auf die Glinder Au, den Ort teilenden steinigen Bach, zurück. Mit dem Bau der ersten Kirche 1239 wurde das Dorf auch Kirchsteinbek genannt. 1321 wurde erstmals eine Kornmühle im Ort genannt. Danach gehörte er auch zum Kloster Reinbek und wurde Zentrumsgemeinde eines Kirchspiels, zu dem 18 weitere Dörfer gehörten. Nach der Reformation und der damit verbundenen Auflösung des Klosterbesitzes kam Steinbek zum landesherrlichen Amt Reinbek.
Nach der Annexion Schleswig-Holsteins durch Preußen wurde der Ort endgültig in Kirchsteinbek umbenannt und dem neu gegründeten Kreis Stormarn zugeordnet. Mit Einführung der preußischen Kommunalverfassung 1889 kam der Ort zum Amtsbezirk Schiffbek. Um 1900 begann die Verstädterung der bisher dörflichen Gemeinde. 1928 wurde Kirchsteinbek mit Schiffbek und Öjendorf zur neuen Großgemeinde Billstedt zusammengelegt. Es hatte damals 2154 Einwohner.
In Kirchsteinbek liegen der Alte und der Neue Friedhof Steinbek.
Öjendorf Öjendorf wurde 1224 erstmals urkundlich als Odingetorpe erwähnt. Der Name führt zurück auf den Familiennamen Olding. Nach 1265 gehörte das Dorf zum Kirchspiel Kirchsteinbek. Zuvor waren die Bewohner – wie auch die aus Schiffbek – nach Hamburg zur Hauptkirche St. Jacobi eingepfarrt. Öjendorf war stets der kleinste der drei Teilorte. Zum Zeitpunkt der Gründung Billstedts wohnten nur knapp 700 Menschen dort. Noch heute sind einige alte Bauernhäuser im Ort erhalten.
Die Freiwillige Feuerwehr Öjendorf wurde offiziell im Jahr 1890 gegründet, wobei Dokumente schon im Jahr 1880 eine Feuerwehr in Öjendorf aufzeigen.
In Öjendorf liegt das Naherholungsgebiet Öjendorfer See und der Hauptfriedhof Öjendorf, der 1966 als zweiter Hauptfriedhof Hamburgs angelegt wurde.
Schiffbek mini|Katholische St.-Paulus-Kirche in Schiffbek mini|Ehemalige Arbeiterwohnungen in Schiffbek an der Billstedter Hauptstraße (errichtet um 1900) Schiffbek wurde 1212 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name, früher Skipbeke, bezeichnet die Stelle, bis zu der die Bille schiffbar war und bedeutet in der wörtlichen Übersetzung „schiffbarer Bach“. Zwar war der Ort dem Hamburger Domkapitel tributpflichtig, verwaltungsmäßig gehörte er jedoch zum Kloster Reinbek, nach der Reformation dann zum landesherrlichen Amt Reinbek.
Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich Schiffbek zu einem Ort mit großen reetgedeckten Bauernhäusern mit Gärten bis an die Bille entwickelt. Viele Hamburger Kaufmannsfamilien wohnten den ganzen Sommer über am Ufer der Bille. In den 1870er Jahren begann die Industrialisierung des Orts.Erhard Dressel: Billstedt`s „vergessene Geschichte“, Hrsg.: Geschichtsgruppe des Stadtteilprojekts Sonnenland, Druck SAGA, Hamburg 1989, S. 6
Durch die Industrialisierung mit ihrer Massenproduktion in Schiffbek wuchs die Einwohnerzahl von 1875 von rund 800 auf etwa 10.000 Bewohner im Jahr 1914 an.Ralph Ziegenbalg: Schiffbek. Vom Dorf vor den Toren zum Arbeiterquartier der Großstadt Hamburg 2012, S. 63 Die Lage an der schiffbaren Bille war entscheidend für Ansiedlung großer Betriebe, später kam der Eisenbahnanschluss der Südstormarnschen Kreisbahn hinzu. Viele Arbeitskräfte wurden aus Osteuropa angeworben. Für sie wurden Arbeiterwohnquartiere errichtet. Am Spökelberg entstanden Villen für die Direktoren und Meisterhäuser. Die Jute-Fabrik trug zum Wachstum wesentlich bei, aber auch Fabriken zur Eisenverarbeitung, Chemische Industrie, die Zinnhütte und die Farbholzfabrik.Ralph Ziegenbalg: Schiffbek. Vom Dorf vor den Toren zum Arbeiterquartier der Großstadt Hamburg 2012, S. 64 Mit dem Anwachsen der Beschäftigten entstand auch eine starke Arbeiterbewegung und -kultur mit Organisationen wie Parteien (SPD, KPD) und ihren Vereinen.Ralph Ziegenbalg: Schiffbek. Vom Dorf vor den Toren zum Arbeiterquartier der Großstadt Hamburg 2012, S. 76 Mit Gründung der Jute-Spinnerei 1881 zogen viele Arbeiter aus Böhmen und dem heutigen Polen nach Schiffbek, das daher Ende des 19. Jahrhunderts auch eine römisch-katholische Gemeinde erhielt. 1889 hatte die Jute-Spinnerei 1200 Arbeiter. Die niedrigen Löhne waren einer der Gründe dafür, dass dort häufig gestreikt wurde. Ein Streik 1911 dauerte sieben Wochen. Aufgrund des geringen gewerkschaftlichen Organisationsgrades hatten die Streiks oft wenig Erfolg.Ralph Ziegenbalg: Schiffbek. Vom Dorf vor den Toren zum Arbeiterquartier der Großstadt Hamburg 2012, S. 72–74 1959 stellte die Fabrik den Betrieb ein; die Gebäude verfielen und wurden beim Bau der B 5 beseitigt.Werner Skrentny (Hrsg.): Hamburg zu Fuß – 20 Stadtteilrundgänge durch Geschichte und Gegenwart. VSA Verlag, Hamburg 1986, S. 277.
Im Rahmen des Hamburger Aufstandes der Kommunistischen Partei Deutschlands wurde am 23. Oktober 1923 die Polizeiwache überfallen und die dort liegenden Waffen erbeutet. Schiffbek entwickelte sich zu einem Zentrum des Aufstandes. Er wurde geleitet von Anton Switalla, Fiete Schulze und Adolf Rembte.Geschichtswerkstatt Billstedt Am Vorabend des Aufstands in Schiffbek Zum Zeitpunkt der Bildung Billstedts hatte der Ort knapp 9000 Einwohner.
Das ehemalige Dorf bildet heute das Zentrum Billstedts. Hier sind ein Kundenzentrum des Bezirksamts, die U-Bahn-Station mit Busbahnhof, ein Einkaufszentrum und eine Fußgängerzone sowie ein Marktplatz mit Wochenmarkt vorhanden.
Statistik Anteil der unter 18-Jährigen: 19,5 % [Hamburger Durchschnitt: 16,8 % (2023)]Hamburger Stadtteil-Profile: Berichtsjahr 2023 Anteil der Haushalte mit Kindern: 21,2 % [Hamburger Durchschnitt: 17,8 % (2023)] Anteil der über 64-Jährigen: 18,2 % [Hamburger Durchschnitt: 17,8 % (2023)] Ausländeranteil: 30,2 % [Hamburger Durchschnitt: 20,7 % (2023)] Anteil von Leistungsempfängern nach SGB II: 19,0 % [Hamburger Durchschnitt: 10,0 % (2023)] Arbeitslosenquote: 9,6 % [Hamburger Durchschnitt: 6,2 % (2023)]
Billstedt zählt zu den relativ einkommensschwachen Hamburger Stadtteilen. Die durchschnittlichen jährlichen Einkünfte pro Steuerpflichtigen betrugen hier im Jahre 2020 etwa 28.713 Euro und sind deutlich geringer als der Hamburger Durchschnitt (48.035 Euro).
2013 gehörten 10.831Drucksache 20/10596 der Hamburgischen Bürgerschaft, S. 46 von insgesamt 31.220Statistikamt Nord: Hamburger Stadtteilprofile 2014, S. 41. NORD.regional: Band 16 Wohnungen im Stadtteil der SAGA Unternehmensgruppe, also knapp 35 Prozent.
Einwohnerentwicklung miniatur|Gedenkstein für Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus vor dem ehemaligen Ortsamt Billstedt 1928: ca. 11.800 1937: 13.661 1988: 68.838 1992: 69.932 1996: 68.763 2000: 68.256 2004: 68.119 2008: 68.982 2010: 69.306 2012: 69.110 Statistikamt Nord: Stadtteilprofile 2013 2013: 69.570 Statistikamt Nord: Hamburger Stadtteilprofile 2014 2023: 72.623
Politik Für die Wahl zur Bürgerschaft zum Wahlkreis Billstedt – Wilhelmsburg – Finkenwerder. Die Bürgerschaftswahlen 2025, 2020, 2015, 2011, 2008, 2004, 2001, 1997, 1993, 1991, 1987, 1986, Dezember 1982 und Juni 1982 führten zu folgenden Ergebnissen:
Bürgerschaftswahl SPD CDU AfD Linke Grüne FDP Übrige2025https://www.wahlen-hamburg.de/B%C3%BCrgerschaftswahl_2025/stadtteilergebnisse_stadtteil_1-02-130.html41,1 %18,3 %14,2 %8,8 %7,2 %1,6 %8,8 %202051,5 %9,3 %10,7 %8,0 %12,1 %3,3 %5,1 %201555,7 %12,9 %9,9 %7,9 %5,0 %4,5 %4,1 %201156,9 %20,1 % –7,4 %5,4 %4,1 %6,1 %200839,5 %40,2 % –8,5 %4,0 %3,5 %4,3 %200436,4 %44,5 % – –4,8 %3,4 %12,0 %200140,3 %22,3 % –0,3 %3,1 %4,4 %31,6 %199743,7 %24,6 % –0,4 %7,0 %2,1 %22,2 %199350,6 %18,9 % – –7,5 %1,9 %21,1 %199158,0 %29,8 % – –3,6 %2,9 %5,8 %198754,3 %36,3 % – –3,9 %4,3 %1,3 %198651,5 %37,4 % – –6,4 %3,0 %1,7 %Dez. 198262,1 %31,6 % – –4,1 %1,4 %0,7 %Jun. 198252,3 %36,4 % – –5,7 %4,1 %1,7 %
Bei den Wahlen zur Bezirksversammlung ist der Stadtteil in die Wahlkreise Billstedt-Nord und Billstedt-Süd (dieser enthält auch den Stadtteil Billbrook) aufgeteilt. Bei Bundestagswahlen gehört Billstedt zum Bundestagswahlkreis Hamburg-Mitte.
Wirtschaft und Infrastruktur