Marjoß ist ein Stadtteil von Steinau an der Straße im osthessischen Main-Kinzig-Kreis.

Geografische Lage Marjoß liegt an der Jossa, einem Zufluss der Sinn, auf einer Höhe von 253 m über NN im Nordosten des Main-Kinzig-Kreises, etwa 7 km südöstlich des Zentrums von Steinau, an der Grenze zu Bayern.

Weitere Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung von Marjoß sind die Barackenhöfe und der Rohrbacherhof.

Geschichte Historische Namensformen In erhaltenen Urkunden wurde Marjoß unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Jazaha (1167), Jazah (1270). Jazza (1311), Mergenjossa (1422). Margasza (1443) und Marjoß (1587).

Auch wird vertreten, dass der Name eine Kurzform von Marienjossa sei. Thomas Klein, S. 115.

Mittelalter Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 1167. Damals besaß das Kloster Schlüchtern in Marjoß die Kirche mit dem Zehnten und alle Besitzungen, mit Wiesen, Wald, Gewässern und allen Rechten. Das Kloster Schlüchtern gehörte im Spätmittelalter zum Einflussbereich der Herrschaft Hanau (ab 1429: Grafschaft Hanau). 1311 wurde ein Gemeindepfarrer von Marjoß erwähnt. Die Kirche gehörte zum Bistum Würzburg. Kirchliche Mittelbehörde war das Archidiakonat Karlstadt. 1422 stritten die von Hutten erfolgreich mit denen von Thüngen um Marjoß. Das Kloster Schlüchtern begab sich 1457 endgültig in die Schutzherrschaft der Grafschaft Hanau (seit 1458: Grafschaft Hanau-Münzenberg). Dort war Marjoß dem Amt Schlüchtern zugeordnet, einem Lehen des Bischofs von Würzburg.

Frühe Neuzeit Die Grafschaft Hanau-Münzenberg schloss sich in der Reformation zunächst der lutherischen Konfession an, ab 1597 war sie reformiert. Die Kirche von Marjoß gehört jetzt zum Dekanat Schlüchtern. Die Eigenschaft als Würzburger Lehen führte nach der Reformation zu Spannungen zwischen der nun evangelischen Grafschaft Hanau-Münzenberg und dem weiter römisch-katholischen Bistum Würzburg. Ein langjähriger Prozess vor dem Reichskammergericht dauerte von 1571 bis 1624 und endete mit einem Restitutionsmandat über das Amt Schlüchtern zugunsten Würzburgs. 1628–1631 war es deshalb von Würzburg besetzt, im Zuge des Dreißigjährigen Krieges 1631–1637 wieder von Hanau und ab 1637 erneut von Würzburg. 1656 kam es zu einem Vergleich zwischen Hanau und Würzburg, wobei Hanau das Amt Schlüchtern – und damit auch Marjoß – erhielt und dem Bistum dafür Orb überließ.Dersch Wilhelm: Hessisches Klosterbuch. Quellenkunde zur Geschichte der im Regierungsbezirk Cassel, der Provinz Oberhessen und dem Fürstentum Waldeck gegründeten Stifter, Klöster und Niederlassungen von geistlichen Genossenschaften. Marburg 1915. S. 108f.

Mit dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., fiel Marjoß 1736 mit der ganzen Grafschaft Hanau-Münzenberg an die Landgrafschaft Hessen-Kassel, aus der 1803 das Kurfürstentum Hessen wurde.

Neuzeit Während der napoleonischen Zeit stand Marjoß ab 1806 unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807–1810 zum Fürstentum Hanau und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, gehörte Marjoß zum Landkreis Schlüchtern. 1866 wurde das Kurfürstentum nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg von Preußen annektiert. Marjoß wurde preußisch und nach dem Zweiten Weltkrieg Bestandteil des neu formierten Bundeslandes Hessen.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Marjoß im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Stadt Steinau als Stadtteil eingemeindet. Für den Stadtteil Marjoß wurde, wie für die anderen Stadtteile von Steinau, ein Ortsbezirk eingerichtet. Mit der Hessischen Gebietsreform wurde der Landkreis Schlüchtern im Jahr 1974 aufgelöst und Marjoß liegt seit dem im Main-Kinzig-Kreis. Am 1. Januar 1978 wurde die Stadt Steinau amtlich in Steinau an der Straße umbenannt.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Marjoß angehört(e):

vor 1458: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau ab 1458: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Schlüchtern ab 1642: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau-Lichtenberg, Amt Schlüchtern ab 1736: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Schlüchtern ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hanau,Durch den Reichsdeputationshauptschluss. Amt Schlüchtern 1806–1810: Kaiserreich Frankreich,Infolge der Napoleonischen Kriege. Fürstentum Hanau, Amt Schlüchtern (Militärverwaltung) 1810–1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau, Distrikt Steinau ab 1816: Kurfürstentum Hessen,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Fürstentum Hanau, Amt Schlüchtern ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Hanau, Kreis SchlüchternVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 76.Trennung von Justiz (Justizamt Steinau (Assistenzamt Schlüchtern)) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hanau ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Hanau, Kreis Schlüchtern ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Schlüchtern ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Schlüchtern ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Schlüchtern ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Schlüchtern ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Schlüchtern ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Schlüchtern ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Schlüchtern ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Schlüchtern ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Schlüchtern, Stadt Steinau ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Kinzig-Kreis, Stadt Steinau ab 1978: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Kinzig-Kreis, Stadt nach „Steinau an der Straße“ umbenannt

Wirtschaftsgeschichte Erste Belege für das am Ort ansässige Töpferhandwerk stammen aus dem Jahre 1391.

Im südlichen Bereich des Ortes lag die Hintere (Henner) Mühle (stillgelegt 1968), am nordöstlichen Rand die Untere (Önner) Mühle (stillgelegt 1958). Beide Wassermühlen wurden durch einen von der Jossa abgeleiteten Betriebsgraben versorgt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Marjoß 798 Einwohner. Darunter waren 9 (1,1 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 138 Einwohner unter 18 Jahren, 363 waren zwischen 18 und 49, 162 zwischen 50 und 64 und 132 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 285 Haushalten. Davon waren 60 Singlehaushalte, 78 Paare ohne Kinder und 117 Paare mit Kindern, sowie 27 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 51 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 192 Haushaltungen leben keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1587: 18 Schützen, 11 Spießer • 1632: 33 Dienstpflichtige • 1753: 70 Haushaltungen mit 328 Personen • 1812: 90 Feuerstellen, 489 Seelen • 1821: 90 HäuserThomas Klein: Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1845. Reihe A: Preußen. Band 11: Hessen-Nassau einschließlich Vorgängerstaaten. Marburg 1979, S. 115

Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 727 evangelische (= 97,85 %), 16 katholische (= 2,15 %) Einwohner< • 1961: 648 evangelische (= 89,01 %), 66 katholische (= 9,07 %) Einwohner<

Politik Für Marjoß besteht ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 48,9 %. Alle Kandidaten gehören der SPD an. Der Ortsbeirat wählte Markus Harzer zum Ortsvorsteher.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Kirchen

Vereine In Marjoß gibt es zahlreiche Vereine und Ortsgruppen, die zusammen die Arbeitsgemeinschaft Marjoßer Vereine bilden. Das sind die Freiwillige Feuerwehr Marjoß, der SV Marjoß, der Taubenverein, der Förderverein Kindergarten, die Wohnstätten (Behindertenheim Altes Forsthaus), der Dorfverein, Geselligkeitsverein Gut Schluck, den Angelverein und die Mitglieder des Ortsbeirates.

Sport In Marjoß finden jedes Jahr Sommerbiathlonwettkämpfe im Rahmen des Hessencups statt. Dabei müssen die Läufer einen Naturpfad, der zum 25-jährigen Thronjubiläum Kaiser Wilhelms II. und des 100-jährigen Jubiläums der Völkerschlacht bei Leipzig 1913 angelegt wurde, bewältigen.

Naturräume Neben dem Naturschutzgebiet „Kirschenwiesen“ ist ein als Bannwald ausgewiesenes Naturreservat – die Jossa-Aue zwischen Marjoß und Mernes mit schilfbestandenen Teichen – ein Lebensraum des Bibers. Im Rahmen von Exkursionen lassen sich mit etwas Glück diese Tiere beobachten.

Radwanderwege Der europäische Kultur-Rad- und Wanderweg „Perlen der Jossa“ („Archäologisches Spessartprojekt“) führt an Marjoß vorbei und hat dort eine Station mit Erklärungstafel. Der Name bezieht sich auf die in der Vergangenheit in der Jossa vorkommende Flussperlmuschel. Die Trasse deckt sich im Tal der Jossa mit der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute. Auch der Spessartbogen-Fernwanderweg führt an Marjoß vorbei, vom Stacken, einer Erhebung mit Wacholderheide und Arnika-Wiesen bei Mernes, herunterkommend.

Infrastruktur und Wirtschaft Bildung Schulen Zum Schuljahresbeginn 2019/2020 wurde die in Marjoß bis dahin bestehende Zwergschule, wegen zu geringer Schülerzahl geschlossen. Seitdem besuchen die Marjosser Kinder die Hans-Elm-Schule im Ortsteil Altengronau der Nachbargemeinde Sinntal. Es ist eine Grund-, Haupt- und RealschuleGrundschule Marjoß wird geschlossen - Vorsprung OnlineHans-Elm-Schule, aufgerufen am 5. April 2022.

Weiterführende Schulen gibt es in Schlüchtern mit dem Ulrich-von-Hutten-Gymnasium, in Wächtersbach mit der Friedrich-August-Genth-Schule (Kooperative Gesamtschule), in Gelnhausen dem Grimmelshausen-Gymnasium und in Bad Soden-Salmünster der Henry-Harnischfeger-Schule (Integrierte Gesamtschule).

Verkehrsanbindung Straße Die Landesstraße L 3197, durchquert den Ort und verbindet ihn mit Mernes im Südwesten und weiter über die Landesstraße L 3196 mit dem Hauptort Steinau im Norden.

Bahn Der nächste Bahnhof befindet sich in Steinau an der Bahnstrecke Fulda–Frankfurt. Der nächste behindertengerechte Bahnhof liegt in Wächtersbach. Anschluss an Intercity (IC), Intercity-Express (ICE) gibt es in Fulda, Hanau und Frankfurt am Main.

Nahverkehr In Marjoß verkehren die Buslinien MKK-94 und MKK-99 der KVGRMV-Gesamtlinienplan Main-Kinzig-Kreis, (PDF, 12 MB), abgerufen am 26. August 2024. Sie schaffen öffentliche Verkehrsanschlüsse zu Ortsteilen der Gemeinde Steinau an der Straße, aber auch zu den Nachbargemeinden Bad Soden-Salmünster und Sinntal. Es gilt der Tarif des Rhein-Main-Verkehrsverbundes.

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Heinz Lotz (* 1954), Politiker (SPD), Abgeordneter des Hessischen Landtags

Literatur