mini|hochkant=1.2|Sagrada Família, Geburtsfassade, 2017 mini|hochkant=1|Sagrada Família mit Christusturm, 2026 hochkant=1.2|mini|Sagrada Família bei Nacht, 2025
Die [] (vollständig ) ist eine römisch-katholische Basilika des Modernisme in Barcelona und gilt als das Hauptwerk des katalanischen Baumeisters Antoni Gaudí. Er übernahm 1883 die Planung des Gotteshauses. Die Basilika steht nördlich der Altstadt im Stadtteil Eixample. Ihr Bau wurde 1882 mit dem Bau der Krypta begonnen und dauert bis in die Gegenwart an. Als mögliches Fertigstellungsjahr nennen die Projektleiter das Jahr 2035, ohne sich festzulegen. Mit der Vollendung des Spitzenkreuzes überragt der Torre de Jesuchrist (Christusturm) mit 172,5 m Höhe seit dem 20. Februar 2026 alle anderen Kirchtürme der Welt. Am 10. Juni 2026, dem 100. Todestag Gaudís, wurde der Christusturm von Papst Leo XIV. eingeweiht.
Die UNESCO nahm 2005 die Geburtsfassade und die Krypta der Sagrada Família als Erweiterung des Weltkulturerbedenkmals Werke von Antoni Gaudí in ihre Liste des Weltkulturerbes auf. Am 7. November 2010 weihte Papst Benedikt XVI. die Kirche und erhob sie zugleich zu einer Basilica minor.
Baugeschichte mini|Neugotisches Projekt von Francisco de Paula del Villar y Lozano
Vorgeschichte Die Idee für den Bau zu Ehren der Heiligen Familie in Barcelona kam zuerst von Josep Maria Bocabella, einem ortsansässigen Besitzer einer religiösen Buchhandlung und Verfasser christlicher Schriften. 1866 gründete er die Associación Espiritual de Devotos de San José (Geistlicher Verein der Verehrer des Hl. Josef). Zurückgekehrt von einer Italienreise und beeindruckt von den dortigen großen Kirchen beschloss er 1874, in seiner Stadt eine große, durch Spenden finanzierte Sühnekirche erbauen zu lassen. Aufgrund großzügiger Zuwendungen konnte der dafür gegründete Verein 1881 den Bauplatz der heutigen Kirche erwerben, eine Parzelle im Umfang eines ganzen Häuserblocks mit 12.800 m² Grundfläche im damals noch unbebauten Stadtteil Eixample. Der Architekt der Diözese, Francisco de Paula del Villar y Lozano, stellte sich als Planer zur Verfügung.
mini|Die Krypta, 1886
1882 bis 1893 Del Villar verwarf Bocabellas Idee, eine Replik der Basilika von Loreto, die in Italien steht, zu errichten, und entwarf eine schlichte dreischiffige Kirche ohne Besonderheiten, dem Geschmack der Zeit entsprechend im neuromanisch-neugotischen Stil mit einem mächtigen niedrigen Vierungs- und einem schlanken Fassadenturm.
Die Grundsteinlegung erfolgte am 19. März 1882, dem Gedenktag des heiligen Josef. Antoni Gaudí war bei der Grundsteinlegung anwesend. Er hatte als Student in del Villars Büro gearbeitet und war zum Zeitpunkt der Grundsteinlegung Mitarbeiter im Büro von Joan Martorell, das bei dem Projekt als Statiker mitwirkte. Ein Jahr nach dem Baubeginn kam es zum Zerwürfnis zwischen der Bauleitung und del Villar, sodass dieser zurücktrat. Das Projekt wurde Martorell angetragen, der ablehnte, da er am Zerwürfnis beteiligt gewesen war, und stattdessen seinen Mitarbeiter Gaudí vorschlug.
Gaudí baute die begonnene Krypta im Wesentlichen nach del Villars Plänen fertig, wobei die Gewölbe auf eine Überarbeitung Gaudís zurückzuführen sind. Mitte der 1880er-Jahre konnten erste Gottesdienste darin gefeiert werden; 1889 war die Krypta vollendet. Noch während des Baus der Krypta begann Gaudí, die Pläne für die Kirche grundlegend umzugestalten. Dazu legte er 1885 ein neues Gesamtkonzept mit gotischer Formensprache vor, in dem 18 Türme erkennbar sind, wenn auch in kleinerem Maßstab als beim endgültigen Konzept. Die 1893 fertiggestellte Außenwand der Apsis weist in der Bauhöhe über del Villars Projekt hinaus. Sie enthält neugotische Elemente, zeigt aber im eigenwilligen Umgang mit den gotischen Formen, den naturalistischen Wasserspeiern und den Fialenspitzen Gaudís Handschrift.
mini|Baustand, 1905
1894 bis 1926 Kurz vor Beginn der Arbeiten an der Geburtsfassade sahen sich Bocabella und Gaudí durch eine große anonyme Spende in der Lage, die Pläne für die Kirche zu erweitern. Gaudí entwickelte daraufhin das Grundkonzept einer 18-türmigen und 5-schiffigen Basilika. Mit den Fundamentarbeiten für die viertürmige Fassade begann 1894 die Umsetzung des neuen Projekts.
Das Grundkonzept der Kirche wurde ab diesem Zeitpunkt beibehalten. Die Architektursprache erfuhr aber im Laufe der Zeit mehrere Veränderungen. Sämtliche Entwicklungsschritte, vom eigenwillig interpretierten gotischen und barocken Historismus über einen überschwänglichen katalanischen Modernisme bis hin zu Gaudís abstrakt-expressionistischem Spätstil, korrespondieren mit den Entwurfslösungen für die Kirche. So entstand der Plan für ein Bauwerk, dessen Grundriss, Raumaufteilung und Linienführung zwar auf die Gotik anspielen, aber darüber hinausgehen. Mit den erweiterten Plänen zeichnete sich ab, dass nicht mit einer baldigen Fertigstellung zu rechnen war: Gaudí arbeitete 43 Jahre an der Kirche, die letzten 15 Jahre ausschließlich.
mini|Gaudí (rechts) mit Bischof Enrique Reig y Casanova und Enric Prat de la Riba, Präsident der Mancomunitat de Catalunya, 1914
Auf die Unmöglichkeit einer baldigen Fertigstellung angesprochen, antwortete Gaudí:
Damit spielte er vor allem auf Gott, aber auch auf die Baudirektion an.
mini|Baustand, 1915 Von den drei Fassaden fing Gaudí mit der Arbeit an der nach Nordosten ausgerichteten Geburtsfassade an. Vor seinem Tod 1926 konnte nur ein Turm dieser Fassade (der linke, südlichste, dem Hl. Barnabas gewidmet) vollendet werden. Der Architekt hatte die Türme zuerst eckig bauen lassen, änderte dann den Plan und ließ die eckige Form mit kleinen Balkonen enden. In der oberen Hälfte wurden die Türme in runder Form weitergebaut. Das eckige untere Stück versteckte Gaudí hinter vier 14 Meter hohen Apostelstatuen.
mini|Baustand, 1929
1926 bis heute mini|Baustand, 2019 mini|Baustand, 2023 Gaudí starb 1926 nach einem Straßenbahnunfall. Danach wurden die Bauarbeiten immer wieder unterbrochen. 1935 konnten die Arbeiten an der Geburtsfassade abgeschlossen werden.
Während des Spanischen Bürgerkrieges befand sich Barcelona in der republikanischen Zone. George Orwell, der die verlassene Baustelle während des Krieges besuchte, bezeichnete die Kirche als „eines der hässlichsten Gebäude der Welt“ und bedauerte, dass die Anarchisten sie nicht wie die meisten anderen Kirchen der Stadt gesprengt, sondern wegen ihres künstlerischen Wertes weitgehend verschont hatten.George Orwell: Mein Katalonien. Bericht über den Spanischen Bürgerkrieg. Diogenes-Verlag, Zürich 2000. ISBN 3-257-20214-8, S. 278. Sie brannten nur einen Teil der Geburtsfassade nieder und zerstörten Teile der Krypta. Der geistliche Leiter der Sagrada Família, der mit Gaudí befreundet gewesen war und unterhalb von dessen Atelier wohnte, wurde wie die meisten katholischen Priester in der Stadt ermordet. Im Atelier befanden sich auch die ursprünglichen Baupläne, Gipsmodelle und Zeichnungen des Architekten. Vieles ging damals verloren und die Gipsmodelle wurden schwer beschädigt. Später nahm die katalanische Regierung die Entwürfe an sich, um sie sicher zu verwahren. Nach Kriegsende fanden sich Architekten und Mitarbeiter zusammen, die teils noch mit Gaudí zusammengearbeitet hatten, und halfen mit, die Modelle aus den übergebliebenen Trümmern und den erhaltenen Fotos zu rekonstruieren. Die Verwendung von Regelflächen in den Entwürfen erwies sich dabei als Glücksfall, da schon aus einem kleinen Bruchstück einer Regelfläche die gesamte Fläche mathematisch rekonstruiert werden konnte. Ab 1950 konnte der Bau fortgesetzt werden. Die späteren Architekten Francesc Quintana, Isidre Puig Boada und Lluís Gari versuchten anhand der rekonstruierten Modelle und mündlich überlieferter Gedanken, Gaudís Ideen bestmöglich umzusetzen. 1976 wurden die vier Aposteltürme über der „Passionsfassade“ vollendet.
Ein zentrales Ereignis war die Weihe der Kirche durch Papst Benedikt XVI. am 7. November 2010 nach Fertigstellung des Innenraums. Bei der Weihe erhob der Papst die Kirche in den Rang einer Basilica minor. Vom Außenbau waren 8 der 18 Türme der Kirche fertiggestellt. Es handelt sich um je vier Aposteltürme über den zwei fertigen Fassaden. Vollenden wollte man die Basilika bis 2026, dem hundertsten Todesjahr Gaudís. Dann hätte der Bau insgesamt 144 Jahre gedauert. Da die eingehenden finanziellen Mittel aufgrund der Covid-19-Maßnahmen stark gesunken waren, wurde das Ziel im Herbst 2020 aufgegeben.
Eine andere Quelle nannte als Grund den monatelangen Baustopp. Erst 2016 fiel auf, dass es für den Bau keine Baugenehmigung gab. Diese wurde im Juni 2019 für sieben Jahre erteilt, damit der Bau zum 100. Todestag Gaudís vollendet werden könnte. Neben der Zahlung von 4,6 Millionen Euro für die Genehmigung wurde vereinbart, dass die Baugesellschaft 36 Millionen Euro zahlen muss, um laut dpa „die negativen Auswirkungen der Bauarbeiten auf die Nachbarschaft zu mildern“. Gemeint war damit der „Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes rund um das Gotteshaus“ sowie „die Sanierung der Nebenstraßen“. Vorausgesetzt, es gibt keine außerplanmäßigen Unterbrechungen, wurde 2023 von einer Fertigstellung spätestens im Jahr 2033 ausgegangen.
Der zweithöchste Turm der Kirche, der Marienturm, wurde am 29. November 2021 fertiggestellt, als er seinen markanten 12-zackigen Stern auf der Spitze erhielt. Der Stern wurde zum Hochfest der Unbefleckten Empfängnis am 8. Dezember 2021 erstmals beleuchtet. In den Jahren 2022 und 2023 wurden jeweils zwei der vier dritthöchsten Türme (die Evangelistentürme) fertiggestellt.
Ab Mitte 2025 wurde das in Deutschland hergestellte begehbare Kreuz auf dem Turm Jesu Christi angebracht, die finale Bauphase des höchsten Turms der Kirche laut der Verwaltungsgesellschaft Sagrada Família. Mit dem Aufsetzen des Spitzenkreuzes am 20. Februar 2026 erreichte der Turm mit 172,5 m Höhe die größte Höhe aller Kirchtürme der Welt. Vollendet werden soll der Bau der Kirche etwa im Jahr 2035.
Rezeption links|mini|Baustand Mai 2026 mit dem am 20. Februar 2026 fertiggestellten Christusturm, der damit die Kirche mit dem höchsten Kirchturm der Welt auszeichnete. Manchmal regte sich Protest gegen bestimmte Einzelheiten des Baus. So kritisierte beispielsweise 1893 die Stadtverwaltung, dass Gaudí entschied, als erste Fassade die Geburtsfassade zu gestalten, obwohl die Passionsfassade am gegenüberliegenden Ende des Querhauses eher zur Stadt zeige und aufgrund der Publikumswirksamkeit vordringlich errichtet werden müsse.
Ende 1964 organisierte der Barceloner Architekt, Stadtplaner und spätere „einflussreiche Stadtbaurat“ Oriol Bohigas (1925–2021) eine Unterschriftenaktion mit dem Ziel, den Bau zu stoppen. Es unterschrieben vor allem die Vertreter der architektonischen Moderne wie Le Corbusier und Walter Gropius. Die Tageszeitung La Vanguardia in Barcelona war dazu bereit, Anfang 1965 einen offenen Brief zu veröffentlichen.N.N.: Cartas a „La Vanguardia“. La obra del templo de la Sagrada Familia. [Briefe an „La Vanguardia“. Das Werk des Tempels der Heiligen Familie.] In: hemeroteca.lavanguardia.com, 9. Januar 1965, S. 24, Zeitungsarchiv, Digitalisat, (PDF; 303 KB). englische Übersetzung: A Manifesto Against Completing Sagrada Família Church. In: urbanophile.com, 31. Juli 2015. Bohigas war und La Vanguardia ist der Gegnerschaft zur Sagrada Família treu geblieben.
In einem weiteren Anlauf forderten 2008 rund 400 Architekten (darunter Bohigas), Schauspieler, Regisseure und Galerien-Besitzer den Baustopp und kritisierten die Vermarktung zu touristischen Zwecken.sam: In: tagesanzeiger.ch, 5. Dezember 2008. Der Unterschriften-Aufruf wurde auf der Internetseite der FAD (Foment de les Arts i del Disseny, „Förderung von Kunst und Design“) veröffentlicht, mit anfangs rund 100 Unterzeichnern.