Salchendorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Neunkirchen im Kreis Siegen-Wittgenstein mit 3.042 Einwohnern (Stand: 30. Juni 2023) und nach Neunkirchen der zweitgrößte Ortsteil der Gemeinde.
Geographie mini|Salchendorf vom Ehrenmal gesehen. Salchendorf liegt im südlichen Siegerland zwischen Neunkirchen und Wilnsdorf im Rothaargebirge auf einer Höhe von ca. 270 bis . Größtenteils im Wildebachtal gelegen, zweigt in der Mitte des Ortes das ca. 3 km lange Arbachtal ab, das auf ca. 1 km Länge bebaut ist. Ein zweites Seitental ist das ca. 2,3 km lange unbebaute Gutenbachtal am östlichen Ende. Der Wildebach fließt aus Wilden kommend durch den Ort und mündet in Neunkirchen in die Heller; in ihn fließen in Salchendorf der Gutenbach am Ortsanfang und der Arbach mitten im Ort. Höchster Berg ist der Pfannenberg mit , dessen Spitze aber schon im Siegener Stadtgebiet liegt. Weitere Berge sind unter anderem der bebaute Rassberg (), die Große Rausche (), der Leyenkopf () und der Stahlseifer Kopf ().
Nachbarorte Nachbarorte Salchendorfs sind Brachbach und Mudersbach im Nordwesten, Eiserfeld im Norden, Eisern und Rinsdorf im Nordosten, Wilden im Osten, Zeppenfeld und Gilsbach im Süden und Neunkirchen im Südwesten.
Geschichte mini|Blick vom Hardtwald aus auf Salchendorf im Jahr 1910. Links (unscharf) die Freier Grunder Eisenwerke, vorne die Wildener Straße. Die heutige Besiedlung des Kernortes sowie der umliegenden Höfe bzw. Siedlungen „Rudersdorf“ und „Reinartzdorf“ fing zwischen 800 und 950 an, während der Hof „Zabach“ (oder „Zobach“) erst zwischen 950 und 1050 besiedelt wurde.Dieter Pfau: Zeitspuren in Siegerland und Wittgenstein. Früh- und Hochmittelalter 750–1250. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-89534-861-7. Die Siedlung „Reinartzdorf“ (oder „Reynartzdorff“) lag an der Mündung des Gutenbachs östlich vom damaligen Salchendorfer Ortskern, „Rudersdorf“ lag im oberen Gutenbachtal.
Der Ort Salchendorf wurde erstmals am 3. Mai 1316 urkundlich erwähnt. In dieser Urkunde nimmt Edelherr Johannes von Wildenburg den Ritter Christian von Selebach (Altenseelbach) zum Vasallen an und weist ihm Einkünfte von Gütern aus Salchendorf und weiteren Ortschaften zu.Friedrich Philippi (Hrsg.): Siegener Urkundenbuch. Band 1: Bis 1350. Kogler, Siegen, 1887, S. 88, Nr. 141. Am 15. August 1326 wurden Güter in „Reynartzdorff“ genannt.Friedrich Philippi (Hrsg.): Siegener Urkundenbuch. Band 1: Bis 1350. Kogler, Siegen, 1887, S. 210–212, Nr. 168a. 1499 wurde die Siedlung „Zobach“, die in der Nähe der Schränke gelegen war, erwähnt. Diese war allerdings schon vor 1600 verschwunden, da sie in einer alten Landkarte nicht mehr eingezeichnet ist. Heute erinnert ein Flurname noch an den Hof.
1522 wurde Salchendorf von der Pest heimgesucht.
1671 kam es zu einer großen Brandkatastrophe, bei der das „gantze dorff Salchendorff abgebrennet“ ist, wie es der Salchendorfer Hans Peter Enners 18 Jahre später formulierte.Staatsarchiv Münster, Abteilung Westfalen E 401 / Fürstentum Siegen, Landesarchiv / Akten, Nr. 1668, S. 59, siehe https://www.landesarchiv-nrw.de/digitalisate/Abt_Westfalen/E401_Fuerstentum_Siegen-LA/~016/01668/W_E401_Fuerstentum_Siegen-LA_01668_0068.jpg Ein „Verzeichnus der Jenigen so schaden wegen brands gelitten zu Salchentorff“ (vom 11. November 1671) nannte 15 nassauische und 18 saynische Hausvorstände.Staatsarchiv Münster, Abteilung Westfalen E 401 / Fürstentum Siegen, Landesarchiv / Akten, Nr. 1669, S. 4, siehe https://www.landesarchiv-nrw.de/digitalisate/Abt_Westfalen/E401_Fuerstentum_Siegen-LA/~016/01669/W_E401_Fuerstentum_Siegen-LA_01669_0011.jpg Am 29. September 1752 hat erneut eine Brandkatastrophe den Ort fast vollkommen zerstört, 41 Wohnhäuser brannten ab, nur wenige blieben erhalten. Überlieferungen nach soll ein Tischlergeselle nach dem Krach mit seinem Meister den Brand gelegt haben. Salchendorf hatte noch mehr Unglück. Im Juli 1753 kam es wieder zu einem Brand. Es sollen aber nur zwei Häuser gewesen sein, die dabei zerstört wurden. Bereits 1761 sollten sich die Geschehnisse von 1752 wiederholen. Am 26. September brannten 27 Wohnhäuser und die zugehörigen Nebengebäude nieder.
Die erste Salchendorfer Hütte lag laut Gemarkungsnamen am Arbach. Sie wurde bereits um 1700 stillgelegt. 1584 wird zusätzlich die „Behln hütte“ genannt.Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen E 601 / Freier Grund Sel- und Burbach, Nr. A 4 a - ohne Paginierung. Siehe hier Diese wurde am Wildebach errichtet, dadurch ergaben sich Vorteile gegenüber der ersten Hütte, das vorhandene Wasser konnte genutzt werden und die Transportwege waren kürzer. (Der Name hängt wohl mit der Salchendorfer Familie Beel oder Behl zusammen. Ein gewisser Johann Beel aus Salchendorf berichtete 1596, seit etwa 30 Jahren seien er und sein verstorbener Vater schon mit Kohlen aus Wilnsdorf beliefert worden, was eine Hüttentätigkeit vermuten lässt.Staatsarchiv Münster, Fürstentum Siegen - Landesarchiv Nr. 1859, S. 27.) 1854 und 1867 wurden erstmals Dampfmaschinen eingesetzt, 1873/74 wurde der Betrieb eingestellt. In der Hütte sollen knapp 360–370 Wagen Roheisen pro Jahr verarbeitet worden sein. Ab 1925 befanden sich die „Freien Grunder Eisenwerke“ auf dem Gelände, in den 1970er-Jahren wurde dieses durch die Firma SSI Schäfer aufgekauft.
Bereits 1848 gründete sich der Männergesangsverein. 1858 wurde die neu ausgebaute Straße nach Wilden eingeweiht. Ab 1884 wurden verschiedene Vereine gegründet: 26. August 1884 – CVJM; 1888 – Freiwillige Feuerwehr; 1895 – DRK-Frauenverein; April 1896 – Turnverein. mini|hochkant|Wasserstollen im Gutenbachtal, ehemaliger Stollen der Grube Rausche 1910 wurde das letzte Strohdach in Salchendorf ersetzt. 1925 lebte die Gemeinde Salchendorf vom Eisenerzbergbau und der Erzverarbeitung. Von den 1623 Einwohnern waren 1423 evangelisch, 10 katholisch und 90 sonstiger Konfession. Es gab eine Volksschule, eine Polizei und eine Spar- und Darlehnsgenossenschaft.genealogy.net: Amt Burbach In den 1950er-Jahren herrschte Wasserknappheit im Siegerland. 1961 wurde daher der ehemalige Stollen der um 1900 stillgelegten Grube Rausche im oberen Gutenbachtal für den Trinkwasserspeicher hergerichtet. 1963 folgte am südlichen Ausläufer des Pfannenbergs ein weiteres Wasserwerk zur Versorgung Salchendorfs.
1961 wurde eine dritte Pfarrstelle in der evangelischen Kirchengemeinde Neunkirchen eingerichtet und damit ein Pfarrer nach Salchendorf gestellt. 1970 folgte der Kirchenbau der 1987 renovierten „Erlöserkirche Salchendorf“. In den 1970er-Jahren wurde der Ausläufer des Rassberges von beiden Seiten (Zeppenfeld und Salchendorf) als Baugebiet ausgewiesen und bebaut.
Bis 1844 gehörte Salchendorf zum Amt Neunkirchen. Dieses wurde aufgelöst und in das Amt Burbach eingegliedert. Durch eine Gesetzesänderung wurden Salchendorf, Amt Burbach (offizielle Bezeichnung) am 1. Januar 1969 in die neue Großgemeinde Neunkirchen eingegliedert und damit auch das Amt Burbach aufgelöst. Heute ist Salchendorf ein großer Ortsteil von Neunkirchen, der selbsternannten Industriegemeinde im Grünen, die meisten Arbeitsplätze der Gemeinde befinden sich hier (Neunkirchen gesamt: ca. 7500 Arbeitsplätze bei ca. 15.000 Einwohnern).
Einwohnerzahlen Einwohnerzahlen des Ortes:700 Jahre Neunkirchen. Otto Braun, Neunkirchen 1988.Otto Schaefer: Der Kreis Siegen. Siegen 1968. Jahr Einwohner 1810 489 1818 481 1850 637 1867E. Weidenbach: Geschichte der Grafschaft Sayn und der Bestandtheile derselben, Druck E. Weidenbach, Dillenburg 1874, S. 287. 719 1885Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen. Verlag des Königlich Statistischen Bureaus, Berlin 1887, , S. 112/113. 986 1895Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen. Verlag des Königlich Statistischen Bureaus, Berlin 1897, S. 114/115. 1082 1905 1422 1910 1552 Jahr Einwohner 1913Heinrich Gamann: Geschichte des Freiengrundes, Druck der Westdeutschen Verlagsanstalt, Neunkirchen 1925, S. 6. 1494 1925 1623 1933 1611 1939 1568 1950 2160 1961 2386 1967 3195 1985 3449 Jahr Einwohner 1994Rolf Betz: (PDF; 7,3 MB), ca. 1995 3529 2000 3665 2004Gemeinde Neunkirchen im Siegerland: Bürgerinfo 3580 2009neunkirchen-siegerland.de: 3410 2011neunkirchen-siegerland.de: 3300 2014 3270 Anmerkung: Einwohnerzahlen ab 1994 am 31. Dezember; 2000 im Oktober.
Häuserzahlen
Jahr 1600 1698 1700 1704 1706 1725 1730 1788 1810 1846 1850 1867 1913Heinrich Gamann: Geschichte des Freiengrundes, Druck der Westdeutschen Verlagsanstalt, Neunkirchen 1925, S. 6. Häuser 43 51 64 64 58 60 60 71 71 85 84 109 256
Bergbau mini|Ein Denkmal zum Bergbau im Ort steht am Ortseingang von Wilden aus kommend. mini|Bergbaureste, vermutlich von der Grube Rennseifen. Das Bergmannsdorf Salchendorf war besonders im 19. und 20. Jahrhundert bis zur Gebietsreform im Jahre 1969 eine reiche Gemeinde. Erste Erwähnungen im Bergbau gehen ins Jahr 1732 zurück, das letzte Bergwerk schloss 1962 als Letztes im Altkreis Siegen.
Neben dem Bergbau spielte die Verhüttung eine wirtschaftliche Rolle im Ort. Doch trotz der gesünderen Arbeit in den Aufbereitungsanlagen und Hütten waren die Berufe der Bergmänner angesehener und „beliebter“. Im 19. Jahrhundert waren im Gebiet Gemeinde Neunkirchen ca. 50 Gruben von wirtschaftlicher Bedeutung aktiv. Hunderte kleine, meist unbedeutende Gruben gab es, davon ca. 40 Stollenbergwerke im Ortsgebiet Salchendorfs.
Im Ersten Weltkrieg wurden als Folge des Rohstoffmangels alte Halden in den Wäldern um den Ort wieder ausgegraben und abgetragen. Man wollte letzte Reste von Eisenstein gewinnen, da die alten primitiven Herstellmethoden zur Eisengewinnung viele Erz-Reste hinterließen.
Gruben Die wichtigeren, bekannteren oder größeren waren: GrubeMutungStilllegungBesonderheitArbacher Einigkeit (zu Pfannenberger Einigkeit)18071901 (1936)Gesamtteufe: 290 m (550 m bis 1936)Gleiskaute (zu Junger Löwe)1780um 1880Heidenberg (zu Stahlseifen)vor 17321920Heinrichsglück (zu Stahlseifen)um 1840um 1900 (1935)Gesamtteufe: 791 mJunger Löwe1839um 1880Ludwigseck1839-01-241922-03-30Gesamtteufe: 260 mOberster Specht (zu Steimel)18141868Stollen: 315 mPfannenberger Einigkeit18101962-04-18Gesamtteufe: 1.338 mRennseifenvor 17321920Stahlseifen (zu Heinrichsglück)17501931-01-31Gesamtteufe: 596 mSteimel, nur teils im Ortsgebietvor 18121935-12-31Gesamtteufe: 627,3 mWodanstolln17321910Gesamtlänge: 1500 m Hinweis: Gruben mit Schachtbetrieb sind fett markiert; Datum bezieht sich auf Ersterwähnung oder Mutung, Abbau schon vorher möglich!
Aktive Gruben 1812 und 1872 Hier die aktiven Gruben in den Jahren 1812 und 1872 laut Alfred Henrichs aus Aus Salchendorfs Vergangenheit:
1812 Arbach Buche Heidenberg Hinterste Kreuzbach Kompaß Ochsenstollen Pfannenberger Einigkeit Rennseifen Schottel & Streitberg (Teufe: ca. 160 m) Schülerchen Spor Stahlseifen Steimel Vorderste Kreuzbach Wildener Streitberg Wodan (Fe)1872 Apollo (Freiheit) Arbach Erzvater † um 1895 Eule † um 1910 Friedrich Wilhelm Heidenberg Heidenstock Heinrichsglück Hevatha Hohe Wilhelmine Hund Kirschenbaum Kreuzbach Ludwigseck Neubergmannsglück Ochs samt Streitberg Pfannenberger Einigkeit Rausche † um 1900 Rennseifen Rindchen Schlanger Stahlseifen Steimel Uhu Wilhelmshöhe Wodan (Fe)
Außer den aufgeführten gab es noch weitere Gruben: Harold (Abbau von Fe, Pb, Cu, Zn, Ag) Ronnert Ende Stümpchen
Gruben mit Schachtbetrieb mini|Haldenreste der Grube Heinrichsglück mini|Das Bähnchen war eine Schmalspurbahn zwischen der Grube Bautenberg und Neunkirchen, heute ein Rad- und Wanderweg. mini|Das zweite Fördergerüst (gebaut 1898) des alten Schachtes der Grube Pfannenberger Einigkeit steht jetzt als Aussichtsturm am Pfannenberg. Das Bild zeigt das erste Gerüst. Hier sind die sechs größten Gruben, die Gruben mit Schachtbetrieb, einmal näher aufgeführt. Wenn man es genau nimmt, waren es nur fünf Gruben, denn die Grube Steimel lag auf der Grenze zu Neunkirchen und nur teils in Salchendorf.
Arbacher Einigkeit