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Der Bund freier Jugend (BfJ) war eine bis 2007 bestehende österreichische rechtsextreme Jugendorganisation der Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik (AFP) mit völkischer und neonazistischer Ausrichtung,Rechtsalternative Medien: DER VERSCHWÖRUNGSSENDER AUF1-TV, Belltower.News, 21. Dezember 2021: „Denn Magnet war Kader in der 2007 aufgelösten Neonazi-Gruppierung „Bund freier Jugend“ (BfJ).“Übereinstimmend dazu alle ausgewerteten Quellen, so zum Beispiel:Valentin Kirisits: Rechtsextremismus in Österreich, und wie dagegen gehandelt wird. Diplomarbeit an der Universität Wien, Oktober 2006, S. 124N. N.: Aktuelle Entwicklungstendenzen in der rechtsextremen Szene Österreichs. „Freie Kameradschaften“, Blood & Honour und der „Bund freier Jugend“. Anonymisierte Diplomarbeit, September 2003, S. 96, S. 101 (Standort: Bibliothek des DÖW, Wien)DÖW: Neues von ganz rechts. „Eine Jugend startet durch!“ Jänner 2003Heribert Schiedel: Der rechte Rand. Extremistische Gesinnungen in unserer Gesellschaft. Edition Steinbauer, Wien 2007, ISBN 978-3-902494-25-2, S. 92ff.Andreas Peham: Bund freier Jugend (Österreich). In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Bd. 5., Organisationen, Institutionen, Bewegungen, De Gruyter, Berlin / Boston / Mass. 2012, ISBN 978-3-598-24078-2, S. 83–84. deren Tätigkeitsschwerpunkt in Oberösterreich lag.N. N. 2003, S. 121. Gemäß den Verfassungsschutzberichten waren ihre Tätigkeiten von zentraler Bedeutung für die Entwicklung des Rechtsextremismus in Österreich.Florian Hartleb: Extremismus in Österreich. In: Eckhard Jesse, Tom Thieme (Hrsg.): Extremismus in den EU-Staaten. VS-Verlag, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-17065-7, S. 278.

Von der Skinheadsubkultur unterschied sich der Bund freier Jugend sowohl im äußerlichen Auftreten (teilweise in Tracht) als auch im Selbstverständnis und durch eine betont völkische Blut-und-Boden-Ideologie.N. N. 2003, S. 96, S. 101.Valentin Kirisits: Rechtsextremismus in Österreich, und wie dagegen gehandelt wird. Diplomarbeit an der Universität Wien, Oktober 2006, S. 99f. Er sah sich als „Anlaufstelle für die Jugend – welche sich noch wehren möchte“ – und veranstaltete soziale Aktivitäten wie Sonnwendfeiern, verteilte Flugblätter und organisierte Schulungen, Vorträge und Reisen zu Demonstrationen.DÖW: Neues von ganz rechts. „Eine Jugend startet durch!“ Jänner 2003.

Überblick Die Mutterorganisation des BfJ, die Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik, wurde 1963 gegründet und ist an der Grenze zwischen Rechtsextremismus und Neonazismus angesiedelt.Heribert Schiedel: Der rechte Rand. Extremistische Gesinnungen in unserer Gesellschaft. Edition Steinbauer, Wien 2007, ISBN 978-3-902494-25-2, S. 82. Sie konzentriert sich auf „ideologisch-kulturelle Arbeit mit ausgesprochen rechtsextremer Tendenz“.DÖW (Hrsg.): Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus. 2. Auflage. Wien 1993, S. 116. Zitiert nach: N. N. 2003, S. 96. Die Jugendgruppe der AFP nannte sich anfangs AFP-Jugend und gab 2001Schiedel 2007 gibt an, die AFP-Jugend habe sich Anfang 2002 etabliert. (Schiedel 2007, S. 92). die erste Ausgabe ihrer Zeitschrift Jugend Echo heraus. Im Jänner 2003 benannte sie sich in Bund freier Jugend um.N. N. 2003, S. 143. Innerhalb kurzer Zeit sammelten sich im Großraum Linz rund 50 Neonazis.Schiedel 2007, S. 92ff. Bei der Nationalratswahl 2006 unterstützte der BfJ die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), warf ihr aber schon bald danach wieder ein Abrücken vom „volkstreue[n] Gedankengut“ vor. Auf unterer Ebene, über den Ring Freiheitlicher Jugend Österreich, bestanden auch Kontakte und einzelne personelle Überschneidungen.Schiedel 2007, S. 149 f., 154, 157.

Bei seinen Veranstaltungen ging der BfJ regelmäßig konspirativ vor, um die Sicherheitsbehörden und mögliche Gegendemonstranten in die Irre zu führen.N. N. 2003, S. 117f. So trat er auch als Aktion Sichere Zukunft, als Bürgerinitiative „Wir sind das Volk“ oder als Junge Aktion auf.Sozialistische Jugend Österreich (Hrsg.): Trotzdem Verlag, Wien 2006, S. 25 (Standort: Bibliothek des DÖW, Wien). Der Wiener Teil der Gruppe verwendete einige Zeit auch den Namen Jugendkreis Hagen.N. N. 2003, S. 100. Das DÖW vermutet, dass Aktivisten des Bundes freier Jugend maßgeblich am Betrieb der von März 2009 bis Ende 2011 aktiven Neonazi-Website alpen-donau.info beteiligt waren. Der BfJ gehörte um das Jahr 2006 zu den aktivsten rechtsextremen Gruppen Österreichs und war mit verschiedenen ähnlichen Gruppierungen in Österreich und Deutschland vernetzt. Es gibt Hinweise darauf, dass er von älteren Aktivisten aus dem Umfeld der AFP finanziell unterstützt wurde.N. N. 2003, S. 119f. Während der BfJ im Verfassungsschutzbericht 2007 noch als der „aktivste Träger rechtsextremen Gedankenguts“ des Vorjahres bezeichnet wurde, scheint er in den Verfassungsschutzberichten seit 2008 nicht mehr auf. 2015 schrieb das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, dass der BfJ als solcher nicht mehr existiert, wenngleich sich seine Aktivisten weiterhin einschlägig betätigten.Neues von ganz rechts – August 2015: Prorussischer Rechtsextremismus. In: doew.at, abgerufen am 6. Oktober 2019. So sind etwa die ehemaligen führenden Aktivisten Stefan Magnet (AUF1) und Michael Scharfmüller (Info-Direkt) nach wie vor in der rechtsextremen Szene aktiv.Personalia - Info-DIREKT In: doew.at, abgerufen am 1. August 2025.

Laut dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes gehörten auch Mitglieder des „Objekts 21“ teilweise dem BfJ an.Wiener Zeitung: Österreichweit agierender Neonazi-Ring ausgehoben: Schlag gegen Neonazi-Szene. 24. Jänner 2013.

Eigendarstellung Der Bund freier Jugend sieht sich selbst als „hart“ und „verabscheu[t] […] ein verweichlichendes Wohlleben“. Nach Aussagen des Obmanns des BfJ, Rene Hönig, sei der Bund als „Alternative zur dekadenten Spaßgesellschaft“ gegründet worden, um „der Jugend wieder volkstreue Werte“ zu vermitteln. Die beiden Haupttätigkeitsfelder des BfJ seien Politik und Jugendarbeit. Politisch will er „dem diktatorischen Machtanspruch der ‚politisch Korrekten‘ und der Zersetzung der Identität und unserer Kultur“ entgegenwirken; bei der Jugendarbeit will er die „eigene Kultur“ „durch Jahresfeiern und traditionell gestaltete Feste“ lebendig erhalten und durch „[a]lternative Freizeitgestaltung und Bildungsarbeit“ die „Persönlichkeitsbildung junger Menschen“ betreiben. Die Verbindung der beiden Felder sieht Hönig als Erfolgsrezept des BfJ. „Aus verschiedenen, organisatorischen, rechtlichen, politischen Gründen“ habe der BfJ keine offiziellen Mitglieder; stattdessen habe er „unabhängige, freie, demokratie- und volksbewußte Mitstreiter“, die ehrenamtlich mitarbeiten.BfJ: Auf ihrer Website stehen die Mottos „entschlossen – frech – zielstrebig“ und „Für Familie Volk und Land“., abgerufen am 22. April 2007.

Der BfJ betont, eine Bewegung zu sein, und stellt Taten in den Mittelpunkt. Jeder sei unabhängig von seiner Vergangenheit und seinem Beruf willkommen;BfJ: Kameradschaft sei ein zentraler Wert.BfJ: , 25. Juli 2004. Die Diskussionen in nationalen Internetforen sehen sie als realitätsfern und nicht „dienlich für einen nationalen Kampf“, stattdessen fordern sie „Volksaufklärung durch aktive Propagandaarbeit“ auf der Straße.BfJ:

Darstellung des Verfassungsschutzes Der Bund freier Jugend war ab seiner Gründung im Jahr 2003 Gegenstand von staatspolizeilichen Ermittlungen. Die Gruppe und ihre Exponenten sind den Sicherheitsbehörden seit Beginn ihrer Tätigkeiten als Träger rechtsextremen Gedankengutes bekannt.Innenministerin Liese Prokop: (PDF; 16 kB), 23. Mai 2005. Gemäß dem Verfassungsschutzbericht 2006 spielen die Tätigkeiten des Bundes freier Jugend eine zentrale Rolle für die Entwicklung des Rechtsextremismus in Österreich. Der BfJ habe als einzige österreichische rechtsextreme Jugendorganisation eine „gefestigte Struktur und eine straffe Führung“. Wegen seiner „guten Kontakte zu allen wesentlichen Szenebereichen“ könnte der BfJ die rechtsextreme Szene in Österreich über Alters- und ideologische Unterschiede hinweg enger zusammenrücken lassen. Dies begründe „eine von dieser Gruppe ausgehende erhöhte Gefahr für die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit.“

Er betreibe eine „kontinuierliche und konsequente Rekrutierungsstrategie“. „In politisch-ideologischer Hinsicht wird“ – nach dem Vorbild der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD), zu der enge Kontakte bestehen – „langfristig auf die Ideologieverfestigung, die Heranbildung weltanschaulich geschulter Kader und die Etablierung politischer Positionierungen abgezielt.“ „Die Aktivitäten des BfJ weisen darauf hin, dass diese Personenverbindung mittel- und langfristig eine führende Rolle als Träger, Erhalter und Verbreiter rechtsextremen Gedankengutes in Österreich anstrebt.“ Im Verfassungsschutzbericht 2007 wird die Etablierung des BfJ als erfolgreicher Versuch eines Generationenwechsels in der rechtsextremen Szene bezeichnet. In der Öffentlichkeit versuche sich der BfJ als „harmlose, heimatverbundene Jugendgruppe“ zu präsentieren; er sei aber ein maßgeblicher Träger und Erhalter rechtsextremen Gedankenguts in Österreich. Der Kern der Organisation hätte 2006 aus rund 15 Personen bestanden, zu Veranstaltungen hätten regelmäßig ca. 60 Personen mobilisiert werden können.

Logo Das Logo des Bundes freier Jugend hat eine an ein Wappenschild erinnernde Form. Darin befindet sich unter der Abkürzung des Organisationsnamens in gebrochener Schrift eine blaue Kornblume. Die Kornblume war das Erkennungszeichen der NSDAP während ihres Verbots im Austrofaschismus.N. N. 2003, S. 105.

Aktivitäten Die Aktivitäten des Bundes freier Jugend lassen sich grob in einen politischen und einen (gegen-)kulturellen Bereich einteilen; sie umfassten folgende Bereiche:N. N. 2003, S. 101f. Schulung der Aktivisten: Mit Gruppentreffen, Lesezirkeln, Büchertischen und ähnlichem sollten Mitglieder politisch geschult und ideologisch gefestigt werden. Kulturelle Aktivitäten: Die Weltanschauung wurde auch über völkisch-kulturelle Aktivitäten wie Sonnwendfeiern und Kultstättenwanderungen gefestigt. Stärkung des Gemeinschaftsgefühls: Gemeinsame Tätigkeiten wie Treffen im eigenen „nationalen Jugendclub“, Wanderungen, Schiausflüge und Zeltlager sollten die Gemeinschaft festigen. Öffentlichkeitsarbeit: Mittels Öffentlichkeitsarbeit sollten die Mitglieder geschult, neue Mitglieder gewonnen und die Bevölkerung über die Ansichten des BfJ informiert werden. Zu diesem Zweck gab der BfJ die Zeitschrift Jugend Echo heraus, verteilte Flugblätter, affichierte Plakate und führte kleinere Kundgebungen durch.

Das Schulungskonzept des BfJ war eher auf Kaderschulung denn auf die Bildung einer Massenbasis ausgerichtet.N. N. 2003, S. 102, 104. In Österreich gab es lange Zeit keine Jugendorganisation, die junge rechte Aktivisten abseits des studentisch-burschenschaftlichen Spektrums und des Rings freiheitlicher Jugend regelmäßig politisch und weltanschaulich schulen konnte. Diese Lücke füllte der BfJ aus.N. N. 2003, S. 102.