Die GASAG AG ist ein deutsches Energieversorgungsunternehmen und einer der größten regionalen Energieversorger in Berlin. Mit ihren Tochterunternehmen beliefert die GASAG rund 800.000 Haushalts- und Gewerbekunden mit Erdgas, Bioerdgas und Ökostrom; außerdem ist sie mittelbar Verteilnetzbetreiber und Produzent von erneuerbaren Energien sowie Energiedienstleister.

Die Geschichte der GASAG beginnt 1847, als die ersten beiden städtischen Gaswerke in Berlin begannen, Stadtgas zu produzieren. Die derzeitige Struktur der GASAG-Gruppe ist das Resultat einer mehrstufigen Privatisierung seit der deutschen Wiedervereinigung und der Umwandlung in einen Konzern mit Gründungen von verschiedenen Tochtergesellschaften sowie Beteiligungen an weiteren Energieversorgungs- und Dienstleistungsunternehmen.

Geschichte

Vorgeschichte: Die erste Gaserleuchtungs-Anstalt (1825–1844) mini|Lageplan der ersten englischen Gasbeleuchtungsanstalt, 1826

Die in London gegründete Imperial Continental Gas Association (ICGA) hatte es sich zur Aufgabe gemacht, in den größeren Städten Kontinentaleuropas eine Gasversorgung aufzubauen. Am 25. April 1825 schloss sie für 31.000 Thaler im Jahr einen Vertrag mit dem Preußischen Ministerium des Innern und der Polizei über die Gasbeleuchtung der Straßen. Am 21. September 1826 meldete die Vossische Zeitung das Brennen der Gaslaternen auf dem Boulevard Unter den Linden bis zur Schloßbrücke. Zwischen der Stadt und der ICGA kam es nach einem weiteren Ausbau des Gasnetzes zum jahrelangen Streit. In der Folge erhielt die Stadt am 25. August 1844 per königlicher Kabinettsorder die Genehmigung, ab dem 1. Januar 1847 die öffentliche Beleuchtung zu übernehmen.Bärthel, S. 16 ff.

Die Stadt errichtet eigene Gaswerke (1844–1914) links|mini|Gasanstalt III Müllerstraße, um 1897

Rudolf Sigismund Blochmann wurde 1842 mit der Planung zur Gaslieferung an rund 25.000 Abnahmestellen beauftragt. Am 1. Juli 1845 war der Baubeginn der beiden ersten städtischen Gaserleuchtungsanstalten. Im nordöstlichen Teil entstand unter der Bauleitung des Sohnes Georg Moritz Sigismund Blochmann die I. Städtische Gasanstalt südlich der Schillingbrücke zwischen Stralauer Platz und der Spree sowie im Südwesten die II. Städtische Gasanstalt (Gaswerk Hellweg) östlich der Prinzenstraße (heute: Böcklerpark) zwischen der Gitschiner Straße und dem damals im Ausbau befindlichen Landwehrkanal. Am 1. Januar 1847 begannen beide Gaswerke mit dem Betrieb.

mini|I. Städtische Gasanstalt am Stralauer Platz, um 1900 mini|GASAG-Geschäftshaus, das ehemalige Verwaltungsgebäude in der Littenstraße

Bedingt durch einen Preiswettbewerb mit der ICGA, die zunehmende Verbreitung von Gasherden und die wachsende Bevölkerung stieg die Zahl der Gasanschlüsse schnell an. Die Gasanstalten versorgten Ende 1847 3.350 öffentliche Gasflammen, 2.164 königliche Gasflammen und 15.114 Privatflammen. Die Gasproduktion stieg von rund fünf Millionen Kubikmeter im Jahr 1850 auf 149 Millionen m³ im Jahr 1890 an. Vier Gaswerke versorgten 1890 insgesamt 27.900 öffentliche Leuchten und 1,5 Millionen Privatflammen. Neu gebaut und mehrfach erweitert wurde die Gasanstalt III an der Müllerstraße (Sellerstraße) am Nordhafen sowie Nr. IV an der Danziger/Greifswalder Straße. Das Gaswerk V an der Forckenbeckstraße im Ortsteil Schmargendorf folgte 1892 (Stilllegung: 1924) und das Großgaswerk (Nr. VI) in Tegel wurde 1905 eröffnet.Bärthel, S. 24 ff.

Die Städtischen Gaswerke hatten sich zum größten Gasversorger Europas entwickelt. Aufgrund der umfangreichen Verwaltungsarbeiten wurde am 26. Oktober 1910 in der Neuen Friedrichstraße 109 (heute: Littenstraße) ein zentrales Verwaltungsgebäude bezogen. Das von Ludwig Hoffmann geplante, denkmalgeschützte Gebäude im Neorenaissance-Stil blieb bis 2002 in Nutzung des GASAG-Konzerns.

Erster Weltkrieg (1914–1918) In den ersten beiden Jahren des Ersten Weltkriegs stieg die Gasabgabe von 304 auf fast 330 Millionen m³, weil die Bevölkerung aufgrund des Kohlenmangels auf Gas auswich. Darüber hinaus wurden kriegswichtige Betriebe neu mit Gas versorgt. Schwere Arbeiten, zum Beispiel Erdarbeiten oder Kohletransporte, wurden 1915/1916 durch Kriegsgefangene oder Auslandsarbeiter in großer Zahl durchgeführt. Kriegsbedingt wurde ab 1917 die Gasentnahme kontingentiert und im Jahr 1919 sogar Sperrstunden für die Entnahme eingeführt.Bärthel, S. 78

Infolge des Krieges mit England wurde im Juli 1916 die englische Gasgesellschaft ICGA liquidiert, wodurch eine grundlegende Umstrukturierung der Gaswirtschaft im Berliner Raum eingeleitet wurde. Die Stadt Berlin war an einer Vereinheitlichung interessiert, während die Regierungsstellen versuchten, die Bestrebungen Berlins zu einem kommunalpolitischen Zusammenschluss in Richtung eines künftigen Groß-Berlins zu unterbinden. Das Angebot des Liquidators einer Minderheitsbeteiligung Berlins wurde durch den Magistrat von Berlin als Affront abgelehnt. Im April 1918 erhielten deshalb die Landkreise Teltow und Niederbarnim den Zuschlag für die gesamte Liquidationsmasse.Bärthel, S. 79

Umverteilung der Gaspotentiale (1919–1929) mini|hochkant|Reservoirturm des ehemaligen Gaswerks Charlottenburg II, Gaußstraße 11

Am 27. April 1920 verabschiedete die Preußische Landesversammlung das Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin (Groß-Berlin-Gesetz). Durch den Zusammenschluss von acht Städten, 59 Gemeinden und 27 Gutsbezirken entstand für die Städtischen Gaswerke eine völlig neue Situation. Sie besaß jetzt 16 Gaswerke und Anteile an den Gasgesellschaften der ehemaligen Randgebiete, der Deutschen Gasgesellschaft AG für den Kreis Teltow und der Gasgesellschaft Niederbarnim mbH. Nach Übergangsregelungen wurden durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 26. Oktober 1923 drei gleichartige Aktiengesellschaften für die Städtischen Werke (Gas, Wasser, Elektrizität) gebildet, bei denen die Stadt 100 % der Aktien besaß. Die neue Firmenbezeichnung lautete Städtische Gaswerke AG. Als Abkürzung bürgerte sich der Begriff Gasag ein.Bärthel, S. 80/81

Die kleinen, sehr teuer produzierenden Gemeindegaswerke und die auf 11.375 Mitarbeiter gestiegene Beschäftigungszahl (bei einer Produktionsleistung von 2,172 Millionen m³ pro Tag und einer Rohrnetzlänge von 4148 km) zwangen die Gasag zur Rationalisierung. 1921 wurden die Gaswerke in Wittenau und Tegel geschlossen, 1922 die Gaswerke Gitschiner Straße, Lichtenberg I und Heiligensee, 1923 Friedrichshagen und Rahnsdorf, 1924 Schmargendorf und Hermsdorf sowie 1925 Köpenick. Zur Vereinheitlichung der Berliner Gasversorgung gingen die Gaswerke Oberschöneweide und Weißensee I und II sowie die von ihnen versorgten Gebiete am 1. April 1925 an die Gasag über. Dafür überließ Berlin die versorgten Gebiete im Kreis Niederbarnim dem Kreis kostenlos zur alleinigen Versorgung. Mit dem Anschluss von Falkensee und Staaken im Jahr 1927, Gatow/Kladow (1927/1928), Hennigsdorf (1928) und Wannsee (1929) war die Ausgestaltung des Fernversorgungsnetzes aus heutiger Sicht im Wesentlichen abgeschlossen.Bärthel, S. 81–89

Gas im Berlin der 1930er Jahre (1929–1939) Die Weltwirtschaftskrise von 1929 erfasste auch Berlin. Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren so schlecht, dass im Jahr 1931 versucht wurde, die Gasag zu verkaufen. Die Gasabnahme von Haushalten und Industrie ging von Jahr zu Jahr zurück und erreichte 1934 mit 390.000 m³ Tageserzeugung ihren Tiefpunkt.

Die Gaubehörde der NSDAP empfahl der Stadt 1934, im Laufe der nächsten zehn Jahre mit Investitionen von rund 50 Millionen Mark alle Gaswerke auf modernen Kokereibetrieb umzurüsten. Als erste Maßnahme wurde 1935/1936 das Gaswerk Lichtenberg zur Gaskokerei ausgebaut. Die von den Nationalsozialisten herausgegebene Direktive zur stärkeren Nutzung heimischer Rohstoffe führte 1935 zur Inbetriebnahme einer Gastankstelle für Busse der Berliner Verkehrsbetriebe und zum Bau von Anlagen zur Benzolherstellung in den Werken Lichtenberg, Neukölln und Charlottenburg.

Im Januar 1937 erfolgte die Umwandlung der Städtischen Gaswerke AG in einen Eigenbetrieb der Stadt unter der Bezeichnung Berliner Städtische Gaswerke (Gasag). Infolge der verbesserten Finanzlage war die Stadt Berlin 1939 in der Lage, dem Kreis Teltow alle Aktien der Deutschen Gesellschaft abzukaufen. Damit vergrößerte sich das städtische Gasversorgungsnetz um 2231 km auf insgesamt 6971 km Länge. Als äußeres Zeichen der nunmehr einheitlichen Besitzverhältnisse im Berliner Raum wurde der Name des Eigenbetriebes auf Berliner Gaswerke geändert.Bärthel, S. 90–96

Krieg und Nachkriegszeit (1939–1949) links|mini|Gas-Tankstelle am Gaswerk Dimitroffstraße, 1948

Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs stieg der Gasbedarf durch die Anforderungen der Rüstungsindustrie bis zum Jahr 1942 auf die Rekordabgabe von 871 Millionen m³ pro Jahr.

Die Gasag betrieb ab 1939/1940 mindestens zwei Kriegsgefangenenlager in der Lankwitzer Straße 48 und im Blockdammweg 62–68 mit Kriegsgefangenen aus Frankreich und Polen, die für das Unternehmen arbeiten mussten.Lagerdatenbank Berlin Rheinmetall-Borsig hatte auf dem Gelände der GASAG in der Bernauer Straße 96 ein großes Lager mit Namen Wohnheim West errichtet.Klaus Neitmann (Hrsg.): Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands. Ab Band 45. Zeitschrift für vergleichende und preussische Landesgeschichte. Band 53; ISBN 978-3-598-23202-2, Verlag K G Saur, S. 227/279. Auch andere GASAG-Standorte wurden für die Errichtung von Zwangsarbeitslagern zur Verfügung gestellt. Im Jahr 2000 zahlte GASAG zusammen mit anderen ehemals öffentlichen Versorgungsunternehmen in Berlin vier Millionen Mark in die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ der deutschen Wirtschaft ein.BSR, BVG und Bewag zahlen NS-Entschädigung. In: Berliner Zeitung, 19. Dezember 2000.

Trotz der alliierten Luftangriffe und der kriegsbedingten Schäden blieb die städtische Gasversorgung bis zum Beginn der unmittelbaren Kampfhandlungen im April 1945 voll in Funktion. Nach der Schlacht um Berlin und dem Kriegsende waren von den 38 großen Gasbehältern einer unbeschädigt und nur ein Prozent des 7000 Kilometer langen Rohrnetzes betriebsfähig.

mini|Kohleanlieferung Gaswerk Greifswalder Straße, 1948

Die kriegsbedingten Schäden am Rohrnetz konnten bis zum Jahresende 1945 provisorisch repariert werden. Die Alliierte Kommandantur ordnete die Einstellung der Gasproduktion in drei Gaswerken ab September 1945 an, jeweils ein Werk im Sowjetischen, Amerikanischen und Britischen Sektor. Trotzdem gelang es bis zum Jahresende 1945, in 15 der damals 20 Bezirke Berlins eine halbwegs funktionierende Gasversorgung sicherzustellen. Ende 1946 waren wieder 44 % der Vorkriegskapazitäten der Gasproduktion, 88 % des Rohrnetzes und 11.000 öffentliche Gaslaternen in Betrieb.Bärthel, S. 97–106

Als politische Antwort auf die Währungsreform der Westmächte veranlasste die Sowjetunion 1948 die Sperrung aller Land- und Wasserwege zwischen den Westzonen und Berlin. Die Berlin-Blockade führte zur Einrichtung der Berliner Luftbrücke ab dem 26. Juni 1948. Am selben Tag ordnete die amerikanische Militärregierung die Abtrennung der Gasversorgung West-Berlins an. Mit der Gründung der Berliner Gaswerke (Gasag) am 26. März 1949 im Westsektor erfolgte die organisatorische und rechtliche Trennung der Gasversorgungsbetriebe, die mehrere Jahrzehnte andauern sollte.Bärthel, S. 107–109

Gasversorgung im Ostteil der Stadt (1949–1990) mini|hochkant|Bau Gasbehälter in Lichtenberg, 1960

Der Ost-Teil der Berliner Gaswerke wurde am 1. Januar 1956 in den Volkseigenen Betrieb (VEB) Gasversorgung Berlin umgewandelt. Die Zuständigkeit für den Betrieb wechselte vom Magistrat zum DDR-Ministerium für Kohle und Energie (und im April 1958 wieder zurück).