Stücken () ist der flächenmäßig größte Ortsteil der Gemeinde Michendorf im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg (Deutschland). Das Dorf liegt im Naturpark Nuthe-Nieplitz und hat einschließlich der Ortslage Gut Breite 498 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2025) auf einer Fläche von 13,80 Quadratkilometern.

Der sehr wahrscheinlich bereits in der slawischen Zeit besiedelte Ort war im Mittelalter ein Gutsdorf, das über ein Vorwerk verfügte. Das lange durch die Landwirtschaft geprägte Dorf ist wegen der zentralen Lage im Naturpark Nuthe-Nieplitz auf Grundlage einer lokalen Nachhaltigkeitsstrategie in seiner Entwicklung zunehmend auf einen behutsamen Tourismus ausgerichtet und diente mehrfach als Filmkulisse.

Geschichte mini|Sticken als Ortsbezeichnung in der Karte Marcia media vulgo middle mark in Brandenburg von Moses Pitt, 1680 bis 1689 mini|Der Burgwall Körzin zwischen Stücken und Körzin mini|Eine Gedenktafel an der Ostmauer der Kirche erinnert an den im Ersten Weltkrieg gefallenen Friedrich Wilhelm Graf von Lüttichau mini|Blick in die Stückener Dorfstraße Richtung Nordwest

Etymologie Die erste bekannte Erwähnung des Ortsnamens findet sich in zwei Urkunden, die den Personennamen eines Gyso („Gyso, miles, dictus de Stycker“Adolph Friedrich Riedel (Hrsg.): Codex diplomaticus Brandenburgensis. Hauptteil 1. Band 10. G. Reimer, Berlin 1856, Urkunde CIX: Heidenreich von Trebbin, Castellan zu Blankensee, verkauft dem Kloster Lehnin einen Wald in der Nähe von Stangenhagen, am 4. August 1317. S. 232 f., hier S. 232. als Zeuge 1317 in Stangenhagen) oder Giese („Giese de Sticken“Adolph Friedrich Riedel (Hrsg.): Codex diplomaticus Brandenburgensis. Hauptteil 1. Band 10. G. Reimer, Berlin 1856, Urkunde CXIII: Herzog Rudolph von Sachsen bestätigt dem Kloster Lehnin das Dorf Schmargow und den Hof Trebegoz, am 22. Januar 1321. S. 235 f., hier S. 236. 1321 in Beelitz) enthalten.Peter P. Rohrlach (Bearb.): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. In: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 14, Teil V: Zauch – Belzig. Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, S. 419. (Teil-Digitalisat).Siehe auch 1375 verzeichnet das Landbuch Karls IV. die Siedlung als „Sticken“.Johannes Schultze (Hrsg.): Brandenburgische Landbücher. Band 2: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin. Band 8,2). Gsellius, Berlin 1940, S. 41. Reinhard E. Fischer führt den Namen auf die deutsche Übersetzung des slawischen Namens des Nachbarortes Körzin zurück. Körzin (vorher Ketzin) bedeutete im Slawischen Ort, wo Stöcke, Baumstümpfe sind. Im Mittelniederdeutschen stand sticke, sticken für spitzes Ding, Stecken, in die Erde geschlagener Pfahl.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. In: Brandenburgische Historische Studien. , Band 13, Be.Bra Wissenschaftsverlag, Berlin 2005, ISBN 3-937233-30-X, S. 94, 166.

Slawische und deutsche Besiedlung Funde von Tonscherben im nördlich von Stücken gelegenen Michendorfer Ortsteil Wildenbruch belegen, dass die Niederungsgebiete östlich der Zauche bereits früh von den Sueben, dem elbgermanischen Teilstamm der Semnonen, besiedelt waren. Nach der Wanderung der Germanen ab dem 3. und 4. Jahrhundert in Richtung Schwaben zogen in den wahrscheinlich weitgehend siedlungsleeren Raum im 6. und 7. Jahrhundert Slawen ein. Etwa zwei Kilometer südlich der Stückener Ortslage, direkt an der Gemeindegrenze zum Beelitzer Gemeindeteil Körzin und in unmittelbarer Nähe des Königsgrabens, sind Reste des Burgwalls Körzin, eines slawischen Ringwalls, erhalten geblieben. Wann genau im 1317 ersterwähnten Stücken die deutsche Besiedlung einsetzte, ist nicht bekannt. Im benachbarten Wildenbruch erfolgte sie im Zuge der Deutschen Ostsiedlung um 1180, also bereits kurz nach Gründung der Mark Brandenburg durch Albrecht den Bären im Jahr 1157.

Gutsdorf Zwischen 1412 und 1945 war Stücken ein Gutsdorf und befand sich bis Ende des 18. Jahrhunderts überwiegend im Eigentum der Familie von Thümen, die ihren Hauptsitz im benachbarten Stangenhagen am Südrand des später von Theodor Fontane so genannten Thümenschen Winkels hatte.Derselbe: Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Teil 4: Spreeland. Kapitel: Blankensee. Ullstein, Frankfurt/M. – Berlin 1998, ISBN 3-548-24381-9, S. 456 f. Ein weiterer Gutsanteil gehörte über Jahrhunderte der Familie von Schlabrendorf,Stücken bloggt: Ortschronik Stücken: 1317 bis 1796., Hrsg. Heimatverein Stücken e. V. Stand 10. September 2025. die in Siethen und Gröben an der nördlichen Dreiecksspitze des Thümenschen Winkels residierte. Otto von Schlabrendorf veräußerte den Schlabrendorf’schen Anteil 1721 an Melchior Heinrich von Thümen, der beide Anteile seinem Sohn Christian Joachim von Thümen vererbte. Dessen am 30. Dezember 1757 in Stücken geborener Sohn war der bekannte preußische Generalleutnant August von Thümen. Christian Joachim von Thümen verkaufte 1786 beide Gutsanteile dem Teltowischen Landrat Alexander Gustav von der Liep(p)e(n).

Nach dessen Tod begann mit dem Kauf des Gutes 1797 durch Major Heinrich Ernst von Brucken genannt Fock, die fast 150-jährige Eigentümerschaft der von Bruckens in Stücken. Der Sohn des Heinrich Ernst von Brucken, der spätere Oberregierungsrat Heinrich Friedrich von Brucken, starb 1872 kinderlos. So fiel der Gutsbesitz an die baltische Linie derer von Brucken und der aus dem Kurland stammenden Baron Louis von Brucken. Er übernahm zusammen mit seiner Frau Anna, Baronin von Rahden - Davidischek, das Gut und konnte einige Jahre später dessen Wert steigern. Aus der 1883 in Dresden geschlossenen Ehe stammten die Kinder Günther, Elisabeth (1887–1973) und Lucie (1884–1941). Lucie ehelichte 1910 den als Autor tätigen Militärschriftsteller und Offizier Joachim von Goertzke. Lucie und Joachims Sohn Dietrich von Goertzke, dann Dietrich von Brucken gen. Fock von Goertzke (1919–1945), wurde von Günther von Brucken 1941 adoptiert. Elisabeth heiratete Friedrich Wilhelm Graf von Lüttichau,Der vollständige Name lautet: Friedrich Wilhelm Traugott August Alexander Maximilian, Graf von Lüttichau (* Matzdorf, 26. Mai 1878; † 10. November 1914) einen Hauptmann im Königsgrenadierregiment, der 1914 im Ersten Weltkrieg starb. Der älteste Sohn von Louis und Anna von Brucken, Günther (1889–1959), war zunächst auf der Brandenburger Ritterakademie, machte sein Abitur auf Friderico-Francisceum zu Doberan, studierte Musik in Berlin und wirkte als Musiklehrer am Stern’schen Konservatorium. Nebenbei gab er auch privat Klavierunterricht, konzertierte als Musiker und lebte in Berlin. Später übernahm er das Gut, zu dem 1923 und nachweislich 1929 etwa 540 ha Land, davon 230 ha Ackerfläche und 187 ha Wald, gehörten. Auch wenn der Forst zum Gut Stücken nicht die Hauptrolle spielte, so war Günthers Vater Baron Louis dennoch Mitglied der hoch anerkannten Dendrologischen Gesellschaft. 1928 wurde das Rittergut gemäß dem preußischen Gesetz zur Gemeindeverfassung als juristisch vormals eigenständiger Ort mit dem Dorf Stücken vereint. Baronin von Brucken starb Anfang Juni 1939 und wurde in aller Stille in Stücken beigesetzt.Walter von Bogen und Schönstedt:

Stimmten bei der Reichstagswahl 1930 nur 11 Prozent der Wähler für die NSDAP, lag deren Anteil drei Jahre später bei 75 Prozent. Im Zweiten Weltkrieg verloren 52 Stückener Bürger ihr Leben.Stücken bloggt: Ortschronik Stücken: 1797 bis 1945, Hrsg. Heimatverein Stücken e. V. Stand 10. September 2025. Ihnen und den Opfern des Ersten Weltkrieges ist das Kriegerdenkmal an der Stückener Dorfstraße gewidmet. Ende April 1945 besetzte die Rote Armee den Ort. Das Gutshaus, auf dessen Gelände sich der heutige Sitz des Landschafts-Fördervereins Nuthe-Nieplitz-Niederung befindet, brannte am 1. Mai 1945 vollständig ab. Der Gutsherr floh zunächst nach Beelitz und später nach Berlin, wo er am 17. Mai 1959 starb.Stücken bloggt: Ortschronik Stücken: 1797 bis 1945., Hrsg. Heimatverein Stücken e. V. Stand 10. September 2025.

Vorwerk Breite

Zum Dorf gehört das 1920 eingemeindete, am Blankensee gelegene Vorwerk Breite, welches zu diesem Zeitpunkt 250 ha groß war und der Landesversicherungsanstalt Berlin gehörte und zuvor die Jahre der Deutschen Ansiedlungsbank, respektive den Geschwistern von Thümen. Bei Breite verlief bis zum Wiener Kongress 1815 die Grenze zwischen Preußen und einer sächsischen Enklave um Stangenhagen. Geteilt in „sächsisches und preußisches Thümenland“ dienten die von Thümens gewissermaßen zwei Herren, was nicht frei von Verwicklungen blieb, zum Beispiel bei Desertionen vom einen ins andere Land. „Das war denn, wie sich denken läßt“, schrieb Theodor Fontane, „in den Tagen Friedrich Wilhelms I. eine Sache von «Importance», jeder Deserteur wußte davon, und so unbequem der Thümensche Winkel für den König lag, so bequem lag er für den Flüchtling.“ Ihre Schafe trieben die von Thümens bevorzugt auf ihr preußisches Gebiet bei Breite.Christa und Johannes Jankowiak: Unterwegs an Nuthe und Nieplitz. S. 118. Heute verläuft unmittelbar hinter dem Wohnplatz in Richtung Blankensee die Landkreisgrenze zwischen Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming. Das Gutshaus des ehemaligen Rittergutes wurde 1987 wegen Baufälligkeit abgerissen. Verblieben sind in Breite drei Gehöfte.

Verwaltungszugehörigkeit und Entwicklung der Einwohnerzahl Von 1993 bis zur Eingemeindung nach Michendorf am 26. Oktober 2003 war Stücken eine eigenständige Gemeinde im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Bis 1817 zählte das Dorf zum Zaucheschen Kreis und bis zu dessen Auflösung 1952 zum Landkreis Zauch-Belzig. Fortan gehörte Stücken zum Kreis Potsdam-Land und nach der Wende von 1990 bis 1993 zum Kreis Potsdam.

1875 lebten im Ort 453 Einwohner, 50 Jahre später 512 und nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl aufgrund der Kriegsflüchtlinge auf 639 (29. Oktober 1946). Danach nahm die Bevölkerung stetig ab. Am 31. Dezember 1981 lebten nur noch 353 Menschen im Ort. In den Jahren 1994/95 wurde das Dorf am nördlichen Ortseingang um die Siedlung Am Weinberg wesentlich erweitert. Mit ihr stieg die Einwohnerzahl um mehr als ein Drittel; Ende 2025 lag die Zahl inklusive der Ortslage Breite bei 498.

Einwohnerentwicklung von Stücken seit 1875 Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner 1875 453 1939 436 1981 353 2000 529 2025 498 1890 466 1946 639 1985 377 2005 503 1910 459 1950 591 1989 354 2010 490 1925 512 1964 408 1990 363 2015 472 1933 468 1971 384 1995 514 2020 496

Verkehrsanbindung und Nachbargemeinden Durch das Dorf führt die Landesstraße 73 (L 73), die von Michendorf über Luckenwalde bis nach Baruth/Mark verläuft. Die Buslinie 608 der regiobus Potsdam Mittelmark verbindet Stücken nach Norden mit der Hauptgemeinde Michendorf und der Landeshauptstadt Potsdam und nach Süden mit Dobbrikow in der Gemeinde Nuthe-Urstromtal im Landkreis Teltow-Fläming. Wochentags fährt der Bus nahezu stündlich zwischen 5 und 21 Uhr, am Wochenende siebenmal zwischen 7 und 20 Uhr. Mit der Buslinie 644 erfolgt an Schultagen der Schulbusverkehr nach Beelitz morgens und nachmittags.

Folgende Orte umgeben Stücken: im Westen der Beelitzer Ortsteil Schlunkendorf, im Nordwesten Kähnsdorf (ein Ortsteil der Gemeinde Seddiner See), im Norden der Michendorfer Ortsteil Fresdorf, im Nordosten der Nuthetaler Ortsteil Tremsdorf, im Osten der Trebbiner Ortsteil Blankensee und im Süden der Beelitzer Ortsteil Zauchwitz mit dem Gemeindeteil Körzin.

Politik und Bildung Ortsteilvertretung Seit der Eingemeindung nach Michendorf im Jahr 2003 ist Stücken ein Ortsteil der Gemeinde. Stücken wird gemäß Hauptsatzung durch den Ortsvorsteher und einen Ortsbeirat in der Gesamtgemeinde vertreten.

Aktueller Ortsvorsteher ist seit dem 2. Juli 2024 Udo Reich (Unabhängige Wählergemeinschaft/Freie Wähler). Zum Ortsbeirat gehören Jens Schreinicke (CDU) als stellvertretender Ortsvorsteher, sowie Swen Kieburg (CDU).

Bildung