Crainfeld ist ein Ortsteil der Gemeinde Grebenhain im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Geografie mini|Blick vom Maienberg auf Crainfeld

Crainfeld liegt am südöstlichen Rand des Hohen Vogelsberges in einer Höhe von . Die Gemarkung von Crainfeld hat eine Größe von 1005 ha und erstreckt sich über eine Höhe von 435 bis 510 m über NN. Von ihr sind 708 ha landwirtschaftlich genutzte Fläche, 196 ha Waldfläche sowie 101 ha Siedlungs- und Verkehrsfläche. Das Dorf Crainfeld befindet sich auf einer leichten Anhöhe oberhalb der Lüder, die östlich des Ortes vorbeifließt und nach 40 km bei Lüdermünd im benachbarten Landkreis Fulda in die Fulda mündet.

Klima Die klimatischen Begebenheiten sind, wie im gesamten Vogelsberggebiet, recht rau. Mit durchschnittlicher Jahrestemperatur von 6 °C und Niederschlägen von rund 1.000 mm pro Jahr ist die landwirtschaftliche Nutzungsperiode relativ kurz. Die durchschnittliche Temperatur von Mai bis Juli erreicht 14,5 °C, Spätfrost kann bis Ende Mai auftreten. Daher wird der hohe Vogelsberg im Volksmund gelegentlich als Hessisch-Sibirien bezeichnet. Aufgrund seiner exponierten Lage ist Crainfeld in besonderem Maße Kaltluft und Wind ausgesetzt.

Ortsgeschichte mini|Ersterwähnungsurkunde vom 29. Dezember 1012

Mittelalter Der Ort liegt an einem frühmittelalterlichen Höhenweg Herchenhain-Crainfeld-Steinfurt-Schlechtenwegen-Blankenau-Fulda.Willi Görich: Ortesweg, Antsanvia und Fulda in neuerer Sicht. Zur Heimführung des Bonfacius vor 1200 Jahren. In: Germania, Korrespondenzblatt der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts 33 (1955). Beilage 2. S. 68–88. S. 80, doi:10.11588/ger.1955.43631.

Der Ortsname wird in der Ortsnamenforschung als „Krähenfeld“ gedeutet.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation Göppingen 1973, S. 77 f.

Crainfeld dürfte bereits um 800 im Zusammenhang mit den beginnenden Rodungen und dem Landesausbau im Vogelsberggebiet während des hohen Mittelalters entstanden sein. Es gehörte als Gerichtsort zum Besitz des Klosters Fulda in der Wetterau, der von den Grafen von Nidda als seinen Vögten verwaltet wurde. Nach dem Erlöschen des Niddaer Grafenhauses 1206 kam es an die Grafen von Ziegenhain und mit deren Aussterben 1450 an die Landgrafen von Hessen. In althessischer Zeit war Crainfeld Sitz des gleichnamigen Gerichts, das aus den Gemeinden Crainfeld, Grebenhain, Bermuthshain und Ilbeshausen bestand und zum Amt Nidda gehörte. Das Gericht Crainfeld wird erstmals 1311 in einem Ehevertrag des Grafen Johann von Ziegenhain genannt. Nach den verschiedenen hessischen Landesteilungen im 16. Jahrhundert kam es 1604 zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.

Die Ersterwähnung findet sich in einer Königsurkunde vom 29. Dezember 1012: „... loca in ufe creginfeld, Warmuntessneida et in Illiwineshusen ...“,Harry Bresslau: Hrsg., Die Urkunden Heinrich II. und Arduins. Nachdruck 2001. = Monumenta Germaniae Historica. Diplomata. 4; 3. Nr. 253. in der König Heinrich II. der Abtei Fulda den Forst Zundernhart (oder Branfirst) schenkt. Neben Warmuntessneida (Bermuthshain) werden in dieser Schenkungsurkunde unter anderem Iliuuineshusun (Ilbeshausen), ufe Creginfelt, Widenaho (Weidenau) und Calbaho (Kalbach) als Grenzpunkte des geschenkten Gebietes genannt. Als Siedlungsform wird hier der Ort als Dorf genannt.

Die Überlieferung der Urkunde findet sich ebenso in einem berühmten Kopiar, dem Codex Eberhardi, geschrieben um 1160, die auf 1012 datiert wird: „... deinde in Warmuntessneita et Illiwineshusen ...“ (darauf in Bermuthshain und in Ilbeshausen).StAM, K 426, fol. 50 r.

Eine im Codex Eberhardi überlieferte Notiz, die im Original auf die Zeit um 800 bis 900 datiert wird, nennt einen Cancher de Creienvelt, der seine Güter in der Mark des Ortes Rodheim an der Horloff in der Wetterau der Abtei Fulda schenkte. Im Jahr 900 überließ ein Graf Stephan den Ort Soden mit beschriebenem Bezirk gegen den Ort Crichesfeld.

Laut Codex Eberhardi wurde, auf 1020 datiert, die Pfarrei Crainfeld eingerichtet und die erste dem heiligen Ulrich geweihte Kirche erbaut.

Die älteste historische Quelle, in der Crainfeld erwähnt wird, ist eine Urkunde vom 29. Dezember 1012, in der König Heinrich II. der Abtei Fulda den Forst Zundernhart schenkt. Neben ufe Creginfelt (Crainfeld) werden in dieser Schenkungsurkunde unter anderem Iliuuineshusun (Ilbeshausen), Warmuntessneida (Bermuthshain), Widenaho (Weidenau) und Calbaho (Kalbach) als Grenzpunkte des geschenkten Gebietes genannt.

„... Rudgerus de Creigenuelt ...“ wird 1264 urkundlich erwähnt.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 1. Nr. 200, S. 157.

Im Spätmittelalter wurde das Gericht Crainfeld wiederholt von den Äbten des Klosters Fulda verpfändet, so 1332 an die Ritter von Fischborn, 1399 an die Riedesel zu Eisenbach, 1407 an die Herren von Merlau und von 1441 bis 1451 erneut an die Riedesel. Gemäß einem zwischen Landgraf Wilhelm II. von Hessen und dem Gericht Crainfeld 1493 geschlossenen Abkommen hatten die Männer der Dörfer Kreyenfelt und Bernhartsheim jährlich 100 Viertel Hafer aus dem Amt Nidda auf das Marburger Schloss zu führen. Neuzeit 1542 wurde zwischen der Landgrafschaft Hessen und den Herren Riedesel zu Eisenbach ein Vertrag über die Festlegung der Grenzen zwischen dem hessischen Gericht Crainfeld und dem riedeselischen Gericht Moos geschlossen, um die ständigen gegenseitigen Grenzstreitigkeiten zu beenden. In zwei Verzeichnissen von Personen, die ein Furstgelt (Abgabe für Bau- und Brennholz) entrichteten, werden 1549 alle insgesamt 25 zahlungspflichtigen Personen aus Crainfeld genannt, das damals 51 Hausvorstände zählt. Dies ist die erste Nennung einer größeren Zahl von Familiennamen in Crainfeld. Das 1556 folgende Salbuch des Amtes Nidda nennt dann alle Hausvorstände und enthält außerdem die älteste erhaltene Grenzbeschreibung des Gerichts Crainfeld.

Um 1580 bis 1590 wurde erstmals eine Schule in Crainfeld eingerichtet, die zunächst auch die Kinder aus den benachbarten Gerichtsdörfern besuchten, bevor dort eigene Schulen entstanden.

Während des Dreißigjährigen Krieges zogen die Truppen des Herzogs Christian von Braunschweig auf ihrem Weg zur Pfalz am 1. Juni 1622 durch das Gericht Crainfeld und plünderten es vollständig aus. Ein von dem Grafen Wolfgang Ernst I. von Isenburg-Büdingen kommandiertes Reiterregiment brannte Crainfeld fast vollständig nieder. 25 Einwohner des Ortes wurden ermordet und 114 Häuser, Scheunen und Ställe ein Raub der Flammen. Zu den zerstörten Gebäuden gehörten auch die Kirche, das Pfarrhaus mit allen Kirchendokumenten, das Amtshaus des Schultheißen (Edelhof), das Forsthaus sowie das Schulhaus. Nur acht Gebäude blieben erhalten. Der Gesamtschaden in Crainfeld, wie er im 1625 entstandenen Kriegsschadensverzeichnis des Oberfürstentums Hessen festgestellt wurde, betrug 20532 Reichstaler. In diesem Kriegsschadensverzeichnis werden erstmals auch drei jüdische Einwohner erwähnt. Der Wiederaufbau von Crainfeld und der Kirche begann bald nach 1622 und war bis etwa 1630 abgeschlossen. Im weiteren Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurde das Gericht wiederholt von Durchzügen, Einquartierungen und Plünderungen verschiedener Armeen und Truppen stark heimgesucht und verarmte völlig. Auf Veranlassung des Landgrafen erfolgte die Aufstellung von Schutzwachen (Salvaguardien) gegen die wiederholten Plünderungen. Dorf und Gericht waren nach Kriegsende vollständig verarmt, die wirtschaftliche Erholung dauerte mehrere Jahrzehnte.

Am 9. Juli 1652 erteilte Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt auf Gesuch sämtlicher Orte des Gerichts Crainfeld dem Gerichtsort Crainfeld das Recht zur Abhaltung eines freien Marktes an Johannis Enthauptung (29. August) als Krämer- und Viehmarkt. Der Crainfelder Herbstmarkt wurde noch bis zum Jahr 1973 abgehalten.

1685 wurde der Edelhof als Wohn- und Amtshaus der landgräflichen Oberschultheißenfamilie Ellenberger anstelle eines älteren Vorgängergebäudes neu erbaut. Das prächtige Fachwerkhaus ist bis heute erhalten und ein Wahrzeichen von Crainfeld.

Während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) lagerten abwechselnd französische und alliierte Truppen im Gericht Crainfeld und erzwangen umfangreiche „Fouragierungen“. 1759 vertrieben braunschweigische Truppen die Franzosen gewaltsam aus Crainfeld, wobei ein französischer Soldat getötet wurde. Im Sommer 1762 fand bei Crainfeld und Grebenhain ein größeres Gefecht statt, bei dem die Franzosen geschlagen wurden.

Nach dem Inkrafttreten der neuen hessischen Gemeindeordnung 1821 wurde die aus dem Mittelalter überkommene Gerichtsorganisation abgeschafft und das Gericht Crainfeld aufgelöst. An die Stelle des bisherigen Schultheißen trat ein gewählter Bürgermeister. Aus dem Gerichtsort wurde eine gewöhnliche Landgemeinde. 1832 wurde Crainfeld in den Kreis Nidda eingegliedert, 1848 in den Regierungsbezirk Nidda. Ab 1852 gehörte es zum Landkreis Lauterbach.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Crainfeld: Ein „... Altar zu Crehnveld ...“ wird 1342 genannt.Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. Darmstadt 1851. Nr. 700, S. 157.

mini|Parzellhandriss von 1832

Nach dem Neubau der hessischen Staatsstraße zwischen Lauterbach und Gedern in den Jahren 1831 bis 1857 büßte Crainfeld seine Rolle als Verkehrsmittelpunkt der Region ein und verlor allmählich an Bedeutung zugunsten des benachbarten Grebenhain, von dem es dann im Verlauf des 20. Jahrhunderts sowohl in Bezug auf die Einwohnerzahlen als auch die gewerblichen Betriebe überflügelt wurde. Dieser Prozess beschleunigte sich nach dem Bau der Nebenbahn Lauterbach-Gedern-Stockheim, die 1906 vollendet wurde, und dem Bau der Luftmunitionsanstalt Hartmannshain im Oberwald bei Grebenhain 1936, deren Gelände nach 1945 für Industrieansiedlungen genutzt wurde. An der Vogelsbergbahn erhielt Crainfeld 1901 einen gemeinsamen Bahnhof mit Grebenhain und 1906 eine Haltestelle in unmittelbarer Ortsnähe. Die Nebenbahnstrecke blieb bis 1975 für den Personenverkehr in Betrieb. Der Abbau der Gleisanlagen erfolgte 1997.

Durch den Zusammenbruch der bäuerlichen Hausweberei und die überwiegend kleinbäuerliche Landwirtschaft war Crainfeld im 19. Jahrhundert teilweise von großer Armut geprägt. Bis in die 1890er Jahre wanderten mindestens 32 Crainfelder, zum Teil mit ihren Familien, in die USA oderach Brasilien aus.

Von 1859 bis 1861 erfolgten der Neubau des neuen 42 m hohen Kirchturms, der bis heute das Orts- und Landschaftsbild prägt, und eine Renovierung der Kirche. 1842 wurde die erste Synagoge eingerichtet und 1885 an gleicher Stelle ein neues Synagogengebäude erbaut.

Unter Bürgermeister Heinrich Schmalbach, von 1884 bis 1886 und von 1896 bis 1909 Abgeordneter im hessischen Landtag, wurde 1895 die Crainfelder Wasserleitung als erste ihrer Art im hohen Vogelsberg angelegt. In seiner Amtszeit erfolgte auch im Jahr 1907 der Neubau des Schulhauses und 1909 die Anlage einer Straßenbeleuchtung. 1922 wurde Crainfeld an das Stromnetz des oberhessischen Überlandwerks angeschlossen. 1925 begann die erste Flurbereinigung. Zwischen 1919 und 1928 bestand in Crainfeld zeitweise auch eine private Realschule.

Im Ersten Weltkrieg hatte Crainfeld 16 Gefallene zu beklagen.