Fürstenberg/Havel ist eine Stadt an der Oberhavel und liegt im Norden Brandenburgs. Wegen der Vielzahl an Seen, Flüssen und Bächen, die die Stadt prägen, führt Fürstenberg auch die Zusatzbezeichnung Wasserstadt. (PDF) Der Ortsteil Himmelpfort ist staatlich anerkannter Erholungsort.
Das herzogliche Schloss von Architekt Julius Löwe, die Stadtkirche von Friedrich Wilhelm Buttel und weitere Baudenkmale sind markante Wahrzeichen des mecklenburg-strelitzschen Erbes. Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück erinnert an die Opfer des Konzentrationslagers Ravensbrück in der Zeit des Nationalsozialismus. Der Tourismus ist dank der Lage im Neustrelitzer Kleinseenland seit der Eröffnung der Berliner Nordbahn 1878 ein bedeutender Wirtschaftszweig der Stadt. Durch den Ortskern führt die vielbefahrene Bundesstraße 96 auf der Verbindung Berlin–Mecklenburgische Seenplatte–Ostseeküste.
Geographie Fürstenberg gehört überwiegend zum Naturraum des Neustrelitzer Kleinseenlandes. Im Südosten hat die Stadt Anteil am Naturraum der Granseer Platte. Das Gebiet Fürstenbergs wird von Westen nach Südosten von der Havel durchflossen. Größte Seen sind der Stolpsee (3,7 km²) am Rand der Himmelpforter Heide und der Thymensee (1,1 km²). Der Große Wentowsee (2,8 km²) gehört teilweise zum Stadtgebiet. Das Stadtzentrum wird von Baalensee, Röblinsee und Schwedtsee umschlossen und von der Havel in vier Läufen durchflossen. Der südliche Schifffahrtskanal und der Iserdiek genannte nördliche Havellauf begrenzen den Großen Werder, jene Insel, auf der die ursprüngliche Stadtsiedlung entstand.
Fürstenberg grenzt im Norden an die Gemeinden Godendorf und Wokuhl-Dabelow in Mecklenburg-Vorpommern, im Osten an die Städte Lychen und Templin im Landkreis Uckermark, im Süden an die Städte Zehdenick und Gransee und an die Gemeinden Großwoltersdorf und Stechlin sowie im Westen an die Stadt Wesenberg und die Gemeinde Priepert in Mecklenburg-Vorpommern.
Stadtgliederung Fürstenberg gliedert sich in ein ortsteilfreies Kerngebiet sowie in acht Ortsteile, die aus den im Jahr 2003 eingegliederten Gemeinden gebildet wurden. Innerhalb von Kerngebiet und Ortsteilen sind neun bewohnte Gemeindeteile und 16 Wohnplätze ausgewiesen. Das Kerngebiet besteht in seinem nördlichen Teil aus dem Gebiet der 1950 eingegliederten brandenburgischen Gemeinde Ravensbrück und in seinem südlichen Teil aus dem ursprünglichen, bis 1950 mecklenburgischen Stadtgebiet von Fürstenberg. Die ehemalige Grenze zwischen Ravensbrück und dem ursprünglichen Fürstenberg verläuft vom Röblinsee entlang der Forststraße zum Schwedtsee.
Gebiet/Ortsteil Einwohner(2024) Fläche (km²)(2024) Bewohnte Gemeindeteile Wohnplätze Kerngebiet (ortsteilfrei) 3.907 61,63 – Drögen Forsthaus Altthymen Neuthymen Ravensbrück Röblinsee-Siedlung Tiefenbrunn Altthymen 107 9,01 – Bartelshof Dahmshöhe Barsdorf 100 19,50 Qualzow – Blumenow 189 13,50 Boltenhof – Bredereiche 577 22,67 – Fünfruten Grenzschleuse Morgenland Himmelpfort 440 29,66 – Kastaven Pian Woblitz Steinförde 119 22,68 Großmenow Kleinmenow Schönhorn Steinhavelmühle – Tornow 181 27,16 Neubau Neutornow Ringsleben – Zootzen 196 6,74 – BuchengartenRegelsdorf
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Das Zentrum der heutigen Stadt Fürstenberg war bereits vor rund 3000 Jahren besiedelt; dies zeigen Keramikscherben, die im Jahre 2008 bei archäologischen Grabungen im Bereich der Burg gefunden wurden. Slawische Funde im Stadtgebiet sowie südöstlich der Stadt auf dem Siggelkamp verweisen auf eine vordeutsche slawische Besiedlung dieses siedlungstopographisch günstigen Geländes.
Mittelalter mini|Südflügel der Alten Burg Fürstenberg selbst wurde erstmals 1287 in Zusammenhang mit einer Stiftung für die Kirche und 1318 als Stadt erwähnt. Die askanischen Markgrafen von Brandenburg nahmen in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts das Fürstenberger Gebiet in Besitz. Sie ließen eine Burg, die 1333 zum ersten Mal erwähnt wurde, als vorgeschobenen Stützpunkt errichten. In deren Schutz entstand eine deutsche Ansiedlung, die 1305 als „Vorstenberge“ und 1318 als „Vorstenberch“ erwähnt wird. Mittelniederdeutsch vörste, vürste bedeutet „Fürst, Herrscher; vorderst, äußerst“. Willich interpretiert den Namen in ihrer namenkundlichen Untersuchung als „Berg des Fürsten“.Cornelia Willich: Ortsnamen in Mecklenburg-Strelitz. In: Mecklenburg-Strelitz. Beiträge zur Geschichte einer Region, Bd. 2 (2002), S. 6–23, hier S. 19.
Mit dieser günstig am schiffbaren Oberlauf der Havel gelegenen Siedlung schlossen die Markgrafen zum einen die geographische Lücke zwischen ihrer Anfang des 13. Jahrhunderts erworbenen Herrschaft Stargard und Ländereien auf dem Barnim, die sie gleichzeitig mit einer Nord-Süd gerichteten Straße verbanden; zum anderen fassten sie damit im ursprünglich slawisch besiedelten Fürstenberg Fuß. Die Entstehungszeit der Burg mit Grenzschutzfunktion ist bis heute ebenso wenig geklärt wie die Entstehungszeit der Stadt oder die Anlage der Stadtbefestigung. Die Stadtbefestigung umschließt dabei die Siedlung am Fuß der am Nordausgang der Stadt gelegenen Burg und zieht mit einem kreisförmigen Grundriss von etwa 400 Metern Durchmesser entlang einer Nord-Süd gerichteten Hauptstraße; das übliche Gitterschema der Kolonisationsstädte ist dabei nicht streng eingehalten. Die Lage der im 19. Jahrhundert beräumten Stadtmauer ist noch in den Flurbezeichnungen In den Wällen, Wallstraße und Wallgasse bezeugt.
Die ursprünglichen zwei Stadteingänge, das im Norden in Richtung Strelitz gelegene Strelitzer Tor und das im Süden in Richtung Zehdenick (bzw. Berlin) gelegene Zehdenicker Tor (bzw. Berliner Tor) sind nicht mehr erhalten. Die militärtopographisch günstige Lage der Stadt – an drei Seiten von Seen und der Havel umgeben – erlaubte die Absicherung im Westen lediglich über einen Palisadenzaun, der in Höhe der Bahnhofstraße mit einem Schlagbaum – dem Mühlentor – versehen war. Gesicherte archäologische Erkenntnisse zur Stadtbefestigung und deren Bebauungsumfeld liegen bisher nicht vor. Bei beiden Toren – dem Strelitzer Tor und dem Zehdenicker Tor – handelte es sich um in Fachwerkbauweise mit Überhaus gefertigte Tore, die u. a. als Zollstation dienten.
mini|hochkant|Reitersiegel von 1349 des Otto von Dewitz, Graf von Fürstenberg Fürstenberg kam 1348 mit dem Fürstenberger Werder in die Hände der Herren von Mecklenburg und wurde dessen Hauptort. Diese belehnten Otto und Ulrich von Dewitz mit den Ämtern Fürstenberg/Havel und Strelitz. Als Kaiser Karl IV. in demselben Jahr die Herrschaft Mecklenburg zum Reichslehen erhob, wurden Otto und Ulrich vom Kaiser mit dem Titel Grafen von Fürstenberg („greve tho Vorstenberghe“) in den Grafenstand erhoben.J. Siebmacher’s grosses und allgemeines Wappenbuch, VI. Band, 10. Abteilung; Ausgestorbener Mecklenburgischer Adel; Verfasser: G.A. von Mülverstedt; Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1902, S. 35, Tafel 19 Da die Herren von Dewitz in den Rügischen Erbfolgekriegen den Herzögen von Pommern im Kampf gegen Mecklenburg beistanden, wurden ihre mecklenburgischen Lehen eingezogen. Die gräfliche Würde wurde erst im Jahr 1363 nach der Ansiedlung in Pommern abgelegt.Ernst Heinrich Kneschke (Hrsg.): Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Band 2, S. 469. Fürstenberg wurde Landstadt in Mecklenburg und als solche Teil der Städte im Stargardschen Kreis, die bis 1918 auf mecklenburgischen Landtagen der 1523 vereinten Stände vertreten waren.
15. bis 18. Jahrhundert Im Dreißigjährigen Krieg fanden um Fürstenberg Kämpfe unter Beteiligung schwedischer Truppen statt. Bei archäologischen Grabungen im Umfeld der Burg Fürstenberg wurde 2008 ein auf das Jahr 1638 datierter, aus Münzen und Schmuck bestehender Goldschatz gefunden. Die Münzen, deren jüngste eine Prägung von 1633 war, stammen aus Pommern, Holland, England, Spanien, Venedig und aus dem arabischen Raum. Dieser Goldschatz stellte 1638 den Gegenwert eines Rittergutes dar, umgerechnet auf die heutige Zeit betrüge sein Wert etwa 600.000 €.
Seit dem Hamburger Vergleich von 1701 gehörte Fürstenberg zum Landesteil von Mecklenburg-Strelitz.
Industrialisierung und Moderne mini|hochkant=0.7|Stadtkirche Fürstenberg Im Jahr 1845 wurde die das Stadtbild seitdem dominierende Stadtkirche Fürstenberg unter Anleitung des mecklenburg-strelitzschen Hofbaumeisters Friedrich Wilhelm Buttel erbaut.
Im 20. Jahrhundert erlebte Fürstenberg einen industriellen Aufschwung. Die Stadt erhielt 1877 ihren Bahnhof an der Berliner Nordbahn. Aufgrund der landschaftlich reizvollen Lage und in Verbindung mit dem zunehmenden Fremdenverkehr entwickelte sich die Stadt zum Luftkurort. Ab 1879 bestand das Amtsgericht Fürstenberg/Havel.
In der Zeit des Nationalsozialismus befand sich seit 1941/42 im mecklenburgischen Fürstenberg die Sicherheitspolizeischule Drögen, in der Angehörige der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) und der Kriminalpolizei ausgebildet wurden. Im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurden hier Verdächtigte verhört. Die Sicherheitspolizeischule bildete zugleich ein Außenlager des KZ Ravensbrück, das 1938/39 in der unmittelbar nördlich angrenzenden brandenburgischen Gemeinde Ravensbrück errichtet worden war.
Fürstenberg wurde 1945 von der Roten Armee eingenommen. Zum 1. Juli 1950 wurde die Stadt zusammen mit den übrigen Gemeinden des Fürstenberger Werders aus dem Land Mecklenburg in das Land Brandenburg umgegliedert und dem Landkreis Templin zugeordnet.II lit. b Nr. 1 Verordnung zur Durchführung des Gesetzes vom 28. Juni 1950 über die Änderung der Grenzen der Länder. Vom 13. Juli 1950. Provisorische Regierung der Deutschen Demokratischen Republik. Am 15. Oktober 1950 wurde die Gemeinde Ravensbrück mit 1078 Einwohnern nach Fürstenberg eingemeindet. Anschließend sollte die Stadt zum mahnenden Andenken an das ehemalige Frauenkonzentrationslager in Fürstenberg-Ravensbrück oder Ravensbrück umbenannt werden. Nach Protesten in der Stadt wurde 1951 schließlich auf eine Umbenennung verzichtet. Seit der Verwaltungsreform von 1952 gehörte Fürstenberg zum Kreis Gransee im Bezirk Potsdam. In einem Teilbereich des ehemaligen Konzentrationslagers wurde 1959 die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück eröffnet.
In der Zeit des Kalten Krieges war Fürstenberg Standort verschiedener Verbände der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. In den Jahren 1958/59 waren in der Stadt mit Kernwaffen bestückte Mittelstreckenraketen des Typs R-5M mit einer Reichweite von 1.200 Kilometern stationiert. Um 1989/90 war Fürstenberg Standort der 2. Garde-Panzerarmee, der 3. Garde-Spezialaufklärungsbrigade, der 118. Brigade Materielle Sicherstellung, des 5. Nachrichtenregiments, des 60. Motorisierten Schützenregiments und des 52. Funktechnisches Bataillons.
Seit 1990 Mit der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurde Fürstenberg Teil des neugebildeten Landes Brandenburg. Die Stadt wurde seit dem 21. Juli 1992 durch das Amt Fürstenberg verwaltet und gehört seit 1993 zum Landkreis Oberhavel. Die Verbände der ehemals sowjetischen, nunmehr russischen Streitkräfte wurden 1993/94 abgezogen.
Am 26. Oktober 2003 wurde das Amt Fürstenberg aufgelöst und die Gemeinden Altthymen, Barsdorf, Blumenow, Bredereiche, Himmelpfort, Steinförde, Tornow und Zootzen wurden nach Fürstenberg eingemeindet.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 1 596 1890 1 896 1910 1 837 1925 3 293 1933 4 374 1939 5 089 Jahr Einwohner 1946 6 601 1950 6 183 1964 6 095 1971 5 984 1981 5 499 1985 5 417 Jahr Einwohner 1990 5 179 1995 4 892 2000 4.697 2005 6 716 2010 6 257 2015 5 854 Jahr Einwohner 2020 5 782 2021 5 781 2022 5 809 2023 5 739 2024 5 741 2025 5 715