Der Plymouth Fury war ein Fahrzeug der zum Chrysler-Konzern gehörenden Marke Plymouth, das in verschiedenen Versionen von 1959 bis 1978 angeboten wurde. In den ersten eineinhalb Jahrzehnten war der Fury ein Full-Size-Modell und nahm die Spitzenposition innerhalb des Plymouth-Programms ein. Zeitweise gab es Sonderserien wie den Sport Fury; in einigen Modelljahren wurde die Baureihe außerdem in die nebeneinander angebotenen Linien Fury I, Fury II und Fury III untergliedert. Eine besonders hochwertig ausgestattete Version des Fury wurde zeitweise als Plymouth VIP verkauft. Ab 1975 wurde die Bezeichnung Fury im Wege des Badge Shifting auf die Mittelklassemodelle der Marke heruntergereicht, während das Spitzenmodell die Bezeichnung Gran Fury erhielt. Besondere Bekanntheit erhielt der Fury durch den 1983 erschienenen Roman Christine von Stephen King und dessen Verfilmung, in dem ein Plymouth Fury die Hauptrolle spielt.

1956 bis 1958: Fury als Ausstattungsvariante mini|Beige und Gold: Plymouth Fury (1958) Plymouth führte die Bezeichnung Fury im Modelljahr 1956 ein. Der erste Fury war eine der Baureihe Belvedere zugeordnete Unterserie, die ausschließlich als zweitüriges Hardtop-Coupé angeboten wurde. Die Karosserie des Fury war mit der des Belvedere identisch und machte alle Änderungen mit, die der Belvedere Jahr für Jahr erfuhr. Allerdings war der Fury jeweils exklusiv mit dem größten Motor ausgestattet, den Plymouth zu dieser Zeit anbot. Der Fury der Modelljahre 1956 bis 1958 war das leistungsstärkste und zugleich teuerste Fahrzeug der Marke Plymouth. Die Fahrzeuge waren ausschließlich in weiß (1956) bzw. beige lackiert und hatten goldene Zierapplikationen an den Wagenflanken sowie einen golden eloxierten Kühlergrill. Einen rot lackierten Fury, wie er im Film Christine von 1983 gezeigt wird, gab es werksseitig nicht.Modellgeschichte des Plymouth Fury auf der Internetseite www.allpar.com (abgerufen am 5. April 2017).

Angetrieben wurde der Fury anfänglich von einem Achtzylinder-V-Motor mit 4965 cm³ (303 Kubikzoll) Hubraum und einer Leistung von 240 SAE-PS. Ab 1957 war der Fury serienmäßig exklusiv mit einem 5211 cm³ großen Achtzylindermotor ausgestattet, der 290 SAE-PS leistete, und im folgenden Jahr konnte wahlweise eine auf 5735 cm³ (350 Kubikzoll) vergrößerte Version mit 305 bzw. 315 SAE-PS bestellt werden. Die Verkaufspreise lagen bei 2866 USD im Jahr 1956 und bei 3067 USD zwei Jahre später. Das entsprach dem Niveau der höher positionierten Modelle der Schwestermarke Dodge; die übrigen Plymouth-Modelle waren 300 bis 400 USD preiswerter. Der Fury war in diesen drei Jahren das absatzschwächste Fahrzeug der Marke Plymouth. Die Produktionszahlen erreichten jeweils nur mittlere vierstellige Werte (4485 Fahrzeuge im Jahr 1956, 7438 im folgenden und 5303 Exemplare 1958). Der typische Plymouth-Kunde suchte ein preisgünstiges, wirtschaftliches Auto; wer höhere Ansprüche hatte, ging zu Dodge oder Chrysler, und wer ein leistungsstarkes Auto haben wollte, kam nur selten auf die Idee, ausgerechnet einen Plymouth zu kaufen.

1959 bis 1974: Full-Size-Modelle 1959

Im Modelljahr 1959 wurde der Fury zu einer eigenständigen Modellreihe im Plymouth-Programm. Der Fury war eine besser ausgestattete Variante der Full-Size-Modelle von Plymouth und übernahm die Rolle des Spitzenmodells der Marke. Der Fury wurde als viertürige Limousine mit fest stehender B-Säule sowie als zwei- und viertüriges Hardtop-Modell (ohne B-Säule) angeboten. Eine Kombiversion des Fury gab es nicht. Die teuerste Ausführung war der Sport Fury, der nur als Hardtop-Coupé sowie als Cabriolet erhältlich war.

Der Fury nutzte 1959 den üblichen Kastenrahmen, der 1957 konzernweit für alle Full-Size-Modelle von Chrysler, DeSoto, Dodge, Imperial und Plymouth eingeführt worden war. Allerdings hatten die Plymouth-Modelle mit 2997 mm den kürzesten Radstand. Das Karosseriedesign folgte dem ebenfalls 1957 vorgestellten Forward Look von Virgil Exner. Wie alle Modelle des Chrysler-Konzerns hatte der Fury vorn eine Panoramascheibe und eine geschwungene, zum Kofferraum abfallende hintere Dachpartie. Die Form der Heckflossen entsprach der der zeitgenössischen Dodge-Modelle, wich aber von den Chrysler-, DeSoto- und Imperial-Versionen ab. Details der Front- und Heckpartie waren eigenständig.

Der Fury war mit verschiedenen Achtzylinder-V-Motoren lieferbar. Basismodell war ein 5,2 Liter (318 Kubikzoll) großer Motor mit 230 SAE-PS, der mit einem Doppelvergaser ausgestattet war. Im Sport Fury leistete er mit einem Doppel-Registervergaser serienmäßig 260 SAE-PS. Auf Wunsch war ein 5,9 Liter großer Achtzylinder (361 Kubikzoll) mit 305 SAE-PS erhältlich.

Die Kraftübertragung auf die Hinterachse erfolgte über ein manuelles 3-Gang-Getriebe oder über die PowerFlite (zwei Gänge) und TorqueFlite (drei Gänge) genannten Automatikgetriebe. Die Vorderachse verwendete Drehstäbe zur Federung, das Torson-Aire genannte System konnte auf Wunsch sogar Beladungszustände ausgleichen.

1959 verkaufte Plymouth etwa 90.000 Fahrzeuge vom Fury und vom Sport Fury.

Eine besondere Version des Plymouth Fury war der Dodge Viscount, der ausschließlich in Kanada verkauft wurde. Es handelte sich um einen regulären Fury, der mit der Frontmaske des US-amerikanischen Dodge versehen war.Jeffrey Godshall, James Wagner: Maple Leaf Mutants. Chrysler North of the Border. Automobile Quarterly, Heft 1/1994, S. 107.

1960 bis 1961

In der zweiten Modellgeneration war der Fury weiterhin das Spitzenmodell der Marke und die teuerste Ausführung der Full-Size-Modelle von Plymouth, zu denen außerdem der Plymouth Savoy und der der Belvedere gehörten. Die bisherige Version Sport Fury entfiel.

Technik und Design Die drei Oberklassebaureihen erhielten zum Modelljahr 1960 wie alle Full-Size-Modelle des Chrysler-Konzerns (mit Ausnahme Imperials) eine selbsttragende Karosserie, die neu konstruiert worden war. Zur Unterstützung war allerdings ein Hilfsrahmen angeschraubt. Wie in den Jahren zuvor gab es konzernweit diesmal wieder unterschiedlich lange Radstände, wobei die Modelle von Plymouth einheitlich den kürzesten Radstand (2997 mm; 118 Zoll) verwendeten.

Das Karosseriedesign des 1960er Jahrgangs war neu gestaltet, folgte aber im Bereich der Dachlinie nach wie vor dem Forward Look von Virgil Exner. Die Frontpartie des Plymouth war eigenständig. Der Fury hatte Doppelscheinwerfer, die von einem Fortsatz der Kotflügel überdacht waren. Von dort aus reichte eine geschwungene Sicke in die Wagenflanken hinein, die den vorderen Radausschnitt umfasste. An der Heckpartie fanden sich wiederum hohe Heckflossen, deren Gestaltung der des Vorjahres entsprach. Das Design des 1960er Fury-Jahrgangs gilt als nicht gelungen. Einige Beobachter halten den Fury zusammen mit dem Schwestermodell von Dodge für eines der hässlichsten Autos, die jemals gebaut wurden.

Schon nach einem Jahr wurde die Karosserie im Front- und Heckbereich neu gestaltet. Zum Modelljahr 1961 verschwanden die geschwungene Sicke in den vorderen Kotflügeln und die Heckflossen. Die Gürtellinie des Wagens verlief nahezu waagerecht. Die Rückleuchten befanden sich in frei stehenden Röhren in den Wagenflanken.

Der Fury wurde 1960 und 1961 jeweils als Cabriolet, als viertürige Limousine mit fest stehender B-Säule sowie als zwei- und viertüriges Hardtop ohne B-Säule angeboten. Das Angebot an Karosserieversionen war damit breiter als das beim Savoy und beim Belvedere.Der Savoy wurde ausschließlich als Limousine angeboten, beim Belvedere gab es zwar ein Coupé, aber kein Cabriolet.

Die Motorisierung änderte sich gegenüber 1959. Standardmotor war in beiden Jahren eine 3687 cm³ (225 Kubikzoll) große Version des neu konstruierten Reihensechszylinders (Slant Six) mit 145 SAE-PS. Wahlweise waren 1960 zwei Achtzylinder-V-Motoren mit 5,2 und 5,9 Litern Hubraum erhältlich (230, 260 und 305 SAE-PS), 1961 gab es zusätzlich noch einen 6,3 Liter großen V8-Motor mit 330 SAE-PS.

Produktion Von den drei Oberklasse-Baureihen der Marke Plymouth verkaufte sich der Fury, der zugleich die teuerste Linie war, am schlechtesten. Im Modelljahr 1960 entstanden ca. 54.200 Fahrzeuge (mehr als 23.000 weniger als vom Savoy), im Modelljahr 1961 waren es nur noch 38.000 Furys. Der Polara, das Schwestermodell der Marke Dodge, wurde allerdings in beiden Jahren noch deutlich seltener verkauft: 1960 waren es etwa 16.000 Polaras, 1961 nur noch 14.000.

Galerie

1962 bis 1964

Für das Modelljahr 1962 verkleinerte der Chrysler-Konzern die Oberklassemodelle seiner Marken Dodge und Plymouth (nicht aber die der Marken Chrysler und Imperial). In der Erwartung einer starken Nachfrage nach „kompakteren Full-Size-Modellen“Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 262. 559.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 559. setzte Chrysler den Fury und einige andere große Modelle auf die neu entwickelte B-Plattform, die einen Radstand von 2964 mm (116 Zoll) aufwies. Die Wagen waren etwa 150 mm kürzer und 180 kg leichter als ihre Vorgänger, hatten allerdings nahezu identische Innenabmessungen. Die Verkleinerung des Fury war ein Misserfolg. Während Dodge bereits nach nur einem Jahr seine Full-Size-Modelle wieder auf die größere C-Plattform umstellte, behielt Plymouth die kleine B-Plattform noch bis zum Modelljahr 1964 bei.

Technik und Design Die kleinere B-Plattform war ebenfalls selbsttragend ausgelöst („Unibody“), verzichtete im Gegensatz zur C-Plattform aber auf den angeschraubten Hilfsrahmen. Im Bereich des Antriebs übernahm der Fury die bereits im Vorjahr verwendete Motorisierung mit dem standardmäßig gelieferten Slant Six und mehreren gegen Aufpreis erhältlichen Achtzylinder-V-Motoren mit 5,2 Litern, 5,9 Litern und 6,3 Litern Hubraum. 1964 war schließlich wahlweise auch ein 7,0 Liter (426 Kubikzoll) großer Achtzylinder mit 365 SAE-PS erhältlich.

Die Karosserie des Fury war vollständig neu entworfen worden. Sie wurde in jedem der drei Produktionsjahre stark verändert.

Modellentwicklung Zu den stilistischen Besonderheiten der 1962er Generation gehörten wülstige Ausformungen, die vom Vorderwagen über die seitlichen Kotflügel bis in die Vordertüren verliefen. Sie ähnelten dem Design des ebenfalls neu vorgestellten Plymouth Valiant. Eine vergleichbare Gestaltung fand sich im Heckbereich. Bei den hinteren Fenstern war die Gürtellinie stufenartig erhöht. Ungewöhnlich waren zwei ungleich große Frontscheinwerfer: Neben den außen liegenden Hauptscheinwerfern waren zwei Scheinwerfer mit kleinerem Durchmesser in das Kühlergitter eingelassen. Die reduzierte Außenlänge erwies sich als Verkaufsproblem. Als Chrysler merkte, dass sich die kleineren Furys schlecht verkaufen ließen, installierte das Werk im laufenden Produktionsjahr einen breiten Chromstreifen auf Höhe der Gürtellinie, der von der Wagenfront bis zum Heck verlief. Er sollte das Auto optisch strecken. Als Karosserieversionen waren ein wiederum ein Cabriolet, eine viertürige Limousine mit Mittelpfosten sowie zwei- und viertürige Hardtops im Angebot. Zur Modellpalette gehörten erstmals auch große Kombis, die bislang als eigenständige Modellreihe angeboten worden waren. Die Kombis waren mit sechs und neun Sitzplätzen erhältlich.

Zum Modelljahr 1963 wurde die Karosserie bei Beibehaltung der B-Plattform gänzlich neu gestaltet. Die Kotflügel und Wagenflanken waren nun glattflächig, die wulstigen Ausformungen des Vorjahres entfielen. Der Kühlergrill war glattflächig und beinhaltete vier gleich große Scheinwerfer. Das Design erinnerte an den Chevrolet Chevy II.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 560.

Zum Modelljahr 1964 gab es erneut stilistische Veränderungen, die die Form der Kotflügel und die Dachlinie betrafen. Sie erhöhten die Ähnlichkeit zum Chevy II noch.

Produktion