Ein Moscheeverein ist eine Organisationsform nach dem Vereinsrecht, die entweder eine Moschee betreibt oder als Bauträger eine Moschee zu errichten beabsichtigt. Die islamische Variante ist eine „fromme Stiftung“ (Waqf), die den Unterhalt einer Moschee zur Aufgabe hat. mini|Moschee eines türkischsprachigen Moscheevereins in der norddeutschen Kleinstadt Uetersen

Moscheevereine in Deutschland mini|Bilal-Moschee in Aachen mini|Freimann-Moschee in München-Freimann mini|Şehitlik-Moschee in Berlin Vielfach gingen diese Vereine aus türkischen bzw. marokkanischen Kulturvereinen mit angeschlossenem Gebetsraum hervor, wodurch die volkstümliche Bezeichnung Hinterhofmoschee entstand. Schätzungen der Bundesregierung zufolge gibt es in Deutschland rund 2600 Moscheevereine. vom 29. Juni 2006 (Bundestagsdrucksache 16/2085) und Antwort der Bundesregierung vom 19. April 2007 (Bundestagsdrucksache 16/5033)

In Deutschland haben sich seit 1973 mehrere Moscheevereine zu regionalen Verbänden und landesweiten Dachverbänden zusammengeschlossen, die nach bestimmten Nationalitäten definiert wurden, unter Berücksichtigung sprachlicher, religiöser oder auch politisch-ideologischer Differenzen.Cibedo - Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz: Die Moscheevereine traten an die Stelle der Arbeitervereine, wurden zu Kristallisationspunkten einer entstehenden islamischen Infrastruktur und wirkten als Orte islamischer Identitätsfindung in einem nichtislamischen Umfeld. Nationale, politische und religiöse Differenzen in überregionalen Organisationsstrukturen widerspiegelten religiöse, politische und kulturelle Differenzen, Spannungen und Konflikte in den Herkunftsländern. Diese nutzten ihrerseits sehr bald die Chancen, den Islam in Deutschland finanziell zu unterstützen und personell zu beeinflussen.Cibedo - Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz:

Vereinsmitglieder und Moscheegänger Moscheevereine unterscheiden sich von anderen Vereinen in Deutschland durch ein anderes Verhältnis von Mitglieder- und Beteiligungsstruktur. Ursula Neumann von der Universität Hamburg beschreibt dies so: „Übliche eingetragene Vereine und Organisationen sind in der Regel mitgliederbezogen, d. h. eine Anzahl von eingeschriebenen und beitragszahlenden Mitgliedern sind im Rahmen einer gemeinsamen Satzung tätig und werden über einen Vorstand repräsentiert; Nichtmitglieder haben keine Beteiligungsmöglichkeit. Islamische Religionsvereine bestehen hingegen aus einer kleinen Gruppe von Mitgliedern; sie tragen die Moschee, die sich aber einer großen Zahl von Besuchern für eine aktive Beteiligung öffnet. Die Gläubigen fühlen sich einer bestimmten Moschee zugehörig, beteiligten sich aber außer durch Spenden und das gemeinsame Gebet nur informell am Willensbildungsprozess in der Moschee.“Prof. Dr. Ursula Neumann gegenüber dem Ausschuß des Schleswig-Holsteinischen Landtags (PDF; 60 kB) Umdruck 15/4468, 30. April 2004 Dieses Selbstverständnis der Moscheevereine wird zurückgeführt auf die Tradition der islamischen Stiftungen, deren Angebote für alle offen sind.

Der Organisationsgrad der in Deutschland lebenden etwa 3,4 Millionen Muslime ist eher gering. Nach Angaben des Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland erwarben nur knapp 400.000 Muslime eine Mitgliedschaft in Moscheevereinen im rechtlichen Sinne,Islamkonferenz: Im Zeichen alter Gegensätze – F.A.Z. vom 27. September 2006 nach Angaben des Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland e. V. also eine Minderheit von 10 bis 15 %., BMI vom 2. Mai 2007 Den höchsten Organisationsgrad haben die türkischen Muslime. Knapp ein Viertel aller türkischstämmigen Muslime (23 %) ist selbst Vereinsmitglied, weitere 22 % sind über einen Familienangehörigen an einen Verband gebunden. Mehr als zwei Drittel (72 %) besuchen zumindest hin und wieder Moscheen und 40 % nutzen die kulturellen, sozialen oder Bildungsangebote der Moscheen. Ergebnisse einer bundesweiten Befragung des Zentrum für Türkeistudien

Die Zahl der männlichen „Teilnehmer des wöchentlichen Freitagsgebets“ wird vom Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland mit 493.000 angegeben. Eine Studie von 2001 über türkische Arbeitnehmer ergab, dass 7,3 % der Türken mehrmals in der Woche Gottesdienste oder andere religiöse Veranstaltungen besuchen, 24,7 % einmal in der Woche und 24,8 % wenigstens einmal im Monat.Situation ausländischer Arbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen in der Bundesrepublik Deutschland. Repräsentativuntersuchung 2001, Teil A: Türkische, ehemalige jugoslawische, italienische sowie griechische Arbeitnehmer und ihre Familienangehörigen in den alten Bundesländern und im ehemaligen West-Berlin. Forschungsbericht im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Januar 2002. Tabellenband, S. 112, Tabelle 7.15 (Auszug bei ) Eine repräsentative Studie über Muslime in Deutschland 2007 ermittelte, dass 11,4 % mehrmals in der Woche Moscheen besuchen, 17,1 % einmal in der Woche, 8,1 % mehrmals im Monat und 4,5 % höchstens einmal im Monat., Hamburg BMI 2007 Seite 110

Dies deckt sich grob mit Beobachtungen eines türkischen muslimischen Funktionärs des Bündnis der Islamischen Gemeinden in Norddeutschland: „Wir erreichen mit unserer Arbeit von 150.000 Muslimen in Norddeutschland rund zehn Prozent, also 15.000 Muslime, 5.000 sind regelmäßige Moscheegänger. Ich vermute, dass der Organisationsgrad der islamischen Gemeinden rund 30 bis 40 Prozent der Muslime erfasst, wobei wir unterscheiden müssen zwischen Mitgliedern in den islamischen Vereinen und zwischen den Moscheengängern.“ von Ahmet Yazici, stellvertretender Vorsitzender des Bündnis der Islamischen Gemeinden in Norddeutschland, 7. Juni 2006

Angebote Die Moscheevereine bieten eine Fülle von Aktivitäten, in der Reihenfolge der Nutzung laut einer Studie: Religiöse Betreuung/Korankurse, Freizeitgestaltung/Sport, Räume für Heirat/Beschneidung, Kultur, Bildung (Hausaufgaben/Deutsch), Lebensmittelladen, soziale/rechtliche Beratung, Hilfe im Alltag/Beratung, Friseur und Pilgerfahrtorganisation. Moscheevereine bieten teils eigene Deutschkurse an, teils Integrationskurse die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanziert werden.Deutsche Verben in der Moschee Westdeutsche Zeitung, 12. September 2007 Letzteres meist in Moscheevereinen der DITIBr aber auch über andere Träger wie die „Islamische Gemeinde Penzberg“.Deutsche Merkwürdigkeiten in 600 Stunden, Merkur Online vom 29. Dezember 2006

Seit 1997 veranstalten viele Moscheevereine in Deutschland jährlich am 3. Oktober den Tag der offenen Moschee, zu dem insbesondere Nicht-Muslime eingeladen sind.

Finanzierung mini|Ladenzeile mit Bäckerei und Call Shop in der Yavuz-Sultan-Selim-Moschee Mannheim Die Finanzierung des Moscheevereins läuft in aller Regel über Spenden der Moscheebesucher, nur zu einem geringen Teil über Mitgliedsbeiträge. Wenn ein Moscheeverein als gemeinnützig anerkannt ist, sind Spenden in gleicher Weise steuerlich abziehbar wie entsprechende Zuwendungen an öffentlich-rechtliche Körperschaften oder andere gemeinnützige Einrichtungen. Außerdem kalkulieren viele Moscheevereine mit Einkünften aus Vermietung und Verpachtung von Geschäften (Friseur, Lebensmittelladen, Café, Buchladen) und Festräumen. Für einige Veranstaltungen werden Eintrittsgelder oder Kursgebühren erhoben.

Nach den der Bundesregierung vorliegenden Erkenntnissen gewähren außerdem die Türkei, Saudi-Arabien und Iran muslimischen Organisationen in Deutschland finanzielle Unterstützung.

Öffentliche finanzielle Förderung wurde gewährt für interkulturelle Begegnungszentren in oder an Moscheeneubauten, so in Berlin bei der Şehitlik-Moscheezwei Drittel der 250.000 Euro Kosten von der Gemeinde der Şehitlik-Moschee und zu einem Drittel von der Stadtentwicklungsverwaltung getragen: Muslime und Christen unter einem Dach - In Neukölln entsteht ein Begegnungszentrum Tagesspiegel vom 22. Dezember 2006 und bei der Duisburger Merkez-Moschee.Richtfest für Duisburgs Moschee KStA vom 8. September 2006: Die Kosten für den Bau der Moschee von mehr als 7 Millionen Euro trägt der Moscheeverband der „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion“ (DITIB). Die auch von der katholischen und evangelischen Gemeinde in Marxloh mitgeplante Begegnungsstätte wird vom Land und der EU mit insgesamt 3,16 Millionen Euro gefördert über die Fördertöpfe URBAN und Soziale Stadt. Auch die Restauration der Wilmersdorfer Moschee in Berlin wurde staatlich unterstützt.Moschee in Wilmersdorf: Mit Kuppel komplett, Tagesspiegel vom 29. August 2001: Das Landesdenkmalamt und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz steuerten einen Großteil der Kosten von rund 250.000 Mark bei. Vereinzelt werden auch staatliche Subventionen für Arbeitskräfte genutzt, seit 1986 ist das Islamische Zentrum München als Zivildienststelle anerkannt und auch in Halle (Westf.) wurde ein „Moschee-Zivi“ eingesetzt.Zivildienst für Umut Mutlusoy in der DITIB Moschee in Halle / Westfalen 2006 Der „Deutsche Muslimkreis Berlin e. V.“ hat seine Gemeindehelferin mit einem so genannten 1-Euro-Job (Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung) des Landes Berlin finanziert. (PDF; 166 kB): MAE-(Mehraufwandsentschädigung)-Maßnahme durch das Job-Center als Gemeindehelferin

Finanzierungsprobleme können zu Mietschulden bis hin zur Zwangsversteigerung der Moschee führen.Mevlane Moschee am Kottbusser Tor in Kreuzberg zwangsversteigert, andere Moschee der Föderation in Charlottenburg wurde bereits im Juli zwangsversteigert, Mietschulden auch bei der Emir Sultan Moschee in Schöneberg: Kreuzberger Moschee wird zwangsversteigert Tagesspiegel vom 21. Dezember 2006 Auch der Genehmigungsprozess an sich kann Finanzierungsprobleme hervorrufen, wenn er das Vertrauen der Spender nachhaltig erschüttert.Ditim räumt Spenden-Mangel ein, Merkur Online am 2. September 2008

Dachverbände

Die meisten Moscheevereine haben sich angeschlossen an in ganz Deutschland und Europa verbreitete Dachverbände, die sich auf entsprechende Organisationen in den Heimatländern zurückführen lassen.Thomas Lemmen: Islamische Religionsausübung in Deutschland, Friedrich-Ebert-Stiftung 2001