mini|Blick vom Ruppberg über Zella-Mehlis und Suhl-Nord mini|Zella-Mehlis im Herbst Richtung Ortsteil Mehlis mini|Marcel-Callo-Platz Zella-Mehlis mit katholischer Kirche (rechts)
Zella-Mehlis ist eine 1919 aus der Zusammenlegung der Gemeinden Zella St. Blasii und Mehlis entstandene Kleinstadt im Landkreis Schmalkalden-Meiningen in Thüringen, Deutschland. In der Raumordnung des Freistaates Thüringen ist sie Teil des kreisübergreifenden und funktionsteiligen Oberzentrums Südthüringen.
Geographie Zella-Mehlis liegt am Südhang des Thüringer Waldes auf einer Höhe von 450–580 m ü.NN (Stadtgebiet). Der Sommerbachskopf als höchster Berg auf der Gemarkung der Stadt hat eine Höhe von 941 m. Die nächstgelegenen Großstädte sind Erfurt (44 km Luftlinie), Jena (71 km), Würzburg (110 km), Erlangen (120 km) und Nürnberg (137 km).
Stadtgliederung Neben Zella-Mehlis, welches bis heute in die Ortslagen Zella und Mehlis getrennt wird, gehört der Ortsteil Benshausen (mit Ebertshausen) zum Stadtgebiet.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind Oberhof, Schwarza, Steinbach-Hallenberg und die kreisfreie Stadt Suhl.
Geschichte Früher nutzten die Bewohner der Region die günstige Lage des Ruppberges aus, um den Verkehr aus Südthüringen zum Oberhofer Pass zu kontrollieren und zu sichern. Deshalb wird angenommen, dass auf dem Ruppberg bei Zella-Mehlis schon Mitte des 10. Jahrhunderts für kurze Zeit eine Burg (Schloss Ruprechtsburg) stand. Im 11. Jahrhundert saß der Edelfreie Timo von Nordeck auf dem Berg, eine Feste dort ist aber nicht erwähnt. Es sind keine Reste einer Burg bekannt.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 216.Ruprechtsburg: Timo war mit Hildegard, Witwe des in der Schlacht bei Mellrichstadt gefallenen Grafen Poppo I. Graf von Henneberg verheiratet, diese war zugleich die Tochter des Grafen Ludwig des Bärtigen. Die Ehe sollte nach Timos Plänen sein aus wenigen Siedlungen bestehendes Herrschaftsgebiet gegenüber den rivalisierenden Hennebergern und den Landgrafen von Thüringen absichern. Auf dem Ruppberg konnten frühgeschichtliche Überreste einer Wallanlage nachgewiesen werden.
Während des Deutschen Bauernkriegs 1525 beteiligten sich örtliche Bauern am Bildhäuser Haufen bei Meiningen.
Zella-Mehlis wurde am 1. April 1919 durch den Zusammenschluss der seit 1640 zu Sachsen-Gotha (Amt Schwarzwald, Justizamt Zella, Landratsamt Ohrdruf) gehörenden, aus der seit dem 12. Jahrhundert bestehenden Gemeinde Cella hervorgegangenen Stadt Zella St. Blasii und der (seit 1894 städtischen)Graesse, Benedict: Orbis latinus. Lexikon lateinischer geographischer Namen. Handbuchausgabe, 4. Auflage. Hrsg. von Helmut Plechl, Braunschweig 1971, S. 88 und 577. Gemeinde Mehlis gebildet. Von 1920 bis 1952 gehörte Zella-Mehlis zum Land Thüringen, wo es seit 1926 einen eigenen Stadtkreis bildete.Gesetzsammlung für Thüringen 1926, S. 388 Dies lag einerseits daran, dass die Stadt direkt an der preußischen sowie der kurhessischen Grenze lag und andererseits daran, dass die Stadt zu den ökonomisch bedeutendsten und reichsten Gemeinden des Landes Thüringen zählte. Zum 1. Oktober 1935 erhielt die Stadt einen Sonderstatus. Sie bildete nunmehr zwar keinen Stadtkreis mehr, blieb aber eine kreisfreie Stadt, die teilweise der Rechtsaufsicht des Landkreises Meiningen unterstand.Gesetz zur Anpassung der Landesverwaltung an den durch die Deutsche Gemeindeordnung geschaffenen Rechtszustand vom 24. September 1935, Gesetzsammlung für Thüringen 1935, S. 119Erläuterungen zum Gesetz zur Anpassung der Landesverwaltung an den durch die Deutsche Gemeindeordnung geschaffenen Rechtszustand vom 24. September 1935, Amts- und Nachrichtenblatt für Thüringen 1935, S. 380
Am 15. März 1920 zogen fünf Hundertschaften bewaffneter Arbeiter in die Nachbarstadt Suhl, um dort gemeinsam mit Suhlern und anderen Arbeitern aus der Umgebung eine 80-köpfige Einheit Reichswehrsoldaten im Rahmen des Kapp-Putsches zu bekämpfen. Nach mehreren Stunden Gefecht wurden die Putschisten von den Arbeitern besiegt, die anschließend über Oberhof und Ohrdruf nach Gotha zogen, um den Widerstand gegen die Putschisten dort erfolgreich zu unterstützen. Auf dem ehemaligen Mehliser Friedhof erinnert ein Denkmal an die sieben Arbeiter, die bei diesen Kämpfen ihr Leben verloren.
Nach dem Ersten Weltkrieg, der Novemberrevolution und in der Zeit der Weimarer Republik gab es in Zella-Mehlis eine starke Arbeiterbewegung. Nachdem im November 1923 die Reichswehr im Auftrag von Reichspräsident Friedrich Ebert gewaltsam die erst drei Wochen alte Arbeiterregierung in Thüringen aus Sozialdemokraten und Kommunisten absetzte, wurde die Situation auch in Zella-Mehlis angespannter. Ein Denkmal in der Heinrich-Heine-Straße erinnert noch heute an den von reaktionärer Polizei vor der Gastwirtschaft „Wilhelmstal“ erschossenen Matrosen August Aschenbach. Die Inschrift lautet: Zum Gedenken! August Aschenbach am 1. Januar 1924 von der Reaktion ermordet.
In den 1920er und 1930er Jahren gab es in Zella-Mehlis auch eine Ortsgruppe der FAUD sowie der aus ihr hervorgegangenen Gilde freiheitlicher Bücherfreunde.oocities.org (PDF; 381 kB).Hartmut Rübner: Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus (= Archiv für Sozial- und Kulturgeschichte. Bd. 5). Libertad-Verlag, Berlin u. a. 1994, ISBN 3-922226-21-3, S. 202, 218, (Zugleich: Bremen, Universität, Diplomarbeit, 1992: Geschichte und Theorie des Anarchosyndikalismus in Deutschland.). Letztere veranstaltete hier u. a. im Jahr 1932 eine Vortragsveranstaltung mit der als gefährlichste Frau der Welt bezeichneten Emma Goldman..
Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus und der damit einsetzenden Verfolgung von linksgerichteten und jüdischen Bürgern formierte sich sofort Widerstand. Zella-Mehlis und die Nachbarstadt Suhl wurden zu jener Zeit als die „roten Städte“ bezeichnet. Zur Reichstagswahl am 5. März 1933 erhielten die beiden Arbeiterparteien, SPD und KPD, zusammen noch 4044 von 9213 Stimmen.geschichte-zella-mehlis.de Widerstand kam vor allem aus den zahlreichen Arbeiterorganisationen, wie dem Roten Frontkämpferbund, den Roten Sporteinheiten, der Roten Hilfe und von Arbeitern aus den großen Fabriken wie der Mercedes-Bureau-Maschinengesellschaft mbH, wobei die Eheleute Hans und Else Raßmann sowie Fritz Wolf, die Verbindung zur Widerstandsgruppe Neubauer-Poser in Jena hatten, eine besondere Rolle spielten. Deren Namen tragen zwei Straßen der Stadt. Mehrere Verhaftungswellen, die auch durch Denunzianten ausgelöst wurden, brachten Zella-Mehliser Antifaschisten hinter Gitter. Dennoch gab es fast über die gesamten zwölf Jahre NS-Herrschaft hinweg Widerstand gegen die Nationalsozialisten, auch über Weltanschauungsgrenzen hinweg. So z. B. von einer ca. 60 Personen starken, illegalen kommunistischen Parteigruppe oder auch dem Kommunistischen Jugendverband aber auch von Sozialdemokraten, Anarchosyndikalisten und Freidenkern. Geldsammlungen und Transporte für den organisierten Widerstand, Flugblätter herstellen und verteilen, Kontakt zwischen den einzelnen Aktionsgruppen halten, Sabotage in den (Rüstungs-)Betrieben sowie Unterstützung für in Not geratene Familien waren die Aufgaben der selbstorganisierten Einheiten. Ein Zentrum des Widerstandes bildete die illegale KPD-Leitung im Unterbezirk Suhl, die ihren Sitz in Zella-Mehlis hatte. Erst die im August 1944 einsetzenden Massenverhaftungen der Aktion Gitter, unterbrach auch die Widerstandsarbeit der illegalen KPD-Unterbezirksleitung Suhl. Zu den in jener Zeit verhafteten Antifaschisten zählte auch der ehemalige Reichstagsabgeordnete Nikolaus Pfaff. Eine weitere Straße in Zella-Mehlis erinnert an den 1940 in Berlin-Plötzensee hingerichteten Karl Zink. An den französischen katholischen Widerstandskämpfer erinnern der Marcel-Callo-Platz und eine zu seinen Ehren errichtete Statue in der Christ-König-Kirche.
Von den 30 jüdischen Bürgern, die in die Vernichtungslager deportiert wurden oder flohen, überlebte nur eine Frau. Nach der Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 wurden sechs jüdische Bürger in „Schutzhaft“ genommen und in das KZ Buchenwald überführt.
Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses wurden 34 Menschen im Zella-Mehliser Stadtkreis für die Zwangssterilisation angezeigt. Etwa 20 Personen wurden Opfer der Zwangssterilisation im Landeskrankenhaus Meiningen.
1940 bis 1945 lebten insgesamt etwa 8000 Kriegsgefangene und Zwangsarbeit verrichtende Männer und Frauen in Zella-Mehlis, die an mehr als 110 Arbeitsstellen eingesetzt wurden. Mit der Walther-Waffenwerke Zella-Mehlis, die Karabiner direkt im KZ Buchenwald montieren ließen, profitierte auch die Zella-Mehliser Wirtschaft direkt von der NS-Zwangsarbeit. 34 Opfer der Zwangsarbeit (dazu sowjetische Kriegsgefangene aus Benshausen) ruhen auf dem Alten Friedhof, der heute Stadtpark ist.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 263 ff. Im größten Zwangsarbeiterlager Beckerwiese, in der Talstraße, und im gegenüberliegenden Kriegsgefangenenlager befanden sich am 8. März 1945 8219 Menschen. An dieses Lager erinnert seit dem 1. September 2003 eine Gedenktafel an der Kreuzung Sommerauweg/Talstraße.
Vor den Luftangriffen während des Zweiten Weltkrieges suchten weit über tausend Rheinländer in Zella-Mehlis und im Kreis Schleusingen Schutz. Ein ganzer Eisenbahnzug mit evakuierten Greisen, Frauen und Kindern aus Liegnitz in Schlesien lief im Februar 1945 in Zella-Mehlis ein. Am 4. April 1945 marschierte die US-Armee in Zella-Mehlis ein. Die Rote Armee traf am Morgen des 3. Juli 1945 ein und löste die Amerikaner planmäßig ab. Fortan lag Zella-Mehlis in der Sowjetischen Besatzungszone und ab Oktober 1949 in der DDR.
Am 1. Oktober 1945 wurde Zella-Mehlis in den Kreis Schleusingen eingegliedert.Sechste Verordnung über die Kreiseinteilung des Landes Thüringen Dieser wurde am 30. Januar 1946 in Landkreis Suhl umbenannt.Verordnung vom 30. Januar 1946 Mit der Verwaltungsreform von 1952 kam Zella-Mehlis zum Bezirk Suhl. Zella-Mehlis war von 1967 bis zur Kreisreform Thüringen 1994 Verwaltungssitz des Kreises Suhl-Land.
Zum 1. Januar 2019 wurde Benshausen ein Stadtteil von Zella-Mehlis.Thüringer Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 14/2018 S. 795 ff., aufgerufen am 21. Januar 2019
Geschichte des Ortsteils Mehlis mini|300px|Karte zur Ortslage Mehlis (um 1850) Die erste urkundliche Erwähnung findet sich, auf 1250 datiert, in Johann Georg Brückners Sammlung verschiedener Nachrichten zu einer Beschreibung des Kirchen- und Schulenstaats im Hertzogthum Gotha.Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5., verbesserte und wesentlich erweiterte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0.Ersterwähnung von Mehlis: Die teilweise genannte Ersterwähnung von 841 ist nicht belegt. Die Jahreszahl resultiert aus der Annahme eines Heimatforschers in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der aus der Ersterwähnungen der übrigen Dörfer im Grund der Lichtenau schloss, dass auch Mehlis eben 841 erwähnt sei. Aufgrund dieser Angabe wurde 1991 die 1150-Jahr-Feier zelebriert, was diese unbelegte Jahreszahl weiter als gegeben verfestigte.