Die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt liegt im Zentrum von Bad Tölz auf dem Frauenfreithof 1. Sie ist ein prägendes Bauwerk des Tölzer Stadtbildes und das älteste bestehende Bauwerk des Isarwinkels. Das Patrozinium der Kirche wird am 15. August, dem Fest Mariä Aufnahme in den Himmel, gefeiert. Der Eintrag in der Denkmalliste für die Stadt Bad Tölz des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege lautet: D-1-73-112-63, Frauenfreithof 1., Kath. Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, dreischiffige gotische Hallenkirche mit polygonalem Chorschluss und Westturm, 1453–90, 1612 umgestaltet, 1854–77 regotisiert, Turm 1875–77; mit Ausstattung.

Bis 1615 befand sich um die Kirche der älteste Tölzer Friedhof. Einige seiner Grabsteine sind heute in die Außenmauer der Kirche eingelassen.

Geschichtliche Entwicklung und Baugestaltung Die erste Erwähnung dieser Kirche findet sich in einer Urkunde vom 11. April 1262: Dort wird von einer Burgkapelle gesprochen, die vermutlich auch von den Bürgern des Marktes benutzt wurde. Der durch Tölz führende Handelsweg, die Salzstraße von Hallein und Bad Reichenhall, steigerte die Bedeutung des Marktes und damit einhergehend den Ausbau der bestehenden Kapelle, die ab Beginn des 15. Jahrhunderts als „Kirche zu Unserer Lieben Frau zu Tölz“ bezeichnet wird. mini|links|hochkant=0.6|Nie verwirklichtes Konzept zur neugotischen Umgestaltung der Kirche von Johann Nepomuk Sepp Bei einem Brand 1453 wurde der Markt Tölz einschließlich Burg und Kirche fast vollständig vernichtet. Der Wiederaufbau der Kirche, die nun als spätgotische dreischiffige Hallenkirche mit leicht überhöhtem Mittelschiff errichtet wurde, erfolgte ab 1454. Das Langhaus hat vier Joche, in das westliche ist der Turm eingebaut. Der einschiffige Chor ist etwas breiter als das Mittelschiff im Langhaus, er umfasst zwei Joche und hat einen 5/8tel-Schluss.

Hochaltar mit Altarkrippe Noch vor dem Dreißigjährigen Krieg erfolgte die Anschaffung eines frühbarocken Hochaltars. Er wurde 1611 vom Weilheimer Bildhauer Bartholomäus Steinle geschnitzt und enthielt eine in den Himmel erhobene Muttergottes im Strahlenkranz. Dieses Schnitzwerk hängt heute im Triumphbogen vor dem Chor. Es wird im Wappen und im Siegel der Pfarrei Mariä Himmelfahrt Bad Tölz dargestellt.

1866 wurde der frühbarocke Altar durch einen neuen 14 m hohen Hochaltar nach Entwürfen von Georg Schneider ersetzt. Die Gestaltung geht zurück auf den Pfarrer Joseph Pfaffenberger (1855–1866 Pfarrer in Tölz), der verfasste am 6. Juni 1861: „Programm der Herstellung eines Hochaltars in die Pfarrkirche zu Tölz“. Im geschlossenen Zustand zeigt er die Aufnahme Mariens in den Himmel (Himmelfahrt). Bei geöffneten Flügeln wird der Altarschrein zur Jahreskrippe. Der Altar wurde für die bereits vorhandenen Figuren, die seit 1825 vom Tölzer Bildhauer Anton Fröhlich geschnitzt worden sind, geschaffen. Dieser Bildhauer war ebenfalls auf dem Kalvarienberg tätig. Die etwa 3 m breite Krippenlandschaft ist fester Bestandteil des Hochaltars. Vom Advent bis Fronleichnam zeigen die Figuren von Anton Fröhlich vor Kulissen von Simon Quaglio abwechselnd mehr als 20 biblische Szenen. Die Pflege, der Aufbau und der Wechsel der Szenen wird durch den Krippenverein Bad Tölz ehrenamtlich übernommen.

Seiten- und Chorkapellen Links und rechts sind am Chor seitlich der ersten beiden Joche flachgewölbte Chorkapellen angebaut. Über den Chorkapellen befinden sich bis zur Höhe des Chores Emporen. Im 5/8-Abschluss des Chores sind links und rechts Seitenkapellen angebaut.

In der Pestzeit von 1634 erlangte die Verehrung des Pestheiligen Sebastian auch im Markt Tölz Bedeutung. Ihm zu Ehren wurde ein Altar in der rechten, südlichen Chorkapelle (Sebastianikapelle) aufgestellt. Der Altar wurde im 19. Jahrhundert entfernt, doch das Altarbild von Johann Ulrich Loth blieb erhalten. Seit der letzten Restaurierung hängt es wieder in der Kapelle.

Die linke, nördliche Chorkapelle (Maria-Hilf-Kapelle) ist der Kirchenpatronin, der hl. Maria, geweiht. Als Gnadenbild wird hier auf dem neuen Wandelaltar (2011) eine Kopie des Innsbrucker Maria-Hilf-Bildes von Lukas Cranach d. Ä. verehrt. Entsprechend dem liturgischen Kalender wird zeitweise stattdessen eine spätgotische Pietà in den Blick gerückt.

Im Wettstreit mit dem Herzog um die Ausstattung der Kirche beteiligten sich auch die Pfleger des Marktes. Das bekannteste Geschlecht der Pfleger waren die Winzerer; sie ließen an der linken, nordöstlichen Seite des Chores 1513 eine Seitenkapelle anfügen, die ihnen als Grablege diente. Der bekannteste Vertreter dieser Tölzer Pflegerfamilie, Kaspar Winzerer, an den heute ein Epitaph für Kaspar Winzerer III. aus Rotmarmor erinnert, wurde dort beigesetzt.

Kreuzwegstationen

Die Bilder des Kreuzwegs wurden von verschiedenen Schülern der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München 1825 geschaffen.

Station Bild Maler1: Jesus wird zum Tode verurteilt mini|center Mayer, J.2: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern mini|center Mayer, J.3: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem KreuzAugust Riedel4: Jesus begegnet seiner MutterMayer, J.5: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragenWeiß, L. X.6: Veronika reicht Jesus das SchweißtuchWeiß, L. X.7: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem KreuzWeiß, B. Kaspar8: Jesus begegnet den weinenden Frauen mini|center August Riedel9: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz mini|center Weiß, L. X.10: Jesus wird seiner Kleider beraubt mini|center Johann Michael Wittmer11: Jesus wird ans Kreuz genagelt mini|center Paul Emil Jacobs12: Jesus stirbt am Kreuz mini|center Weiß, L. X.13: Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt mini|center Paul Emil Jacobs14: Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt mini|center August Riedel

Bleiglasfenster Im Verlauf des 16. Jahrhunderts wurde die Kirche durch eine herzogliche Stiftung mit einem prächtigen Glasfenster ausgestattet.

Die insgesamt 28 erhaltenen Scheiben aus dem 16. Jh. sind in den Fenstern der Seitenschiffe zwischen runden Scheiben im hexagonalen Raster aus klarem Antikglas eingebaut.

Stifterfenster

Monstranzfenster

Das Buntglasgemälde aus dem beginnenden 16. Jahrhundert zeigt eine mittelalterliche Turmmonstranz (vom lat. monstrare: zeigen) mit der Hostie – an ihren Seiten knien anbetende Engel. Bänder geben folgende Schrift wieder: ecce panis angelorum – 0 salutaris hostia – sieh das Brot der Engel – oh, heilbringende Hostie: zwei Verse aus zwei verschiedenen Hymnen, dem Verbum supernum prodiens und dem Lauda Sion Salvatorem, die anlässlich der Einführung des Fronleichnamsfest im Jahre 1264 vom überaus bedeutenden, mittelalterlichen Theologen Thomas von Aquin verfasst worden waren. Die beiden Verse veranschaulichen prägnant die Kernaussage des Festtages: die Verehrung der Eucharistie, also die Verherrlichung der Realpräsenz Christi in Brot und Wein.

Weitere Ausstattung

Turm

Nach dem verheerenden Stadtbrand von 1453 erhielt die spätgotische Hallenkirche wohl nur als Provisorium den für Jahrhunderte markanten Satteldach-Turm, der dem verbliebenen Turmstumpf aufgesetzt wurde.Christoph Schnitzer, Roland Haderlein: Die Tölzer Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt. CS-Press & Print, Bad Tölz 2011, S. 20. Nach der Entdeckung der Jodquellen Mitte des 19. Jahrhunderts und dem folgenden Aufblühen zum Kurort, erwachte bei Tölzern ein bürgerlicher Stolz und neues ästhetisches Empfinden. 1873 sprach das Tölzer Amts- und Wochenblatt von der „verkümmerten Gestalt“ des Kirchturmes und warf die Frage in den Raum, ob Tölz „hinter mancher Dorfgemeinde zurückbleiben solle“? Bereits zwanzig Jahre zuvor entwarf Johann Nepomuk Sepp einen kathedralenartigen, neugotischen Turm für die Kirche. Von 1875 bis 1877 wurde die Kirche nach Plänen des Haidhauser Baumeisters Michael Steinbrecher neugotisch umgestaltet. Der neue Turm war zwanzig Meter höher und besaß Strebebögen, Maßwerkfenster, Wimperge, Fialen, Wasserspeier und veränderte das Ortsbild von Tölz maßgeblich.

Türmerstube Im Turm befindet sich oberhalb der Glocken und unterhalb der Zifferblätter der Turmuhr die ehemalige Türmerstube. An jeder Turmseite hat die Stube zwei Fenster mit Spitzbogen. Bis zum 1. Oktober 1937 verrichteten die beiden letzten Tölzer Türmer dort im Kirchturm ihren Dienst.Christoph Schnitzer, Roland Haderlein: Die Tölzer Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt. CS-Press & Print, Bad Tölz 2011, S. 24.

Sanierungen Die Kirche wurde zwischen 1454 und 1490 an selber Stelle nur ein bisschen breiter und länger aufgebaut. Dabei wurden alle Steine der abgebrannten Vorgängerkirche wiederverwendet: Zur Fundamentierung die großen Steine, für die Wände dann die kleineren Steine. Ganz oben im Bereich der Dachtraufe sind viele Steine nur noch faustgroß.

Aus den Archivalien geht hervor, dass bereits kurz nach dem Neubau immer wieder Mängel in der Bausubstanz aufgetreten sind. Die Geschichte der Kirche ist eng verbunden mit ständig wiederkehrenden Baumaßnahmen zur Reparatur von Schäden.

Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Schäden so groß, dass die Kirche wegen Einsturzgefahr gesperrt wurde. Nachdem der Wunsch der Tölzer nach einer neuen großen Kirche insbesondere aus finanzieller Sicht zerschlagen wurde, wurden ab 1859 umfangreiche Instandsetzungsmaßnahmen am Bestand durchgeführt. Die schlanken gotischen Pfeiler im Langhaus wurden dreiseitig verstärkt, neu fundamentiert und neue Gurtbögen zur Aussteifung des Bauwerks eingezogen. Die Gewölbe der Seitenschiffe wurden wegen Baufälligkeit vollständig rückgebaut und neu errichtet. Auch die Dachwerke wurden verstärkt.

1906 erfolgte eine umfangreiche Innenrenovierung der Kirche durch den Münchner Architekten Joseph Elsner.

Konstruktive Mängel und Verwitterung von Pfeilern und Zierwerk ließen in den 1970er-Jahren eine umfassende Renovierung des Turmes anstehen. Verschiedene Bestandteile des Steinbrecher-Turmes, wie Kreuzblumen, Fialen oder Seitentürmchen waren aus Sicherheitsgründen bereits entfernt worden. Im Oktober 1976 legte der Münchner Kirchenarchitekt Enno Burmeister ein Renovierungskonzept mit drei möglichen Varianten vor: Rekonstruktion des Steinbrecher-Turmes von 1877, Reduzierung des neugotischen Turmes auf seine Grundform mit geschlossener Haube oder Wiederherstellung des niedrigen Satteldaches, einschließlich des Abbaus aller Schmuckelemente.

Wochenlang herrschte eine hitzige Diskussion um die Zukunft des Turmes. Der Historiker Josef Katzameyer vom Historischen Verein verwies auf die „sehr plumpe und massige“ Gestalt des einstigen Sattelturmes, sowie, dass der „jetzige Turm längst ein Denkmal der Neugotik geworden“ sei. Karl Floßmann, ebenfalls vom Historischen Verein, nannte den bestehenden Turm mit „seinem prächtig gegliederten, durchbrochenen Turmhelm“ ein „Wahrzeichen der Stadt“. Die mögliche „abgespeckte“ Version des neugotischen Turmes wurde als „Blechzapfen“ geschmäht, als „scheußliches und geschmackloses“ Bauwerk. Mancher plädierte für den alten Satteldachturm, als „ungewöhnliche, mutige Lösung“. Ein „jahrhundertealtes Bild wieder auferstehen zu lassen“, sei „faszinierend“, auch, da Tölz es nicht mehr nötig habe, sich über die Höhe des Kirchturmes zu definieren. Paul Ernst Rattelmüller, Bezirksheimatpfleger für Oberbayern, nannte die Planungen für den Sattelturm einen „Schildbürgerstreich“: „Das würde bedeuten, dass man einen in seiner Substanz historisch gewordenen Turm abreißt, um einen älteren historischen Zustand zu rekonstruieren, man könnte auch sagen, herzufälschen.“ Er verstünde nicht, „wie man einen der wenigen neugotischen Türme in unserem Land kaputtmachen“ wolle.Christoph Schnitzer, Roland Haderlein: Die Tölzer Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt. CS-Press & Print, Bad Tölz 2011, S. 22.