Anna Karenina ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Clarence Brown mit Greta Garbo in der Titelrolle. Er wurde am 30. August 1935 in den nationalen Verleih gebracht. Das Drehbuch entstand nach dem gleichnamigen Roman von Leo Tolstoi.

Handlung Der Film erzählt in groben Zügen die Handlung des gleichnamigen Romans von Tolstoi. Anna Karenina ist entsprechend den Konventionen der Zeit mit dem älteren, aber sehr respektablen Karenin verheiratet. Die Eheleute sind Mitglieder der besseren Gesellschaft von Sankt Petersburg und achten sich gegenseitig, ohne sich wirklich zu lieben. Anna widmet ihre gesamte Fürsorge und alle Gefühle ihrem Sohn Sergei. Eines Tages lernt sie in Moskau den Grafen Wronski, einen Offizier der Imperialen Garde, kennen. Anna verliebt sich in den galanten Verführer und beide versuchen, jenseits der gesellschaftlichen Konventionen glücklich zu werden. Doch Karenin akzeptiert die Trennung nur unter der Bedingung, dass Anna ihren Sohn nicht wiedersieht. Das anfängliche Liebesglück zwischen ihr und Wronski nimmt indes bald ein jähes Ende, als Wronski sich von ihr trennt, um mit seinen früheren Kameraden an einem Feldzug teilzunehmen. Anna verkraftet diese neuerliche Trennung nicht mehr und wirft sich vor einen Zug.

Hintergrund Einer der Gründe, der David O. Selznick zum Wechsel von RKO zu MGM bewegte, war die Zusage seines Schwiegervaters Louis B. Mayer, einen Film mit Greta Garbo drehen zu dürfen. Ihr letzter Film Der bunte Schleier war eine künstlerische und finanzielle Enttäuschung. Nach Selznicks Einschätzung lagen die Probleme im banalen Skript und in den wenig attraktiven Kleidern, die Garbo im Verlauf der Handlung trug. Er versuchte, die Schauspielerin zu einem Rollenwechsel zu bewegen, und schlug ihr vor, die Hauptrolle in dem modernen Melodrama Opfer einer großen Liebe über eine junge Frau, die an einer Krankheit stirbt und vorher noch die Liebe ihres Lebens trifft, zu übernehmen. Greta Garbo war jedoch fest entschlossen, wieder eine historische Rolle zu spielen. Die Wahl fiel auf Anna Karenina. Greta Garbo kannte die literarische Vorlage. Sie hatte bereits 1927 in Love, einer vergleichsweise freien Verfilmung des Romans, die Anna gespielt.

Die Probleme begannen mit dem Tag der Entscheidung. Die strengen Zensurvorschriften führten dazu, dass wesentliche Bezüge des Romans nicht auf der Leinwand erscheinen durften, und so waren die Drehbuchautoren gezwungen, eine eigene Version der Ereignisse zu erzählen. Die Wahl von Clemence Dane und Salka Viertel war in den Augen von Selznick nicht optimal, der den beiden älteren Damen nicht recht zutraute, so etwas wie Leidenschaft und Passion in die Geschichte zu bringen. Bemerkenswert ist die Eröffnungssequenz, in der Garbo aus dem Rauch einer Eisenbahn praktisch wie eine Erscheinung auftaucht. Diese Einstellung wird am Schluss variiert, wenn die Schauspielerin wieder an einem Bahnsteig steht und ohne jede Regung im Gesicht plötzlich aus dem Bild verschwindet, da sich Anna vor den fahrenden Zug geworfen hat.

Synchronisation Der Film wurde zweimal synchronisiert. Die erste Synchronfassung entstand 1935 oder 1936 durch die MGM Synchronabteilung in Berlin. Paul Mochmann und Theodor Rocholl schrieben das Dialogbuch, Wilhelm Reinking führte Regie, Martin Müller war für den Ton verantwortlich und den Tonschnitt besorgten Albert Baumeister und G. von Einsiedel. Die zweite Synchronisation wurde 1953 im West-Berliner MGM-Synchronisationsatelier aufgenommen.

+RolleDarstellerSynchronsprecher (1935/36)Synchronsprecher (1953)Anna KareninaGreta GarboSonik RainerIngeborg GrunewaldGraf WronskiFredric MarchSiegfried SchürenbergAlexei KareninBasil RathboneWerner PledathAlfred BalthoffSergeiFreddie BartholomewHorst TeetzmannN. N.KittyMaureen O’SullivanRuth HellbergMarianne Prenzel oder Margot LeonardGräfin WronskiMay RobsonN. N.Gertrud SpalkeStiwaReginald OwenWolf TrutzHugo SchraderDolly OblonskajaPhoebe FosterN. N.Tilly LauensteinJaschwinReginald DennySiegfried BreuerSiegmar SchneiderKonstantin LewinGyles IshamErich FiedlerKlaus SchwarzkopfGräfin LydiaConstance CollierN. N.Ursula KriegOffizier beim BankettHarry CordingN. N.Clemens HasseIwanowitschGuy D’EnneryC. W. BurgOtto StoeckelZugreisendeCarrie DaumeryN. N.Anneliese WürtzOberstMahlon HamiltonN. N.Albert BesslerOffizier beim BankettFrancis McDonaldN. N.Eduard WandreyAusrufer am BallSam SavitskyN. N.Erich PoremskiDienerJoe E. TozerN. N.Herbert WeißbachOffizier beim BankettRobert WarwickN. N.Walter Altenkirch

Kinoauswertung Mit Produktionskosten von 1.152.000 US-Dollar lag der Film über dem MGM-Durchschnittsaufwand und trug dem Prestige von Greta Garbo innerhalb der Studiohierarchie Rechnung. An der Kinokasse war er ein relativer Erfolg und spielte in den USA mit 865.000 US-Dollar gut ein Drittel mehr ein als Der bunte Schleier. International spielte der Film weitere 1.439.000 US-Dollar ein, so dass er mit einem Gesamtergebnis von 2.304.000 US-Dollar zu den erfolgreichsten Filmen der Schauspielerin zählte. Der Gewinn für das Studio betrug am Ende 320.000 US-Dollar.

Kritik Die meisten Rezensenten waren von Greta Garbos Darstellung angetan, wenn auch vielfach der Vorwurf geäußert wurde, Garbo sei mittlerweile zu häufig in Krinoline und Reifrock und zu wenig in modernen Stücken zu sehen. Andre Sennwald schrieb am 31. August 1935 in der New York Times begeistert von Film und Star:

Im Lexikon des Internationalen Films war zu lesen:

Auszeichnungen Garbo gewann für ihre Darstellung den New York Film Critics Circle Awards als beste Hauptdarstellerin.

Literatur Barry Paris: Garbo. Die Biographie (= Ullstein 35720). Um ein App. erweiterte Ausgabe. Ullstein, Berlin 1997, ISBN 3-548-35720-2. Robert Payne: The Great Garbo. Reprinted edition. Cooper Square Press, New York NY 2002, ISBN 0-8154-1223-1. Mark A. Vieira: Greta Garbo. A Cinematic Legacy. Harry N. Abrams, New York NY 2005, ISBN 0-8109-5897-X. Alexander Walker: Greta Garbo. Ein Porträt (= Knaur 2316 Biographie). Vollständige Taschenbuchausgabe. Droemer Knaur, München 1983, ISBN 3-426-02316-4.

Weblinks

Hintergrundinformationen und weiterführender Link zu zahlreichen Screenshots auf garbofever.com (englisch) Ausführliche Inhaltsangabe auf greta-garbo.de Kurze Beschreibung auf leninimports.com (englisch)

Einzelnachweise

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