mini|Luftaufnahme, Bodenheim im Vordergrund, die Nachbargemeinde Nackenheim dahinter direkt am Rhein Bodenheim ist eine Einwohner zählende Ortsgemeinde im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Bodenheim an und ist deren Verwaltungssitz. Bodenheim ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten.
Geographie Bodenheim liegt in Rheinhessen etwa 8 Kilometer südlich von Mainz (Stadtmitte) am Rande des Rhein-Main-Gebiets. Die Gemeinde ist durch den Weinbau stark geprägt, es gibt mehrere Weingüter und Straußwirtschaften.
Folgende Städte und Gemeinden (im Uhrzeigersinn genannt, im Norden beginnend) grenzen an Bodenheim: Die Landeshauptstadt Mainz mit ihren Stadtteilen Hechtsheim und Laubenheim, der Treburer Ortsteil Astheim am gegenüberliegenden hessischen Rheinufer, Nackenheim, Lörzweiler, Gau-Bischofsheim und Harxheim, alle zur Verbandsgemeinde Bodenheim gehörend.
Geschichte Seine erste urkundliche Erwähnung findet das auf eine fränkische Gründung zurückgehende Dorf durch die Schenkung eines Weinbergs an das Kloster Fulda durch den Bodenheimer Rantulf im Jahr 754. 23 Bodenheimer Schenkungen an das Kloster Lorsch belegen den großen Grundbesitz, den das Kloster dort hatte. Die erste Erwähnung in dieser Schenkungsreihe beginnt mit Urkunde 1340 vom 11. März 767, als Helmerich eine Hofreite mit Bauerngut dem Abt Gundeland unter König Pippin dem Jüngeren schenkte.
Grundbesitz hatten daneben auch das Erzstift Mainz, das Mainzer Domkapitel, die Mainzer Stifte St. Alban, St. Johann und St. Stephan sowie das Kloster Dalheim.Irmtraud Liebeherr: Der Besitz des Mainzer Domkapitels im Spätmittelalter, Mainz: Selbstverl. der Ges. für Mittelrheinische Kirchengeschichte, 1971, S. 83 (dilibri.de). St. Alban, das seit dem 8. Jahrhundert über Grundbesitz in der Bodenheimer Gemarkung verfügte, konnte sich schließlich gegenüber den anderen Grundbesitzern, vor allem durch das Erlangen der örtliche Gerichtsbarkeit, als Ortsherr durchsetzen.
Eine enge Wechselbeziehung zwischen Bodenheim und Mainz lässt die Mainzer Mauerbauordnung aus dem 11. Jahrhundert erkennen. In jener Zeit zwischen 1000 und wohl schon seit der Karolingerzeit gehörte Bodenheim zu den Orten, aus denen die Leute Mauer und Stadtgraben der Stadt Mainz instand setzten und gründlich wehrhaft machen mussten. Ein geschlossenes Dorf war Bodenheim damals und noch jahrhundertelang nicht. Ansässig und begütert waren hier mehrere Familien- oder Sippenangehörige des weitverzweigten Geschlechtes des Wormsgaugrafen Cancor. Außerdem waren damals noch Angehörige einer zweiten, vielleicht dritten Grafenfamilie in Bodenheim ansässig.
Spätestens um die Mitte des 12. Jahrhunderts gehörten die beiden Fronhöfe dem Kloster und späteren Ritterstift St. Alban in Mainz. In jedem von ihnen lag eine Fronhofkirche. Die in Unterbodenheim wurde damals zur Pfarrkirche erhoben, die andere war eine Kapelle. Die letzte Nachfolgerin wurde 1889 erbaut; sie dient unter dem Namen „Maria-Oberndorf“ bis zur heutigen Zeit als Wallfahrtskapelle. Den ersten Beweis für das Vorhandensein von St. Albans Grundbesitz in Bodenheim bietet das Jahr 1130. Damals erwarb Propst Reginhard durch Kauf von St. Alban für sein Kloster drei kleine Freienhöfe. Mit dem Übergang der beiden Fronhöfe in den Besitz des Klosters erhielt St. Alban auch die Vogtei, das heißt die hohe und niedere Gerichtsbarkeit über das ganze Dorf.
Zwei Fronhöfe, die in einer Urkunde vom 21. August 1263 erwähnt werden, müssen um 500 entstanden sein. Bodenheim wurde berühmt, weil hier wie kaum in einem anderen Dorf die Freiheitsbewegung einer mittelalterlichen Landgemeinde zu beobachten ist. Zwischen 1277 und 1525 rangen die Bürger ihren Ortsherren wichtige Rechte ab, die man die „Bodenheimer Freiheit“ nennt. Sie wurden in einem Weistumsbuch festgehalten und regelten die Rechte und Pflichten der Bürger.
Hexenprozesse 1608 war das Gerichtsgebäude das heutige Rathaus mit seinem mehrfach erneuerten, kostbaren Fachwerk und holzgeschnitztem originalen Wappen im Erker. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde Bodenheim zu einem Zentrum der europäischen Hexenverfolgung.Ludolf Pelizaeus: Der Hexenprozess in Bodenheim 1613–1615. Nach böswilligen Diffamierungen, schrecklichen Haftbedingungen und grausamen Folterungen verloren mindestens 27 Bürger nach Hexenprozessen ihr Leben. Die Prozesse in Bodenheim begannen mit der Verhaftung der Witwe Merg Scholl am 8. Oktober 1612. Sie wurde verdächtigt, sie habe in der Backstube ein Kind so verzaubert, dass es verstorben sei. Im Frühjahr 1613 wurde Scholl verurteilt und mit zwei anderen Frauen verbrannt. Erst mit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges konnte ein Schlussstrich unter dieses düstere Kapitel gezogen werden.Ludolf Pelizaeus: Hexenprozesse in Kurmainz, Verfolgung in Bodenheim 1612–1615. An die Ereignisse erinnerte 2014 das Benefiz-Theatermusical „Hexe! De Deibel soll se hole!“ Der Gemeinderat Bodenheim beschloss in seiner Sitzung vom 23. Februar 2021 die Rehabilitierung der während der Hexenverfolgung zu Unrecht gefolterten und getöteten Bodenheimer Bürgerinnen und Bürger.Nachrichtenblatt der Verbandsgemeinde Bodenheim Ausgabe 7/2021, abgerufen am 24. Februar 2021.
Neuzeit
Im Zweiten Weltkrieg (Herbst 1939) wurden zahlreiche Männer aus Bodenheim zur Wehrmacht eingezogen. Bis zum Ende des Krieges verloren circa 200 Soldaten aus Bodenheim ihr Leben an der Front. Als der Krieg andauerte und sich die Luftangriffe häuften, verloren viele Menschen in den Städten am Rhein Besitz und Leben. Zudem wurden zahlreiche Bewohner aufs Land evakuiert. Bodenheim diente als Einquartierung und empfing viele Stadtkinder, die dort die Schule besuchen konnten. Der Ort Bodenheim selbst blieb unzerstört, nur die Bahnanlagen wurden im August 1944 wegen Tiefflieger-Angriffen gesperrt.
Am 29. Juni 1988 kollidierten über der Nachbargemeinde Nackenheim zwei US-Kampfflugzeuge vom Typ F-16C und stürzten über unbewohntem Gebiet nahe Bodenheim ab. Einer der Piloten konnte sich mit dem Schleudersitz retten, während der Pilot Captain Mike Crandall ums Leben kam.F-16 crashes in West Germany trigger complaints. United Press International, 30. Juni 1988.
Einwohnerstatistik Im Jahr 1750 hatte Bodenheim etwa 1200 Einwohner. Diese Zahl hatte sich rund 150 Jahre später mehr als verdoppelt. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Bevölkerungszahl kontinuierlich auf heute über 7700 Einwohner.
Die weitere Entwicklung der Einwohnerzahl von Bodenheim, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1815 1.225 1835 2.068 1871 1.976 1905 2.791 1939 3.339 1950 3.970 Jahr Einwohner 1961 3.910 1970 4.459 1987 5.877 1997 6.431 2005 6.975
Konfessionsstatistik Im Juni 2005 hatten 53,4 % der Einwohner die katholische und 22,2 % die evangelische Konfession. 24,4 % hatten keine oder eine sonstige Konfessionszugehörigkeit.Ewois. Ende Juli 2026 hatten 33,8 % der Einwohner die katholische und 17,7 % die evangelische Konfession. 48,5 % gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Religionszugehörigkeit (nur HAW). In: Gemeindestatistik – Verbandsgemeinde Bodenheim. Auf Ewois.de (; 11,8 kB). Beide Konfessionen verzeichneten demnach im beobachteten Zeitraum erhebliche Mitgliederverluste.
Politik Gemeinderat mini|hochkant|Das Rathaus, ein Renaissance-Fachwerkbau Der Gemeinderat in Bodenheim besteht aus 24 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem. Vor den Wahlen 2019 hatte der Gemeinderat 22 Sitze, die Erhöhung war nach rheinland-pfälzischem Wahlrecht durch die gestiegene Einwohnerzahl von Bodenheim erfolgt.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU Grüne FDP FWG Gesamt 2024 8 9 4 0 3 24 Sitze 2019 13 6 – 1 4 24 Sitze 2014 12 7 – 1 2 22 Sitze 2009 9 9 – 1 3 22 Sitze 2004 8 10 – – 4 22 Sitze 1999 8 12 – – 2 22 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Bodenheim e. V.
Ortsbürgermeister Jens Mutzke ist seit 2024 Ortsbürgermeister von Bodenheim. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 war sein Vorgänger, Becker-Theilig (SPD), nicht erneut angetreten. Der damalige 2. Beigeordnete Jens Mutzke (SPD) wurde mit einem Stimmenanteil von 51,9 % zu seinem Nachfolger gewählt. Die Amtseinführung von Mutzke war am 8. Juli 2024.
Folgende Personen übten dieses Amt seit der Befreiung Bodenheims von der Naziherrschaft 1945 aus. Zeitraum Name Partei Bemerkung 1945 Johann Jamin durch die US-amerikanische Besatzung eingesetzt 1945–1946 Gottfried Boxheimer durch die US-amerikanische Besatzung eingesetzt 1946–1961 Hermann Weber CDU 1961–1973 Heinz Schaub CDU 1973–1984 Horst Kasper SPD 1984–2009 Alfons Achatz CDU 2009–2024 Thomas Becker-Theilig SPD seit 2024 Jens Mutzke SPD
Wappen
Partnergemeinden Seurre (Frankreich), seit 4. Oktober 1969 offiziell besiegelt, freundschaftlich verbunden seit 1964 Grezzana (Italien), seit 1992 Rudolstadt (Thüringen)
Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Im Bürgerhaus Dolles befindet sich das Bodenheimer Heimatmuseum, welches in wechselnden Ausstellungen die Bodenheimer Geschichte präsentiert. Auf dem Gelände der Firma Hilge befindet sich das Deutsche Pumpenmuseum.
Bauwerke mini|hochkant|links|Innenraum der evangelischen Kirche mini|Kirche St. Alban mini|hochkant|Ehemaliger Molsberger Hof Die katholische Pfarrkirche St. Alban wurde von 1828 bis 1830 erbaut. Es handelt sich um einen spätklassizistischen Saalbau mit Westturm. Die Grundsteinlegung der evangelischen Kirche in Bodenheim fand am 16. Mai 1887 statt. Der Münchner Architekt und Passauer Dombaumeister Heinrich von Schmidt, der auch an der Restaurierung der Oppenheimer Katharinenkirche beteiligt war, entwarf die Pläne für die Kirche; der Kirchenbaumeister Otto Schwarze übernahm die Bauleitung. Im Stil der Neugotik entstand ein Gotteshaus, gebaut aus Kalkstein-Bruchsteinmauerwerk mit einem schiefergedeckten Walmdach und einem zierlichen Dachreiter. Im Inneren des Gebäudes finden sich u. a. im Chorraum drei Buntglasfenster mit Darstellungen der Geburt, der Kreuzigung und der Auferstehung Christi sowie die kunstvoll geschnitzte Kanzel, die von den vier Evangelisten getragen wird. Am 26. September 1888 fand die Einweihung der Kirche statt. Heute ist die evangelische Kirche die ganze Woche hindurch von 8 bis 19 Uhr zur Andacht und Besichtigung geöffnet. Die neugotische Marien-Wallfahrtskapelle Maria-Oberndorf entstand in den Jahren 1889–1891 nach Plänen des bischöflichen Dombaumeisters Lucas. Der erste urkundlich erwähnte Kirchenbau an gleicher Stelle stammt aus dem Jahr 1217, ist vermutlich aber älteren Ursprungs. Dieser erste Kirchenbau wurde während des Dreißigjährigen Krieges zerstört. Das Wallfahrtsfest findet jährlich am ersten Sonntag nach dem 2. Juli (Fest der Mariä Heimsuchung) statt und gehört zum Wallfahrtskalender des Bistums Mainz. Das historische Rathaus wurde 1608 durch das Ritterstift als neues Gerichtsgebäude (für das Ober- und Dorfgericht) erbaut. Das zweigeschossige Gebäude mit Satteldach und schönen Stuckarbeiten im Inneren ist ein typischer Vertreter für die fränkisch-hessische Fachwerkbauweise der Renaissance-Zeit nach 1555. Der Molsberger Hof, 1613 und 1614 errichtet, ist ein auf mehreren Ebenen angelegtes Fachwerkhaus in der Mainzer Pfort Straße, am Schönbornplatz. Das Haus ist durch einen großen Erker ausgezeichnet der mit einem Wappenschild geschmückt ist. Die Herren von Molsberg sind mit ihrem ältesten Vertreter Anselm I. von Molsberg (ca. 1000 bis 1066) bekannt. Teile der ausgestorbenen Familie lebten bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts in Bodenheim. Sie waren durch Ämter bei Kaiser und Fürsten, Kirche und der reichsritterschaftlichen Organisation zu Ansehen gekommen. Der Renaissancebau wurde durch einen Brand am 15. Dezember 2007 stark beschädigt und in den Folgemonaten aufwendig und denkmalgerecht restauriert.
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