mini|David Tennant (2019)

David Tennant (* 18. April 1971 in Bathgate, West Lothian, Schottland als David John McDonald) ist ein britischer Schauspieler und Synchronsprecher.

International bekannt wurde der vielfach ausgezeichnete Darsteller ab den 2000er Jahren durch seine Darstellung des zehnten Doktors in der Science-Fiction-Kultserie Doctor Who, des D.I. Alec Hardy in Broadchurch, des Kilgrave in der Netflix-Serie Marvel’s Jessica Jones und des Barty Crouch jr. im Film Harry Potter und der Feuerkelch. Von 2017 bis 2021 sprach er Dagobert Duck in DuckTales.

Leben und Karriere

Kindheit und Ausbildung David John McDonald ist der jüngste Sohn des presbyterianischen Reverends Alexander „Sandy“ McDonald (1937–2016) und dessen Frau Essedale Helen McDonald, geborene McLeod (1940–2007). Er wuchs in Ralston, einem Ortsteil von Paisley, nahe Glasgow auf, wo sein Vater Pfarrer und zeitweise Moderator der Church of Scotland war. Seine Mutter war Hausfrau und ehrenamtlich in der Kirche tätig. Sein Bruder Blair ist sechs Jahre älter, seine Schwester Karen acht Jahre.

Im Alter von drei Jahren äußerte er erstmals den Wunsch, Schauspieler zu werden. Als Fan der britischen Science-Fiction-Familienserie Doctor Who benennt er als seine frühesten Kindheitserinnerungen das Nachspielen von Filmszenen im Garten der Familie. Während der Schulzeit trat er im Schultheater auf und besuchte die Samstagskurse des Junior Conservatoire des Royal Conservatoire of Scotland. Nach seinem Schulabschluss 1988 zog Tennant nach Glasgow und begann ein Schauspielstudium an der Royal Scottish Academy of Music and Drama (RSAMD) als Jüngster seines Jahrgangs. Zunächst wohnte er bei seiner älteren Schwester, dann in Wohngemeinschaften mit Kommilitonen. 1991 schloss er sein Bachelorstudium erfolgreich ab.

Künstlername Als sich David McDonald im Alter von 16 Jahren für seine erste Fernsehrolle bei der britischen Schauspielergewerkschaft Equity registrieren ließ, war dort bereits ein gleichnamiger Schauspieler eingeschrieben. Deswegen verwendete er fortan um Verwechslungen zu vermeiden einen Künstlernamen, den er nach Neil Tennant wählte, dem Sänger der Pet Shop Boys. Den Namen Tennant verwendet er heute auch als Privatperson, seine Frau und seine Kinder tragen ihn ebenfalls.The Paley Center for Media: David Tennant – Who’s the Doctor? Interview, aufgezeichnet am 9. Oktober 2018, auf YouTube veröffentlicht am 22. Oktober 2018. Abgerufen am 10. Mai 2019. Frühe Karriere Tennant begann seine Schauspielkarriere während der Schulzeit mit 16 Jahren in einem Fernsehspot der schottischen Gesundheitsbehörde gegen das Rauchen. Ein Jahr später bekam er eine Rolle in einer Episode der schottischen Kinderserie Dramarama. Tennants erste professionelle Rolle nach seinem Universitätsabschluss war bei der politischen Theatergruppe 7:84. Die Kompanie war 1971 von Dramaturg John McGrath gegründet worden und benannt nach einer Statistik im Economist von 1966, nach der 7 % der schottischen Bevölkerung über 84 % des gesamten Vermögens verfügten. Tennants erster Auftritt mit der Gruppe war eine Inszenierung von Bertolt Brechts Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui, bei der die nur sechs Ensemble-Mitglieder 20 Rollen unter sich aufteilten. david-tennant-news.com. Abgerufen am 1. Juli 2017

In seiner ersten großen Fernsehrolle spielte er 1994 in der sechsteiligen BBC-Serie Takin’ Over the Asylum den manisch-depressiven Campbell. Die Serie gewann mehrere Preise, unter anderem je einen BAFTA und BAFTA Scotland Award als beste Serie. Für Tennant wurde sie zum Sprungbrett ans englische Theater und später zum Film, ihm zufolge erhielt er jeden weiteren Job, weil Produzenten ihn in Takin’ Over the Asylum gesehen hätten.David Tennant im Audiokommentar zu Takin’ Over the Asylum Episode 2: Fly Like an Eagle, aufgenommen 2008, Zitat: „Every job I’ve had since I got because of [Takin’ Over the Asylum].“

Spätestens mit seinen Theaterauftritten in What the Butler Saw (1994–1995 mit dem Royal National Theatre) und Die Glasmenagerie (1996 mit dem Dundee Repertory Theatre) machte er als Bühnenschauspieler auf sich aufmerksam. Noch im selben Jahr erhielt er ein Engagement der renommierten Royal Shakespeare Company (RSC). Seine erste Rolle als festes Ensemblemitglied war die des Hofnarren Prüfstein in Shakespeares Komödie Wie es euch gefällt (1996). Tennant erzählte später, eine eindrucksvolle Darstellung eben dieser Figur habe ihn als jungen Schüler erstmals für Shakespeares Welt begeistern können. Gleichzeitig war er mit der RSC in zwei modernen Stücken, The Herbal Bed und The General from America zu sehen. In Letzterem übernahm er die HauptrolleThe General from America – Synopsis Inhaltszusammenfassung des Playbill, abgerufen am 16. Dezember 2017. des Alexander Hamilton. Anschließend spielte er meist komödiantische Rollen, wie Antipholus von Syracuse in Die Komödie der Irrungen (2000), aber auch tragische Rollen wie die des Romeo in Romeo und Julia (2000). Für seine Leistung in Die Komödie der Irrungen wurde er für einen Ian Charleson Award nominiert. 2003 folgte eine Olivier-Nominierung als bester Schauspieler für seine Darstellung von Jeff in Lobby Hero.

Seine erste Hauptrolle auf der Großbildleinwand erhielt er 1998 in der Liebeskomödie L.A. Without a Map, die auch in deutschen Kinos zu sehen war. 2003 spielte er die Rolle Ginger Littlejohn im starbesetzten britischen Kinofilm Bright Young Things von Stephen Fry. Ab 2004 stieg Tennants Bekanntheitsgrad durch Haupt- und Nebenrollen in den britischen Fernsehproduktionen He Knew He Was Right (2004), Blackpool (2004), Casanova (2005) und Der Feind in meinem Haus (Secret Smile, 2005). In diesen Filmen spielt er sowohl stark komödiantisch (Casanova) als auch dramatisch angelegte Rollen (He Knew He Was Right); Blackpool ist außerdem als Jukebox-Musical konzipiert und Secret Smile zeigt Tennant als mörderischen Soziopathen. Innerhalb kurzer Zeit konnte er sich so als vielseitiger Schauspieler präsentieren und profilieren. Durch seine Rolle als Barty Crouch jr. in Harry Potter und der Feuerkelch (2005) wurde Tennant auch international bekannt.

Doctor Who (2005–2010, 2022–2023) mini|David Tennant auf der Comic-Con (2009) Nachdem der Doctor-Who-Produzent und Drehbuchautor Russell T Davies mit Tennant bereits im Fernsehdreiteiler Casanova (2005) zusammengearbeitet hatte, bot er ihm die begehrte Titelrolle der Kult-Science-Fiction-Serie an. Tennant verkörpert den zehnten Doktor, und spielte die Rolle in den Staffeln 2–4 und den 2009/2010 Specials, in mehreren Sonderfolgen, in einer Episode der Ablegerserie The Sarah Jane Adventures, in Parodien (z. B. in Extras oder in der Catherine Tate Show), in den animierten Serien Infinite Quest und Dreamland und in mehreren Doctor-Who-Hörbüchern. Hochkarätige Darsteller wie Timothy Dalton, Derek Jacobi oder Lindsay Duncan traten in Gastrollen neben Tennant auf.

Die Rolle machte Tennant zu einem der bekanntesten und gefragtesten Schauspieler Großbritanniens. Unter anderem erhielt er 2006 den BAFTA Cymru als „bester Schauspieler“ und viermal in Folge den National Television Award als „beliebtester Schauspieler“, die wichtigste von Zuschauern vergebene Auszeichnung in Großbritannien. Er sprach immer wieder über seine Freude, mit der Rolle seinen Kindheitstraum zu erfüllen.

Die Dreharbeiten zu Doctor Who nahmen neun Monate im Jahr ein, daneben war Tennant in weiteren, sehr unterschiedlichen Rollen zu sehen. Unter anderem spielte er die Hauptrollen in den BBC-Produktionen Recovery (2007), Learners (2007) und Einstein and Eddington (2008). In Letzterem verkörpert er den Astrophysiker Arthur Stanley Eddington neben Andy Serkis als Albert Einstein.

Im Sommer 2007 belegte Tennant Platz 24 einer von der Zeitung The Guardian herausgegebenen Liste der 100 einflussreichsten Personen in den britischen Medien und war damit der höchstplatzierte Schauspieler.Media Top 100 #24 David Tennant In: The Guardian vom 9. Juli 2007. Abgerufen am 31. Mai 2018.

Im Oktober 2008 gab Tennant seinen Ausstieg aus der Serie bekannt. Es sei für ihn der „beste Job der Welt“, doch er wolle gehen, bevor die Rolle für ihn zur Routine werde. Seine letzte reguläre Doctor-Who-Folge The End of Time Part 2 wurde am 1. Januar 2010 im britischen Fernsehen ausgestrahlt und von 10,4 Millionen Zuschauern gesehen. Im November 2013 schlüpfte Tennant für Der Tag des Doktors, die Sonderfolge zum 50. Jubiläum von Doctor Who, erneut in seine Paraderolle des zehnten Doktors. Neben ihm waren auch sein Nachfolger Matt Smith und Kriegsdoktor John Hurt in den Rollen ihrer jeweiligen Inkarnationen des Charakters vertreten. Zudem wurde im Mai 2022 bekannt, dass er zum 60. Jubiläum der Serie im Jahr 2023 an der Seite von Co-Star Catherine Tate erneut in der Rolle zu sehen sein wird. Dennoch trat er bereits im Oktober 2022 beim ausgestrahlten Jubiläumsspecial als Nachfolger von Jodie Whittaker auf, wobei er nun den vierzehnten Doktor verkörpert.

Hamlet und Love’s Labour’s lost mini|Tennant am Bühneneingang in Stratford-upon-Avon (2008)

Zeitgleich mit Tennant verabschiedeten sich von Doctor Who nach fünf Jahren auch Showrunner Russell T Davies und Produktionsleiterin / BBC-Wales-Chefin Julie Gardner, um sich neuen Projekten zuzuwenden. Um den starken Einschnitt und die daraus resultierenden Veränderungen in Personal und Arbeitsweise angemessen vorbereiten und überbrücken zu können, wurde für 2009 anstatt einer vollständigen Doctor Who Staffel lediglich die Ausstrahlung von fünf Sonderfolgen in Überlänge geplant. Aus diesem Grund konnte Tennant schon 2008 zum Royal Shakespeare Theatre zurückkehren, um mit dem Ensemble der RSC erst die Titelrolle der Tragödie Hamlet (neben Patrick Stewart als Claudius) und anschließend die Komödie Verlorene Liebesmüh in Stratford-upon-Avon aufzuführen. Wegen Tennants Popularität in Großbritannien war der Auftritt mit großem Medieninteresse verbunden.

Die Hamlet-Produktion wie auch Tennants Darstellung des dänischen Prinzen wurden von Theaterkritikern durchweg positiv aufgenommen. Die Inszenierung von Love’s Labour’s Lost erhielt dagegen mittelmäßige Kritiken, doch auch hier wurde die hervorragende Leistung Tennants in der Rolle des Berowne hervorgehoben. Charles Spencer, Theaterkritiker des Daily Telegraph, beschrieb die Hamlet-Inszenierung als eine der besten Hamlet-Produktionen, die er je gesehen habe, und Tennant als einen „außergewöhnlich charismatischen Schauspieler mit überzeugendem Anspruch auf wahre Größe“. Der Theaterkritiker Michael Billington beschrieb die Hamlet-Produktion im Guardian unter der Überschrift „David Tennant ist der beste Hamlet seit Jahren“ und lobte Tennant als einen „Hamlet von quecksilbriger Klugheit, mimetischer Vitalität und ausgelassener Komik: einer der witzigsten, die ich je gesehen habe“. Hamlet wurde im Dezember 2008 nach London ins Novello Theatre transferiert, doch Tennant erlitt einen Bandscheibenvorfall und wurde vom Einspringer Edward Bennett vertreten. Anfang Januar übernahm er die Rolle wieder.

Im Auftrag der BBC und der Royal Shakespeare Company wurde das Stück im Sommer 2009 in gleicher Besetzung verfilmt und am 26. Dezember 2009 auf BBC Two ausgestrahlt. Der dreistündige Fernsehfilm wurde an diesem Tag von 900.000 Zuschauern gesehen, eine Erfolgsquote, die die BBC zur Produktion weiterer Shakespeare-Verfilmungen und Dokumentationen für das Jahr 2012 veranlasste.

Im April 2011 gab die britische Royal Mail eine Briefmarke mit Tennant als Prinz Hamlet heraus, um das 50-jährige Jubiläum der RSC zu feiern. Bereits zwei Jahre später wurde er im Rahmen einer Sonderedition anlässlich des 50. Jubiläums von Doctor Who ein weiteres Mal zum Abbild auf einer nationalen Briefmarke.Today: Jon Hamm, Michael Sheen And David Tennant Talk ‘Good Omens’ | TODAY. Auf YouTube veröffentlicht am 24. Mai 2019. Abgerufen am 29. Mai 2019 (englisch).

2010–2019