mini|hochkant|Fabergé-Ei zum 300. Jubiläum der Romanow-Zarendynastie (1913) Als Fabergé-Eier werden Schmuckgegenstände in Form von Ostereiern bezeichnet, die zwischen 1885 und 1917 in der Werkstatt von Peter Carl Fabergé in Sankt Petersburg angefertigt wurden. Dabei wird unterschieden zwischen Prunkeiern, die im Auftrag des Zaren hergestellt wurden (kaiserliche), und solchen als Auftragsarbeiten von Personen, die es dem Zaren gleichtun wollten – wie Alexander Kelch (verheiratet mit der Goldminenbesitzerin Warwara Petrowna Kelch), Beatrice Ephrussi (geborene Rothschild), der Duchess of Marlborough, dem Ölmagnaten Emanuel Nobel oder Prinz Felix Sumarokow-Elston. Damals wie heute sind die Fabergé-Eier ein Inbegriff höchster Goldschmiedekunst und ein Symbol für Luxus.

Nachfolgend sind die 52 kaiserlichen Eier, die 7 Kelch-Eier und die 4 Auftrags-Eier, die in imperialer Qualität gefertigt wurden, beschrieben.

Geschichte In Russland ist es seit dem 17. Jahrhundert Tradition, sich zu Ostern, dem wichtigsten Fest der orthodoxen Kirche, geschmückte Eier und drei Küsse zu schenken. Es entwickelte sich dabei der Brauch, je nach Wohlstand der jeweiligen Familie an Stelle von gewöhnlichen Hühnereiern symbolische Eier zu verschenken, etwa solche aus Holz oder aus kostbareren Materialien wie Porzellan, Glas oder Metall.

1885–1917 mini|hochkant|Ausstellung 1902 in St. Petersburg 1885 gab Zar Alexander III. beim Hofschmied Fabergé (Фаберже) das Hennen-Ei in Auftrag, das er seiner Gattin Maria Fjodorowna schenkte. Die Begeisterung für das Werk war in der Folgezeit so groß, dass Alexander fortan jedes Jahr seiner Gattin ein Ei aus der Manufaktur Fabergés zu Ostern überreichte; insgesamt zehn bis zu seinem Tode (1894). Sein Sohn und Nachfolger Zar Nikolaus II. führte bis zu seinem Sturz (1917) die Tradition seines Vaters fort und ließ weitere vierzig Eier herstellen, die er dann jeweils zu Ostern an seine Mutter und an seine Gemahlin Alexandra Fjodorowna überreichte. Lediglich in den Jahren 1904 und 1905 verschenkte Nikolaus II. aufgrund des Russisch-Japanischen Krieges keine Eier. Nach der Abdankung von Zar Nikolaus II. im Zuge der Februarrevolution 1917 durften zwei weitere Eier von Fabergé nicht fertiggestellt und übergeben werden.

Der überwiegende Teil der Eier ist aufklappbar, um eine im Inneren verborgene Überraschung offenzulegen.

Die kaiserlichen Eier erfreuten sich großer Beliebtheit und Fabergé wurde auch von einigen privaten Kunden beauftragt, ähnliche Eier in kaiserlicher Qualität anzufertigen, darunter Duchess of Marlborough, Beatrice Ephrussi (geborene Rothschild), dem Ölmagnaten Emanuel Nobel und Prinz Felix Sumarokow-Elston.

Fabergé wurde auch vom Industriellen Alexander Kelch beauftragt, zwölf Eier für seine Frau Warwara Kelch anzufertigen, jedoch wurden nur sieben fertiggestellt, da der Russisch-Japanische Krieg das Vermögen der Kelchs beträchtlich schrumpfen ließ und das Paar sich getrennt hatte. Handwerklich entsprechen die Kelch-Eier den kaiserlichen und sind teilweise etwas kunstvoller.

Zwei weitere Eier in kaiserlicher bzw. imperialer Qualität können nicht zugeordnet werden, da sie nicht aus der Reihe der kaiserlichen Eier stammen und es wenig Hintergrundinformationen gibt. Außerdem gibt es weder an den Eiern noch an den Überraschungen Fabergé-Zeichen. Es wird vermutet, dass das Blaue-Emaille-Ei von Zar Alexander III. seinem Sohn Nikolaus anlässlich dessen Rückkehr von der Weltreise 1891 geschenkt wurde. Das Lapislazuli-Ei wurde vielleicht für ein weiteres Mitglied der Romanow-Familie hergestellt.

Eine große Anzahl weiterer Eier für private Auftraggeber wurde in den Fabergé-Werkstätten gefertigt, allerdings aufgrund der eingeschränkten Verwendung wertvollster Materialien und reduzierter Arbeitstechnik nicht auf kaiserlichem Qualitätsniveau.

Nach 1917 Die weitere Geschichte der 52 kaiserlichen Eier ist bestimmt durch die politischen Geschehnisse in Russland. So nahm die Zarenmutter zu Beginn der Oktoberrevolution das letzte an sie verschenkte Ei, das St.-Georgs-Orden-Ei (1916), mit auf ihre Flucht nach Dänemark. Die restlichen Eier ließ Lenin beschlagnahmen. Anfang der 1920er Jahre verkaufte er einen Teil der Eier schließlich an westliche Kunsthändler, wie etwa an den Geschäftsmann Armand Hammer, der nicht weniger als dreizehn Stück erstand. Die sieben Kelch-Eier tauchten mehrheitlich 1920 bei einem Pariser Juwelier auf. Dorthin war Warwara Kelch 1904 nach der Trennung und späteren Scheidung 1910 von ihrem Mann, gezogen.

Die größte Sammlung kaiserlicher (9) und nicht-kaiserlicher Eier (6) trug der amerikanische Verleger Malcolm Forbes zusammen. Zur Royal Collection des britischen Königs gehören drei der kaiserlichen Eier. Fünf Eier erwarb der US-amerikanische Unternehmer John Lee Pratt, die er nach seinem Tod dem Virginia Museum of Fine Arts in Richmond überließ. Ein anderes befindet sich in Monaco, zwei weitere gehören der schweizerischen Sandoz-Stiftung; der Rest verteilt sich auf bekannte und unbekannte private Sammlungen. Im Februar 2004 kaufte der russische Oligarch Wiktor Wekselberg über seine The Link of Times Cultural and Historical Foundation für umgerechnet 100 Millionen Dollar zehn Eier aus der Forbes-Sammlung, die seit dieser Zeit in Ausstellungen innerhalb und außerhalb Russlands betrachtet werden können.

Von 1989 bis 2009 wurde die Tradition Fabergés durch die Pforzheimer Juwelenmanufaktur Victor Mayer mit dem Exklusivrecht, den Stempel Fabergé für ihre Produkte zu verwenden, weitergeführt. Um den Stil des russischen Vorbildes pflegen zu können, unterstützt die Manufaktur Berufe wie Ziseleur, Granuleur, Guillocheur, Emailleur und Pailletteur.

Kosten Mit der Zeit betrieben Fabergé, seine Werkstattleiter Michael Perchin (bis 1903) und Henrik Wigström (ab 1903) und seine hochqualifizierten Werkmeister August Holmström (bis 1903) und dessen Sohn Albert Holmström (ab 1903) einen immer größeren Aufwand bei der Herstellung der Eier. Entsprechend dem Produktionsaufwand stiegen auch deren Preise: Kostete das Hennen-Ei noch 4.115 Rubel, waren es für das aus Elfenbein geformte und mit Perlen und Diamanten besetzte Maiglöckchen-Ei (1898) schon beachtliche 6.700 Rubel. Das bei weitem teuerste Ei war das 1913 gefertigte Winter-Ei mit 24.600 Rubel. Kreiert wurde es für die Zarenmutter aus Anlass des 300-jährigen Bestehens der Romanow-Dynastie. Äußerlich war es in Erinnerung an einen besonders strengen Winter gestaltet. Im Inneren des Eies befindet sich ein kleiner aus Platin und Diamanten geflochtener Blumenkorb. Die Blumen im Korb sind wiederum aus Quarz geschnitten, wobei die Stängel und Staubbeutel aus Gold und die Blätter aus Nephrit gearbeitet sind. Im Jahr 2002 erzielte es bei einer Auktion bei Christie’s in New York City einen Preis von 9,6 Millionen US-Dollar. Ende 2025 wurde das Ei erneut bei Christie’s für 22,5 Millionen Pfund versteigert. Am 28. November 2007 wurde ein weiteres der nicht-kaiserlichen Eier, das sogenannte Rothschild-Ei, im Auktionshaus Christie’s für 12,5 Millionen Euro an einen anonymen Bieter verkauft, der, wie sich später zeigte, der russische Milliardär Alexander Nikolajewitsch Iwanow war. Das Ei kann seit 2014 in der Eremitage in St. Petersburg besichtigt werden.

Verbleib

Derzeit ist der Verbleib von 46 kaiserlichen Eiern in folgenden Museen und Sammlungen bekannt. 6 Eier gelten als verschollen.

Kaiserliche Eier

Anzahl Verbleib Kaiserliche Eier10 Rüstkammer des Moskauer Kremls Asowa-Ei, Madonnenlilien-Ei, Ei mit der Transsibirischen Eisenbahn, Kleeblätter-Ei, Moskau Kreml-Ei, Alexanderpalast-Ei, Standart-Ei, Ei mit Reiterstatue Alexanders III., Ei zum 300. Herrschaftsjahr, Militär-Stahl-Ei 9 Fabergé-Museum in Sankt Petersburg(Sammlung Wiktor Wekselberg) Hennen-Ei, Renaissance-Ei und zugehöriges Auferstehungs-Ei, Rosenknospen-Ei, Krönungs-Ei, Maiglöckchen-Ei, Kuckucks-Ei, Orangenbaum-Ei / Lorbeerbaum-Ei, Ei zum 15. Thronjubiläum, St.-Georgsorden-Ei / St.-Georgskreuz-Ei; sowie die Überraschung des verschollenen malvenfarbenen Eis 5 Virginia Museum of Fine Arts, Richmond, USA Bergkristall-Ei mit 12 Miniaturen, Pelikan-Ei, Ei Peter der Große, Zarewitsch-Ei, Rotkreuz-Ei mit kaiserlichen Porträts 4 in Privatbesitz Stiefmütterchen-Ei (USA), Empire / Nephrit-Ei (USA), Ei mit Liebestrophäen (ohne Überraschung, USA), Winter-Ei (unbekannt) 3 Metropolitan Museum of Art, New York City, USA Dänisches Palast-Ei, Kaukasus-Ei, Napoleonisches Ei 3 Royal Collection des englischen Königs Korb-mit-Wildblumen-Ei, Kolonnaden-Ei, Mosaik-Ei; sowie die Überraschung des Diamantgitter-Eis 2 Fondation Edouard et Maurice Sandoz, Lausanne, Schweiz Schwanen-Ei, Pfauen-Ei 2 Fabergé Museum, Baden-Baden Birken-Ei, Sternbild-des-Zarewitsch-Ei (das unvollendete Ei) 2 Hillwood Museum, Washington, D.C., USA Lila-Ei mit 12 Monogrammen, Ei Katharina die Große 2 Walters Art Museum, Baltimore (Maryland), USA Gatschina-Palast-Ei, Rosen-Spalier-Ei 1 Cleveland Museum of Art, Cleveland, USA Rotkreuz-Ei mit Auferstehungstriptychon 1 Victoria and Albert Museum, London, UK Uhr-Ei 1 Sammlung Albert II. von Monaco Blaues Uhren-Ei mit Schlange 1 McFerrin Collection, Houston, USADiamantgitter-Ei (Überraschung in der Royal Collection) – Mineralogisches Museum „A. J. Fersman“, Moskau Streitfall: Sternbild-des-Zarewitsch-Ei (siehe dort) 6 verschollen Ei mit Henne im Korb, Engel-mit-Wagen-Ei, Nécessaire-Ei, Malvenfarbenes Ei mit 3 Miniaturen (Überraschung im Fabergé-Museum), Königlich Dänisches Ei, Alexander III. Gedenk-Ei

Kelch-Eier Anzahl Verbleib Eier 2 Fabergé-Museum in Sankt Petersburg(Sammlung Wiktor Wekselberg) Hennen-Ei, Hähnchen-Ei 2 in Privatbesitz Tannenzapfen-Ei, Bonbonnière-Ei 1 Royal Collection des englischen Königs 12-Paneele-Ei 1 McFerrin Collection, Houston, USA Rokoko-Ei 1 Liechtensteinisches Landesmuseum Apfelblüten-Ei

Auftrags-Eier

Anzahl Verbleib Eier 1 Fabergé-Museum in Sankt Petersburg(Sammlung Wiktor Wekselberg) Marlborough-Ei 1 Eremitage in Sankt Petersburg Rothschild-Ei 1 Fondation Edouard et Maurice Sandoz, Lausanne, Schweiz Jussupow-Ei 1 McFerrin Collection, Houston, USA Nobel Eis-Ei

Die Fabergé-Eier in kaiserlicher Qualität Hennen-Ei (1885)

mini|hochkant|Hennen-Ei (1885)

Das erste kaiserliche Überraschungsei von 1885 ist eine fast exakte Kopie eines königlichen Ostereies aus dem 18. Jahrhundert, welches derzeit auf Schloss Rosenborg in Kopenhagen verwahrt wird. Es sieht mit seiner weiß emaillierten Eierschale einem echten Ei sehr ähnlich. Die erste Überraschung ist der im Inneren befindliche Dotter aus Gold, der sich wiederum öffnen lässt und eine Henne offenbart, hergestellt aus Vierfarbgold, verziert mit Rubin-Augen. Ursprünglich lag darin eine kleine Zarenkrone, an der zwei Rubin-Eier hingen, als Schluss-Überraschung. Sowohl die Krone als auch die Eier sind im Laufe der Zeit verloren gegangen.

Werkstattleiter: vermutlich Erik Kollin Materialien: Mehrfarbgold, Emaille, Rubine Maße: Ei: 6,4 cm; Eidotter: 4 cm; Henne: 3,5 cm Provenienz: Geschenk von Zar Alexander III. an seine Gemahlin Maria Fjodorowna; The Forbes Magazine Collection, New York Verbleib: Sammlung Wiktor Wekselberg

Ei mit Henne im Korb (1886)

Das zweite imperiale Osterei ist verschollen. In den kaiserlichen Archiven wird es beschrieben als goldene Henne mit rosa Diamanten, die ein Saphir-Ei mit dem Schnabel aus dem Nest nimmt. Die Überraschung im Innern war ein aus Gold gefertigtes Weidenkörbchen, verziert mit 500 Diamanten. Weitere Informationen liegen nicht vor.

Länge: unbekannt Provenienz: Geschenk von Zar Alexander III. an seine Gemahlin Maria Fjodorowna Verbleib: verschollen

Uhr-Ei (1887)

mini|hochkant=2|Uhr-Ei (1887)