Horbourg-Wihr (, elsässisch Horwrig-Wihr) ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Département Haut-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass). Sie gehört zum Kanton Colmar-2 im Arrondissement Colmar-Ribeauvillé.
Die Gemeinde liegt etwa drei Kilometer östlich des Stadtzentrums von Colmar, von diesem durch die Ill und die Autoroute A35 (L' Alsacienne) getrennt.
Geschichte
An der Stelle des ehemaligen spätrömischen Kastells stand im Frühmittelalter die Burg Harburg, später Horburg genannt, von der der Ortsname herrührt. Die Burg soll 1262 vom Besitzer der Burg Egisheim geschleift und in späteren Jahrhunderten mehrmals wieder aufgebaut und zerstört worden sein, bis 1543 Georg von Württemberg-Mömpelgard sie von Grund auf neu errichten ließ. Dessen Sohn Friedrich, späterer Herzog vom Württemberg, ließ sie danach befestigen und mit einem tiefen Graben umgeben. Beatus Rhenanus war davon ausgegangen, dass die Burg auf der Gemarkung der antiken römischen Siedlung Argentovaria steht,Franz Xaver Kraus: Kunst und Alterthum in Elsass-Lothringen – Beschreibende Statistik, II. Band, Friedrich Bull, Straßburg 1881, S. 169–172. und formulierte eine entsprechende in Stein gemeißelte Inschrift für eine Gedenktafel, die über der Tür des Schlosses angebracht wurde.
Die römische Siedlung scheint sich ziemlich weit ausgedehnt zu haben, denn in dem etwa zwei Kilometer weiter östlich des Ortszentrums von Horburg gelegenen Nachbarort Wihr-en-Plaine (deutsch Weier auf’m Land, elsässisch Wihr uf em Land) wurden Überbleibsel eines römischen Bades und verschiedene lateinische Inschriften gefunden. Während des Dreißigjährigen Kriegs eroberten 1632 die Schweden das Schloss und schlugen darin ihr Hauptquartier auf; Gustaf Horn musste darin die Übergabe der Stadt Colmar unterzeichnen. 1675 zerstörten die Franzosen das Schloss, um die deutsche Regierung in der Grenzregion zu schwächen. Die Mauern der Schlossruine wurden erst im 18. Jahrhundert völlig abgetragen.Theodor Franz Xaver Hunkler: Geschichte der Stadt Colmar und der umliegenden Gegend, Colmar 1838, S. 435–438. Nur ein Portal ist am heutigen Rathaus noch zu sehen.
Im Mittelalter war Horburg Hauptort der Grafschaft Horburg, die 1324 an die Grafen von Württemberg fiel.Sigmund Billings: Geschichte und Beschreibung des Elsasses und seiner Bewohner von den ältesten bis in die neuesten Zeiten, Basel 1782, S. 148–157. Die Grafschaft zählte damit wie die Grafschaft Montbéliard und die Herrschaft Reichenweier zu den linksrheinischen Besitzungen des Hauses. In der Reformationszeit führten die Herzöge von Württemberg die Reformation ein, so dass das Gebiet lutherisch wurde. Zur Grafschaft Horburg gehörten folgende Orte: Algolsheim; Andolsheim; Appenweier; Bischweier; Dürrenenzen; Fortschweier; Horburg; Munzenheim; Sundhofen; Volgelsheim; Wolfgantzen.
Seit 1748 befand sich die Grafschaft Horburg unter französischer Oberhoheit und wurde 1793 mit den anderen linksrheinischen Besitzungen an Frankreich abgetreten.
Die Gemeinde entstand am 1. Januar 1973 durch die Fusion der Gemeinden Horbourg und Wihr-en-Plaine.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung von Horburg bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Jahr Einwohner Anmerkungen 1821 887 davon 339 Katholiken, 424 Lutheraner (die zum Konsistorium von Andolsheim gehören) und 124 JudenJohann Friedrich Aufschlager: Das Elsass. Neue historisch-topographische Beschreibung der beiden Rhein-Departemente, Zweiter Theil, Johann Heinrich Heitz, Straßburg 1825, S. 99, Nr. 9.) 1872 1229 am 1. Dezember, in 189 Häusern;C. Stockert, Das Reichsland Elsaß-Lothringen. Geographischer Leitfaden für die Höheren Lehranstalten, Friedrich Bull, Straßburg 1873, S. 50. nach anderen Angaben EinwohnerVollständiges geographisch-topographisch-statistisches Orts-Lexikon von Elsass-Lothringen. Enthaltend: die Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Gemeinden, Weiler, Berg- und Hüttenwerke, Höfe, Mühlen, Ruinen, Mineralquellen u. s. w. mit Angabe der geographischen Lage, Fabrik-, Industrie- u. sonstigen Gewerbethätigkeit, der Post-, Eisenbahn- u. Telegraphen-Stationen u. geschichtlichen Notizen etc. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von H. Rudolph. Louis Zander, Leipzig 1872, Spalte 42. 1880 1086 am 1. Dezember, auf einer Fläche von 432 ha, in 186 Häusern, davon 185 Katholiken, 594 Evangelische und 297 JudenStatistisches Büro des Kaiserlichen Ministeriums für Elsaß-Lothringen (Hrsg.): Ortschafts-Verzeichniß von Elsaß-Lothringen. Aufgestellt auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. Friedrich Bull, Straßburg 1884, S. 52, Ziffer 686. 1885 1048 1890 1080 davon 234 Katholiken, 602 Protestanten und 244 JudenStatistisches Büreau des Kaiserlichen Ministeriums für Elsaß-Lothringen: Die Bewegung der Bevölkerung in Elsaß-Lothringen, Druck von M. DuMont-Schauberg, Straßburg 1893, S. 56–57, Zeile 10. 1900 995 Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 9, Leipzig/Wien 1907, S. 548. 1910 1134 Horburg, Landkreis Colmar, Elsaß-Lothringen, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Horburg). + Bevölkerungsentwicklung von Weier auf'm Land bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Jahr Einwohner Anmerkungen 1821 616 davon 218 Katholiken und 400 ProtestantenJohann Friedrich Aufschlager: Das Elsass. Neue historisch-topographische Beschreibung der beiden Rhein-Departemente, Zweiter Theil, Johann Heinrich Heitz, Straßburg 1825, S. 100, Nr. 18. 1872 502 Vollständiges geographisch-topographisch-statistisches Orts-Lexikon von Elsass-Lothringen. Enthaltend: die Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Gemeinden, Weiler, Berg- und Hüttenwerke, Höfe, Mühlen, Ruinen, Mineralquellen u. s. w. mit Angabe der geographischen Lage, Fabrik-, Industrie- u. sonstigen Gewerbethätigkeit, der Post-, Eisenbahn- u. Telegraphen-Stationen u. geschichtlichen Notizen etc. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von H. Rudolph. Louis Zander, Leipzig 1872, Spalte 66. 1880 455 am 1. Dezember, auf einer Fläche von 489 ha, in 86 Häusern, davon 47 Katholiken und 407 Evangelische (keine Juden)Statistisches Büro des Kaiserlichen Ministeriums für Elsaß-Lothringen (Hrsg.): Ortschafts-Verzeichniß von Elsaß-Lothringen. Aufgestellt auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. Friedrich Bull, Straßburg 1884, S. 52, Ziffer 693. 1885 437 1890 397 davon 40 Katholiken und 357 ProtestantenStatistisches Büreau des Kaiserlichen Ministeriums für Elsaß-Lothringen: Die Bewegung der Bevölkerung in Elsaß-Lothringen, Druck von M. DuMont-Schauberg, Straßburg 1893, S. 56–57, Zeile 17. 1910 412 Weier auf'm Land, Landkreis Colmar, Elsaß-Lothringen, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Weier auf'm Land). + Anzahl Einwohner seit Mitte des 20. Jahrhunderts Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 20182022 Einwohner 1654 2057 2720 4209 4518 5060 5011 61016247 Quellen: Cassini und INSEE
Sehenswürdigkeiten Simultankirche In Wihr-en-Plaine steht die katholisch-lutherische Simultankirche Saint-Michel aus dem 12. Jahrhundert mit Wandmalereien aus dem 16. Jahrhundert.
Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Horbourg-Wihr
Persönlichkeiten Hieronymus Gebwiler (ca. 1480–1545), deutscher Schulmann, Humanist, Schriftsteller und Gegner der Reformation Emil Issler (1872–1952), Botaniker und Pionier der Pflanzensoziologie
Literatur Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Flohic Editions, Band 1, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 105–112. Erwin Frauenknecht/Peter Rückert (Hrsg.): Württemberg und das Elsass. 700 Jahre gemeinsame Geschichte. Thorbecke, Ostfildern 2024, ISBN 978-3-7995-2069-0.
Weblinks
Einzelnachweise
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