Die Burg Ebersburg ist die Ruine einer Höhenburg im Ortsteil Ebersberg der Gemeinde Ebersburg im Landkreis Fulda in Osthessen. Sie ist das namensgebende Wahrzeichen der Gemeinde.
Eine Burg aus der Zeit um 1100 bildete den Ursprung der Anlage. Bis 1396 wurde die Burg nach vorheriger Zerstörung wieder aufgebaut und erweitert. Da sie nie einen eigenen Brunnen hatte, war sie als dauerhafter Wohnplatz eher ungeeignet und wurde schließlich im 16. Jahrhundert aufgegeben. Auch der nach dem Dreißigjährigen Krieg unternommene Versuch, sie durch den Bau eines Fachwerk-Wohnhauses erneut zu nutzen, scheiterte nach wenigen Jahren. Im 19. Jahrhundert lag die Ruine im damaligen Landgerichtsbezirk Weyhers, der zum Königreich Bayern gehörte. In dieser Zeit wurde einer der Türme als Aussichtsturm hergerichtet und die Burg erhaltend restauriert. Heute ist sie im Besitz des Landes Hessen. Sie ist ein geschütztes Kulturdenkmal.
Die Burganlage kann jederzeit besichtigt werden. Der Schlüssel für den Aussichtsturm kann in der Nähe abgeholt werden.ebersburg rhoen.de, abgerufen am 23. November 2019. Rund um die Anlage hat die Verwaltung des Naturparks Hessische Rhön Wanderwege ausgeschildert.
Lage mini|links|Ebersberg von Nordwesten Die Burg liegt 6,5 Kilometer südwestlich der Wasserkuppe bei auf dem Ebersberg und fünf Kilometer nordöstlich von Schmalnau, dem Verwaltungssitz der Gemeinde Ebersburg. Der Ebersberg steht am südöstlichen Rand der ehemaligen Gemeinde Ebersberg und wird von drei Seiten vom Ortsteil Gackenhof der Gemeinde Poppenhausen umschlossen.
Die Burg ist auf Messtischblatt TK 5525 zu finden.Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 206/207. Sie steht auf einem Höhenzug zwischen den Tälern der Fulda und ihres rechten Nebenflusses Lütter. Die polygonale Hauptburg bedeckt das gesamte Bergplateau des Ebersbergs, die Vorburg befindet sich auf einer tieferen Terrasse am Osthang. In östlicher Richtung ist die Burg von einem Ringgraben mit Vorwall umgeben, während insbesondere nach Süden und Westen natürliche Steilhänge Schutzfunktion hatten.Benjamin Rudolph, Annina Hilfenhaus: Die Kontinuität des Unsteten: die Ruine Ebersburg (Rhön) zwischen Ruinierung und Wiederherstellung. In: Fuldaer Geschichtsverein: Fuldaer Geschichtsblätter. Jahrgang 82, 2006, S. 16.
Der Ebersberg ist dicht bewaldet, vorwiegend mit Laubwald. Aus den umgebenden Tälern ist die Burg daher gerade in den Sommermonaten nicht von überall gut zu erkennen. Nur die Türme ragen aus dem Blätterdach und je nach Perspektive ist teilweise nur einer zu sehen.
Geschichte Als Stammsitz derer von Ebersberg Die Burganlage wurde wahrscheinlich ab 1100 von den Herren von Ebersberg erbaut und stand im Zusammenhang mit den Kaiserpfalzen der Staufer. Sie entstand auch im Zusammenhang mit der Osterburg bei Bischofsheim in der Rhön und Burg Wartenberg im Vogelsberg.Fritz Luckhard: Regesten der Herren von Ebersberg genannt von Weyhers in der Rhön, Verlag Parzeller, Fuldaer Geschichtsverein, 1963, S. XIII (Einleitung) Andere Autoren nehmen eine Entstehung in der Stauferzeit während des Königtums von Barbarossa oder Heinrich VI.Kay Tschersich: Kompass Wanderführer Rhön: 50 Touren. Mair Dumont DE, 2015, ISBN 978-3-99044-097-1, S. 35. oder sogar erst kurz nach 1200 an.Benjamin Rudolph, Annina Hilfenhaus: Die Kontinuität des Unsteten. 2006, S. 28.
Erstmals erwähnt wurde die Ebersburg nach derzeitigem Forschungsstand in schriftlichen Quellen 1396, als Dietrich von Ebersberg, die Brüder Simon, Karl und Otto von Steinau genannt Steinrück, die Brüder Thomas und Peter von Weyhers, die Brüder Hans, Hermann und Eberhard von Weyhers und Johann von Weyhers beim Fuldaer Fürstabt Johann von Merlau beantragten, eine Veste und ein Schloss auf dem Ebersberg zu bauen. Der Berg war laut dem Dokument Eigentum des Stifts Fulda und sie mussten sich verpflichten, die Burg zu Mannlehen zu empfangen. Auch wenn in diesem Schreiben keinerlei Bezug auf eine schon bestehende Burg oder Ruine zu finden ist, steht es im Zusammenhang mit einer von Johann Friedrich Schannat erwähnten Zerstörung der Ebersburg durch Truppen des Fürstabts Bertho III. von Mackenzell, nachdem unter Führung von Herrmann von Ebersberg dessen Vorgänger Bertho II. von Leibolz getötet worden war. Auch konnten durch archäologische Arbeiten gewissen Teilen der Burg ein höheres Alter als dem Rest der heutigen Anlage nachgewiesen werden. Christoph Brower schrieb 1612 von einer Zerstörung durch Bertho II. von Leibolz. Beide Chronisten nennen keine Belege und erfanden nachweislich an manchen Stellen Sachverhalte. Im Fall der Ebersburg ist es wahrscheinlich, dass sie die Wahrheit schrieben und es einen Vorgängerbau der 1396 erstmals erwähnten Burg gab.Benjamin Rudolph, Annina Hilfenhaus: Die Kontinuität des Unsteten : die Ruine Ebersburg (Rhön) zwischen Ruinierung und Wiederherstellung. In: Fuldaer Geschichtsverein: Fuldaer Geschichtsblätter. Jahrgang 82, 2006, S. 10–12.
Die Familie derer zu Ebersberg wird teilweise als das bedeutendste Rittergeschlecht der Rhön bezeichnet. Es benannte sich erstmals in den ersten Jahrzehnten nach 1300 mit dem Zusatz „von Weyhers“ aufgrund der zunehmenden Verzweigung der Familie und des Stammsitzes in der Wasserburg Weyhers. Nachdem die Burg schon vor dem Schreiben an Johann von Merlau wieder aufgebaut worden war, ist erkennbar, dass mehrere Familienzweige derer von Ebersberg und derer von Steinau Ganerben auf der recht kleinen Burg saßen.Benjamin Rudolph, Annina Hilfenhaus: Die Kontinuität des Unsteten. 2006, S. 12. Die Burg bildete mit den Wasserschlössern in Weyhers und Poppenhausen einen Verbund an Befestigungsbauwerken. Erhalten sind Burgfrieden aus den Jahren 1430, 1446, 1463 und 1478. In dem vollständig erhaltenen Text von 1430 ist festgelegt, dass immer nur ein Ganerbe auf der Burg wohnen sollte. Dieser hatte die „Turmleute, Torwarte und Wächter“ zu entlohnen. Die acht Ganerben waren in zwei Parteien aufgeteilt. Jeder Ganerbe musste mit Geld und Getreide zum Unterhalt der Burg beitragen. Für den Kriegsfall war festgelegt, dass jeder Ganerbe vier Bewaffnete mit Waffen zur Burg senden musste. Im Burgfrieden von 1446 mit 17 Ganerben ist erstmals eine Kapelle in der Burg erwähnt. In einem Dokument von 1456 ist festgelegt, dass der auf der Burg angestellte Kaplan wöchentlich eine Messe lesen musste. 1452 ließ sich Fürstabt Reinhard von Weilnau mit in den Burgfrieden aufnehmen, um als Lehnsherr eine bessere Kontrolle über die Burg und deren Besitzer zu haben. Verschiedentlich genannte Eroberungen oder Zerstörungen der Burg in den Jahren 1449, 1460 oder 1465 erscheinen wenig glaubhaft. Von 1516 ist der letzte Burgfrieden überliefert. Von 1533 gibt es als letztes Indiz für die Nutzung der Burg einen Bericht über einen dort inhaftierten Gefangenen. In den Folgejahren wurde sie aufgegeben, weil sie als Verteidigungsanlage veraltet war und ihre Besitzverhältnisse zu zersplittert waren.Benjamin Rudolph, Annina Hilfenhaus: Die Kontinuität des Unsteten. 2006, S. 12–14. Sie wurde erst 1646 gegen Ende des Dreißigjährigen Kriegs wieder erwähnt, als Lukas von Ebersberg sie an Bauern der Umgegend verpachtete, die sie als Fluchtburg zum Schutz ihres Viehs und ihrer Familien bei aufziehenden kriegerischen Handlungen nutzen wollten.Benjamin Rudolph, Annina Hilfenhaus: Die Kontinuität des Unsteten. 2006, S. 14/15. Bis die schwedische Armee 1650 endgültig abgezogen war, machten sie von diesem Recht Gebrauch, im Gegenzug mussten sie Pachtzahlungen leisten und Schäden an den Mauern ausbessern.Willy Kiefer: Die Ebersburg auf der Website der Gemeinde Ebersburg (abgerufen am 23. Oktober 2015) Es ist davon auszugehen, dass die gesamte Anlage dadurch in einem relativ guten Zustand erhalten wurde.Rolf Müller (Hrsg.): Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, ISBN 3-89214-017-0, S. 87–88. Johann Philipp Breidung als Zentgraf von Weyhers errichtete 1664 im Auftrag von Wilhelm Rudolph und Gottfried von Ebersberg in der Burgruine ein Fachwerkhaus mit 14 Fenstern und strohgedecktem Dach. Breidung beklagte sich sieben Jahre später darüber, dass das neue Gebäude durch eindringenden Regen zerfiel. In den folgenden fast 200 Jahren diente die Burg nur noch der Entnahme von Steinen als Baumaterial und zerfiel unter dem Einfluss von Wind und Wetter.
1777 verkauften die von Ebersberg ihren Anteil am Gericht „Lütter vor der Hart“ mitsamt dem verbundenen Grundbesitz, wozu auch der Ebersberg mit Burgruine gehörte, für 85.000 rheinische Gulden an das Hochstift Fulda. In der folgenden Zeit wechselte der Besitz der Burg mehrmals, allein zwischen 1803 und 1815 wurde sie fünfmal verkauft. Während der Zugehörigkeit zu Bayern im Landgerichtsbezirk Weyhers zwischen 1819 und 1867 war sie Eigentum des Staates. Heute befindet sie sich im Besitz des Landes Hessen.Benjamin Rudolph, Annina Hilfenhaus: Die Kontinuität des Unsteten. 2006, S. 15.
Baugeschichte Ursprungsburg mini|Südturm 1901 (rechts befindet sich der westliche Mauerrest)Erbaut ist die Burg aus dem anthrazitfarbigen Phonolith des Ebersbergs, der nur als Bruchstein verwendbar ist, und für Fenster- und Türwandungen sowie als Eckverband aus gräulichem, behauenem Sandstein. Zum Bau der ersten Burg wurde das Gipfelplateau weitläufig abgeholzt und ein Großteil der genutzten Steine vor Ort abgebaut. Noch heute kann man mehrere Schutthalden rund um die Burg entdecken. Die älteren Bauteile enthalten Sandstein als Buckelquader und ab 1400 als glatte Quader.Benjamin Rudolph, Annina Hilfenhaus: Die Kontinuität des Unsteten. 2006, S. 18.
Die ältesten noch vorhandenen Bauteile sind der untere (viereckige) Teil des Südturms und das westlich daran anschließende Stück Turmmauer, das dieselbe Dicke wie die Turmrückwand hat. Dies sind die einzigen archäologisch fassbaren Teile der Ursprungsburg vor dem Wiederaufbau um 1396. Der Grundriss des unteren Turmgeschosses ist mit den Außenmaßen von 6,80 m × 6,95 m annähernd quadratisch, die Ecken wurden mit Buckelquadern aus Sandstein gemauert. Ursprünglich war das Untergeschoss tonnengewölbt und hatte keinen Eingang. Die einzige Öffnung nach außen war ein Lichtschlitz in der westlichen, 2,30 m dicken Außenwand, der auch heute noch in Form des kleinen romanischen Fensters vorhanden ist. Das Untergeschoss diente mit dem wahrscheinlich in der Gewölbedecke vorhandenen Angstloch wie in den meisten Burgen als Verlies. Die westlich anschließende Ringmauer ist nur noch im unteren Teil im ursprünglichen Zustand, weil sie in den 1960er Jahren bei Renovierungen unfachmännisch mit glatten Steinquadern um einen halben Meter erhöht wurde, stilistisch eher zu den spätgotischen Erweiterungen um 1396 passend.
1957 bis 1959 fanden Gotthold Wagner und Fritz Luckhard bei Ausgrabungen Mauerreste, aus denen sich der ursprüngliche Verlauf der Ringmauer rekonstruieren lässt. Diese lag im nördlichen Bereich innerhalb, im östlichen Bereich außerhalb der heutigen Burgmauer. Die ursprüngliche Burg war eine streng geometrische Rechteckanlage, die aus dem heute nur noch im unteren Teil erhaltenen Bergfried sowie einem romanischen Wohngebäude und den Umfassungsmauern bestand. Höchstwahrscheinlich lag das einzige Tor der kleinen Anlage im östlichen Bereich, außerhalb der heutigen Ringmauer. Nicht gesichert ist die Vermutung von Wagner, dass der nördliche Bereich, in dem der zweite Turm steht, damals unbebaut war.Benjamin Rudolph, Annina Hilfenhaus: Die Kontinuität des Unsteten. 2006, S. 24–26. Nach Vergleichen mit der Burg Hauneck und der Burg Fürsteneck datieren Benjamin Rudolph und Annina Hilfenhaus in der bisher umfassendsten Monografie die Entstehung der Burg auf die Zeit zwischen 1200 und spätestens 1250.
Wiederaufbau um 1396 mini|Der Nordturm noch unrenoviert 1901 mini|372x372px|Südturm von Westen, erkennbar das schmale romanische Fenster