Monika Schindler (* 12. Januar 1938, DEFA-Stiftung, abgerufen am 24. August 2009. in Berlin) ist eine deutsche Filmeditorin, die zu einer der renommiertesten Schnittmeisterinnen im DEFA-Studio für Spielfilme aufstieg. Sie arbeitete mit DEFA-Filmregisseuren wie Roland Gräf, Herrmann Zschoche und Günter Reisch zusammen und konnte auch nach der Wende ihre Karriere in der Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Andreas Dresen und Winfried Bonengel fortsetzen. Am 28. April 2017 wurde sie, als erste Editorin überhaupt, bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises mit dem „Ehrenpreis für herausragende Verdienste um den Deutschen Film“ ausgezeichnet.

Leben Monika Schindler begann 1955 eine Lehre im DEFA-Studio für Spielfilme als Filmfotografin, wo sie im Rahmen der fotografischen Grundausbildung auch in der Kopierwerkstechnik sowie in der Trickabteilung eingesetzt wurde. Als Vorbereitung für ihr Studium arbeitete sie ein Jahr im Schneideraum und assistierte unter anderem Hildegard Conrad bei Joachim Kunerts Film Der Lotterieschwede (1958) und der renommierten Schnittmeisterin Lena Neumann, die schon seit Stummfilmzeiten dabei war und diverse Bildmontagen für die Tobis anfertigte. 1958 nahm sie ihr dreijähriges Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam in der Fachrichtung Filmschnitt auf, das sie mit einem Diplom abschließen konnte.

Anschließend kehrte sie ins DEFA-Studio für Spielfilme zurück, wo sie zunächst als Assistentin arbeitete, später auch in Eigenverantwortung erste Filmproduktionen schnitt, und schließlich 1968 einen Vertrag als Schnittmeisterin sowie einen eigenen Schneideraum erhielt. Ihre erste Montagearbeit, Egon Günthers satirische Komödie Wenn du groß bist, lieber Adam (1965), konnte seinerzeit nicht in die Kinos gelangen, da der Film von der DDR-Zensur verboten wurde. Dennoch avancierte sie in der Folgezeit zu einer der angesehensten Fachkräfte des Studio und wurde zur bevorzugten Schnittmeisterin von Regisseuren wie Roland Gräf, Herrmann Zschoche und Günter Reisch; arbeitete aber auch mit Sergej Gerassimow oder Werner Jacobs zusammen.

Mit der Wende gelang es Schindler, als einer der wenigen Filmschaffenden der DEFA, auch im vereinten Deutschland erfolgreich zu arbeiten. So konnte sie ihre Erfahrungen bei Projekten jüngerer Regisseure wie Andreas Dresen einbringen. Auch im hohen Alter arbeitet sie noch weiter; zum Beispiel hat sie 2016 für die 45 Jahre jüngere Regisseurin Katrin Gebbe den Tatort Fünf Minuten Himmel geschnitten.

Monika Schindler hat an über 100 Filmen als Editorin mitgewirkt und wurde mehrfach ausgezeichnet. 2000 bekam sie für den Schnitt von Hans Warns – Mein 20. Jahrhundert den Deutschen Filmpreis. 2001 gewann sie den Schnitt-Preis des Kölner Festivals Filmplus in der Kategorie „Spielfilm“ für Die Polizistin, und 2010 erhielt sie im Rahmen des gleichen Festivals den Geißendörfer Ehrenpreis Schnitt für ihr Lebenswerk.Hommage und Ehrenpreis Filmplus 2010

Filmografie (Auswahl) Filme der DEFA 1965: Wenn du groß bist, lieber Adam 1965: Tiefe Furchen 1967: Ein Lord am Alexanderplatz 1967: Die Heiden von Kummerow und ihre lustigen Streiche 1970: Mein lieber Robinson 1970: Unterwegs zu Lenin 1972: Tecumseh 1972: Trotz alledem! 1973: Aus dem Leben eines Taugenichts 1975: Bankett für Achilles 1976: Hostess 1976: Nelken in Aspik 1977: Die Flucht 1977: Trampen nach Norden 1977/1979: Feuer unter Deck 1979: P.S. 1980: Die Schmuggler von Rajgrod 1980: Glück im Hinterhaus 1980: Und nächstes Jahr am Balaton 1982: Märkische Forschungen 1982: Das Mädchen und der Junge 1983: Fariaho 1983: Zauber um Zinnober (Fernsehfilm) 1986: Das Haus am Fluß 1987: Wie die Alten sungen… 1987: Die Alleinseglerin 1988: Fallada – Letztes Kapitel 1989: Grüne Hochzeit 1990: Verbotene Liebe 1991: Das Mädchen aus dem Fahrstuhl 1991: Der Tangospieler 1991: Stein 1992: Die Spur des Bernsteinzimmers Filme nach der Wende 1995: Matulla und Busch 1997: Polizeiruf 110: Der Tausch 1999: Die Braut 1999: Nachtgestalten 1999: Hans Warns – Mein 20. Jahrhundert 2000: Die Polizistin 2002: Führer Ex 2003: NeuFundLand 2005: Die Hitlerkantate 2005: Zeppelin! 2008: Was wenn der Tod uns scheidet? 2008: Meer is nich 2009: Es geht um Alles 2009: Keine Angst 2010: Tatort – Hitchcock und Frau Wernicke 2011: Unter Verdacht: Die elegante Lösung 2012: Sushi in Suhl 2012: Ein Jahr nach morgen 2013: Für immer 2013: Tatort: Machtlos 2014: Tatort: Vielleicht 2015: Im Zweifel 2016: Tatort: Fünf Minuten Himmel 2016: Dimitrios Schulze 2017: Fremde Tochter 2017: Toter Winkel 2018: Für meine Tochter 2019: Zielfahnder – Blutiger Tango 2019: Sechs auf einen Streich – Die drei Königskinder 2020: Tatort: Die Zeit ist gekommen 2020: König der Raben 2022: Tatort: Das Herz der Schlange 2023: Die Geschichte einer Familie

Auszeichnungen 1986: Preis des 4. Nationalen Spielfilmfestivals der DDR in der Kategorie „Bester Schnitt“ für Das Haus am Fluß 1989: Heinrich-Greif-Preis für ihr künstlerisches Gesamtschaffen im Schnitt 2000: Deutscher Filmpreis für Hans Warns – Mein 20. Jahrhundert 2001: Schnitt-Preis in der Kategorie „Spielfilm“ für Die Polizistin 2010: Geißendörfer Ehrenpreis Schnitt und Hommage beim Festival Filmplus in Köln 2011: „Best Editing“ für den Kurzfilm Brot, beim Rhode Island International Film Festival, USA 2013: Preis der DEFA-Stiftung für herausragende Leistungen im deutschen Film 2017: Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises

Weblinks

Monika Schindler beim Bundesverband Filmschnitt Editor e. V. (BFS) Interview mit Monika Schindler im Rahmen der Hommage 2010 beim Festival Filmplus Artikel zu Monika Schindler in der Berliner Zeitung, anlässlich des Deutschen Filmpreises für ihr Lebenswerk (abgerufen am 21. April 2017).

Einzelnachweise

Kategorie:Filmeditor Kategorie:Träger des Deutschen Filmpreises Kategorie:Mitglied im Bundesverband Filmschnitt Editor Kategorie:Mitglied der Deutschen Filmakademie Kategorie:Deutscher Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Geboren 1938 Kategorie:Frau