mini|300px|Münsingen um 1897 mini|Münsingen mini|Rathaus mini|Stadtteil Bremelau von Westen aus gesehen
Münsingen (schwäbisch Minsenga) ist eine Stadt im Landkreis Reutlingen in Baden-Württemberg. Mit einer Einwohnerzahl von rund 14.000 ist die zwischen Reutlingen und Ulm gelegene Stadt ein Mittelzentrum der Region Neckar-Alb. Münsingen ist die nach der Fläche größte Kommune des Landkreises Reutlingen. Ein Großteil der Gemarkung (98,5 %) gehört zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb.
Geographie Geographische Lage Münsingen liegt auf der Schwäbischen Alb und hat neben dem Hauptort im Tal der Großen Lauter die Ortsteile Apfelstetten, Bichishausen, Buttenhausen, Gundelfingen und Hundersingen sowie auf der Albhochfläche Auingen, Böttingen, Bremelau, Dottingen, Dürrenstetten, Magolsheim, Rietheim und Trailfingen.
Geologie Böttingen war eines der bedeutendsten Abbaugebiete für Onyxmarmor in Europa. Das hier abgebaute Gestein wird auch als Böttinger Marmor bezeichnet. Der Abbau ruht schon seit Jahrzehnten.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden aus zwei Landkreisen grenzen an die Stadt Münsingen, aufgezählt im Uhrzeigersinn:
Bad Urach im Nordnordwesten, Gutsbezirk Münsingen (gemeindefreies Gebiet) im Norden, Schelklingen im Osten, Mehrstetten im Osten, Ehingen im Südosten, Hayingen im Süden, Hohenstein im Südwesten, Gomadingen im Westen und St. Johann im Nordwesten.
Stadtgliederung Die Stadt Münsingen gliedert sich in die Kernstadt und die 13 Stadtteile Apfelstetten, Auingen, Bichishausen, Böttingen, Bremelau, Buttenhausen, Dottingen, Dürrenstetten, Gundelfingen, Hundersingen, Magolsheim, Rietheim und Trailfingen, die bis in die 1970er Jahre selbstständige Gemeinden bildeten. Diese Stadtteile sind zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit einem eigenen Ortschaftsrat und einem Ortsvorsteher. Die beiden Stadtteile Dürrenstetten und Gundelfingen bilden dabei die gemeinsame Ortschaft Gundelfingen. none|498px|alternativtext=Grafik mit den Ortschaften und Stadtteilen der Stadt Münsingen|Karte der Stadtteile von Münsingen
Zur Stadt Münsingen gehören neben der Kernstadt insgesamt noch 26 weitere Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser.
Im Stadtgebiet liegen die abgegangene Burg Reichenau (Stadtteil Auingen), die Wüstungen Buchhausen (Stadtteil Bichishausen), Hochstetten und Niederweiler (Stadtteil Bremelau), Ratzenhofen, Kennenstein und Walenstetten (Stadtteil Gundelfingen), Rockenweiler (Stadtteil Hundersingen), Bertoldesbach, Fröschenhofen und Weitstetten (Stadtteil Münsingen), Elwangen und die abgegangene Burg Littstein (Stadtteil Rietheim) und Brechhöfle und Siessen im Stadtteil Trailfingen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4, S. 43–51.
Schutzgebiete
Mit den Gebieten Höhnriß-Neuben, Kälberberg-Hochberg, Seetalhalde-Galgenberg, Schopflochberg und Eckenlauh-Weißgerberberg im nördlich der Stadt und der Buttenhausener Eichhalde im Lautertal gibt es auf der Gemeindefläche insgesamt sechs Naturschutzgebiete. Im Norden liegen die Landschaftsschutzgebiete Sommerschafweide auf Elwangen (Urenbühl) und Sommerschafweide am Eichholz. Im Südwesten hat die Stadt Anteile am Landschaftsschutzgebiet Großes Lautertal. Weitere Landschaftsschutzgebiete sind die Sommerschafweide in Lindenhalde und Wiesensteigtrieb bei Bremelau, die Heckenlandschaft ob der Halde bei Apfelstetten, die Sommerschafweide auf Hagbühl und auf Breitelau bei Hundersingen und die Sommerschafweide am Pfaffenburren bei Gundelfingen. Die Stadt hat Anteile an den FFH-Gebieten Großes Lautertal und Landgericht und Münsinger Alb sowie zu kleineren Teilen an der Uracher Talspinne und am Tiefental und Schmiechtal. Zudem hat die Stadt Anteil an den beiden Vogelschutzgebieten Mittlere Schwäbische Alb im Norden und Täler der Mittleren Flächenalb im Süden.
Die Stadtfläche gehört zum größten Teil zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Größere Kernzonen sind am Schlossrain bei Hundersingen, an der Holderheide bei Wittsteig sowie am Föhrenberg und am Kohlteich im Norden ausgewiesen.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte mini|Buckelurne von Münsingen Bis zum 19. Jahrhundert Der Name Münsingen geht wahrscheinlich auf einen alemannischen Sippenführer Munigis zurück, der auf dem heutigen Stadtgebiet einer Huntare vorstand. 775 taucht dann der Name erstmals in einer Schenkungsurkunde des Klosters Lorsch auf. Eine weitere frühe urkundliche Erwähnung ist aus dem Jahr 809 (Корie 12. Jahrhundert) unter dem Namen villa Munigesinga. Münsingen gehört zur älteste Siedlungsschicht, wie mehrere Fundstellen von Reihengräbern im nördlichen, nordöstlichen und westlichen Stadtgebiet belegen. Es war Hauptort der zwischen 769 und 778 genannten Munigesinger marca, die sich von Seeburg (Bad Urach) mit sichtbaren Klammern korrigiert bis Gundelfingen erstreckte. Ein Hinweis auf die Bedeutung des Ortes im frühen Mittelalter ist das Martinspatrozinium der ältesten Kirche in Münsingen; im heutigen Baden-Württemberg gehen diese Kirchen oft auf die Zeit der Christianisierung im 7. Jahrhundert zurück.
Nach der Frankenherrschaft ging der Ort an die Grafschaft Urach, welche ihn 1263 an Ulrich I. von Württemberg verkaufte. 1339 erhielt Münsingen das Stadtrecht. Bei der Teilung von Württemberg durch den Nürtinger Vertrag von 1441 wurde Münsingen dem Uracher Teil zugeschlagen, bis hier 1482 im Münsinger Vertrag die Wiedervereinigung der Grafschaft Württemberg abgeschlossen wurde. Am 23. Oktober 1654 wurde Münsingen zur Amtsstadt erhoben.
Die Größe und Bedeutung Münsingens auch in der frühen Neuzeit war eine Folge seiner strategische Lage. Münsingen war der württembergische Widerpart gegenüber der vorderösterreichischen Donaustadt Ehingen. Nach den erheblichen Gebietszuwächsen des nun zum Königreich Württemberg erhobenen Herzogtums, die durch den Reichsdeputationshauptschluss und die Rheinbundakte begründet waren, wurde auch das Oberamt Münsingen Anfang des 19. Jahrhunderts um viele neuwürttembergische Gebiete erweitert. 1893 erreichte der Bau der Eisenbahn Münsingen, womit der Anschluss an das Streckennetz der Württembergischen Staatsbahn kam.
Bei Münsingen befinden sich folgende Burgruinen und Burgreste: Burg Bichishausen, Burg Buttenhausen, Burg Hohengundelfingen, Burg Hohenhundersingen, Burg Hohloch, Ruine Niedergundelfingen.
Von kulturhistorischer Bedeutung ist der Böttinger Marmor, der 1750 beim Bau eines Wohnhauses zufällig entdeckt worden sein soll. Er wurde im 18. Jahrhundert im Marmorsaal und Treppenhaus des Neuen Schlosses in Stuttgart verbaut. Steinbrüche, die sich im Nordosten von Böttingen erstreckten, wurden 1964 geschlossen und sind wegen Steinschlaggefahren nicht betretbar.
mini|Die Stephanuskirche in Gruorn
20. und 21. Jahrhundert Im Jahr 1895 begann die württembergische Armee auf dem Markungsgebiet mit der Errichtung eines Truppenübungsplatzes für das XIII. Armee-Korps. Im Dritten Reich wurde er von der Wehrmacht erneut genutzt und 1942 zum gemeindefreien Gebiet Gutsbezirk Münsingen erklärt. Dort wurde 1944 die Russische Befreiungsarmee unter Andrei Andrejewitsch Wlassow aufgestellt. Das 1915 errichtete Neue Lager, das seit 1965 Herzog-Albrecht-Kaserne hieß, wurde am 31. März 2004 endgültig geschlossen. Das Kasernengelände wurde von der Gemeinde in eine Parksiedlung umgewandelt. Seit April 2006 sind der 6698 ha große ehemalige Truppenübungsplatz und die ehemalige Gemeinde Gruorn auf ausgewiesenen Wegen für die Öffentlichkeit zugänglich.
Bei der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg wurde Münsingen ab 1938 Kreisstadt des Landkreises Münsingen. 1945 wurde die Stadt Teil der Französischen Besatzungszone und erfuhr somit 1947 die Zuordnung zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.
In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni 1957 zerstörten mehrere Dutzend der ca. 450 Einwohner der Gemeinde Magolsheim in gemeinschaftlicher Aktion ein Wohnhaus, in dem am nächsten Tag eine Sinti-Familie einziehen wollte. Zuvor hatte die Gemeinde Magolsheim über alle möglichen Wege versucht, den Zuzug dieser Familie zu verhindern. Als dies nicht gelang, griffen die Einheimischen zur Selbstjustiz und schleiften das zweigeschossige Haus bis auf die Grundmauern. In einem Prozess 1958 wurden 31 Personen wegen Landfriedensbruchs und der Zerstörung von Bauwerken zu Gefängnisstrafen auf Bewährung verurteilt, in der Einschätzung weiter Teile der Öffentlichkeit waren sie jedoch „moralisch im Recht“. Die „Affäre Magolsheim“Volker Hedemann: „Zigeuner!“ – Zur Kontinuität der rassistischen Diskriminierung in der alten BRD. Hamburg 2007, S. 86. war eines der deutlichsten Zeichen eines immer noch weit verbreiteten Antiziganismus in der Bundesrepublik Deutschland.
Nach der Auflösung des Landkreises Münsingen im Rahmen der Kreisreform in Baden-Württemberg fiel die Stadt 1973 an den Landkreis Reutlingen.
Eingemeindungen mini|Bichishausen im Großen Lautertal Dürrenstetten wurde bereits 1822 mit Gundelfingen vereinigt. Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurden die folgenden bis dahin selbstständigen Gemeinden nach Münsingen eingemeindet:
1. Juli 1971: Auingen, Böttingen und Dottingen 1. Januar 1974: Apfelstetten und Gundelfingen 1. April 1974: Bremelau und Trailfingen 1. Januar 1975: Bichishausen, Buttenhausen, Hundersingen, Magolsheim und Rietheim
Im Zuge der Rekommunalisierung des gemeindefreien Gutsbezirks Münsingen (Landkreis Reutlingen) wurden am 1. Januar 2011 die an Auingen angrenzenden Wohngebiete „Königstraße“, „Am Kapf“ und der öffentliche Wohnbereich „Altes Lager“ mit einer Gesamtfläche von 96,3 Hektar und 41 Einwohnern nach Münsingen umgemeindet.Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2011. StBA
Religionen mini|links|Martinskirche Innenansicht Die Münsinger Kirche wurde 804 erstmals genannt.Website der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Münsingen und Trailfingen Religiös entstammt die Kernstadt Münsingen wie auch die Stadtteile Apfelstetten,Website der Evangelischen Kirchengemeinde Lautertal-Buttenhausen mit Apfelstetten und Hundersingen Auingen,Website der Evangelischen Kirchengemeinde Auingen Böttingen,Website der Evangelischen Kirchengemeinde Böttingen-Magolsheim Buttenhausen, Dottingen,Website der Evangelischen Kirchengemeinde Dottingen-Rietheim Hundersingen, Rietheim und Trailfingen aus dem lutherischen Umfeld Altwürttembergs. Die Reformation wurde hier 1537 eingeführt. Durch den Stadtteil Magolsheim verlief die Grenze zwischen Württemberg und Vorderösterreich. Durch diese Besonderheit hat dieser kleine Ort zwei Kirchen (evangelisch und katholisch). Die anderen Stadtteile Bichishausen, Gundelfingen und Bremelau sind durch ihre frühere fürstenbergische bzw. vorderösterreichische Zugehörigkeit römisch-katholisch geprägt.
Die Stadt war Sitz des Kirchenbezirks Münsingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, bevor dieser am 1. Dezember 2013 mit dem Nachbarbezirk Bad Urach zum Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen fusionierte.
Die Katholiken gehören zur Seelsorgeeinheit Münsingen im Dekanat Reutlingen-Zwiefalten des Bistums Rottenburg-Stuttgart.
Neben den beiden großen Konfessionen sind heute auch die Neuapostolische Kirche, die Baptisten, die evangelisch-methodistische Kirche und die Biblische Glaubensgemeinde Münsingen in Münsingen vertreten. mini|Jüdischer Friedhof in Buttenhausen