mini|Westansicht des Schlosses Rothschild in Waidhofen an der Ybbs mini|Ybbsseitige Fassade des ehemaligen herrschaftlichen Wohngebäudes Das Schloss Rothschild(zur neuen Schreibung des Namens) news. Amtliche Nachrichten und Informationen. Magistrat Waidhofen an der Ybbs, 08/2006 Nr. 144 Dezember 2006. oder Schloss Waidhofen liegt in der Stadt Waidhofen an der Ybbs im südwestlichen Niederösterreich. Das Schloss steht unter Denkmalschutz ().
Die ursprünglich mittelalterliche Burg mit Baukern aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts war jahrhundertelang Sitz der freisingischen Pfleger. Der berühmteste Besitzer des Schlosses war Albert Salomon Anselm von Rothschild (1844–1911), der es ab 1875 zum Sitz der Verwaltung seiner ausgedehnten Güter machte. Auf seine Veranlassung hin fand unter Mitwirkung des Wiener Dombaumeisters Friedrich von Schmidt (1825–1891) ein tiefgreifender neugotischer Umbau statt.
Heute im Besitz der Stadt, wurde das Gebäude bis 2007 einer grundlegenden Renovierung unterzogen, im Rahmen derer durch den Architekten Hans Hollein neue architektonische Akzente gesetzt wurden. Im Jahr 2007 war es neben dem Schloss Sankt Peter in der Au Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung. Heute beherbergt es neben verschiedenen anderen Einrichtungen der Stadt Waidhofen das, sich der Geschichte der Stadt widmende „5e-Museum“.
Lage Schloss Waidhofen liegt auf einem Konglomeratfelsen über dem Fluss Ybbs, im Mündungszwickel zwischen Ybbs und Schwarzbach. Es bildet die Spitze eines spitzwinkeligen Dreiecks, dessen Fläche der historischen, ehemals befestigten Innenstadt von Waidhofen an der Ybbs entspricht. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das noch heute durch Mauern und den Turm des ehemaligen Zeughauses befestigte Areal der Stadtpfarrkirche. Diese Gebäude bilden gemeinsam, vor allem wenn man mit der Bahn oder dem PKW von Amstetten kommt, das beeindruckendste Ensemble der Stadt.
Gebäude Äußeres Der auffälligste Teil des Gebäudes ist der 9-stöckige, 33 m hoheHelga Hinteregger: Schloss Waidhofen / Ybbs und die Familie Rothschild. 1981, im Stadtarchiv Waidhofen an der Ybbs DB III/6., aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts stammende Bergfried mit auffallendem Umgang im Bereich der Wehrplattform. Aufgesetzt auf das zinnenbekrönte oberste Stockwerk ist ein 2006 errichteter, 9 Meter hoher, verjüngter, quaderförmiger Glasaufbau, der effektvoll beleuchtet werden kann.
Alle Gebäude des Schlosses gruppieren sich um einen pittoresken Innenhof: Am auffälligsten präsentiert sich hofseitig das ehemalige mittelalterliche herrschaftliche Wohngebäude, das mit seinen zwölf Fensterachsen größte Bauwerk des Schlosses. Seine Schaufassade wird durch die vorgelagerten neugotischen Arkaden gebildet, die eigentümlicherweise im Erdgeschoß spitzbogig und im Obergeschoß rundbogig ausgeführt sind. Die Brüstungen des Obergeschoßes weisen zierliches neugotisches Maßwerk auf.
Einen starken Kontrapunkt setzt das gegenüberliegende, zwar wesentlich kleinere, durch seine historisierenden Details aber nicht weniger auffällige neugotische Stöckelgebäude mit angebautem Turm, dessen höchste Spitze von vier kleineren Ecktürmen umgeben ist. Die beiden im 19. Jahrhundert im Stil der Neugotik errichteten Toranlagen des Schlosses führen Richtung Innenstadt bzw. gegenüberliegend mittels steinener Brücke über den Schwarzbach aus dem ehemals befestigten Stadtareal hinaus.
mini|hochkant|Blick auf das Schloss Rothschild Sichtbar sind Bergfried und Palas (ca. 1380–1410), sowie Metall-Glas-Aufbauten (2006–2007) Der gewaltige Baukörper des Hauptgebäudes lässt sich am besten vom anderen Ybbsufer aus betrachten, wohin ein Steg führt, der das gegenüberliegende Zeller Schloss (heute Hotel Schloss an der Eisenstraße) mit der Innenstadt verbindet. Da die Außenmauer des Hauptgebäudes bis fast zum Fuße des Felsens hinab reicht, ergibt sich eine Höhe von 5 Stockwerken. Dahinter verbergen sich aber im untersten Geschoß nur sehr schmale Kellerräume, die dem Felsen vorgelagert sind. Deutlich sichtbar, ungefähr im Zentrum der Wand des Hauptgebäudes, ist eine hellere Stelle, an der sich ursprünglich die im 19. Jahrhundert abgestürzte gotische, erkerartig aus der Wand vorkragende Apsis der Schlosskapelle befand. Ybbsseitig springt noch der neugotische Söller ins Auge. Er ist ebenfalls seit 2007 mit einem Glasaufbau versehen, außerdem wurde 2006/2007 eine auffällige, weit über die Ybbs hinausragende, begehbare Verlängerung geschaffen.
Der älteste erhaltene Mauerteil der Burg, aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammend, befindet sich unterhalb der Oberkante des zweiten Kellergeschoßes im Fundament des schmalen nordostseitigen Eckturms (Ecke Richtung Ybbs und Innenstadt) und auf gleicher Höhe im Mauerwerk der Ostfassade nebenan. Das Dach des mittelalterlichen Eckturms ist nun ebenfalls als auffällige, pyramidenförmige Stahl-Glas-Konstruktion gestaltet. An der innenstadtwärts gelegenen Stirnseite des ehemaligen Palasgebäudes wurde, wiederum aus Stahl und Glas, ein moderner Touristeneingang geschaffen.
Inneres Der auffälligste Raum im Inneren des ehemaligen herrschaftlichen Wohngebäudes ist der 2006/2007 geschaffene multifunktionelle Veranstaltungsraum – Kristallsaal genannt –, der sich über zwei Stockwerke vom Obergeschoß bis zum Dach erstreckt.
Die einzigen Reste der mittelalterlichen Innenausstattung sind ein Gurtbogen und ein Teil eines Kreuzrippengewölbes im Erdgeschoß, beides Reste der kleinen gotischen Burgkapelle, deren größerer vorderer Teil, ein erkerartiger Vorbau, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ins Flussbett der Ybbs abgestürzt ist. Vorhanden sind an Ort und Stelle auch noch verschiedene Freskenreste die 1878 freigelegtPeter Maier: Waidhofen an der Ybbs. Metropole des Ybbstales. Herausgegeben von der Stadtgemeinde Waidhofen an der Ybbs, 2003. wurden: An den ehemaligen Kapellenwänden sind mehrere Weihekreuze sichtbar. Die kunsthistorisch interessantesten Funde stammen aus einer etwas jüngeren Schicht, aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts und sind am Gurtbogen situiert. Diese hochwertigen Abbildungen von Heiligen, Kirchenvätern und musizierenden Engeln sind am ehesten das Werk eines oberitalienischen Künstlers.DEHIO-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Topographisches Denkmälerinventar. Niederösterreich südl. d. Donau Teil 2, M bis Z. Herausgegeben vom Bundesdenkmalamt 2003, Verlag Berger, Horn / Wien, ISBN 3-85028-365-8. Die besterhaltenen Teile wurden 1922 abgenommen und an einem gleichartig gestalteten, aber neuerrichtete Bogen, den man am Beginn des mittleren Stiegenaufganges durchschreitet, angebracht.
Auch vom neugotisch-romantisierenden Umbau sind im Schloss nur mehr Reste vorhanden: So ist im Erdgeschoß noch in drei Räumen das rothschildsche Ambiente durch die erhaltene Gestaltung der Wände und Stuckdecken erfahrbar. Einer der Räume wird in Zukunft den Trauungssaal der Stadt beherbergen. Prachtstück ist ein prunkvoller Marmorkamin der französischen Spätrenaissance. Ein repräsentativer hölzerner Stiegenaufgang stammt aus der Zeit des Historismus. Der schönste Raum ist sicherlich der kleine, aber exquisit gestaltete ehemalige Arbeitsraum des Barons.
Das Hauptgebäude beherbergt das „5e-Museum“: Durch Erarbeitung der Themenkreise Feuer, Erde, Wasser, Holz und Metall wird die Geschichte der Stadt erfahrbar gemacht. Weiters im Schloss situiert sind die Bücherei, die Eisenstraßenbibliothek, das Stadtarchiv, das Tourismusbüro und Räumlichkeiten für Mittelalterevents.
mini|hochkant|Neugotisches Stöckelgebäude mit Turm (1885–1890) Sehenswert ist auch das Innere des Bergfrieds, der in einem Zug in zweischaliger Bauweise ausgeführt wurde. Zwischen den beiden Wänden befindet sich der mittelalterliche Treppenaufgang, der ursprünglich nur innenhofseitig über einen hochgelegenen Eingang erreicht werden konnte. Heute betritt man den Turm schon auf Höhe des Erdgeschoßes und ersteigt die unteren Stockwerke über eine im Zentrum des Bergfriedes verlaufende neugotische Treppenanlage. Die 9 Stockwerke sind durch gut erhaltene Gewölbe unterteilt, die im Gegensatz zu den Wänden des Turms, um Gewicht zu sparen, aus leichtem Tuffstein errichtet wurden. Als Kuriosum sei noch der Heizkessel im ersten Stock erwähnt: Zu diesem musste das Wasser von Dienern nach oben getragen werden, um die Wasserversorgung eines Bades im Obergeschoß des angrenzenden Hauptgebäudes zu bewerkstelligen. Im Bergfried wird eine kleine Ausstellung zur Dokumentation der Schlossgeschichte gezeigt. Einen Höhepunkt eines Rundganges durchs Schloss bildet wohl der Aufenthalt im Inneren des Glasaufbaues an der Spitze des Bergfrieds mit Aussicht auf die Innenstadt Waidhofens.
Im Inneren des Stöckelgebäudes ist ein Restaurant untergebracht.
Geschichte Erbaut während der Herrschaft der Peilsteiner Es wird heute angenommen, dass die Burg Waidhofen mit zugehörigem Marktflecken eine Gründung der Peilsteiner Grafen ist. Diese waren als Vögte die Vasallen der Bischöfe von Freising, hatten aber auch in anderen Teilen des heutigen Niederösterreichs beträchtlichen Grundbesitz und verfolgten offenbar eine bewusste Politik zur Steigerung ihrer wirtschaftlichen und politischen Macht. Vor allem um die heute nicht mehr existierende Burg Konradsheim, die damals weit größere Bedeutung hatte (sie lag ca. 4 km vom heutigen Stadtzentrum entfernt), entbrannte zwischen Vögten und Bischöfen von 1190 bis 1218 ein mehrere Generationen umspannender komplexer Rechtsstreit über die Besitzverhältnisse. Eine diesbezügliche Notiz aus dem Beginn des 13. Jahrhunderts, in der neben der Burg Konradsheim noch „eine andere“ genannt wird, ist vermutlich die älteste schriftliche Quelle zur Burg Waidhofen. Auch die ältesten Mauerteile stammen aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Beendet wurde die Auseinandersetzung übrigens erst als die Nachfolger der Peilsteiner Grafen ausstarben und so endgültig der Besitz an Freising fiel, wo man beschloss, diesen in Hinkunft keinen Vögten mehr anzuvertrauen.(Dieses Buch ist die Hauptquelle für diesen Artikel) Peter Maier: Waidhofen a.d.Ybbs. Spuren der Geschichte. Herausgegeben vom Magistrat Waidhofen an der Ybbs, 1. Auflage 2006. Erwähnung finden sollte allerdings auch der von manchen Forschern vertretene Hinweis auf die einseitige Quellenlage bezüglich dieser Geschehnisse: Nur Urkunden, die vom Bistum Freising bewahrt wurden, stehen zur Verfügen und entsprechend der politischen Interessenlage belegen diese selbstverständlich die freisingischen Gebietsansprüche.
Freisingisch bischöflicher Amtssitz Die in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, wohl wegen der stetig wachsenden Ansiedlung, steigende Bedeutung der Burg Waidhofen lässt sich an den oftmaligen Besuchen der Freisinger Bischöfe ablesen. Sie stellten hier 1264, 1277, 1279, 1283, 1296, 1310 und 1312 Urkunden aus. Für die Burg Konradsheim gibt es solche Belege nicht.
Interessante Einblicke in die Ausstattung einer mittelalterlichen Burg geben zwei Inventarlisten aus 1313 und 1316, wo sich unter anderem finden:
Armbrüste, Pfeile, Lanzen, Brustpanzer, Helme, Eisenhandschuhe, ein Pulversieb, Bärenspieße, Angelhaken, Falkenhauben, Sättel und Zäume für Kriegspferde, 6 eiserne Schüsseln, 46 Kannen, 4 Bratpfannen, 4 kupferne Becken, Flaschen aus Eisen, Kupfer und Zinn, ein eisener Leuchter, ein zusammenlegbarer Tisch, ein bischöflicher Armsessel, drei Tischtücher, 18 Handtücher, Pölster, Bettsack, Federkissen, 2 Nachttöpfe, Tischlerwerkzeug, Schnitzwerkzeug, Stricke, Amboss, eisener Knüppel, eisene Nägel, zwei Pfauenwedel, einen großen und einen kleinen Würfel, der Stuhl des Laurin, zwei Waagen: eine mit Wiener, eine mit Kölner Gewichten.
Aus demselben Jahrzehnt gibt es Verzeichnisse, die darüber Auskunft geben, dass sich in der Burg beträchtliche Geldsummen und mehr als hundert Urkunden und Privilegien der Bischöfe befanden.