Der Boulevard du Temple ist ein Boulevard in Paris zwischen dem 3. und dem 11. Arrondissement.

Lage Er ist Teil der Kette der Grands Boulevards, die sich von West nach Ost erstreckt: Boulevards de la Madeleine, des Capucines, des Italiens, Montmartre, Poissonnière, Bonne-Nouvelle, Saint-Denis, Boulevard Saint-Martin, du Temple, des Filles-du-Calvaire und Beaumarchais. Er führt vom Place de la République zur Place Pasdeloup.

Der Boulevard du Temple ist über die Métrostationen Filles du Calvaire und République zu erreichen.

Namensursprung Der Boulevard du Temple erhielt seinen Namen vom Temple, dem Gebiet des Templerordens, das sich bis ins 18. Jahrhundert noch außerhalb von Paris befand.

Geschichte Der Boulevard du Temple folgt der Trasse der Stadtmauer von Charles V., die unter Ludwig XIV. abgerissen wurde. Die Straße wurde zwischen 1656 und 1705 mit Bäumen am Rand gebaut.

In der Zeit von Ludwig XVI. bis zur Julimonarchie war der Boulevard du Temple sehr populär: Damals nannte man ihn «Boulevard du Crime», er ist ein Ort der Spaziergänge und der Unterhaltung, an dem sich viele Café-concert und Theater konzentrierten, die sich früher an den Pariser Jahrmarktstheater Saint-Laurent und Saint-Germain befanden.

Auf diesem Boulevard fand auch am 28. Juli 1835 das Attentat auf König Louis-Philippe I. von Joseph Fieschi statt, das zwar scheiterte, aber 18 Tote und 23 Verwundete hinterließ.

Die große Pariser Neugestaltung nach den Plänen von Haussmann haben diesen Teil des Marais völlig verändert. Von den ehemaligen Theatern bleibt heute nur das Théâtre Déjazet, während die anderen der Vergrößerung des Place de la République zum Opfer fielen.

Ein rekonstruierter Boulevard du Temple ist Schauplatz des Films Kinder des Olymp (1943/45) von Marcel Carné. Er war im 18. Jahrhundert der Geburtsort des Boulevardtheaters, des Ursprungs der modernen westlichen Unterhaltungskultur. Die dortigen Theater waren Vorbilder der Wiener Vorstadttheater und des Königsstädtischen Theaters Berlin.

Repertoire mini|hochkant=1.2|Theaterbauten am Boulevard du Temple, um 1862

Durch die vielen Kriminalstücke (vgl. Melodram), die seit etwa 1800 dort liefen, bekam der Boulevard du Temple den Spitznamen Boulevard du Crime („Boulevard des Verbrechens“). Der wichtigste Autor, Regisseur und Theaterleiter in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Pixérécourt. Der Almanach des Spectacles zog 1823 ein Fazit der vergangenen 20 Jahre: „Tautin ist 16.302-mal erschlagen worden, Marty ist 11.000 Vergiftungen in verschiedenen Varianten erlegen, Fresnoy wurde 27.000-mal auf unterschiedliche Weise geopfert, Fräulein Adèle Dupuis hat 75.000-mal ihre Unschuld verloren“.

Allerdings wurden hier auch komische Pantomimen und Feerien aufgeführt, und Jean-Gaspard Deburau erfand die poetische Figur des Pierrot im Théâtre des Funambules.

Theatergründungen 1759: Théâtre des Grands-Danseurs du Roi von Jean Baptiste Nicolet, seit 1792 Théâtre de la Gaîté 1769: Théâtre de l’Ambigu-Comique von Nicolas Médard Audinot, seit 1832 Théâtre des Folies-Dramatiques 1774: Théâtre des Associés 1777: Théâtre Petit Lazari 1779: Théâtre des Variétés-Amusantes 1785: Théâtre des Délassements-Comiques 1787: Wachsfigurenkabinett 1816: Théâtre des Funambules 1827: Cirque Olympique 1847: Théâtre Historique 1852: Théâtre Déjazet

Literatur Volker Roloff: ‚Le boulevard du crime‘ und das Melodram im Wechsel der Medien. In: Haussmann und die Folgen. Vom Boulevard zur Boulevardisierung. Hrsg. von Walburga Hülk, Gregor Schuhen. Narr, Tübingen 2012, ISBN 978-3-8233-6661-4, S. 115–126. André Degaine: Guide des promenades théâtrales à Paris. Nizet, Paris 1999, ISBN 2-7078-1278-1, S. 91–101.

Weblinks

Einzelnachweise

Temple Temple Kategorie:Theatergeschichte Kategorie:Theater (Paris) Kategorie:Straße in Europa