miniatur|Blick auf das vollständig ergrabene Haupthaus, überdacht vom Museumsbau. Links liegt die zum Ahrtal gerichtete Portikus (2023) mini|Außenansicht des Museumsbaus über der Fundstelle mit der vorbeiführenden Bundesstraße 267 (2018) Die Römervilla von Bad Neuenahr-Ahrweiler am Silberberg ist ein archäologischer Fundplatz, der eine jahrhundertelange wechselnde Nutzung von der Mitte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts bis ins Frühmittelalter dokumentiert. Das ergrabene Areal befindet sich am Rand der rheinland-pfälzischen Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler im Landkreis Ahrweiler.

Zunächst als römischer Gutshof (Villa rustica) angelegt, vergrößert und mehrfach umgebaut, wurde die Anlage gegen 259/60 n. Chr.Horst Fehr: Römervilla. Führer durch die Ausgrabungen am Silberberg in Bad Neuenahr-Ahrweiler. In: Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Band 7, (2. Aufl.) Steffgen, Koblenz 2003, ISBN 3-929645-01-7, S. 20. planmäßig geräumt.Horst Fehr (2003). S. 86. In der Spätantike erfuhr das Hauptgebäude eine Umnutzung zur Herberge (Mansio),Horst Fehr (2003). S. 26. in die anschließend eine Eisenschmelze einzog.Horst Fehr (2003). S. 29. Nach dem völligen Verfall und der Bedeckung des Geländes mit Schutt und Geröll durch den direkt dahinterliegenden Silberberg entstand an diesem Platz ein frühmittelalterlicher christlicher Friedhof.Horst Fehr (2003). S. 31. Die besondere Bedeutung des ergrabenen und für die Öffentlichkeit konservierten Hauptgebäudes liegt in dem hervorragenden Erhaltungszustand vieler seltener Baudetails und Wandmalereien.Mainzer Zeitschrift. Band 98, Mainzer Altumsverein, 2003, S. 146.

Lage alternativtext=3D-Rekonstruktion der Herberge mit Portikus und Therme sowie Gärten im Vordergrund und Wald im Hintergrund|mini|Lage der Herberge am Hang (3D-Rekonstruktion der Südostansicht mit Portikus und Badegebäude) (2023) Die Villa rustica wurde am Nordhang des klimatisch begünstigten Ahrtales errichtet. Rund 15 Kilometer östlich befindet sich die Ahrmündung in den Rhein. Auch heute werden die nördlichen Steilhänge des mittleren und unteren Tales von Weinbergterrassen dominiert. Das einstmals ausgedehnte Landgut am Silberberg gehörte einer wohlhabenden Familie, wie unter anderem die hochwertigen Wandmalereien im Erd- und Obergeschoss zeigen. Im Tal führte eine Verbindungsstraße von West nach Ost zum Rhein hin und verband sich dort mit dem Straßensystem zu den großen römischen Siedlungspunkten Andernach (Antunnacum), Koblenz (Confluentes), Bonn (Bonnensia) und Köln (Colonia Claudia Ara Agrippinensium). Der Besitz wurde gemäß den Angaben Vitruvs in dessen Werk De architectura libri decem (Zehn Bücher über Architektur) errichtet. So liegt das Haupthaus mit seiner Längswand dicht am Fuß des steilen Hanges und wird damit vor der nördlichen und nordwestlichen Witterung vollkommen geschützt. Die Front- und Schauseite mit dem Portikus blickte nach Süden und blieb den ganzen Tag über von der Sonne bestrahlt. Von der Säulenarkade hatte man einen freien Blick über die darunterliegende Niederung der Ahr zum gegenüberliegenden Südhang des Tales. Die Frischwasserzufuhr war durch den nordwestlich den Hang herabkommenden Giesemer Bach gesichert.Horst Fehr (2003). S. 16 f.

Forschungsgeschichte Während des Ausbaus der Bundesstraße 267 am nördlichen Abhang des Ahrtales wurde im März 1980 mit der Errichtung eines Auf- und Abfahrtsohrs am nordwestlichen Ortsrand von Ahrweiler begonnen. Es war geplant, die Fahrbahn tief in den Schutt des Hanges einzugraben. Zum damaligen Zeitpunkt lagen keinerlei Überlieferungen vor, die eine archäologische Stätte hätten ausweisen können. Am 23. März 1980 griffen die Bagger in römisches Mauerwerk und räumten dieses mitsamt größeren Stücken farbiger Bemalung ab. Lastkraftwagen brachten dieses Material auf die Kippe. Nur das Eingreifen eines zufällig anwesenden ehrenamtlichen Mitarbeiters des Denkmalamtes Koblenz, Carl-Heinz Albrecht, verhinderte Schlimmeres. Bereits am nächsten Tag wurden die Bauarbeiten eingestellt und das Gelände gesichert.Horst Fehr (2003). S. 11. Für seine Verdienste wurde Albrecht 1983 mit dem Wappenteller des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.Ehrungen verdienter Bürger. In: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler, 1984

Das teils noch bis zu einer Höhe von 1,50 Metern aufragende Mauerwerk, bei dem vielfach die Fensteröffnungen nachgewiesen werden konnten sowie der außergewöhnlich gut erhaltene bemalte Verputz rechtfertigten eine bis Ende 1980 vollzogene Umtrassierung der geplanten Fahrbahn und die Errichtung eines aufwendigen Schutzbaues.Horst Fehr (2003). S. 12. In elf Grabungskampagnen wurde das Haupthaus der Villa rustica zwischen März 1980 bis Herbst 1990Horst Fehr (2003). S. 13. unter der Leitung des Konservators Horst Fehr ergraben. Seit dem Frühjahr 1993 sind die Grabungsergebnisse zu besichtigen.Horst Fehr (2003). S. 15. In der Ausstellung „Römische Wandmalerei in Ahrweiler“, die vom 14. Februar bis 8. April 1996 stattfand, wurden die bis dahin bekannten Ergebnisse zu den Fresken der Öffentlichkeit präsentiert.

Das Museumskonzept der Römervilla von Bad Neuenahr-Ahrweiler beinhaltet auch wechselnde Sonderausstellungen zu anderen römischen Themen, die einen Bezug zu den Ahrweiler Grabungen haben.So fand beispielsweise vom 9. April bis zum 22. Juni 1997 eine Wanderausstellung unter dem Titel Culinaria Romana. So assen und tranken die Römer statt. Dazu: Christian Holliger: Culinaria Romana. So assen und tranken die Römer. Ausstellungskatalog, Brugg, 1996; eine weitere bis zum 31. Juli 1999 laufende Sonderausstellung Masken, Mimen und Tragödien – Theaterspiel in den römischen Provinzen, stellte die in Ahrweiler gefundenen Theatermasken in den Mittelpunkt. Quelle: Antike Welt. 1999, S. 196.

Beschreibung Haus I Um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. entstand die älteste römische Ansiedlung an diesem Platz, die Haus I genannt wird. Das Aussehen dieses Bauwerks kann nur durch einige Grabungsschnitte grob bestimmt werden, wenn nicht die später darüber errichteten Baureste zerstört werden sollen. Am klarsten sind die Überreste des im Westen solitär errichteten Bades auszumachen. Während die Fluchtung dieser Baueinheit genau mit der des später errichteten Haus II übereinstimmt, ist Haus I etwas aus der Achse nach Nordwesten verschoben.

Keller miniatur|Während der Ausgrabung freigelegter Keller von Haus I mit schräg ansteigender Fensterbank. Darüber liegt das Hypokaustum aus der Zeit der Mansio. (2010) Am besten erforscht ist der dazugehörige rechteckige Kellerraum mit der im Südwesten absteigenden steinernen Kellertreppe. Da Haus I vor der Errichtung von Haus II planmäßig niedergelegt wurde und die noch sichtbaren Überreste mit einer Planierschicht überdeckt worden sind, hat sich mit dem damals zugeschütteten Keller ein Stück der frühen Siedlungsarchitektur erhalten. Die Mauerung aus lagig verlegten Handquadern mit deutlich sichtbarem Fugenstrich ist sorgfältig ausgeführt und war unverputzt. Im Südosten hat sich der schräg angestellte Ansatz eines Kellerfensters erhalten. Dieser Befund macht deutlich, dass die frühe Villa rustica zumindest in diesem Bereich keinen Portikus besessen haben kann. Ein wichtiges Baudetail hatte sich mit der in diesem Keller aufgedeckten Kühlanlage erhalten. Entlang der nördlichen Wand wurde in den Lehmboden des Kellers eine rund einen Meter breite Grube eingetieft und in diese fünf bis zehn Zentimeter starke Rundhölzer gestellt. Anschließend verfüllte man die Grube wieder. Nach der Festigung des Bodens sind die Hölzer herausgezogen worden, so dass offene Röhren entstanden, in denen sich Grundwasser sammeln konnte. Plattige Steine bedeckten die gesamte Anlage. Das verdunstende Wasser sollte ein kühles Raumklima bewirken.Horst Fehr (2003). S. 44–45. Ein weiteres Detail bildete eine mit Holzdielen ausgekleidete Ablage, die möglicherweise zu einem Regal gehörte. Die Fundamente von Haus I bestehen aus unregelmäßig verlegter Grauwacke, die mit Kalkmörtel verbunden wurden. Aufgrund der sorgfältigen Abtragung des Gebäudes kann keine Schlussfolgerung über das aufgehende Mauerwerk getroffen werden. Für die Hypokaustheizung wurden Ziegelplatten verwendet, Architekturteile entstanden aus leicht zu verarbeitendem Tuff. Nach Aufgabe des Kellers wurde dessen Zugang sorgfältig und massiv vermauert. So wollte der Bauherr offenbar statische Schwierigkeiten für den darüber errichteten Neubau umgehen.Horst Fehr (2003). S. 60.

Heizraum Technisch und typologisch interessant war für die Archäologen die Aufdeckung eines Heizraums (Praefurnium), das von Norden her einen Raum von Haus I beheizte. Der Bedienraum lag unter dem Laufniveau und war über eine Steintreppe zu erreichen. Von hier aus führt ein nach Süden gerichteter langschmaler Gang, der ein falsches Tonnengewölbe besitzt. Nach zwei Metern ist dieser Gang bis auf rund halbe Höhe vermauert. Dahinter befindet sich ein gemauertes Podest mit einer lehmverkleideten Platte. Hier brannte das Feuer der Heizung. Der Gang selber verjüngt sich nach einem weiteren Meter und mündet in einem einst hypokaustierten Raum.Horst Fehr (2003). S. 18–19. Nach der Abräumung von Haus I wurde der Bedienraum als Keller weiterbenutzt.

Bad I Insbesondere die Osthälfte des knapp 200 Quadratmeter großen Badegebäudes konnte genauer untersucht werden, da diese unter dem weitgehend unverbaut gebliebenen Hof an der westlichen Stirnseite von Haus II zugänglich blieb. Die Privattherme wurde offenbar baulich getrennt im Abstand von rund zwölf Metern zur westlichen Giebelfront von Haus I errichtet. Obwohl auch dieser Trakt mit dem Haupthaus niedergelegt wurde, konnten die Ausgräber viele Bereiche der Anlage genau bestimmen. Die östlichen drei bestimmbaren Räume beinhalten einen beheizbaren Umkleidebereich (Apodyterium), ein von dort aus erreichbares Warmbad (Caldarium) mit halbrunder Apsis, in der sich eine Badewanne befand, sowie als nördlichsten Raum ein Schwitzbad (Laconicum). Diese Schwitzbäder hatten eine ähnliche Funktion wie die heutige Sauna, doch fanden keine Aufgüsse statt. Der wissenschaftliche Nachweis eines Laconicums gelingt nur selten und bezeugt in diesem Fall den Wohlstand, den bereits die Bewohner von Haus I besessen haben müssen. Der kreisrunde Grundriss des Schwitzbades ist in perfektem Zustand erhalten. In seinen vier Ecken befinden sich halbrunde Konchen. Das Laufniveau des Raumes wurde 0,60 Meter über dem Unterboden nachgewiesen. Dazwischen lag das nachgewiesene Hypokaustum.Horst Fehr (2003). S. 77–78.

Haus II Nach dem Abbruch von Haus I wurde in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts die Fläche auf einem einheitlichen Niveau planiert und eine sehr schwache Kalkung als Sauberkeitsschicht darübergelegt. Der darüber geplante Neubau vom Typ einer Portikusvilla besaß einen langschmalen Grundriss von 72 Metern Länge und 18 bis 20 Metern Tiefe, rund 1.000 Quadratmeter Nutzfläche. Im Gegensatz zum üblichen Grundriss dieses Villentyps besaß die Römervilla von Bad Neuenahr-Ahrweiler jedoch keine architektonisch betonende Eckrisalite. Wie teilweise vollständig umgefallene Wände belegen, besaß das Bauwerk einen gemauerten Sockel, auf dem eine Fachwerkkonstruktion (Opus Craticium) ruhte, deren Gefachung teils recht unterschiedlich ausgeführt war. An den Decken wurde Lehm verarbeitet, auf dessen Innenseite sich die Abdrücke der Trägerelemente erhalten haben, so dass daraus wichtige Erkenntnisse zur Konstruktion geschlossen werden können. Alle Wände des Hauses waren innen und außen mit zwei bis drei Schichten groben Unterputz belegt. Auf diesen Untergrund wurde eine Feinputzschicht mit Kalktünche als Malschicht aufgetragen.Horst Fehr (2003). S. 93. Die abgefallenen Putzschichten von den Decken offenbaren, dass etliche Räume der Villa mit flachen oder halbrunden Tonnengewölben ausgestattet waren. Möglicherweise kann dieser Befund auch auf andere anspruchsvoller ausgestattete Gutshöfe übertragen werden.

Portikus