Die Burgruine Schwalbennest, eigentlich Schadeck, ist die Ruine einer mittelalterlichen Hangburg in Felslage auf bei Neckarsteinach im Landkreis Bergstraße. Sie ist die jüngste der vier Neckarsteinacher Burgen Vorderburg, Mittelburg, Hinterburg und Schwalbennest.

Lage Anders als die drei anderen Burgen liegt die Burgruine Schwalbennest (Schadeck) nicht auf der Bergzunge, sondern neckarabwärts an einem steil abfallenden Bergmassiv.

Geschichte Die Burg wurde vermutlich vom jüngsten Sohn Ulrichs I. von Steinach, Ulrich II., als vierte und jüngste Burg der vier Burgen bei Steinach errichtet. Der Bauherr musste ein großes Stück aus der Felsenwand herausbrechen lassen, um genügend Baufläche für die Burg zu erhalten. Der Name der Burg, „Schadeck“ (früher: „Schadheck“) bedeutet Schwalbennest, und von diesem Namen leitet sich der Name der Adelslinie Landschad von Steinach, zur Unterscheidung der damals noch bestehenden weiteren Linien der Herren von Steinach, ab. Nach dem Aussterben der älteren Linie gelangten die Landschad auch in den Besitz der Vorderburg, so dass die kleine Schadeck 1335 von Bligger X. und Dieter I. Landschad von Steinach jeweils zur Hälfte an die Stifte in Worms und Mainz verkauft wurde. 1350 scheint der Wormser Teil gewaltsam an Mainz gelangt zu sein. 1395 war die Burg in zersplitterten Anteilen an die Nachkommen der Söhne von Eberhard von Rosenberg, des mainzischen Vogts zu Walldürn, verpfändet, die diese Anteile wiederum teilweise an weitere niedere Adelige abtraten. 1428 befand sich die gesamte Burg im Besitz des Mainzer Erzbischofs Konrad, der sie an Dieter II. Landschad von Steinach verpfändete. Die Burg blieb im Besitz der Landschad von Steinach und ging, da das bischöfliche Pfand nicht mehr eingelöst wurde, in den Allodialbesitz der Familie über, wo die Burg bis zum Aussterben der Hansischen Hauptlinie der Landschad mit dem Tod Dieters VIII. 1625 verblieb. Dieters VIII. Tochter Eva Elisabeth, Witwe Wolf Conrads Greck von Kochendorf, verkaufte Schadeck mit den restlichen Allodien der Landschad am 6. Mai 1657 an Wolf Heinrich Metternich zu Burscheid, der von Speyer und Worms die nach dem Aussterben der Landschad eingezogenen Lehen über den Ort, Vorderburg und Mittelburg sowie die halbe Hinterburg besaß. Nach Erlöschen der Burscheider Linie der Metternich 1753 gelangte nicht nur der frühere Lehensbesitz, sondern auch Allodialbesitz und damit die Schadeck an die Stifte zu Speyer und Worms. Nach 1803 kam der territoriale Besitz der Stifte an das Land Hessen, in dessen Besitz die Burg sich bis heute befindet.

Anlage mini|Grundriss des Schwalbennests mini|Gut erkennbarer Grundriss der Burg Schadeck in Neckarsteinach

Der Aufgang zur Burg war ursprünglich über einen Serpentinenweg möglich und später über einen in den Fels geschlagenen Halsgraben.

Statt des Bergfriedes verfügt die Burg über eine zweiflüglige Schildmauer, die mit der Spitze gegen das Felsmassiv zeigt. Auf der Schildmauer verläuft ein Wehrgang. Bei Umbauarbeiten im 15. Jahrhundert wurde der Palas in den geschützten, aber feuchten Winkel der Schildmauer verlegt und der Wehrgang erhielt an seinen beiden Enden jeweils einen Turm. Der achteckige Aufsatz auf dem nördlichen Turm stammt aus der Zeit der Romantisierung des 19. Jahrhunderts ähnlich der Mittelburg.

Eines der früheren Palasgebäude lag im jetzigen Hof, wo die noch sichtbaren Fensteröffnungen einen herrlichen Blick auf Neckarsteinach bieten und im Innern der Kernburg sind noch Reste von Wohngebäuden zu erkennen. mini|Burg Schadeck

Rezeption Um Neckarsteinach, die Landschad von Steinach und das Schwalbennest gibt es eine Vielzahl romantisch verklärter Sagen und Berichte. So erdachte auch der französische Dichter Victor Hugo im Jahr 1838 eine auf dem Schwalbennest angesiedelte Begebenheit:

Mark Twain beschreibt in seinem Buch Bummel durch Europa auch eine Floßfahrt auf dem Neckar von Heilbronn nach Heidelberg, bei der er auch an Neckarsteinach vorbeikam: "Die anmutigen Turme und Zinnen der beiden mittelalterlichen Schlösser »Das Schwalbennest« und »Die Brüder« verstärkten den romantischen Eindruck der Landschaft um die Flussbiegung zu unserer Rechten."

Sonstiges mini|Eine Inschrift auf dem Turm der Burgruine Schwalbennest

Auf einem der oberen beiden Türme findet sich eine rätselhafte Inschrift, die ins Jahr 1871 verweist. Ob ein Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg besteht, konnte noch nicht geklärt werden.

Literatur Walter Möller u. Karl Krauß: Neckarsteinach, seine Herren, die Stadt und die Burgen, Mainz 1928 Thomas Steinmetz: Burg Schadeck bei Neckarsteinach – Eine Burggründung Erzbischof Balduins von Trier. In: Der Odenwald. Zeitschrift des Breuberg-Bundes 55/3, 2008 S. 92–102. Thomas Steinmetz: Burgen im Odenwald. Verlag Ellen Schmid, Brensbach 1998, ISBN 3-931529-02-9, S. 85–88. Rolf Müller (Hrsg.): Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, ISBN 3-89214-017-0, S. 266.

Weblinks

Burg Schadeck / Schwalbennest auf der Seite burgenwelt.de Historische Rekonstruktionszeichnung aus Burgrekonstruktion.de

Einzelnachweise

Schwalbennest Kategorie:Bauwerk in Neckarsteinach Kategorie:Kulturdenkmal in Neckarsteinach Kategorie:Burg im Odenwald