mini|hochkant|Karl Faust Karl Faust (zeitweise auch als span.: Carlos Faust oder katal.: Carles Faust genannt) (* 10. September 1874 in Hadamar; † 24. April 1952 in Blanes an der Costa Brava) war ein deutscher Botaniker.
Der deutsche Geschäftsmann und Mäzen junger Wissenschaftler Karl Faust ließ sich 1897 in Katalonien nieder. Obwohl sein Interesse für Naturwissenschaften schon in jungen Jahren deutlich zu erkennen war, hielten es seine Eltern für besser, dass er einen kaufmännischen Beruf erlernte, damit er schnell für seinen Lebensunterhalt aufkommen und sie sich um seine Geschwister„Ich bin der älteste von sieben Geschwistern und mein Vater sagte: Wenn ich dich studieren lasse, wer weiß, ob ich dann noch Geld für die Kleinen erübrigen kann. Es blieb mir nichts anderes übrig, als mich zu fügen und dem Geschäftsleben zu widmen.“ Brief von Karl Faust an Josep Cuatrecasas, 19. Dezember 1948. Archiv der Stiftung Karl Faust (AFCF). kümmern konnten. Das Leben verschlug ihn nach Barcelona, wo er zuerst für das Unternehmen Gebrüder Körting arbeitete, sich später aber selbstständig machte. Erst nach seinem 50. Geburtstag wagte er es, seinen Jugendtraum wiederauszugraben und sein Leben von da an der Wissenschaft zu widmen. Er investierte sein Vermögen in die Errichtung eines botanischen Gartens, der gleichzeitig als Forschungs- und Lehrzentrum für Wissenschaftler aus Mittel- und Nordeuropa diente. Sie trafen in Blanes die besten Voraussetzungen dafür an, Pflanzen erforschen zu können, die nur in trockenem, tropischem Klima gedeihen. In ihren Heimatländern war das nur in Gewächshäusern möglich.
Er taufte seinen Garten auf den Namen Marimurtra, eine Zusammensetzung aus murtra, dem katalanischen Namen für Myrte, eine für den Mittelmeerraum typische Pflanze, und mar in Bezug auf das Mittelmeer, das zu Füßen des Gartens schimmert. Ein Patronat kümmert sich um die Belange der privaten Stiftung und ist seit seinem Tod für die Kontinuität seines uneigennützigen Projektes zuständig.
Biografie Kindheit und Jugend Karl Faust wurde in eine Familie des sogenannten Bildungsbürgertums hineingeboren, ein Begriff, der sich auf eine Gesellschaftsschicht bezieht, die in Deutschland nicht zuletzt aufgrund einer rasanten städtischen Entwicklung und einer neuen liberalen Staatsform entstand. Es handelte sich um eine gebildete und wohlhabende Schicht ohne adeligen Hintergrund, deren Bestreben es war, Einfluss in Staatsangelegenheiten zu üben. Dabei bediente man sich der durch fundierte Bildung – Humanismus, Wissenschaft und Literatur – erlangten Stellung in der Gesellschaft, die besonders in Bereichen wie Aufbau von Infrastruktur, Expansion von Handel und Industrialisierung sowie der Etablierung von staatlichen Institutionen zum Tragen kam. Aus diesem Grund wurde Faust auch auf die Bockenheimer Realschule geschickt, eine berufsorientierte weiterführende Schule mit gutem Bildungsniveau, auf der er bis zum Abschluss der Sekundarstufe bereits gute Kenntnisse in Wissenschaft und Sprachen erwerben konnte.
Bereits kurz nach Schulabschluss begann er, als Lehrling in dem Handelsbetrieb Besthorn in Frankfurt zu arbeiten. Dort blieb er, bis er zur Ableistung des Wehrdienstes beordert wurde. Er vereinte die Zeit beim Wehrdienst mit einer Arbeit in der Verwaltung der Kornbranntweinbrennerei und Likör- und Essigfabrik von Friedrich Meckel in Mühlheim (wo er seinen Wehrdienst ableistete). Auch wenn ihm seine Zeit beim Militär sehr zuwider war, so konnte er durch seine Arbeit in der Destillerie doch einschlägige Berufserfahrung sammeln. Außerdem hatte er es der Arbeit zu verdanken, dass er außerhalb der Kaserne wohnen durfte.
Im Sommer 1897, kurz nachdem er seine kaufmännischen Ausbildung in einer Schule in Frankfurt abgeschlossen hatte, wurde ihm eine Möglichkeit in den Schoß gelegt, die er nicht einfach ignorieren konnte: Herr Pütz, ein Freund seines Vaters, bot ihm eine Anstellung in der neuen Niederlassung an, die das Unternehmen Gebrüder Körting aus Hannover in Barcelona eröffnen wollte.
Ankunft in Barcelona Gebrüder Körting war auf den Verkauf von Ventilen, Rohren, Hähnen, Messgeräten für Flüssigkeiten und ersten rudimentären Heiz- und Lüftungssystemen spezialisiert, wodurch das Unternehmen eine führende Rolle im Bereich der technologischen Entwicklung spielte, die sich seit der Zweiten Industriellen Revolution rasant veränderte. Faust fiel es nicht schwer, sich die Arbeitsabläufe seiner neuen Anstellung anzueignen, und schon nach wenigen Jahren wurde er zum Geschäftsführer der spanischen Niederlassung des UnternehmensVollmachtsurkunde der spanischen Gebrüder Körting AG zugunsten von Herrn Karl Faust und Schmidt, 3. Juli 1903. AFCF. ernannt.
Karl Faust erlag schon bald dem besonderen Charme seines Gastlandes, in dem er das Land der blühenden Goldorangen-Bäume wiederzuerkennen glaubte, über das in dem von ihm so tief verehrten Werk Wilhelm Meisters Lehrjahre von Johann Wolfgang von Goethe gesprochen wird. Schon bald fand er Freunde, war beruflich erfolgreich und begann, in der neuen Heimat Wurzeln zu schlagen. Diese waren irgendwann so tief, dass er sich selbst später mehr als Katalane, denn als Deutscher einstufte. Er brachte sich voller Begeisterung in das gesellschaftliche und kulturelle Leben Barcelonas ein und wurde in zahlreichen in der Stadt vertretenen deutschen Kulturvereinen zu einem führenden Mitglied. Später trat er auch nationalen Clubs und Vereinen bei, wie dem Schwimmverein Club Natación Barcelona (dort war er eines der ersten Mitglieder und später auch kurzzeitig im Vorstand)La Il·lustració Catalana. Ausg. 386, S. 680, 23. Oktober 1910., dem katalanischen Wanderclub, dem Futbol Club Barcelona, dem Kammermusikverein und der Reitvereinigung Círculo Ecuestre. Überall lernte er herausragende Persönlichkeiten der großen deutschen Kolonie in Katalonien sowie der dortigen Sport- und Kulturszene kennen. Schon bald entwickelte sich daraus ein fester Freundeskreis. Man traf sich in der Wohnung, die er in der Calle Gran de Gràcia – damals noch Calle Salmerón – in Barcelona gemietet hatte und verbrachte launige Abende bei musikalischem und literarischem Austausch. Besonders wichtig für Faust war die Freundschaft zu dem Geiger Màrius Mateo, dem Wasserballer und Anwalt Ricardo Luján, dem kanarischen Dichter Néstor Martín Fernández de la Torre und dem Diplomaten Rafael Maspons de Grassot.
Faust und Kammann Eine Reihe von Meinungsverschiedenheiten mit der Geschäftsleitung von Körting führte dazu, dass Faust 1908 sich erste Gedanken darüber machte, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Derweil lernte er Wilhelm Kammann kennen, einen deutschen Geschäftsmann, dem er im Rahmen seiner Arbeit bei Körting begegnet war. Der etwas jüngere Landsmann hegte ebenfalls den Wunsch, sich selbstständig zu machen. Sie meldeten ihre Firma erst in Düsseldorf (Deutschland) und später in Spanien an. Das Unternehmen „Faust y Kammann“ gibt es noch heute.
Beide erkannten das Industriepotential Kataloniens und entschieden, sich mit ihrem Geschäft auf einem Gebiet zu spezialisieren, das sie beide gut beherrschten: Bau- und Ersatzteile sowie Maschinen und Industrieanlagen. Sie teilten sich die Aufgaben im Unternehmen auf. Faust kümmerte sich um die Verwaltung, während Kammann Geschäftsreisen übernahm und für den Kontakt mit Lieferanten und Kunden zuständig war. Ursprünglich wollten sie sich nur auf den An- und Verkauf von Maschinen und industriellem Zubehör wie Rohre und Metallteile konzentrieren. Sie erkannten jedoch schnell die guten Geschäftsmöglichkeiten und erweiterten ihr Angebot um Ventile, Hähne, Heizanlagen, Hubgeräte, Dampfkessel und Wasserpumpen. Anders als damals üblich, legten sie ihrer Ware Bedienungs- und Montageanleitungen sowie Sicherheitsempfehlungen zur Vorbeugung von UnfällenBARATECH, Maite. Faust y Kammann. 100 años de historia. Barcelona: Faust y Kammann, 2010, S. 12. bei. Damit waren sie ihrer Zeit weit voraus.
Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 wuchs das Unternehmen in sehr gutem Tempo. Obwohl die neutrale Haltung, die Spanien damals einnahm, sowohl die Herstellung als auch den Export von Produkten jeglicher Art in die im Krieg befindlichen Länder regelrecht begünstigte, bedeutete es für Faust und Kammann das Gegenteil. Ihr Geschäftsschwerpunkt war genau andersherum gelagert, und der Krieg brachte sämtliche Industriezweige zum Erliegen, die nicht mit der Herstellung von Kriegsmaterial zu tun hatten. Ihr Warenbestand war folglich in den nächsten vier Jahre sehr eingeschränkt. Ganz zu schweigen von den schwierigen Kommunikationsmöglichkeiten und dem beschränkten Warenverkehr in dieser Zeit. Bestellungen kamen meist gar nicht erst in Barcelona an. Das Unternehmen sah sich gezwungen, sich neue Lieferanten zu suchen und im Hinblick auf die Wirtschaftskraft und materielle Kapazität des Unternehmens einen gewaltigen Schritt nach vorne zu wagen: Es wurden erste direkte Kontakte in die Vereinigten Staaten geknüpft und das Stammkapital erhöht. Diesen Rückschlag überwunden, begann erneut eine Wachstumsphase, die so durchschlagend war, dass das Unternehmen Niederlassungen in Valencia, Sevilla, Madrid und Bilbao eröffnen konnte. Parallel dazu traten jedoch auch Unstimmigkeiten zwischen den Geschäftspartnern auf, die 1925 ihren Höhepunkt erreichten. Des Geschäftslebens müde, von den Umständen überwältigt oder einfach nur, weil für ihn der Moment gekommen war, sich mit Leib und Seele seiner Leidenschaft zu widmen – sein wahrer Beweggrund ist nicht bekannt – Tatsache ist jedenfalls, dass Faust Kammann seinen Wunsch mitteilte, ein Projekt umsetzen zu wollen, das ihn schon seit langem umgetrieben hatte: die Gestaltung eines botanischen Gartens an der Costa Brava. Einige Jahre zuvor hatte er bereits begonnen, Grundstücke aufzukaufen und den Entwurf eines Wohnhauses in Auftrag gegeben. Jetzt war für ihn endgültig der Moment gekommen, so bald wie möglich mit der Umsetzung der Gestaltung des Gartens zu beginnen. Er bat seinen Partner also darum, das Unternehmen „Faust y Kammann“ wirtschaftlich bewerten zu lassen und fragte ihn, ob er bereit wäre, das Geschäft alleine weiterzuführen. Kammann stimmte zuDie Änderung der Zusammensetzung der Geschäftsführung und die Namensänderung können im Grundbuch von Barcelona, Blatt 16.517 eingesehen werden (Faust y Kammann). Eine Kopie befindet sich im Archiv der Stiftung (AFCF).. Ganz so leicht war es dann allerdings doch nicht und der endgültige Ausstieg Fausts aus dem Unternehmen verzögerte sich bis Anfang der 40er Jahre. mini|hochkant|Karl Faust mit Solé i Pla
Die Vision von einem botanischen Garten Zwischen 1925 und 1927 gab Faust seine bis dato wichtigsten Verpflichtungen nach und nach ab und begann mit der Gestaltung des botanischen Gartens. Bereits während seiner ersten Jahre in Spanien, als er die Gegend wandernd erkundete, Freundschaften schloss und das Land kennenlernte, war er auf die Costa Brava und insbesondere den Fischerort Blanes aufmerksam geworden. 1918 hatte er damit begonnen, erste völlig mit Strauchheiden überwucherte Grundstücke an einem Steilhang über dem Meer zu kaufen. Dieser Landstrich zwischen dem Kloster „Sant Francesc“ und der Bucht „Sa Forcanera“ hatte es ihm irgendwie ganz besonders angetan.
Er scheute keine Kosten und Mühen, um seinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. 1921 hatte der Bau des Wohngebäudes und der Bibliothek bereits begonnen (eine Bibliothek, deren Bestand er bis zu seinem Tod stetig um weitere moderne und antiquarische Werke vergrößerte). Beide Gebäude wurden von dem renommierten Architekten Josep Goday entworfen, der auch für die architektonische Gestaltung des Gartens verantwortlich war. Einer der Höhepunkte war dabei die Errichtung eines von der Architektur der griechischen Antike inspirierten Pavillons an einer der zerklüftetsten Stellen des Geländes, von wo aus die Felsen steil ins Meer abfielen. Der Bau des Pavillons zog sich bis 1940 hin.