Die Hepatitis C ist eine durch das Hepatitis-C-Virus verursachte Infektionskrankheit beim Menschen. Sie zeichnet sich durch eine hohe Rate der Chronifizierung aus (bis 80 %), die im Verlauf zu schweren Leberschädigungen wie der Leberzirrhose und dem Leberzellkarzinom führen kann. Die Übertragung erfolgt parenteral über Blut.

Eine Therapie der chronischen Hepatitis C, also die vollständige Viruseliminierung, ist laut der Deutschen Leberstiftung durch den Einsatz von direkt antiviral wirksamen Substanzen in bis zu 99 % der Fälle möglich.https://www.deutsche-leberstiftung.de/presse/pressemappe/lebererkrankungen/virushepatitis/hepatitis-c/

Ein weiterer Internetartikel der Pharmazeutischen Zeitung aus 2020 spricht im Gegensatz dazu davon, dass das Hepatitis C Virus zwar nicht vollständig eliminiert werden könne, die Viruslast aber dauerhaft so weit reduzierbar sei, dass von Heilung gesprochen werden könne.

Eine Impfung gegen Hepatitis C gibt es bisher nicht.

Für die Entdeckung des Virus wurden im Jahr 2020 Harvey J. Alter, Michael Houghton und Charles M. Rice mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet.Meldung Nobelpreis für Medizin 2020, Süddeutsche Zeitung, 5. Okt. 2020

Erreger mini|hochkant=1.8|Nobelpreis in Physiologie oder Medizin 2020: Entdeckung und Charakterisierung des Hepatitis-C-Virus durch H.J. Alter, M. Houghton und C.M. Rice Das Hepatitis-C-Virus (HCV) wurde im Jahre 1989 mit Hilfe gentechnischer Methoden (Nachweis des Erbmaterials) erstmals identifiziertQ. L. Choo, G. Kuo u. a.: Isolation of a cDNA clone derived from a blood-borne non-A, non-B viral hepatitis genome. In: Science. Band 244, Nummer 4902, April 1989, S. 359–362, PMID 2523562. (vorher Hepatitis non-A non-B). Es ist ein 45 nm großes behülltes Einzel(+)-Strang-RNA-Virus und gehört zur Gattung Hepacivirus der Familie der Flaviviridae. Man kann sieben Genotypen und 67 Subtypen unterscheiden. So findet man beispielsweise in Europa und in den USA vorwiegend die Genotypen 1, 2 und 3 und in Afrika Typ 4. Bisher war man davon ausgegangen, dass der Mensch der einzige natürliche Wirt des Hepatitis-C-Virus ist. Ein internationales Wissenschaftsteam hat auf der Suche nach dem Ursprung des Erregers in Nagetieren viele Varianten von HCV-ähnlichen Viren gefunden. In Fledermäusen, aber auch großen Ratten konnten Antikörper gegen den Erreger nachgewiesen werden. Deshalb wird jetzt davon ausgegangen, dass sich diese Virus-Familie ursprünglich in Nagetieren entwickelt hat.Jan Felix Drexler, Victor Max Corman, Marcel Alexander Müller u. a.: Evidence for Novel Hepaciviruses in Rodents. In: PLoS Pathogens. 9, Nr. 6, 2013 doi:10.1371/journal.ppat.1003438

Übertragung Bei etwa 30 % der Erkrankungen lässt sich im Nachhinein der Infektionsweg nicht mehr nachvollziehen. Erhöhte Infektionsgefahr besteht heute für Konsumenten von Drogen wie Heroin, die intravenös konsumieren und dasselbe Spritzbesteck mit anderen Konsumenten teilen, wie auch für Personen mit nasalem Drogenkonsum durch gemeinsame Benutzung von (Schnupf)röhrchen. Auch Tätowierungen und Piercings sind bei Verwendung verunreinigter Instrumente ein Risikofaktor. Häufige Infektionswege sind die Verletzung mit spitzen und scharfen Instrumenten (Nadelstichverletzung (NSV)) bei gleichzeitiger Übertragung kontaminierten Blutes. Das Risiko der Ansteckung nach einer NSV mit bekannt positiver Indexperson wird in der Literatur mit 3 bis 10 Prozent angegeben. Es ist damit höher als das durchschnittliche Risiko der Übertragung von HIV, scheint aber wie beim HIV stark abhängig von der Virämie der Indexperson zu sein.

Auch betroffen waren bis etwa zum Jahr 1990 Hämophilie-Patienten, die zum Beispiel bei operativen Eingriffen auf Spenderblut/-plasma oder auf aus Menschenblut hergestellte Gerinnungspräparate angewiesen waren. Damals wurden Hepatitis C und auch B vielfach unbemerkt auf diese Patienten übertragen. Mit der Einführung moderner Testverfahren, mit deren Hilfe heute über 99 % der Hepatitis-C-positiven Spender identifiziert werden können, besteht nur noch ein minimales Risiko einer Ansteckung durch eine Blutübertragung. Ein weiterer möglicher Infektionsweg ist eine Lebertransplantation.

Die sexuelle Übertragung der Hepatitis C ist selten. Da das Virus durch Blut übertragen wird, sind Sexualpraktiken, die ein höheres Risiko von Schleimhautverletzungen beinhalten, wie der ungeschützte Analverkehr, mit höherem Risiko behaftet. Die Häufigkeit der Übertragung des Virus von der schwangeren Mutter auf das ungeborene Kind wird bei einer komplikationslosen Entbindung auf unter 5 % geschätzt. Bei einer Koinfektion mit dem HI-Virus kann die Übertragung auf bis zu 14 % steigen.

Die Inkubationszeit liegt zwischen 2 und 26 Wochen (6 Monaten).

Epidemiologie Die Prävalenz beträgt weltweit 2,6 %, in Deutschland 0,5 % und in den Hochrisikogebieten der Welt (dunkelrote Gebiete auf der Karte) 5,0 % und mehr – in der Mongolei bis 48 %.S. Fujioka, H. Shimomura u. a.: Prevalence of hepatitis B and C virus markers in outpatients of Mongolian general hospitals. In: Kansensh?gaku zasshi. The Journal of the Japanese Association for Infectious Diseases. Band 72, Nummer 1, Januar 1998, S. 5–11, PMID 9503777.

mini|300px|Verbreitung Hepatitis C (Stand 1999)

Stand 2019 leben weltweit 58 Millionen Menschen mit chronischer Hepatitis C, 400.000 sterben jährlich daran. Nach Einschätzung der WHO ist die Hepatitis C eine der Krankheiten mit den meisten Schädigungen und Todesfällen. Gleichzeitig sei es jedoch möglich sie auszurotten, da sie einfach zu diagnostizieren und zu behandeln sei.

Zur epidemiologischen Situation der Hepatitis C in Deutschland werden jedes Jahr durch das Robert Koch-Institut (RKI) Zahlen veröffentlicht. Diese belaufen sich für das Jahr 2005 auf 8308 gemeldete Erstdiagnosen.Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin. 13/2006. Davon wurden etwas mehr als 50 % labordiagnostisch festgestellt und waren ohne typisches klinisches Krankheitsbild. Die Unterscheidung zwischen akuten und schon länger bestehenden HCV-Infektionen ist labordiagnostisch nicht möglich.

Weltweit sind etwa 170 Millionen Menschen mit dem HC-Virus infiziert, in Deutschland sind 400.000 bis 500.000 Menschen davon betroffen.Robert Koch Institut: Epidemiologisches Bulletin 46/2005 (PDF 179 KB) 18. November 2005, Seite 425. Die Hauptrisikogruppe für eine HCV-Infektion sind intravenös injizierende Drogenkonsumenten, von denen 60 bis 90 Prozent Träger von HCV sind.G. Seger: Drogen und Hepatitis C: Neue Konzepte der Prävention gesucht. In: Dtsch Arztebl. Band 101, Nummer 27, 2004. Umgekehrt wiesen in einer US-amerikanischen Untersuchung 48,4 % aller anti-HCV-positiven Personen im Alter zwischen 20 und 59 Jahren einen intravenösen Drogenkonsum auf.G. L. Armstrong, A. Wasley u. a.: The prevalence of hepatitis C virus infection in the United States, 1999 through 2002. In: Annals of Internal Medicine. Band 144, Nummer 10, Mai 2006, S. 705–714, PMID 16702586.

Die beim RKI für Deutschland gemeldeten Fallzahlen haben sich seit dem Jahr 2000 folgendermaßen entwickelt:

Jahr gemeldete Fallzahlen 2000 5091Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI (PDF; 119 kB) 18. Januar 2002. 2001 4350Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI (PDF; 113 kB) 17. Januar 2003. 2002 6698Epidemiologisches Bulletin Nr. 2 des RKI (PDF; 172 kB) 16. Januar 2004. 2003 8762Epidemiologisches Bulletin Nr. 2 des RKI (PDF) 14. Januar 2005. 2004 8955Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI (PDF; 139 kB) 20. Januar 2006. 2005 8357Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI (PDF; 111 kB) 19. Januar 2007. 2006 7560Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI (PDF; 107 kB) 18. Januar 2008. 2007 6867Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI (PDF; 124 kB) 19. Januar 2009. 2008 6223Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI (PDF; 116 kB) 25. Januar 2010. 2009 5431Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI (PDF; 113 kB) 24. Januar 2011. 2010 4998Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI (PDF; 121 kB) 23. Januar 2012. 2011 5056Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI (PDF; 117 kB) 21. Januar 2013. 2012 4996Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI (PDF; 116 kB) 20. Januar 2014. 2013 5168Bulletin Nr. 3 des RKI (PDF) 14. Januar 2015. 2014 5825Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI (PDF; 195 kB) 20. Januar 2016. 2015 4872Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI (PDF; 128 kB) 18. Januar 2017. 2016 4422Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI (PDF; 238 kB) 17. Januar 2018. 2017 4733Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI (PDF; 238 kB) 17. Januar 2018. 2018 5899Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI (PDF; 2,5 MB) 16. Januar 2020. 2019 6633 2020 4522Epidemiologisches Bulletin des RKI, Nr. 1 2022 (PDF; 3,45 MB) 6. Januar 2022, Seite 59. 2021 471720227916Epidemiologisches Bulletin 1/2023 (rki.de) (PDF; 3 MB) 5. Januar 2023.202310511Epidemiologisches Bulletin 1/2025 (rki.de) 2. Januar 202520249665Epidemiologisches Bulletin 1/2026 (rki.de) 2. Januar 202620258002

Diagnostik Die Diagnose erfolgt durch Nachweis virusspezifischer Antikörper gegen Struktur- und Nichtstrukturproteine mittels Enzymimmunoassays und Immunoblots sowie durch Nachweis von Teilen des Virusgenoms (HCV-RNA) mittels Polymerase-Kettenreaktion (RT-PCR). Liegen ein sicher positiver Antikörpertest und eine im Abstand von mindestens drei Monaten mehrfach negative PCR vor, so kann von einer früheren ausgeheilten Infektion ausgegangen werden. Eine Leberbiopsie oder eine Lebersonographie können zuverlässige Aussagen über das Stadium der Krankheit (Stadium der Gewebsschädigung) treffen. Anders als bei anderen Hepatitiden sind die Transaminase-Werte des Bluts (GGT, GPT, GOT) häufig von der Schwere bzw. dem Stadium der Erkrankung unabhängig und daher kein sicherer Marker für den tatsächlichen Krankheitsverlauf.

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat festgelegt, dass die Diagnostik der infektiösen Hepatitisformen nicht von der bekannten Zugehörigkeit zu Risikogruppen abhängig gemacht werden soll. Vielen Patienten ist ihr Risikostatus nicht bewusst oder sie wollen keiner Risikogruppe angehören. Deshalb haben seit dem 1. Oktober 2021 alle gesetzlich versicherten Personen das Recht, sich im Rahmen des Check-up 35 einmalig auf Hepatitis-C und Hepatitis-B untersuchen zu lassen.

Verlauf Die Hepatitis C wird in der Akutphase aufgrund des meist symptomlosen oder symptomarmen Verlaufs (in 85 % der Fälle) oftmals nicht diagnostiziert. Mögliche Beschwerden nach einer Inkubationszeit von 20 bis 60 Tagen sind Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Gelenkschmerzen, Druck- oder Spannungsgefühl im rechten Oberbauch, möglicherweise auch ein Gewichtsverlust. Bei einigen Betroffenen kommt es zu einer Gelbsucht; der Urin kann sehr dunkel, der Stuhl lehmfarben sein.Centers for Disease Control and Prevention: Hepatitis C FAQs for Health Professionals Damit wird die Erkrankung in vielen Fällen vom Betroffenen gar nicht oder lediglich als vermeintlicher grippaler Infekt wahrgenommen. Die Akutphase geht jedoch in mehr als 70 % der Fälle in eine chronische Verlaufsform über. Aufgrund der hohen Virusvariabilität und der wahrscheinlich spezifischen Unterdrückung einer ausreichenden T-Zell-Antwort kommt es zu einer ständigen Vermehrung des Virus und damit zu einer chronischen Infektion.

Bleibt die Infektion dann unbehandelt, so führt sie bei ca. einem Viertel der Patienten im Langzeitverlauf nach etwa 20 Jahren zur Leberzirrhose. Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko für ein Leberzellkarzinom.

Im Verlauf einer chronischen HCV-Infektion kann es zu weiteren, meist antikörpervermittelten Erkrankungen kommen. Zu diesen zählen die Kryoglobulinämie (besonders häufig bei Genotyp 2), das Sjögren-Syndrom, die Panarteriitis nodosa und eine Immunkomplex-Glomerulonephritis.