Der 1. SC Göttingen 05 war ein Sportverein aus der niedersächsischen Stadt Göttingen. Gegründet wurde der Verein am 30. Juni 1905; am 18. September 2003 wurde er wegen Insolvenz aufgelöst. Seine Vereinsfarben waren Schwarz und Gelb. Nachfolgeverein ist der 2012 unter demselben Namen neugegründete 1. SC Göttingen 05.

Bekannt wurde der Verein durch seine Fußballabteilung. Fünf Jahre lang spielte die erste Mannschaft in der damals erstklassigen Gauliga Niedersachsen bzw. Südhannover-Braunschweig. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten die Göttinger zehn Jahre der erstklassigen Oberliga Nord an. Ende der 1960er Jahre scheiterte die Mannschaft dreimal in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga. Später spielte man noch vier Jahre lang in der 2. Bundesliga.

Ebenfalls überregional erfolgreich waren die Basketball- und die Handballabteilung. Die Basketballerinnen wurden fünfmal Deutscher Meister und einmal Pokalsieger. Die Handballer spielten insgesamt sechs Jahre in der 2. Bundesliga.

Geschichte Frühe Jahre (1905 bis 1933) Am 30. Juni 1905 versammelten sich einige höhere Schüler in der Gaststätte Zum Anker und gründeten den Göttinger Fußball-Club 05. Der Verein war ein Nachfolger des bereits 1898 gegründeten Göttinger Fußball-Clubs, der inzwischen aufgelöst war. Ursprünglich gehörte der Verein dem Westdeutschen Spiel-Verband an. Bereits im Jahr 1908 erreichte der Verein die seinerzeit erstklassige A-Klasse Hessen und traf dort auf Vereine aus Kassel und Fulda. Nach dem Abstieg 1911 dauerte es bis ins Jahr 1919, ehe der Wiederaufstieg gelang.

Durch gute Verbindungen zur Reichswehr konnte der Verein mit den spielstarken Vereinen aus Kassel mithalten. Die seit dem 4. Mai 1920 als VfR 05 Göttingen auflaufende Mannschaft konnte noch im selben Jahr die Meisterschaft der Kreisliga Südhannover feiern. Am 27. Mai 1921 erfolgte schließlich die Umbenennung in 1. SC Göttingen 05. Nach vielen Jahren im Mittelfeld der Tabelle rückte 1932 der Einzug in die westdeutsche Endrunde in greifbare Nähe. Die Endspiele um die Bezirksmeisterschaft gingen jedoch mit 0:3 und 1:4 gegen Borussia Fulda verloren. Mit 3.000 Zuschauern beim Heimspiel im 1926 eröffneten Stadion Maschpark konnte ein neuer Rekord aufgestellt werden.

Im Dritten Reich (1933 bis 1945) Saisondaten 1933–1945 Saison Liga Platz Tore Punkte 1933/34 GL Niedersachsen (I) 10. 31:60 8:28 1934/35 BK Südhannover (II) 6. 51:52 20:24 1935/36 BK Südhannover (II) 1. 48:18 26:6 1936/37 GL Niedersachsen (I) 10. 20:88 1:35 1937/38 BK Südhannover (II) 1. 80:17 33:1 1938/39 BK Südhannover (II) 1. 62:17 27:9 1939/40 BK Südhannover (II) 1. 56:17 23:1 1940/41 GL Nds.-Süd (I) 5. 14:42 4:16 1941/42 GL Nds.-Süd (I) 6. 10:46 2:18 1942/43 GL Südhannover-BS (I) 10. 28:113 5:29 1943/44 unbekannt 1944/45 unbekannt GL = Gauliga, BK = BezirksklasseNds. = Niedersachsen, BS = Braunschweig

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde auch der Fußball neu gegliedert. Der 1. SC Göttingen 05 wurde in die Gauliga Niedersachsen aufgenommen, entwickelte sich aber in den folgenden Jahren zu einer Fahrstuhlmannschaft. Mit sechs Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz musste der 1. SC die Gauliga auf Anhieb wieder verlassen. Nach der Rückkehr 1936 folgte der direkte Wiederabstieg. Lediglich einen Punkt konnte die Mannschaft für sich verbuchen und das Heimspiel gegen Werder Bremen wurde mit 2:10 verloren.

In den Jahren 1938 und 1939 scheiterten die Göttinger jeweils in der Aufstiegsrunde und mussten den Jägern aus Bückeburg bzw. dem SV Linden 07 den Vortritt lassen. Erst 1940 gelang der Mannschaft von Trainer Bernd Kellerhoff, 1932 als Spieler Deutscher Vizemeister mit Eintracht Frankfurt, der Wiederaufstieg. 1942 verhinderte die Aufteilung der Gauliga Niedersachsen in die Gauligen Südhannover-Braunschweig und Weser-Ems den Abstieg.

Ein Jahr später musste der 1. SC die Gauliga Südhannover-Braunschweig verlassen. Drei zweistellige Niederlagen musste die Mannschaft über sich ergehen lassen. Neben einer 2:12-Niederlage beim SV Linden 07 gab es ein 0:14 beim WSV Nebeltruppe Celle und als Tiefpunkt eine 0:21-Niederlage beim Meister Eintracht Braunschweig. Für die Saison 1944/45 war eine Spielklasse für den Großraum Göttingen geplant, an der der 1. SC teilnehmen sollte. Wegen des Zweiten Weltkriegs wurde die Runde abgebrochen.

Nachkriegszeit (1945 bis 1964) Saisondaten 1945–1963 Saison Liga Platz Tore Punkte 1945/46 OL Nds.-Süd (I) 6. 31:21 9:9 1946/47 OL Nds.-Süd (I) 9. 58:80 15:27 1947/48 LL Hildesheim (II) 1. 64:22 24:8 1948/49 Oberliga Nord (I) 11. 35:57 14:30 1949/50 Oberliga Nord (I) 13. 45:66 22:38 1950/51 Oberliga Nord (I) 9. 66:75 31:33 1951/52 Oberliga Nord (I) 6. 62:55 34:26 1952/53 Oberliga Nord (I) 5. 73:57 32:28 1953/54 Oberliga Nord (I) 10. 43:48 28:32 1954/55 Oberliga Nord (I) 13. 35:49 24:36 1955/56 Oberliga Nord (I) 8. 58:59 31:29 1956/57 Oberliga Nord (I) 10. 51:61 29:31 1957/58 Oberliga Nord (I) 16. 47:67 20:40 1958/59 AOL Nds.-Ost (II) 2. 72:35 40:20 1959/60 AOL Nds.-Ost (II) 9. 53:45 30:34 1960/61 AOL Nds.-Ost (II) 3. 69:46 38:26 1961/62 AOL Nds.-Ost (II) 5. 55:54 32:28 1962/63 AOL Nds.-Ost (II) 4. 53:33 38:22 1963/64 AOL Nds.-Ost (II) 2. 54:21 39:17 OL = Oberliga, LL = Landesliga, AOL = AmateuroberligaNds. = Niedersachsen

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste sich der 1. SC Göttingen 05 auflösen. Als Nachfolgeverein wurde im Juli 1945 Schwarz-Gelb Göttingen gegründet. Zahlreiche Vertriebene aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches ließen sich in Göttingen nieder, darunter zahlreiche Fußballspieler, von denen der Verein profitieren sollte. Für das südliche Niedersachsen wurde eine Oberliga mit zehn Mannschaften eingerichtet. Für Göttingen war ein Platz in dieser Liga vorgesehen, der durch ein Entscheidungsspiel zwischen Schwarz-Gelb und dem SVG Göttingia vergeben wurde. Die Schwarz-Gelben gewannen die Partie am 2. Februar 1946 mit 4:1.

Nach einem sechsten Platz in der ersten Saison verpasste man ein Jahr später als Neunter die Qualifikation für die neu geschaffene Oberliga Nord. Dies wurde ein Jahr später nachgeholt. Als Meister der Landesliga Hildesheim und nach erfolgreich abgeschlossener Ausscheidungsrunde gegen die anderen niedersächsischen Landesligameister wurde die Mannschaft punktgleich mit dem Itzehoer SV Dritter der Aufstiegsrunde. Das Entscheidungsspiel in Hannover wurde mit 3:0 gewonnen. Gleichzeitig durfte der traditionelle Vereinsname 1. SC Göttingen 05 wieder angenommen werden.

Auch wenn die Göttinger sportlich in der Oberliga Nord nicht mithalten konnten und die Saison auf Abstiegsplatz elf beendeten, wurde eine Fußballeuphorie in der Stadt ausgelöst. Die Heimspiele wurden im Schnitt von 11.000 Zuschauern besucht, was bis heute Vereinsrekord ist. Durch die Einführung des Vertragsspielerstatuts wurde der Abstieg ausgesetzt und die Oberliga Nord auf 16 Vereine aufgestockt.

In den folgenden Jahren kam es zum Aufschwung. Die Junioren wurden 1949 Niedersachsenmeister. Schon seit Januar des gleichen Jahres war der Stürmer Günter Schlegel aus Zeitz in der Mannschaft, der zum erfolgreichsten Oberligatorjäger der Vereinsgeschichte avancieren sollte. Während der Saison 1950/51 übernahm Göttingen 05 nach einem 2:0-Sieg über den Hamburger SV vor 22.000 Zuschauern zwischenzeitlich die Tabellenführung. Verletzungspech warf die Mannschaft auf Rang neun zurück.

Nach der Saison übernahm Fritz Rebell das Traineramt. Dieser führte die Mannschaft zunächst auf den sechsten, ein Jahr später gar auf den fünften Platz. Torjäger Schlegel wurde mit 26 Toren Torschützenkönig, verließ den Verein 1953 jedoch in Richtung Hamburger SV. Am Ende der Spielzeit 1952/53 wurde Göttingen 05 mit einer Geldstrafe belegt, da es beim Auswärtsspiel gegen Eintracht Osnabrück zu „Unregelmäßigkeiten“ gekommen war.

Wegen des komfortlosen und nur mit wenig Sitzplätzen bestückten Maschparks konnte Göttingen 05 nicht mehr mit den etablierten Oberligisten mithalten und fiel in den folgenden Jahren ins Mittelfeld der Tabelle zurück. 1955 wurde wegen eines Schuldenbergs in Höhe von 40.000 Mark über einen freiwilligen Rückzug aus der Oberliga nachgedacht. Nach mehreren Jahren im Mittelfeld folgte 1958 der Abstieg.

Der direkte Wiederaufstieg wurde verpasst, da das Entscheidungsspiel um die Teilnahme an der Aufstiegsrunde gegen Eintracht Osnabrück mit 0:1 verloren wurde. Die Mannschaft wurde daraufhin mit eigenen Talenten verjüngt und konnte 1963 durch einen 2:1-Sieg über Rot-Weiß Scheeßel den Niedersachsenpokal gewinnen. Zur Saison 1963/64 kehrte Fritz Rebell nach Göttingen zurück; er führte das Team zur Vizemeisterschaft. Die folgende Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord beendeten die Göttinger punktgleich mit dem VfL Pinneberg. Das Entscheidungsspiel in Bremen gewann Göttingen 05 mit 1:0.

Zwischen Regional- und 2. Bundesliga (1964 bis 1981) Saisondaten 1964–1981 Saison Liga Platz Tore Punkte 1964/65 Regionalliga Nord (II) 5. 62:40 37:27 1965/66 Regionalliga Nord (II) 2. 65:32 43:21 1966/67 Regionalliga Nord (II) 2. 65:24 45:19 1967/68 Regionalliga Nord (II) 2. 66:36 44:20 1968/69 Regionalliga Nord (II) 4. 66:51 42:22 1969/70 Regionalliga Nord (II) 5. 65:42 41:23 1970/71 Regionalliga Nord (II) 7. 63:42 38:30 1971/72 Regionalliga Nord (II) 5. 67:48 44:24 1972/73 Regionalliga Nord (II) 4. 60:36 43:25 1973/74 Regionalliga Nord (II) 10. 55:46 33:39 1974/75 2. Bundesliga Nord (II) 10. 60:66 39:37 1975/76 2. Bundesliga Nord (II) 11. 63:54 37:39 1976/77 2. Bundesliga Nord (II) 17. 57:67 31:45 1977/78 Oberliga Nord (III) 3. 82:47 45:23 1978/79 Oberliga Nord (III) 6. 48:39 35:33 1979/80 Oberliga Nord (III) 2. 75:37 48:20 1980/81 2. Bundesliga Nord (II) 18. 67:98 32:52

mini|Regionalligaspiel Holstein Kiel – Göttingen 05, Endstand 1:0, 4. April 1965 Die im seinerzeit modernen 4-2-4-System (vier Abwehrspieler, zwei Mittelfeldspieler, vier Stürmer) agierenden Göttinger wurden in der Regionalligasaison 1964/65 zur Überraschungsmannschaft und belegten auf Anhieb den fünften Platz. Schon eine Saison später konnte die von der Bild als „Rebellenelf“ bezeichnete Mannschaft die Vizemeisterschaft aufgrund des besseren Torquotienten gegenüber Holstein Kiel erringen. Die Mannschaft musste nun in einer Vorausscheidung zur Bundesliga-Aufstiegsrunde gegen den 1. FC Saarbrücken antreten und verlor beide Spiele.

1967 qualifizierte sich Göttingen 05 erneut als Vizemeister für die Aufstiegsrunde, konnte dort aber nur einen Sieg gegen Tennis Borussia Berlin erringen und wurde Vorletzter. Ein Jahr später erreichte der Göttinger Fußball seinen Zenit. Erneut nahm man an der Aufstiegsrunde teil und besiegte zum Auftakt den SV Alsenborn mit 3:0. Zwei unglückliche Niederlagen bei Hertha BSC und Rot-Weiss Essen ließen die Göttinger Chancen schwinden. In der Rückrunde platzten die Hoffnungen auf die Bundesliga durch Niederlagen in Alsenborn und beim FC Bayern Hof.

Zur Saison 1968/69 musste Göttingen 05 in das Jahnstadion umziehen, da der Maschpark einem Straßenbau weichen musste. Da sich der Verein wegen der Finanzierung eines neuen Stadions mit der Stadtverwaltung verkrachte, wurde auf eigene Kosten ein neuer Maschpark gebaut, der im Februar 1971 mit einem 6:0-Sieg gegen den Itzehoer SV eingeweiht wurde. Die Mannschaft hielt sich immer in der oberen Tabellenhälfte, kam aber nie wieder in die Nähe der Aufstiegsrunde.

Die Saison 1973/74 war überschattet von finanziellen Problemen. Zeitweise geriet der Verein in Insolvenzgefahr. Als Tabellenzwölfter qualifizierte sich die Mannschaft für die neu geschaffene 2. Bundesliga. Dort gelang ihr ein guter Start und nach einem 2:2 bei Borussia Dortmund übernahmen die Göttinger die Tabellenführung. In der Rückrunde rutschte die Mannschaft auf Platz 10 ab. In der folgenden Saison konnte das Niveau mit Platz 11 gehalten werden, jedoch rutschte der Zuschauerschnitt um die Hälfte nach unten.