Die Sächsische Bläserphilharmonie ist das einzige deutsche Berufsblasorchester in ziviler Trägerschaft. Es wurde 1950 als Rundfunk-Blasorchester Leipzig in Bad Lausick gegründet.
Geschichte Im Jahr 1948 formierte der Leipziger Rundfunk freischaffende Musiker zu einem losen Ensemble, das wöchentlich eine halbe Stunde live auf Sendung ging. Da die Sendung gut angenommen wurde, wurde am 3. Juni 1950 ein funkeigenes Blasorchester zur Produktion populärer Unterhaltungsmusik gegründet: das Rundfunk-Blasorchester Leipzig. Eine solche Gründung war europaweit einzigartig.Gerd Dietrich: Kulturgeschichte der DDR. Vandenhoeck + Ruprecht, 2019, S. 528 Zunächst als Unterhaltungsorchester konzipiert, erarbeiteten sich die 35 Musiker in der Folge zunehmend auch konzertante und sinfonische Blasmusik. Schwerpunkt blieb jedoch entsprechend dem Sendebedarf Unterhaltungsmusik.
Neben der Orchesterarbeit formierten sich auf Wunsch des Rundfunks mehrere kleine Besetzungen, die mit volkstümlicher Blasmusik und Tanzmusik populär wurden. So entstanden die Pleißentaler Musikanten, die Scherbelberger Musikanten sowie die Original Rosenthaler Musikanten.
Nach der Deutschen Wiedervereinigung übernahm der neu gegründete Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) nicht alle Klangkörper der alten Sendeanstalt. Zum 31. Juli 1992 erhielten die Musiker des RBO die Kündigung. Ein kleiner Kreis verbliebener Orchestermitglieder mühte sich erfolgreich um den Fortbestand. Staatliche Stellen gewährten finanzielle Unterstützung, der MDR gestattete die Weiterführung des Namens „Rundfunk-Blasorchester Leipzig“ und stellte den Notenfundus zur Verfügung. Seit 1995 wird das Orchester über das Sächsische Kulturraumgesetz finanziert und heute auch durch mehrere Förderer und Sponsoren unterstützt.
Die drei volkstümlichen Gruppen wurden 2001 aufgelöst und die Neuen Scherbelberger entstanden. Auch veränderte sich das Repertoire des Orchesters, in dem klassische Transkriptionen und originale Kompositionen für Bläserensemble größeren Raum einnehmen. Die Bläserphilharmonie hat zahlreiche CDs veröffentlicht, vor allem beim Label Genuin.CDs der Deutschen Bläserakademie bei GENUIN classics
2023 wurde die Sächsische Bläserphilharmonie mit einem Opus Klassik in der Kategorie „Ensemble/Orchester des Jahres“ ausgezeichnet.
Dirigenten 1950–1958: Werner Krumbein 1958–1959: Gerhard Baumann 1959–1969: Otto Kayser 1972–1981: Edgar Brand 1982–1988: Klaus Wiese 1988–1991: Gerhard Baumann (amtierender Chefdirigent) 1992–1994: Harald Weigel 1994–2001: Jochen Wehner 2002–2008: Jan Cober 2011–2020: Thomas Clamor seit 2021: Peter Sommerer
Besetzung Die Besetzung entspricht nicht dem heutigen internationalen Standard; das Ensemble setzt sich zusammen aus Piccoloflöte, Flöte, Oboe, Es-Klarinette, B-Klarinetten, Bassklarinette, Fagott, Hörnern, Trompeten, Tenorposaunen, Bassposaune, Flügelhörnern, Tenorhörnern, Baritonhorn, Tuben, Kontrabass, Pauke und Schlagwerker. Ein Großteil der gespielten Werke wurde daher für diese Besetzung arrangiert.
Deutsche Bläserakademie Die Deutsche Bläserakademie ist eine 1995 gegründete musikpädagogische Institution der Bläserphilharmonie. Sie bietet Qualifizierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für interessierte Amateur- und Berufsmusiker an, darunter Orchesterlehrgänge und die sogenannten D-, C- und B-Lehrgänge. Alle festangestellten Musiker des Orchesters sind zugleich Dozenten an der Deutschen Bläserakademie.
Weblinks
Website der Sächsischen Bläserphilharmonie Homepage der Deutschen Bläserakademie
Einzelnachweise
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