Die Burg Wallrabenstein (niederländisch Burcht Wallrabenstein, englisch Wallrabenstein Castle) ist die Ruine einer Burg im Ortsteil Wallrabenstein der hessischen Gemeinde Hünstetten im Rheingau-Taunus-Kreis. Sie gehörte zu Nassau-Idstein.
Geschichte Graf Walram IV. von Nassau-Idstein, der sich zeitweise auch urkundlich Walrab(e) nannteUrkunde: HHStAW Bestand 22 Nr. U 1190 abgerufen am 4. August 2023 in Verbindung mit HHStAW Bestand 22 Nr. U 1220 und U 1238 Urkunde: StadtA WI Bestand WI/U Nr. 1, abgerufen am 30. August 2023 Urkunde: HHStAW Bestand 170, Nr. U 815 abgerufen am 30. August 2023 und als solcher im Umfeld bekannt war,Die Limburger Chronik. Hrsg. von Christian Daniel Vogel. Marburg 1826; 2. unveränderte Auflage Krieger, Marburg 1828, S. 116 (Digitalisat), abgerufen am 10. September 2023Hünstetter Nachrichten, Mitteilungsblatt für die Gemeinde Hünstetten: Aus dem Gemeindearchiv – Frühe Nachrichten von der Wallrabensteiner Burg. Herausgeber: Gemeinde Hünstetten, Verlag Linus Wittich Medien KG, Höhr-Grenzhausen, Jahrgang 46 (2017), Nummer 11, Seite 3–4 Sohn von Graf Adolf I. von Nassau-Idstein veranlasste den Bau der Burg um 1390. Die Burg diente, zusätzlich zum Bechtheimer Gebück, zur Sicherung der Nordostgrenze des nassauischen Territoriums sowie des grenznahen Ortes Holtzhausen, dessen Bewohner sich in der Folgezeit direkt bei der Burg ansiedelten. Nördlich des nassauischen Territoriums zeichneten sich in den zur vormaligen Grafschaft Diez gehörigen Ländereien neue Machtkonstellationen ab. 1390 starb auch der ältere Bruders des Grafen, der streitbare und mächtige Erzbischof von Mainz, nach dem die Nassauer zunächst nicht mehr den neuen Erzbischof von Mainz stellten. Walram IV. selbst starb am 7. November 1393, 40-jährig, noch bevor sein Sohn Adolf II. von Nassau-Idstein die Burg im selben Jahr fertigstellen ließ. Später verpfändete dieser sie an Henne von Reifenberg.Christian Daniel Vogel: Beschreibung des Herzogtums Nassau. Wiesbaden, Verlag von Wilh. Beyerle, 1843, S. 823 1406 erfolgt durch neun Schiedsleute die Beilegung eines Zwistes über „Walrabenstein“ zwischen Adolf II. Graf zu Idstein und Hengin von Reifenberg.Urkunde: HHStAW Bestand 3001 Nr. 2 fol. 11 a abgerufen am 9. August 2023 1427 wurde „Walrabensteyn“ als Auszahlungsort des Mannlehens der Gebrüder Walpboden von Paffendorf (Pfaffendorf) festgelegt, die auch Burglehnsnehmer der Nassauer waren.Urkunde: HHStAW Bestand 121 Nr. U Walpode 1427 Juli 23 abgerufen am 5. September 2023
Ab 1439 wurde das „Schloß Walrabenstein“ von Graf Johann von Nassau an Marsilius von Reifenberg verpfändetUrkunde: HHStAW Bestand 133 Nr. U 40 abgerufen am 7. August 2023 und wohl weiter als Alterssitz genutzt. 1453 sitzt ein Henne von Reiffenberg (Hen von Riffenberg) im hus in Wallrabenstein.HHStAW Abteilung 133, Michelbach 9, Abschrift in Akten aus der Zeit nach 1476, Weidestreitangelegenheit zwischen Kettenbach und Michelbach im Aartal, Zettel dat. dinstag nach S. kilian tag 53., zitiert nach der Ausarbeitung von Rudolf P. Wuschek, „Ältere Nachrichten in chronologischer Reihe von Burg Wallrabenstein und deren Bewohner.“ Stand Juli 2006. abgerufen am 13. September 2026 Während der Mainzer Stiftsfehde schlossen Graf Johann von Nassau-Wiesbaden und Philipp von Katzenelnbogen 1463 einen Vertrag über die Neutralität ihrer beiderseitigen Schlösser, der auch „Walrabenstein“ umfasste.Urkunde: HHStAW Bestand 131 Nr. U 52 abgerufen am 4. September 2023 1473 schickt Junker Philipp von Reifenberg zu Wallrabenstein eingenommene Bußgelder an die Idsteiner Kammer.Repräsentation HHStAW Bestand 133, R 1 abgerufen am 13. September 2026. ...schicht jungher Philips von Riffenberg von wetten zu Walrabinsteyn... zitiert nach der Ausarbeitung von Rudolf P. Wuschek, "Ältere Nachrichten in chronologischer Reihe von Burg Wallrabenstein und deren Bewohner." Stand Juli 2006. Eine Idsteiner Kellerrechnung aus dem Jahr 1549 beweist, dass die Burg da noch bewohnt und in gutem Zustand war. 1551 schrieb allerdings der Bewohner der Burg, Martin Molnfritz (nassauischer Sekretär), an den Grafen Phillipp von Nassau-Idstein wegen des Verfalls der Burg.Sachakte: HHStAW Bestand 133 Nr. Wallrabenstein 32a abgerufen am 8. August 2023 Ebenfalls in 1551 kam es zu einer schiedsrichterlichen Einigung des Grafen Philipp I. von Nassau-Wiesbaden-Idstein mit der Stadt Bad Camberg wegen des Viehtriebs auf der SchwindewieseLAGIS Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen, Schwinnen-Wiese, Schwennen-Wießen abgerufen am 14. September 2026. bei dem Schloss Wallrabenstein.Urkunde: HHStAW Bestand 356 U 31 abgerufen am 14. September 2026. 1563 wurde der Bau der Pforten zu Wallrabenstein mit Beitrag der Gemeinden Bechtheim, Beuerbach und Ketternschwalbach initiiert, der sich jedoch über Jahre hinzog.Sachakte: HHStAW Bestand 133 Nr. Wallrabenstein 25 abgerufen am 10. September 2023 1564 überschrieb Graf Balthasar von Nassau-Idstein (1520–1568) seiner Gemahlin, Gräfin Margaretha von Isenburg (1542–1612/1613), „Schloß und Amt Walrabenstein“ mit den Dörfern Beuerbach, Bechtheim, und Kettern-Schwalbach zum Wittum.Urkunde: HHStAW Bestand 130I Nr. U 706 abgerufen am 10. September 2023 1567 verzichtete Gräfin Margaretha von Nassau, Gemahlin des Grafen Balthasar, nach Überweisung des Schlosses, Fleckens und Amtes Wallrabenstein auf alle Erbansprüche an die Wiesbaden-Idsteinschen Lande.Urkunde: HHStAW Bestand 130 I Nr. U 737 abgerufen am 15. Oktober 2023 1572 verpfändete Graf Johann von Nassau-Saarbrücken als Vormund des Grafen Johann Ludwig von Nassau-Wiesbaden-Idstein die zur Burg Wallrabenstein gehörigen Güter für 6 Jahre an Löer Henne.Urkunde: HHStAW Bestand 133 Nr. U 156 abgerufen am 4. September 2023 1577 bis 1578 erhielten die von Walderdorff ein Nassau-Idsteiner Burglehen von 6 Gulden im „Schloss Wallrabenstein“Sachakte: HHStAW Bestand 121 Nr. Walderdorff 35 abgerufen am 8. August 2023, von 1484 bis 1711 bestand ein Mannlehen.Sachakte: HHStAW Bestand 121 Nr. Walderdorff 17 abgerufen am 11. Oktober 2023
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg teilweise zerstört und unbewohnbar gemacht. Johann Graf zu Nassau schloss sich 1630 dem Schwedenkönig Gustav Adolf an und erklärte dem Kaiser den Krieg. Ab 1634 eroberten und plünderten kaiserliche Truppen die Herrschaft Idstein. Für 1639 ist im Rahmen von Auseinandersetzungen um die Rechte der Hofleute zu Kirberg die Burgfreiheit der Familien von Wallrabenstein dokumentiert.Sachakte: HHStAW Bestand 3036 Nr. HHStAW Abt. 171 Nr. A 42 abgerufen am 9. September 2023 1671 bestätigte Johann Graf zu Nassau seinen Untertanen in der Gemeinde Wallrabenstein Freiheit von Frondiensten, Leibeigenschaft und Besthauptabgaben, legte ihnen aber die Verpflichtung auf, nach und nach eine Mauer um den Ort zu bauen sowie Fuhren zu stellen für den Fall des Wiederaufbaus der Burg.Urkunde: HHStAW Bestand 360/527 Nr. 1 abgerufen am 9. September 2023Urkunde: HHStAW Bestand 133 Nr. U 321 abgerufen am 9. September 2023 1677 pachtete Philipp Schneider die herrschaftlichen Güter zu Wallrabenstein auf 6 Jahre unter Befreiungen von extraordinären Kriegsbeschwerden.Urkunde: HHStAW Bestand 133 Nr. U 332 abgerufen am 9. September 2023 1690 verkaufte Georg August Fürst von Nassau für 100 Reichstaler eine Wiese mit dem Schloßberg zu Wallrabenstein an den Schultheißen zu Wallrabenstein, Joh. Philipp Schneider.Urkunde: HHStAW Bestand 133 Nr. U 373 abgerufen am 9. Oktober 2023 1706 kam es zum Verkauf der Burg und nachfolgend zu Streitigkeiten. Auszug aus der Verkaufurkunde der Burg Wallrabenstein im Internetauftritt der Gemeinde Hünstetten, 4. Seite, "Die Burg wird bürgerlich" abgerufen am 15. Oktober 2023Sachakte: HHStAW Bestand 133 Nr. Wallrabenstein 32 abgerufen am 9. August 2023 Bis das Anwesen in den heutigen Privatbesitz gelangte, waren mehr als vierzehn Eigentümer zu verzeichnen.Unser Wallrabenstein - 600 Jahre Burg. Herausgegeben vom Vereinsring Wallrabenstein, Wallrabenstein 1993, S. 39–40 (Ansichtsexemplar einsehbar im Gemeindearchiv Hünstetten )
Anlage Die Ruine aus lokalem Schieferbruchstein zeigt noch die Schildmauer mit sechseckiger Ecktourelle auf der südöstlichen und einer Rundtourelle an der südwestlichen Ecke der Anlage. Da Südwest- und Südostseite Hauptangriffsseiten der Hangburg waren, weist hier die Schildmauer mit 2,55 m eine etwas höhere Mauerstärke als der nach Nordosten gerichtete Abschnitt auf.Hans Hermann Reck: Eine bauhistorische Voruntersuchung der Burgruine Wallrabenstein im Rheingau-Taunus-Kreis. Nassauische Annalen - Jahrbuch des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, Band 134, Wiesbaden, Verein für Altertumskunde und Geschichtsforschung, 2023, S. 61–78. In einzelnen Bereichen sind noch Reste des Rundbogenfrieses unterhalb der Brustwehr zu sehen, erkennbar an den Kragsteinen. Der Wehrgang wird über Rundbögen auf der Innenseite an den Tourellen vorbei geführt. Darüber hinaus ist noch ein Großteil des Hauptturms mit einer Resthöhe von 14 m in der Südwestmauer erhalten. Dieser ragt aus der Schildmauer nur wenig nach außen vor und hat bei einer Mauerstärke von 2 m einen für einen Bergfried relativ kleinen Gesamtdurchmesser von 6,5 m. Das ursprünglich nicht direkt zugängliche Erdgeschoss besitzt ein Kreuzgratgewölbe mit „Angstloch“. Der einzige Zugang zum Turm befand im oberen Geschoss über ein noch erhaltenes Rundbogentor vom Wehrgang aus Nordwesten. Die Schildmauer ist vom Hauptturm bis zum nordöstlichen Schenkel wahrscheinlich im Mauerverbund entstanden, worauf auch die durchgängigen Rüstlochreihen hinweisen. Aufgrund des nach Südosten abfallenden Geländes beträgt die Außenhöhe der Schildmauer zwischen 9 und 12,5 m. Der spitzbogige Zugang zur sechseckigen Tourelle, die die Schildmauer um ca. 5 m überragt, erfolgt über die Brustwehr. Der Unterbau beider Tourellen ist massiv. Das 2,6 m breite und ca. 4 m hohe spitzbogige Haupttor der Burg, mauerseitig weitgehend original erhalten, führte in den Burghof. Das ehemalige Bodenniveau des Eingangs kann anhand der noch vorhandenen Löchern zur Aufnahme eines Riegels (Querbalkens) grob abgeschätzt werden. Im Burghof befindet sich heute an der Innenseite der Schildmauer ein als Schuppen genutzter Fachwerkanbau. Im daran anschließenden, etwas erhöhten nordwestlichen Teil der Burg sind die Ringmauern bis zum Bodenniveau abgetragen und nur noch als Stützmauer an den Steilhängen erhalten. Inwieweit sich in diesem erhöhten Teil Reste eines in der Rekonstruktionszeichnung von Wolfgang Braun Wolfgang Braun auf burgenrekontruktion.de Abgerufen am 24. September 2026. vermuteten Nutzgebäudes verbergen, ist unklar. An den nordöstlichen Schenkel der Schildmauer schloss sich ehemals nach Nordwesten ein Wohnbau mit drei Vollgeschossen an. Die Nutzung des unmittelbar vor der Burg liegenden Bereichs als Misthaufen, später Hochbeet mit wasserdurchlässigem Untergrund könnte darauf hindeuten, dass hier ein von Wolfgang Braun vermuteter Burggraben aufgefüllt wurde. Die aufwändige Stützmauer zur Hangbefestigung unterhalb des Geländes vor dem Zugang zur Burg besteht teilweise aus Trockenmauer und Rundbogen und deutet auf eine frühe Nutzung des Geländes als Vorhof, eventuell Wirtschaftshof der Burg hin.
Das Büro des Burgenforschers Joachim Zeune ordnet die Burg Wallrabenstein wie die nahezu gleichzeitig entstandenen nassauischen Burgen Ardeck und Philippstein dem Typ der Schildmauerburg zu.Infotafel bei Burg Philippstein: dasLahntal - Der stille Traum der Natur / die lahnburgen / burg philippstein Text und Konzeption: Büro für Burgenforschung Dr. Zeune, Eisenberg-Zell; internet: www.burgenforschung-zeune.de; Gestaltung: designgruppe koop, nesselwang; Copyright: Burgenverlag 2001 Dr. Zeune und Koop Schildmauerburgen waren demnach eine Reaktion auf das Aufkommen weitreichender Wurfmaschinen, die zwischen 1250 und 1400 große Verbreitung fanden.