Die Grube Pfannenberger Einigkeit war ein Eisenerzbergwerk zwischen Salchendorf und Eiserfeld im südlichen Siegerland. Sie lag auf dem unteren Südhang des Pfannenbergs auf ca. Höhe und war mit 1338 m Teufe zeitweilig die tiefste Grube Europas. Das im Siegerländer Platt auch „Pammerich“ genannte Bergwerk wurde im April 1962 als letztes im damaligen Kreis Siegen geschlossen und hatte bis dahin 8,551 Mio. t Eisenerz gefördert.
Gangmittel und Erzvorkommen
Zum Pfannenberger Gangzug gehören die ost-west-streichenden Gangmittel Alter bzw. Junger Weinsmann und Mittelberg, weiter am Ostende Junger Pfannenberg und folgend die Mittel Spatmittel und Spülbütte. Außerhalb der Grube Pfannenberger Einigkeit gehörten die Mittel Kreutzbach im Norden, Bucher Gang, Rinnchen und Arbach im Westen zum Pfannenberger Gangzug.
Die Erzvorkommen der Grube haben sich mit zunehmender Teufe verbessert, im Gegensatz zu anderen Siegerländer Gruben, bei denen sich die Vorkommen auf den mittleren Teufen verloren. Das Gangmittel Mittelberg war knapp 115 m lang und führte 1–4 m mächtigen Spateisenstein.T. Hundt, G. Gerlach, F. Roth, W. Schmidt: Beschreibung der Bergreviere Siegen I, Siegen II, Burbach & Müsen. Bonn 1887. Die Gangmittel Alter Weinsmann und Mittelberg verschwanden zwar bei 100 m Teufe, das Gangmittel Junger Pfannenberg nahm dafür zu. In 300 m Teufe hatte das Mittel eine Mächtigkeit von bis zu 12 m, ab 400 m nahm es wieder ab und verschwand ganz in ca. 700 m Teufe. In den oberen Teufen führte es Brauneisenstein, in größerer Teufe trat bis zu 5 m mächtiger Spateisenstein auf. Der Gang Junger Weinsmann führte genau wie Junger Pfannenberg in oberer Teufe Braun-, mit zunehmender Teufe Spateisenstein und war bis zu 40 m lang.
Das Gangmittel Spülbütte wurde auf allen Sohlen abgebaut. An der Erdoberfläche hatte es eine Länge von 20 m, in 900 m Teufe war es 530 m lang bei einer Mächtigkeit zwischen 3 und 20 m. In 400 m Teufe hatte die Gangfläche ihre größte Ausdehnung mit 4200 m³.Otto Braun: 700 Jahre Neunkirchen. Neunkirchen 1988, S. 134–138. In 600 m Teufe betrug die Mächtigkeit des Erzgangs an einer Stelle bis zu 30 m. Auf dieser Sohle betrug die abzubauende Gangfläche 3000 m², in 1020 m Teufe betrug diese Fläche nur noch 1185 m². Durch Untersuchungen fand man das Mittel jedoch versetzt wieder; in 1120 m Teufe betrug die abbauwürdige Fläche 1935 m². Auf der tiefsten Sohle der Grube hatte das Mittel nur noch eine Fläche von 715 m², die Abbauwürdigkeit ging damit zu Ende. Dies bestätigten auch bis zu 150 m tiefere Kernbohrungen. Ausgefüllt war das Mittel durch Spateisenstein mit Kupferkies.
Mineralien mini|Ein Bergkristall (Quarz) mit Siderit (Spateisenstein) aus der Grube Pfannenberger Einigkeit. In der Grube Pfannenberger Einigkeit wurden zahlreiche Mineralien gefunden. Im regionalen Umfeld fällt der Name Pfannenberg meist, wenn es um Bleiglanzstufen geht. Die im Bergwerk gefundenen Milleritstufen (Nickelkies) hatten bis zu 4 cm lang ausgebildete Nadeln. Neben diesen fand man Pyrite (Schwefelkies oder Katzengold), Sphalerite (Zinkblende), Antimonite (Antimonglanz), Chalkopyrite (Kupferkies) und Ankerite (Braunspat) auf dem Pfannenberg.
Gelände und Übertageanlagen 300px|links|Übertageanlagen In der Mitte des zum Schluss etwa 70.000 m² großen Grubengeländes lagen die 1923 gebaute Aufbereitungsanlage sowie die anschließenden Röstöfen. Direkt im Anschluss daran stand das Fördergerüst des Hindenburgschachtes und weiter das Fördermaschinenhaus des Schachtes, westlich das Kesselhaus. Südlich des Fördergerüstes lagen die Werkstätten der Grube. Südwestlich davon die um dieselbe Zeit gebaute Verwaltung sowie die Waschkaue. Der modernste Teil der Tagesanlagen (1920–1923) wurde auf einer Halde der Grube errichtet.
Nördlich des Hindenburgschachtes lag das Fördergerüst des Bismarckschachtes sowie südwestlich dessen Fördermaschinenhaus. Östlich der Röstöfen wurde 1956 eine moderne magnetische Aufbereitungsanlage gebaut. Heute dient sie als Lager.
Nordwestlich der 1923 gebauten Aufbereitung wurde 1907 der Gleisanschluss der Freien Grunder Eisenbahn gebaut. Ein viertes Gleis führte südlich an der Aufbereitung vorbei bis zur Zimmerei der Grube am unteren Hang der Halde, wo es sich in zwei Gleise teilte. Dieses Gleis existiert auch heute noch und dient in Fertigungshallen zum Verladen von Coils.
Der nördlich vom Verladebahnhof gelegene Teil der Grubenanlage war der älteste der Grube und existierte nur bis in die 1930er-Jahre. Die alten Aufbereitungs- und Röstanlagen und das Fördergerüst des Alten Schachtes sowie dessen Fördermaschinenhaus (beide 1898 neu errichtet) und die westlich gelegenen Schmieden und nördlichen Werkstätten wurden bis 1932 genutzt und danach abgerissen.
Von den früheren Tagesanlagen existieren heute neben dem roten Hochhaus noch das 1923 gebaute Verwaltungsgebäude sowie die anschließenden Werkstätten und das Fördermaschinenhaus des Hindenburgschachtes. Das Maschinenhaus des Bismarckschachtes wurde in den 1980er-Jahren abgerissen.
Geschichte Anfänge und Zusammenschluss Ein 450 m langer Pingenzug am Pfannenberg zeugt vom alten Bergbau. Bereits im 18. Jahrhundert wurde hier nachweislich nach Erz gesucht. Ab etwa 1800 begann man am Pfannenberg intensiver danach zu suchen, 1808 wurde der Obere Stollen, 1810 der Tiefe Pfannenberger Stollen in der Nähe des heutigen Reitplatzes angelegt.Otto Braun: 700 Jahre Neunkirchen. Neunkirchen 1988, S. 134/137. In diesem Jahr schlossen sich dann mehrere kleine Gruben südlich des Pfannenbergkopfes mit denen am Pfannenberg zur Grube Pfannenberger Einigkeit zusammen: Alter Pfannenberg nebst Wüste und Fluchter Pingen (Flucht) Alter Weinsmann Junger Pfannenberg Mittelberg Neuer Weinsmann Spülbütte
Ab den 1830er Jahren ruhte die Förderung, da das aufgeschlossene Erz über den Oberen Stollen abgebaut war. Erst als 1841 der Tiefe Stollen den Gang erreichte, wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Um 1860 wurde im Tiefen Stollen ein Gang zu den Feldern Ochs samt Streitberg, Neumann und Saalweide getrieben. Bald darauf begann man, Gesenke anzulegen, um tieferes Erz fördern zu können. Das Mittelberger Gesenk im Erzgang Mittelberg erreichte 1863 15 m und eine Gesamtteufe von 31 m. 1875 wurde die Förderung abermals eingestellt.
Bereits 1860 machte man sich daran, nach neuen Wegen zu suchen, um an das Erz zu kommen. Man beteiligte sich am Tiefen Kohlenbacher Stollen, der zur Grube Brüderbund gehörte und erreichte mit einem Flügelort nach 303 m den Erzgang am Pfannenberg.
Tiefbau und Glanzzeit links|300px|Schacht- und Sohlenprofil mini|Das erste Fördergerüst des Alten Schachtes 1890
Nachdem man die Erzvorräte über Stollen abgebaut hatte und feststellen musste, dass die Entwicklung der Gangmittel positiv war, entschloss man sich, eine Tiefbauanlage zu errichten. Der Alte Schacht wurde ab 1872 abgeteuft und erreichte 1880 bereits die 100-m-Sohle, 1886 die 150-m-Sohle, 1892 die 200-m-Sohle, 1896 die 250-m-Sohle und eine Gesamtteufe von 450 m. 1881 wurde man mit dem 303 m langen Flügelort zum Tiefen Kohlenbacher Stollen durchschlägig, die Förderung kam wieder in Gang. Die Maschinerie, anfangs eine 12 PS starke Zwillingsdampfmaschine, reichte nur bis in 450 m Teufe, zudem hatte man Probleme mit der Wetterführung.
1890 baute man eine Seilbahn über die Höhe zum Bahnhof Kohlenbach der Eisern-Siegener Eisenbahn. Teilmengen des Erzes wurden jedoch weiterhin mit Pferdefuhrwerken nach Herdorf zur Friedrichshütte gefahren.Otto Braun: 700 Jahre Neunkirchen. Neunkirchen 1988, S. 135. Dies änderte sich mit dem Anschluss an die Freien Grunder Eisenbahn 1907. 1898 wurden das Fördergerüst des Alten Schachtes durch ein neues ersetzt und neue Anlagen gebaut bzw. die alten modernisiert, da man im Jahr zuvor einen hohen Bruttoüberschuss erzielen konnte und dieser zu Investitionen ermutigte.
Während 1872 die Kuxe der benachbarten Grube Arbacher Einigkeit noch mehr Wert hatten als die des Pfannenbergs, war dies 1898 genau umgekehrt. Im November des Jahres beschlossen die Pfannenberger Gewerken, 100 Arbacher Kuxe aufzukaufen. Bereits 1901 wurde Arbacher Einigkeit stillgelegt.
Mittlerweile hatte die Förderung 81.700 t (1899) erreicht und man beschloss, einen zweiten Schacht abzuteufen. Im Jahr 1900 wurde dieser Schacht, der Bismarckschacht, abgeteuft. Er wurde 1903 in Betrieb genommen und sollte später bei einem Durchmesser von 4 m bis auf 907 m in die Tiefe gehen. Folgende Teufen wurden erreicht: 1902: 300 m 1906: 400 m 1908: 450 m 1912: 500 m 1913: 550 m 1915: 600 m
Neuanlagen – Kostenaufstellung im Mai 1920 1. Schachtgerüst / -gebäude 2.500.000 Mark 2. Aufbereitung 6.600.000 Mark 3. Fördermaschine / -gebäude 2.000.000 Mark 4. Luftkompressor 2.000.000 Mark 5. Elektrische Anlagen 450.000 Mark 6. Zechenhaus / Waschkaue 1.800.000 Mark 7. Werkstätten / Magazin 1.000.000 Mark 8. Kesselanlagen 3.000.000 Mark 9. Erdbewegung 1.800.000 Mark 10. Bahnhofumbau / Schrägaufzug 1.550.000 Mark 11. Wasserwirtschaft / Hochbehälter / Kanalisation / Leitungen 500.000 Mark Gesamtkosten 23.000.000 Mark
In den Jahren 1904 bis 1905 wurden die Tagesanlagen modernisiert und ein neues Zechenhaus und ein Wohnhaus errichtet. 1907/08 wurden neue zusätzliche Rostöfen gebaut und das Kesselhaus erweitert. 1912 bzw. 1914 folgten vier weitere Rostöfen. Die Förderung stieg weiterhin bis auf 142.380 t im Jahr 1907. Seine höchste Förderung hatte der Pfannenberg 1913 mit 185.718 t abgebautem Gestein. 1943 erreichte man zwar Höchstleistungen von 210.581 t, doch dabei handelte es sich mehr um Raubbau im Zuge des Zweiten Weltkrieges und nicht um rentablen Abbau. Die rentable Bewirtschaftung der Grube ging schon mit Anfang des Ersten Weltkrieges mehr zurück, das rentabelste Jahr der Grube war das Jahr 1914. Die Förderraten hielten sich bis Anfang der 1920er Jahre fast auf dem Niveau von 1913. Nach dem Ersten Weltkrieg mussten die Aufschluss- und Vorrichtungsarbeiten, die im Krieg zurückgefahren wurden, um die Förderquote halten zu können, nachgeholt werden. Die meisten Gewerken waren über die Rentabilität der Grube verunsichert und verkauften ihre Anteile an Ruhrkonzerne. Die Grube ging daraufhin in den Besitz der Vereinigten Stahlwerke AG und der Klöckner AG über.Otto Braun: 700 Jahre Neunkirchen. Neunkirchen 1988, S. 138.
Bereits 1912 wurden Pläne entworfen, einen dritten Schacht abzuteufen, doch erst nach dem Besitzerwechsel wurden diese Pläne realisiert. Ab 1920 wurde der Hindenburgschacht abgeteuft, dies war auch von Vorteil, da der Alte Schacht und der Bismarckschacht im Ersten Weltkrieg sehr in Anspruch genommen wurden und ein neuer Schacht nötig wurde. Der neue Schacht hatte einen Durchmesser von 4,5 m und ging 1924 in Betrieb. 1925 erreichte er die 600-m-Sohle, die gesamte Teufe des Hindenburgschachtes erreichte 1032 m. Der Schacht war damit der dritttiefste Schacht im Siegerland nach den Schächten Ludendorf (Neue Haardt) und Füsseberg I.
Im gleichen Jahr wurden die neuen Tagesanlagen fertiggestellt und in Betrieb genommen. Diese bestanden aus einem Fördergerüst und -gebäude mit anschließender Aufbereitungsanlage, einem Fördermaschinenhaus und einem langen Verwaltungsgebäude inklusive Zechenhaus, Waschkaue und Werkstätten.
Nachdem der Alte Schacht 1927 zusammenbrach, wurde sein Fördergerüst 1932 abgebrochen und zwei Jahre später auf der Spitze des Berges als Aussichtsturm wieder aufgebaut (siehe Pfannenbergturm).
Förderung und Belegschaft Jahr Fördermenge 1859 750 t 1865 H. D. Gleichmann: Die Grube Bautenberg bei Unterwilden, Artikel 2.348 t 1866 2.782 t 1869 5.475 t 1884 13.377 t 1885 11.869 t 1891 26.362 t 1893 40.600 t 1895 41.006 t 1896 56.691 t 1899 81.700 t 1900 88.669 t Jahr Fördermenge 1901 79.080 t 1902 60.213 t 1903 106.309 t 1904 79.100 t 1906 134.418 t 1907 142.380 t 1909 117.969 t 1910 140.123 t 1913 185.718 t 1926 87.075 t 1932 16.210 t Jahr Fördermenge 1943 210.581 t 1945 10.317 t 1952 124.000 t 1957 160.833 t 1961 145.047 t