Machern ist eine Gemeinde im Nordosten des Landkreises Leipzig in Sachsen.
Geographie und Verkehr Machern liegt 18 Kilometer östlich von Leipzig, etwa 10 Kilometer westlich von Wurzen und etwa 12 Kilometer südlich von Eilenburg. Am Ort Püchau führt die B 107 in Richtung Norden nach Eilenburg und in Richtung Süden nach Wurzen. Östlich der Gemeinde fließt die Mulde.
Die B 6 verläuft durch den Ortsteil Machern; die Bahnstrecke Leipzig–Riesa–Dresden verläuft durch die Ortsteile Machern und Gerichshain. Die südlich der Gemeinde verlaufende A 14 ist über den etwa fünf Kilometer entfernten Autobahnanschluss Naunhof zu erreichen.
Die Stadt Leipzig ist im halbstündlichen Rhythmus von den Ortsteilen Machern und Gerichshain in ca. 20 Minuten mit der S-Bahn erreichbar.
Ortsteile Dögnitz Gerichshain Lübschütz Machern Plagwitz Posthausen Püchau
Geschichte mini|Schloss Machern Machern wurde erstmals im Jahr 1015 von Bischof Thietmar von Merseburg in seinen Chroniken als Mucherini erwähnt.Erwähnung von Mucherini in Chronicon Thietmari Merseburgensis Der Ort gehörte zum Bistum Merseburg. 1268 wurden Machern und Brandis getrennt – von da an gibt es die selbstständige Pfarrkirche St. Nikolai zu Machern.
Von 1465 bis 1802 – also für 337 Jahre – lenkte vom Schloss Machern aus das Adelsgeschlecht von Lindenau die Geschicke des Ortes. Heinrich von Lindenau brachte aus Wittenberg den Mönch Conrad Kluge mit, der 1521 erster protestantischer Pfarrer in Machern wurde – 18 Jahre vor Einführung der Reformation.
1585 wütete die Pest in Machern; 141 Menschen starben. 1632 plünderten und zerstörten Wallensteins Truppen den Ort samt Rittergut und schleppten erneut die Pest ein.web.archive.org, abgerufen am 27. Februar 2020. mini|Gedenkstein zum Beginn des Eisenbahnbaus 1836 in Machern Im Jahr 1782 ließ Reichsgraf Carl Heinrich August von Lindenau eine einstmals barocke Gartenanlage zu dem Landschaftsgarten von Machern umgestalten. Von 1806 bis 1945 lenkte die Familie Schnetger die Geschicke Macherns.
Der Ort Machern hat seit 1838 Anschluss an die älteste Ferneisenbahn Deutschlands, die Leipzig-Dresdner Eisenbahn. Die Bauarbeiten begannen zwei Jahre zuvor 1836, woran ein Gedenkstein erinnert.
Machern lag bis 1843 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Erbamt Grimma.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 60 f. Zwischen 1843 und 1856 wurde Machern vom Amt Wurzen verwaltet. Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Wurzen und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Grimma.
Zu DDR-Zeiten 1951 errichteten und unterhielten die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) zwischen Rittergut und Pyramide im Schlosspark ein Kinder-Ferienlager für die Kinder ihrer Betriebsangehörigen.
Wappen mini|Wappen von Machern, Freiluft-Version (2021) zwischen Kirche und Schnetgers Hof Beschreibung: Im gespaltenen und hinten geteilten Wappen ist in Silber ein schwarzer ausgerissener beblätterter Baum; hinten oben in Blau drei goldene Ähren (2:1) und im letzten silbernen Feld eine durchgehende hohe rote Mauer mit drei Zinnen.
Da Lindenbäume in Machern, Gerichshain und Püchau zu verzeichnen sind, stellt er ein verbindendes Element zwischen den drei Ursprungsgemeinden dar. Das Element der Ausgerissenheit deutet auf das Vorhandensein von Gewächsen aller Art hin. Die Ähre hat ihren Ursprung in einem Wahlspruch, welcher lautet: „Deine Felder werden Überfüllt vom Überfluß“, was bedeutet, es ist ein fruchtbares Land mit guten Ernten und Wohlstand durch die Landwirtschaft. Die Stadtmauer mit Zinnen soll das Vorhandensein von Schlössern und Kirchen in der Gemeinde Machern zum Ausdruck bringen.Gemeinde Machern
Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung DögnitzGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt 1. Januar 1957 Eingemeindung nach Püchau GerichshainStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 1. März 1994 Lübschütz 1. Januar 1957 Eingemeindung nach Püchau Plagwitz 1. Januar 1960 Eingemeindung nach Püchau PosthausenDas Sachsenbuch. Kommunal-Verlag Sachsen, Dresden 1943. vor 1880 Eingemeindung nach Gerichshain Püchau 1. Januar 1994
Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Kirche St. Nikolai
siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Machern Schloss und Schlosspark Machern mit Orangerie, 5,7 Hektar großen Schwemmteich, Ritterburg, Pyramide, Tempel der Hygieia, Agnes-Tempel und Wilhelms Ruh, verschiedenen Skulpturen, wie Denkende Muse, Göttin Hygieia, Herkulanische Vestalin und Apollo und dem Wildgehege mit Damwild und Pfauen Kirche St. Nikolai Peterskirche Püchau Wasserspiel auf dem Markt (gestaltet von der in Machern lebenden Künstlerin Maria Ondrej); unter anderem mit Erinnerungstafel für den japanischen Dichter Mori Ōgai (1862–1922), der 1885 in Machern zu Besuch war Schloss Püchau (Englischer Landschaftsgarten) Naherholungsgebiet Lübschützer Teiche Stasi-Bunker Lübschützer Teiche
Naturschutz
Gewässer Der Bach Gottschalke durchquert Machern von West nach Ost: Vom Ziegelteich weiter entlang dem Lehmgrubenteich durch den Schwemmteich im Park und durch den Mühlteich. Im Südosten Macherns fließt der Bach Kleine Zauche in Richtung Osten durch den Burgunderteich weiter in Richtung Nordosten.lvz.de, abgerufen am 28. April 2021.fisch-hitparade.de, abgerufen am 28. April 2021.
Politik
Gemeinderat Die bisher letzten Gemeinderatswahlen am 9. Juni 2024 führten zu folgenden Sitzverteilungen:Wahlergebnisse
CDU: 6 Sitze Wir sind Macher(n): 4 Sitze AfD: 1 Sitz SPD: 1 Sitz Linke: 1 Sitz +letzte GemeinderatswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %CDU636,5633,6633,0Wir sind Macher(n)425,8420,1215,7AfD122,9214,1––SPD18,817,0213,8Linke15,919,0315,8FWG––110,0319,7Grüne––16,2––FDP–––––2,1Wahlbeteiligung73,2 %67,0 %55,1 %
Bürgermeister Bürgermeister Macherns ist seit 2020 Karsten Frosch (CDU). +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2020Karsten FroschCDU52,42013Doreen Lieder68,22006Frank Lange63,52001Ralf Ziermaier78,4199495,8 Sozialeinrichtungen
Seniorenresidenz im „Hotel Kavalierhaus“ Kinderheim Machern Kinder- und Jugendzentrum Christlicher Kindergarten „Weidenkörbchen“ Kita „Knirpsenhaus“
Sport Tresenwalder Hockeyclub e. V. SV Machern 90 e. V. SV Tresenwald e. V. Machern Sportpark Tresenwald (gemeindeeigener Sportpark) TV Machern Grün-Weiß e. V. SV Sachsen Püchau e. V.
Partnerschaften Linden in Hessen (seit 2009) Macheren (deutsch Machern) im Département Moselle in Frankreich Purgstall an der Erlauf in Österreich (seit 2016).web.archive.org, abgerufen am 27. Februar 2020. Die Städtepartnerschaft mit Purgstall wurde im Jahr 2026 beendet.
Persönlichkeiten Persönlichkeiten, die dort geboren sind Carl Heinrich August von Lindenau (1755–1842), preußischer Generalleutnant und Reisestallmeister des Königs Friedrich Wilhelm II. von Preußen Johann David Goldhorn (1774–1836), evangelischer Theologe und Hochschullehrer Paul von Hingst (1846–1919), königlich-sächsischer Generalleutnant und Generaladjutant des Königs Albert von Sachsen.
Persönlichkeiten, die dort gewirkt haben Wolf von Lindenau (1634–1710), kursächsischer Amtshauptmann in Leipzig und Besitzer der Rittergüter Machern, Zeititz, Kossen, Gotha und Eilenfeld Gottfried Anshelm von Lindenau (1693–1749), Erb-, Lehn- und Gerichtsherr sowie Besitzer der beiden Rittergüter Machern und Zeititz Heinrich Gottlieb von Lindenau (1723–1789), kursächsischer Wirklicher Geheimer Rat, Kammerherr und Oberstallmeister sowie Besitzer der Rittergüter Gotha und Kossen Gottfried Schnetger (* 24. Dezember 1770 in Deilinghofen; † 17. Januar 1861 in Machern), preußischer Kaufmann, der in und um Leipzig lebte und wirkte; er begründete die 140-jährige Schnetger-Epoche von Schloss Machern Heinz Mielke (1931–2017) wohnte viele Jahre seines Ruhestands dort – er forschte und veröffentlichte umfangreich zur Geschichte von Machern
Persönlichkeiten, die dort aufwuchsen und/oder zuhause sind oder waren Wolfram Dix (1957–2022), Schlagzeuger und Perkussionist Michael Drevenstedt (* 1961), Sportreporter (im Ortsteil Püchau) Maria Ondrej (* 1965), bildende Künstlerin Vlado Ondrej (* 1962), bildender Künstler Kilian Senkbeil (* 1999), Fußballspieler Heinz Eberhard Strüning (1896–1986), Maler und Grafiker
Persönlichkeiten, die dort gestorben und/oder begraben sind Alexander Duncker (1850–1929), deutscher Verlags-Buchhändler und Eigentümer der „Villa Louise“ (eigentlich „Landhaus Louise“, davor Gasthof (bis etwa 1900))
Machern und die Eisenbahn mini|Schloss Machern damals noch mit Schlossteich, historische Darstellung Am 1. März 1836 begann mit dem ersten Spatenstich der Bau der Eisenbahn bei Machern. Die Verwirklichung der Strecke durch die Macherner Höhen, der sogenannte Macherner Durchstich, gilt als besondere ingenieurstechnische Leistung. Dieser Einschnitt war erforderlich, weil die Lokomotiven damals für die Steigung zu schwach waren.Bau der Eisenbahnstrecke Leipzig-DresdenMacherner Durchstich, zeitgenössische Darstellung
Dass Machern Bahnstation zwischen Leipzig und Dresden wurde, ist ein Verdienst von Schlossherr und Eigentümer des Gutes Machern, Gottfried Schnetger. Damals gab es konkurrierend zwei andere Streckenbaupläne ohne Machern. Ernst Beyreuther schrieb dazu im Buch Machern im Wandel der Zeit: „Der dritte Plan brachte die Bahn direkt nach Machern. Freilich forderte er einen ½ Stunde langen Durchstich durch die Macherner Höhen, der Wasserscheide zwischen Mulde und Saale, welcher eine halbe Millionen Taler kostete. Aber Herr Schnetger wußte durch Hergabe von Land so dafür einzutreten, dass der Plan ins Werk gesetzt wurde. (…) Am 29. Februar 1836, also einem Schalttage, wurde hier in Machern der erste Spatenstich für den Bahnbau unter einigen Feierlichkeiten getan.“Ernst Beyreuther: Machern im Wandel der Zeit. S. 34 u. 37. (pastoerchen.de, abgerufen am 22. März 2023)
Der Streckenabschnitt Gerichshain–Machern mit 2,93 Kilometer Länge wurde am 11. Mai 1838 vollendet, der Streckenabschnitt Machern–Wurzen mit 8,00 Kilometer Länge am 31. Juli 1838.
Schnetger gelang es, Machern zum allgemeinen Vorteil an die Eisenbahnlinie anzubinden. Jedoch mit herber Folge für sein Schloss: Der Durchstich der Macherner Höhen veränderte die unterirdischen Wasserläufe derart, dass der Schlossteich Wasser verlor und das Wasserschloss dauerhaft trockenfiel.
Püchau mini|hochkant|Schloss Püchau Der Macherner Ortsteil Püchau nördlich von Machern besitzt die Besonderheit, der älteste urkundlich erwähnte Ort in Sachsen zu sein. Thietmar von Merseburg beschrieb in seiner Chronik, eingeordnet auf das Jahr 924, ein Ereignis aus dem Leben König Heinrichs I. und erwähnte dabei urbs bichni, was so viel wie Ort der Leute des Bichna bedeutet.Ernst Eichler, Hans Walther: Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band 2, Akad.-Verlag Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, S. 229. Aus bichni entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte der Name Püchau. Zur weiteren Geschichte von Püchau siehe Schloss Püchau, welches zuletzt der Familie der Grafen von Hohenthal gehörte.
Gedenkstätte mini|hochkant|Gedenktafel Alfred Frank Ein Gedenkstein am Sahlweidenteich im nahegelegenen Erholungsgebiet Lübschützer Teiche erinnert an den Leipziger Maler und Widerstandskämpfer Alfred Frank (1884–1945), der dort einen illegalen Treffpunkt für Hitlergegner unterhielt. Frank wurde 1944 zum Tode verurteilt und 1945 hingerichtet.
Der Sorgenberg mini|links|Prinzip des Aufbaus des Richtfunknetzes der Partei und der NVA mit der Bereichsrichtfunkzentrale Süd auf dem Sorgenberg bei Machern.