Marc Roland (Geburtsname: Adolf Diedrich Karl Beeneken; * 4. Januar 1894 in Bremen; † 25. Februar 1975 in Tegernsee) war ein deutscher Komponist, Filmregisseur, Drehbuchautor und Kapellmeister. Der ausgebildete Bühnenkomponist schrieb die Musik zu über 100 Stumm- und Tonfilmen. Er gehörte zu den anerkanntesten Filmmusikmachern der 1920er Jahre.
Leben Marc Roland wurde 1894 unter dem Namen Adolf Diedrich Karl Beeneken als Sohn des Kaufmanns Karl August Beeneken und dessen Frau Marie Friederike Elise, geborene Hackmann, in Bremen geboren. Sein Vater war im Getreideimport tätig.Titus Malms: Posthum zu neuem Ruhm. Der Filmkomponist Marc Roland und seine „Pyrmonter Ritualmusik“. In: im strom der zeit, Nr. 40, 5. Oktober 1991. Von 1907 bis 1911 erhielt er privaten Klavier- und Theorieunterricht.Kleemann, Hans. In: Erich H. Müller (Hrsg.): Deutsches Musiker-Lexikon. W. Limpert-Verlag, Dresden 1929, S. 1172. Ohne Abitur absolvierte er von 1911 bis 1914 Musikstudien bei Ernst Meyerolbersleben, Simon Breu und Karl Wyrott an der Königlichen Musikschule bzw. dem Königlichen Konservatorium für Musik Würzburg in Bayern.
mini|Schauspielhaus Bremen (1913) 1914 trat er seine erste Stelle als Kapellmeister und Korrepetitor am Schauspielhaus Bremen an.Roland, Marc. In: Herbert A. Frenzel, Hans Joachim Moser (Hrsg.): Kürschners biographisches Theater-Handbuch. Schauspiel, Oper, Film, Rundfunk. Deutschland, Österreich, Schweiz. De Gruyter, Berlin 1956, S. 612f. Nach eigenen Angaben kaufte sein Vater 1915 ein Kino in Bremen, indem Roland kaufmännisch aushalf und erste Erfahrungen mit Filmmusik sammelte. 1916/17 diente er als Soldat im Ersten Weltkrieg. Danach war er Kapellmeister an den Stadttheatern Liegnitz und Brieg-Oppeln in der preußischen Provinz Schlesien. Ab 1919 arbeitete er als Kapellmeister am Theater am Kottbusser Damm in Berlin-Grunewald. Er war Assistent des bekannten Operettenkomponisten Jean Gilbert. Ab den 1920er Jahren war er als freischaffender Komponist tätig, wobei er v. a. Filmmusik schrieb.
Zur Synchronisation von Bild und Ton in Filmen meldete er 1925 ein Patent beim Reichspatentamt an.Karl Heinz Dettke: Kinoorgeln und Kinomusik in Deutschland. Metzler, Stuttgart 1995, ISBN 3-476-01297-2, S. 61. Weiterhin diskutierte er die Problematik in mehreren Aufsätzen.Maria Fuchs: Stummfilmmusik. Theorie und Praxis im "Allgemeinen Handbuch der Film-Musik" (1927) (= Marburger Schriften zur Medienforschung. Band 69 ). Schüren Verlag, Marburg 2018, ISBN 978-3-7410-0087-4, S. 109f. 1927 war er Initiator der Filmmusik-Union, die sich zur Aufgabe machte, Kapellmeister bei der Notenakquise zu unterstützen.Karl Heinz Dettke: Kinoorgeln und Kinomusik in Deutschland. Metzler, Stuttgart 1995, ISBN 3-476-01297-2, S. 43. Weiterhin gründete die Gesellschaft der Filmmusik-Autoren 1927 eine Beratungsstelle, die von ihm (erster Vorsitzender) sowie Hans Erdmann (zweiter Vorsitzender) und Klaus Pringsheim senior (Schriftführer) geleitet wurde.Karl Heinz Dettke: Kinoorgeln und Kinomusik in Deutschland. Metzler, Stuttgart 1995, ISBN 3-476-01297-2, S. 44. Diese setzte sich für bessere Qualitätsstandards ein.Maria Fuchs: Stummfilmmusik. Theorie und Praxis im "Allgemeinen Handbuch der Film-Musik" (1927) (= Marburger Schriften zur Medienforschung. Band 69 ). Schüren Verlag, Marburg 2018, ISBN 978-3-7410-0087-4, S. 56. In dieser Zeit arbeitete er für das Tobis-Tonbild-Syndikat. 1929 übernahm er gemeinsam mit Werner Richard Heymann die neu eingerichtete Musikabteilung zur nachträglichen Vertonung von Stummfilmen bei der Ufa.Karl Heinz Dettke: Kinoorgeln und Kinomusik in Deutschland. Metzler, Stuttgart 1995, ISBN 3-476-01297-2, S. 55. Im gleichen Jahr wurde er als Dozent für Filmmusik am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium in Berlin-Tiergarten verpflichtet.Karl Heinz Dettke: Kinoorgeln und Kinomusik in Deutschland. Metzler, Stuttgart 1995, ISBN 3-476-01297-2, S. 62.
Seit 1926 war er Mitglied der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA). Nach Gleichschaltung der GEMA 1933 wurde er in den Vorstand der Staatlich genehmigten Gesellschaft zur Verwertung musikalischer Aufführungsrechte (STAGMA) gewählt.Sophie Fetthauer: Musikverlage im "Dritten Reich" und im Exil (= Musik im "Dritten Reich" und im Exil. Band 10). 2. Auflage, von Bockel, Hamburg 2007, ISBN 978-3-932696-74-9, S. 45. Ab 1934 gehörte er dem Verwaltungsausschuss der Reichsmusikkammer (RMK) und dem Großen Rat des Berufsstandes der deutschen Komponisten innerhalb der RMK an.Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945, CD-Rom-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 6223ff. Innerhalb der Reichsmusikkammer wurde er wie auch Norbert Schultze als Vertreter der Unterhaltungsmusik durch den Präsidenten der Reichskulturkammer Joseph Goebbels unterstützt, um die Kampfmoral des Landsers an der Front aufrechtzuerhalten.Michael H. Kater: Composers of the Nazi Era. Eight Portraits. Oxford University Press, Oxford 2000, ISBN 0-19-509924-9, S. 13. Roland war ab 1938 „kaum mehr filmaktiv“.Roland, Marc. In: Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 6: N – R. Mary Nolan – Meg Ryan. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 605f. 1944 wurde er fünfzigjährig noch zur Wehrmacht eingezogen.
Während er lange Zeit in Berlin-Grunewald am Hohenzollerndamm gewohnt hatte,Harry Balkow-Gölitzer: Auf einen Blick – Prominente in Grunewald. In: Burkhardt Sonnenstuhl (Hrsg.): Prominente in Berlin-Grunewald und ihre Geschichten. berlin edition, Berlin 2006, ISBN 978-3-8148-0149-0, S. 233 ff., hier: S. 288. lebte er nach 1945 zunächst in München, später in der Stadt Tegernsee. Als Vertreter des Berufsverbandes Deutscher Komponisten wurde er 1949 in den ersten Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks berufen.Georg Karl Maximilian Schulz: Die Stimme Bayerns. Der Bayerische Rundfunk zwischen Tradition und Moderne. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2018, ISBN 978-3-7917-2853-7, S. 143. Jener von Joseph Haas (Präsident) und Marc Roland (erster Vorsitzender) geleitete Verband verstand sich „als Münchner Gegenpol“ zur Sektion Komponisten des Schutzverbandes Deutscher Autoren im FDGB um Max Butting in Berlin; 1950 erfolgte der Zusammenschluss zur Interessengemeinschaft Deutscher Komponisten, dem späteren Deutschen Komponisten-Verband.Albrecht Dümling: Musik hat ihren Wert. 100 Jahre musikalische Verwertungsgesellschaft in Deutschland. ConBrio Verlagsgesellschaft, Regensburg 2003, ISBN 3-932581-58-X, S. 268.
Mithilfe einer Bürgschaft des Generalmusikdirektors Walter Stöver, der das Kurorchester in Bad Pyrmont leitete, wurde Roland 1970 Mitglied der dortigen Freimaurerloge „Friedrich zu den drei Quellen“.
Roland war von 1919 bis zur Scheidung 1939 mit der Bremer Kaufmannstochter Anna Katharina Charlotte Ehrenfriede „Friedel“ Schatte (geb. 1890) verheiratet.Standesamt Charlottenburg (Heiratsregister 11/1919). 1933 lernte er seine spätere Frau, die Schauspielerin Lieselotte Ebel kennen. 1954 nahm er den Namen Marc Roland an. Er verstarb 1975 in Tegernsee.Roland, Marc. In: Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-596-17153-8, S. 449.
Werk Sein Œuvre umfasst Werke sowohl traditioneller Gattungen der Musik (u. a. die Spieloper Der Lange Pfeffer, die Operette Liebe und Trompetenblasen (verfilmt 1954), Singspiele, Orchesterwerke und LiederRoland, Marc. In: Carl Dahlhaus, Hans Heinrich Eggebrecht (Hrsg.): Brockhaus-Riemann-Musiklexikon. In vier Bänden und einem Ergänzungsband. Band 4: R – Z. Schott, Mainz 1989, ISBN 3-7957-8304-6.) als auch der Kino- und Filmmusik. Bei letzteren deckte er nahezu jedes Filmgenre ab, darunter Filmkomödien, Heimatfilme und Kriegsfilme.
Roland war einer der Pioniere der Filmmusik. Erste größere Bekanntheit erlangte er durch die spätere Bearbeitung von Paul Wegeners Stummfilm Der Golem aus dem Jahr 1915.Roland, Marc. In: Marc Honegger (Hrsg.): Das grosse Lexikon der Musik. Band 7: Randhartinger – Stewart. Herder, Freiburg im Breisgau 1982, ISBN 3-451-18057-X. Insgesamt schrieb er mehr als 100 Filmmusiken zu Stumm- (ab 1920) und Tonfilmen (ab 1930). Allein im Zeitraum von 1930 bis 1933 veröffentlichte er acht Filmpartituren, womit er „[k]napp unter der Spitzengruppe“ lag.Winfried B. Lerg: Die Publizistik der Weimarer Republik. Zur kommunikationsgeschichtlichen Ausgangslage. In: Hanno Hardt, Elke Hilscher, Winfried B. Lerg (Hrsg.): Presse im Exil, Beitrag zur Kommunikationsgeschichte des deutschen Exils 1933–1945 (= Dortmunder Beiträge zur Zeitungsforschung. Band 30 ). De Gruyter, Berlin 2019, ISBN 978-3-598-02530-3, S. 17–96, hier: S. 58. Nach Maria Fuchs gehörte er in den Goldenen Zwanzigern neben Giuseppe Becce, Werner Richard Heymann, Ernö Rapée, Werner Schmidt-Boelcke, Wolfgang Zeller „zu den bekanntesten Komponisten und Kinodirigenten in Berlin“.Maria Fuchs: Stummfilmmusik. Theorie und Praxis im "Allgemeinen Handbuch der Film-Musik" (1927) (= Marburger Schriften zur Medienforschung. Band 69 ). Schüren Verlag, Marburg 2018, ISBN 978-3-7410-0087-4, S. 56. Rainer Fabich rechnete ihn zusammen mit Gottfried Huppertz und Edmund Meisel zu den „wichtigsten Filmkomponisten im engeren Sinne im Deutschland der 1920er Jahre“.Rainer Fabich: Von Kinokapellen und Klavierillustratoren. Die Ära der Stummfilmmusik. In: Gerhard Paul, Ralph Schock (Hrsg.): Sound des Jahrhunderts. Geräusche, Töne, Stimmen 1889 bis heute. Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2013, ISBN 978-3-8389-7096-7, S. 92 ff.
Rolands Kinothek enthielt sowohl eigene Kompositionen als auch Bearbeitungen europäischer Kunstmusik der Romantik.Maria Fuchs: Stummfilmmusik. Theorie und Praxis im "Allgemeinen Handbuch der Film-Musik" (1927) (= Marburger Schriften zur Medienforschung. Band 69 ). Schüren Verlag, Marburg 2018, ISBN 978-3-7410-0087-4, S. 47. Für den zweiteiligen Dokumentarfilm Der Weltkrieg (1927/28) von Leo Lasko verwendete er nicht nur seine Eigenkomposition, sondern auch die Kinothek-Musik „Gewaltiges Ringen, Massensturm, große Kampfszene“.Ulrich Rügner: Filmmusik in Deutschland zwischen 1924 und 1934 (= Studien zur Filmgeschichte. Band 3). Olms, Hildesheim 1988, ISBN 3-487-07621-7, S. 86. In der Filmsequenz zur Schlacht an der Somme setzte Roland atonale Musik ein.Bernadette Kester: Film Front Weimar: Representations of the First World War in German Films from the Weimar Period (1919–1933). Amsterdam University Press, Amsterdam 2003, ISBN 90-5356-598-1, S. 105. Der Weltkrieg entstand „ohne Mitspracherecht des Komponisten“, weshalb beim terminus technicus von „Autorenillustration“ statt von Komposition gesprochen werden müsse, wie Ulrich E. Siebert darlegte. Der zweite Teil der Nachkriegsdokumentation Des Volkes Not gilt Jeanpaul Goergen „als die erfolgreichste Originalmusik zu einem Stummfilm“ überhaupt – er wurde in mehr als zweihundert Kinos gezeigt.Jeanpaul Goergen: Prolog. Von der zusammengeflickten Musik zum Tonfilmschlager. In: Rainer Rother, Peter Mänz (Hrsg.): Wenn ich sonntags in mein Kino geh' Ton – Film – Musik 1929–1933. Kettler, Bönen 2007, ISBN 978-3-939825-74-6, S. 10ff., hier: S. 19. Nach Shirin Packham sprach der Film einerseits „tausende von Zuschauern“ an, andererseits wurde er „von Intellektuellen jedoch abgelehnt“, weil er den Ersten Weltkrieg gewissermaßen legitimierte.Shirin Packham: Der aktuelle Kriegsfilm im historischen und medialen Kontext. Springer VS, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-24177-3, S. 49.