mini|Eva Longoria (2012) Als mexikanische Amerikaner (Mexican Americans) werden in den USA Bürger bezeichnet, die selbst oder deren Vorfahren in Mexiko geboren wurden. Sie machen etwa 63 % der Hispanics aus. Nach Angaben des statistischen Bundesamts der USA gab es 2016 36,2 Millionen Amerikaner, deren Vorfahren mexikanisch waren. Umgangssprachlich werden sie als Chicanos bezeichnet, in Texas nennen sie sich auch Tejanos.

Geschichte Die Geschichte der mexikanischen Amerikaner umfasst mehr als 400 Jahre und unterscheidet sich innerhalb der Vereinigten Staaten von Region zu Region. Mexikanische Amerikaner waren ursprünglich in den Bundesstaaten konzentriert, die früher zu Mexiko gehört hatten, vor allem Kalifornien, Arizona, New Mexico, Colorado und Texas. Als sie während des Ersten Weltkriegs Jobs in der Stahlindustrie fanden, begannen sie sich in San Diego, Los Angeles, Chicago und anderen stahlproduzierenden Regionen niederzulassen. In der jüngeren Vergangenheit haben Immigranten aus Mexiko einen großen Teil der Arbeitskräfte in der Fleischindustrie im Mittleren Westen, der Landwirtschaft im Südosten der Vereinigten Staaten und im ganzen Land in der Bauwirtschaft, im Landschaftsbau, in Restaurants und Hotels und in anderen Dienstleistungsbetrieben gestellt.

Die Identität mexikanischer Amerikaner wandelte sich im Laufe der Jahre tiefgreifend. In den letzten 100 Jahren haben sie für ihr Recht zu wählen und gegen Diskriminierung im Bildungswesen und auf dem Arbeitsmarkt gekämpft und sich für ihren sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt engagiert. Gleichzeitig haben viele von ihnen versucht, die Identität ihrer Gemeinschaft zu definieren und zu bewahren. In den 1960er und 1970er Jahren wandten sich Latino bzw. Hispanics-Studenten dem Nationalismus zu und Meinungsverschiedenheiten über den angemessenen Namen für Mitglieder der Gemeinschaft – Chicano, Latino, Mexican Americans, Hispanics oder einfach La Raza – verbanden sich mit tiefer gehenden Differenzen darüber, ob man sich in die angloamerikanische Gesellschaft integrieren oder getrennt von ihr bleiben sollte. Dazu kamen Differenzen zwischen mexikanischen Amerikanern, deren Familien schon eine oder mehrere Generationen in den USA lebten, und neu eingewanderten Migranten aus Mexiko.

Definition Mexikanische Amerikaner sind eine Teilgruppe der Hispanics. Sie können Immigranten oder Nachkommen von vor Jahrzehnten in die USA eingewanderten Mexikanern oder der Siedler sein, die in den heutigen Südwesten der USA kamen, als das Land unter spanischer bzw. mexikanischer Herrschaft war. Manche sind einsprachig, andere zweisprachig oder polyglott.

Vor der Gründung der Vereinigten Staaten Texas, New Mexico, Arizona, Nevada, Utah, Kalifornien und Teile von Colorado und Wyoming waren Teil von Neuspanien und wurden später ein Teil der neu gegründeten mexikanischen Republik. Die Spanier kamen im 16. Jahrhundert in diese Region und begannen mit der Besiedlung in einer Gegend, die heute zu New Mexico gehört. Diese Gemeinden lebten in der Nachbarschaft von indigenen Gruppen und bis zu einem gewissen Grad vermischten sie sich mit ihnen.

In Kalifornien bildeten die Franziskaner die Vorhut der spanischen Kolonisierung und gründeten eine Reihe von Missionsstationen in den Küstenregionen Kaliforniens. Diese Missionen waren sowohl wirtschaftliche als auch religiöse Institutionen und zwangen der indigenen Bevölkerung eine Form der Knechtschaft (einschließlich Zwangsarbeit) auf. Zusammen mit dem System der Forts und Landzuteilungen für Favoriten des Königs ermöglichten sie die spanische Besiedlung des westlichen Kaliforniens.

In anderen Teilen des heutigen Südwestens waren die Missionen weniger erfolgreich. Spanischsprachige Siedlungen etablierten sich in Gebieten, die heute zu Arizona, New Mexico, Colorado und Texas gehören.

Integration der spanischsprachigen Bevölkerung Die neuen Vereinigten Staaten gerieten seit den 1830er Jahren in Konflikt mit Mexiko. Neue angloamerikanische Siedlungen und die Sklaverei breiteten sich in dem „Tejas“ genannten Gebiet aus, das zu Mexiko gehörte. Nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg (1846–1848), dem Vertrag von Guadalupe Hidalgo von 1848 und dem Gadsden-Kauf von 1853 gehörte etwa die Hälfte des früheren Staatsgebiets von Mexiko zu den USA. Die große Mehrheit der spanischsprachigen Bevölkerung blieb und ein Teil wurde Bürger der USA. Zunächst unterstützte sie im Allgemeinen die neue Regierung. Die mexikanische Regierung war unter dem General Antonio López de Santa Anna despotisch geworden und die Regierung der USA gewährte Schutz vor Überfällen der Indianer, die Mexiko nicht verhindert hatte. Überdies bedeutet die neue Situation für die Region das Ende der Bürgerkriege, die Mexiko damals in Atem hielten und schien auf lange Sicht Wohlstand zu versprechen.

Obwohl der Vertrag den Landbesitzern der neu erworbenen Territorien versprach, dass ihr Eigentum geschützt würde als ob sie Bürger der USA wären, verloren dennoch viele frühere Bürger Mexikos durch Prozesse vor den Gerichten der Bundesstaaten und vor den Bundesgerichten sowie durch später erlassene Gesetze ihr Land. Selbst Gesetze wie der California Land Act von 1851, die dazu gedacht waren, die Personen zu schützen, die zum Zeitpunkt der Erweiterung der USA Eigentümer waren, hatten die Enteignung der Californios (spanischsprachige Kalifornier) zur Folge, da sie durch die Kosten für jahrelange Rechtsstreitigkeiten über Landtitel ruiniert wurden.

Der Verlust der Eigentumsrechte in New Mexico schuf eine große landlose Bevölkerung, die den Mächten feindlich gesinnt war, die ihnen ihr Land weggenommen hatten. Nachdem es dem Santa Fe Ring gelungen war, Tausende von Landbesitzern in New Mexico zu enteignen, rissen Gruppen wie Las Gorras Blancas Zäune nieder und brannten Farmgebäude der Eindringlinge nieder. Im westlichen Texas wurde aus dem Kampf der San Elizario Salt War, in dessen Verlauf die spanischsprachige Mehrheit die Kapitulation der Texas Rangers erzwang, aber am Ende dennoch ihren Einfluss, ihre Ämter und ihre wirtschaftliche Macht einbüßte.

In anderen Gebieten, besonders in Texas und Kalifornien, wurden die hispanischen Bewohner einfach durch die schiere Zahl der angloamerikanischen Siedler überwältigt, die beispielsweise zunächst in Nordkalifornien durch den kalifornischen Goldrausch und Jahrzehnte später durch den Boom in Südkalifornien angelockt wurden. Angloamerikanische Goldsucher vertrieben hispanische Konkurrenten aus ihren Camps, verboten es nicht-angloamerikanischen Bewohnern vor Gericht auszusagen und setzten diskriminatorische Praktiken durch, die vergleichbar sind mit den Jim-Crow-Gesetzen gegen die Afroamerikaner. Einige Hispanics, unter denen Joaquín Murrieta ein legendäres und Tiburcio Vásquez ein reales Beispiel waren, antworteten, indem sie zu Banditen wurden. Während des Goldrauschs wanderten mexikanische Bergleute nach Kalifornien ein.

1850er Jahre

In den 1850er Jahren lebten über 20.000 Tejanos in Südtexas. Die Sozialstruktur analysierte der Historiker Radolph Campbell wie folgt:

Südtexaner hispanischer Herkunft lebten vor dem Bürgerkrieg in einer dreischichtigen Gesellschaft. Ganz oben stand eine landbesitzende Elite, die Besitzer großer Ranches, von denen viele aus Haziendas aus der Zeit der spanischen Kolonialherrschaft hervorgegangen waren. Die Elite gründete ihr ökonomisches Leben auf die Viehwirtschaft. Sie verkauften einiges Vieh in Mexiko und Louisiana und exportierten Tierhäute und Talg, aber der Zugang zu großen städtischen Märkten außerhalb der Region war so begrenzt, dass die Rancher von Südtexas in den Vorkriegsjahren keine Geschäfte im großen Stil tätigten. Dies scheint die meisten unter ihnen nicht gestört zu haben, da sie ihre Ranches eher als einen Lebensstil denn als eine wirtschaftliche Investition betrachteten und sich so darauf konzentrierten ihr Eigentum zu bewahren und Gewinne zu machen ...

Die kleinen Landbesitzer nahmen in der südtexanischen Ökonomie und sozialen Hierarchie den zweiten Rang ein. Diese Rancheros lebten in einräumigen Lehmhäusern und verbrachten ihre meiste Zeit damit, sich um ihre kleinen Herden aus Pferden und Rindern zu kümmern. Obwohl sie einen kleineren Teil der Bevölkerung ausmachten, können sie mit den einfachen Angloamerikanern in Osttexas verglichen werden. Sie unterschieden sich von der Elite nur durch die Größe ihres Besitzes, nicht in Bezug auf die Abhängigkeit von ihrem Land oder in Bezug auf den Lebensstil, den sie zu verwirklichen strebten.

Schließlich gab es in Südtexas die untere Klasse, die aus Peons, Vaqueros und Fuhrleuten bestand. Peóns hatten einen Status oberhalb dem der Sklaven im Texas der Vorkriegszeit, aber unterhalb des wirklich freien Menschen. Sie besaßen kein Eigentum, konnten ohne die Genehmigung des Gutsbesitzers nicht reisen oder einen Arzt rufen und brauchten bei einer Heirat seine Zustimmung. Wenn ein Peón eines Vergehens beschuldigt wurde, war der Gutsbesitzer Jury und Richter zugleich. Andererseits waren Peóns kein Eigentum und konnten daher nicht gekauft oder verkauft werden oder als persönliches Vieh behandelt werden. Einen schlecht definierten Platz zwischen den Sklaven und den Freien einnehmend, dienten sie den oberen Klassen als 'treue Diener'.

Sie arbeiteten auf Anweisung der Patrons – pflanzten und ernteten, hüteten Ziegen, gruben Brunnen und erledigten jedwede Art von manueller Arbeit, die anfiel. Als Gegenleistung erhielten sie Löhne oder Kredite im Laden des Gutsbesitzers, die so niedrig waren, dass sie immer verschuldet waren. Sie lebten in Jacales, kleinen einräumigen Hütten aus Lehm oder sonst einem gerade verfügbaren Material und strohbedeckten Dächern. Der eine Raum diente als Aufenthalts- und Schlafraum; Kochen und Essen fand innerhalb einer separaten Umzäunung statt, die aus Gras oder Getreidehalmen bestand.

Zur armen landlosen Klasse gehörten auch die Vaqueros, die die Herden führten und sich um das Vieh kümmerten. Die Ranchbesitzer und die Priester der Missionsstationen sahen es im Allgemeinen als unter ihrer Würde an solche Arbeit zu tun und sahen diese ersten Cowboys Texas’ einfach als Arbeiter, die Pferde ritten. Niemand unter den Beteiligten hätte sich damals vorstellen können, dass Millionen von Amerikanern eines Tages die Arbeit mit dem Vieh als den ultimativ romantischen und heroischen Teil der texanischen Vergangenheit sehen würden. Zumindest waren Vaqueros, was zu ihrem zukünftigen Image passte, unabhängiger als Peóns. Sie waren nicht an das Land gebunden und konnten sogar erwarten, eines Tages selbst Land zu erwerben.

Die Fuhrleute lebten in San Antonio oder entlang der Straße, die von dieser Stadt nach Indianola führt und verdienten ihren Lebensunterhalt, indem sie Nahrungsmittel und andere Waren von der Küste ins Landesinnere transportierten. Sie benützten Ochsenkarren und hatten auf dieser Route quasi ein Monopol, da sie die Güter schnell und billig transportierten. Angloamerikanische Wettbewerber tauchten in den 1850er Jahren auf, schafften es aber nicht mit den Tarifen der Tejanos zu konkurrieren. Der Transport mit den Ochsenkarren scheint das lukrativste Geschäft gewesen zu sein, das armen Tejanos damals offenstand."Gone to Texas: A History of the Lone Star State." S. 190–191

In Teilen von Südtexas und des südlichen Arizona vermochten es mexikanische Amerikaner Positionen in der lokalen Verwaltung zu bekommen und in New Mexico stellten sie bis Ende des 19. Jahrhunderts die Mehrheit der Bevölkerung. Die Bundesregierung verzögerte die Anerkennung New Mexicos als Bundesstaat, weil seine Führung von mexikanischen Amerikanern dominiert wurde.

Trotz der partiellen Integration bewahrten viele mexikanische Amerikaner ihre Sprache und Kultur. Sie waren dabei dort am erfolgreichsten, wo sie ein gewisses Maß an politischer und ökonomischer Macht bewahrt hatten, wo die Segregation ihnen Isolierung aufzwang und dort, wo Immigranten aus Mexiko einen erheblichen Teil der Bevölkerung ausmachten.