mini|Golddinar, Almoraviden, Sevilla 1116
Der Maravedí, als Goldmünze auch Marabotin, war eine mehrere Jahrhunderte lang in Spanien gebräuchliche Münze und Rechnungswährung, er war die am längsten verwendete Währungseinheit Spaniens. Seine Geschichte begann im 12. Jahrhundert mit der ersten Prägung als ursprünglich münzbildlose Goldmünze von etwa 3,8 Gramm und führte über zahlreiche Abwertungen und die vorübergehende Verwendung als reine Rechnungswährung bis hin zu kleinen Kupfermünzen im Jahr 1854.
Etymologie mini|Golddinar, Hischam II., 3. Kalif von Cordoba (reg. 976–1009; 1010–1013), geschlagen 1006/07
Der Begriff ist abgeleitet von dem Namen der in Europa als Almoraviden (, Singular ) bekannten Berber-Dynastie, die zuerst diese Münze in al-Andalus () als Goldmünze prägen ließen. Zunächst wurde der Begriff Morabatín verwendet, der im weiteren Gebrauch zu maravedí wurde. Die Vokabel Maravedí hat als Besonderheit drei verschiedene Pluralformen: Maravedís ist die gewöhnliche Pluralbildung, Maravedíses folgt der für Substantive mit der Endung -í oft verwendeten Form. Maravedíes ist eine nur selten verwendete Pluralbildung.
Golddinare der Almoraviden bis zum 12. Jahrhundert mini|Golddinar, Almoraviden, Ali ibn Yusuf (reg. 1106–1143), geschlagen 1138/39
Bei der Eroberung von Teilen der iberischen Halbinsel im 8. Jahrhundert brachten die Mauren auch ihr eigenes Münzsystem mit. Dieses wurde in al-Andalus, einschließlich der im 10. Jahrhundert entstandenen Kalifate, den Taifa-Königreichen, und im Emirat von Granada bis zum Abschluss der Reconquista im Jahr 1492 angewandt. Bis zum 12. Jahrhundert hatten die Golddinare auch im christlichen Spanien als Zahlungsmittel Anerkennung erhalten. Die Handelspartner der Mauren im christlichen Spanien und im übrigen Europa verlangten eine Bezahlung in Goldmünzen. So wurden der Marabotin der Almoraviden und der Doppeldinar der Almohaden bis zum 12. Jahrhundert in ganz Europa bekannt und als Währung akzeptiert.
Spanische Gold-Maravedís des 11. bis 13. Jahrhunderts Die arabischen Maravedí wurden später von den christlichen Königen Nordspaniens nachgeahmt. Solche Goldmünzen existieren aus Kastilien von Alfons VIII., aus León von den Königen Ferdinand II. und Alfons IX., und als Morabitinos von den Königen Portugals. Dabei wurden die Münzgewichte beibehalten, so dass die Prägungen nicht wie die fast aller europäischen Königreiche auf dem Münzsystem der Karolinger basierten. Ein Maravedí entsprach einem arabischen Dinar.
Kastilien mini|Maravedí, Alfons VIII. von Kastilien, Toledo 1213, links im Medaillon oben das Kreuz, unten „ALF“
Infolge des Übergangs der Herrschaft von den Almoraviden zu den Almohaden und dem Zerfall der Taifa-Königreiche kam es in Kastilien zu einem Mangel an Goldmünzen. Unter Alfons VIII. (reg. 1158–1214) wurde daher im Jahr 1172 die Prägung eigener Münzen beschlossen. Die von Alfons VIII. in Kastilien geschlagenen Golddinare wurden zur Unterscheidung von jenen der Almoraviden auch „Alfonsinischer Marabotin“ genannt. Die ersten in Toledo geschlagenen Münzen Kastiliens trugen, wie jene der Almoraviden, nur eine arabische Beschriftung. Die Gestaltung der Münzen führte dazu, dass sie wegen der erforderlichen Kenntnisse der arabischen Schrift nur in Toledo geschlagen werden konnten. Das machte die Stadt über Jahrhunderte zur bedeutendsten Münzstätte Spaniens. Dabei hatte die Verwendung der arabischen Schrift und der unveränderten Münzgewichte vorrangig die Funktion, dem Zahlungsmittel eine große Akzeptanz zu verschaffen.
Alfons VIII. verwendete die Gestaltung der Münzen dennoch auch als Mittel der Darstellung religiösen und politischen Verständnisses. Die später geschlagenen Münzen weisen ebenfalls eine arabische Beschriftung auf, vorderseitig befindet sich jedoch oben im Medaillon ein Kreuz als christliches Symbol. Darunter steht der Hinweis auf den Imam als höchste religiöse Autorität, wie bei den Münzen der Almoraviden ohne Nennung des Namens, aber hier als Bezug auf den Papst zu verstehen. In der untersten Zeile werden die Buchstaben ALF dargestellt, als namentliche Referenz an den weltlichen Herrscher und Münzherrn Alfons VIII. Die Umschrift ist ein Bekenntnis zum christlichen Glauben. Während die Münzen der Almoraviden an dieser Stelle den ersten Teil der Schahāda zitieren, wird auf den Münzen Alfons VIII. die Dreifaltigkeit genannt und erklärt, dass nur der Getaufte mit dem Ewigen Leben belohnt wird.
Die rückseitige Inschrift bezieht sich in arabischer Schrift auf den König. Während die Münzen der Almoraviden den jeweiligen Herrscher als Amīr al-Muslimīn bezeichnen, wählte Alfons VIII. die Bezeichnung Amīr al-Qatuliqīn, „Fürst der Katholiken“. Es folgt die Bezeichnung Alfons VIII. als Alfuns ben Sanǧu, „Alfons, Sohn des Sancho“, verbunden mit der Bitte an Gott um den Schutz des Monarchen. Die Umschrift der Rückseite nennt den Prägeort Toledo und die Jahreszahl 1224. Im Unterschied zu den almoravidischen Münzen, bei denen eine Jahreszahl in islamischer Zeitrechnung genannt wurde, zeigen die Münzen Alfons VIII. die Jahreszahlen nach der spanischen Era. Die Angabe der Jahreszahl ist für mittelalterliche Münzausgaben christlicher Herrscher ungewöhnlich und wurde erst im 16. Jahrhundert üblich. Die Jahresangabe auf der Münze bedeutet in christlicher Zeitrechnung 1186 n. Chr., weitere Prägungen zeigen umgerechnet die Angaben 1187 und 1213. Die alfonsinischen Maravedís wurden wegen ihres Status als offizieller Goldwährung und ihres einheitlichen Goldgehalts zur bevorzugten Goldmünze im christlichen Teil der iberischen Halbinsel. Die Prägung dieser Münzen wurde bis in die Herrschaft Heinrich I. fortgesetzt.
León Ferdinand II. von León (reg. 1157–1188) ließ nach den ersten Münzen Alfons VIII. von Kastilien ebenfalls Maravedí schlagen, die in Gewicht und Goldgehalt mit den Münzen Kastiliens übereinstimmen. Die Vorderseite der Münzen zeigt das Kopfbild des Königs, auf der Rückseite ist der berittene König mit erhobenem Schwert dargestellt. Die Münzen tragen keinerlei Hinweis auf die Mauren. Sie wurden als zweiter Maravedí alfonsí, als Maravedí de busto, Maravedí nuevo oder Maravedí leonés bezeichnet. Von diesen Münzen sind nur sehr wenige Stücke überliefert.
Maravedí aus Gold, 12. und 13. Jahrhundert Name Alternative Namen Zeit Anmerkungen Maravedí Maravedí, Marabotin, Alfonsinischer Maravedí 1172 Kastilien, Alfons VIII., keine bildlichen Darstellungen außer dem Kreuz, arabische Inschrift mit christlichem Bezug Maravedí Maravedí, Marabotin, Alfonsinischer Maravedí 1186, 1187, 1213 Kastilien, Alfons VIII., keine bildlichen Darstellungen außer dem Kreuz, arabische Inschrift mit christlichem Bezug Maravedí Maravedí, Marabotin, Maravedí de busto, Maravedí nuevo, Maravedí leonés spätes 12. Jahrhundert León, Ferdinand II., Büste Ferdinand II., Rückseite der berittene König, keine arabische Inschrift
Andere spanische „Maravedí“ Es gibt weitere Münzen aus dem spanischen Mittelalter, die in älterer Literatur gelegentlich zu den Maravedí gezählt, oder als deren direkte Vorläufer betrachtet werden. Alfons VI. von León ließ nach der Einnahme von Toledo um 1085 Dinare und Halbdinare aus Silber schlagen. Diese Münzen trugen als Beschriftung das islamische Glaubensbekenntnis „Es gibt keinen Gott außer Gott“, einen Hinweis auf das Jahr der Übergabe der Stadt und Toledo als den Ort der Herstellung. Im Jahre 1157 wurden unter Ferdinand II. von León (reg. 1157–1188) Silberdenare geschlagen, Leones, die sein Brustbild und einen zum Sprung bereiten Löwen zeigten.
Maravedís im 13. bis 14. Jahrhundert mini|Pepión, Golddinar, Ferdinand III. von Kastilien (reg. 1217–1230) mini|Cornado, Maravedí, Heinrich II. von Kastilien (reg. 1369–1379)
Unter Ferdinand III. (reg. 1217 bis 1230 Kastilien, bis 1252 Kastilien und León) wurden Goldmünzen im Gewicht des muslimischen Halbdinar geschlagen, die die Bezeichnung Maravedí bueno erhielten, aber nur drei Fünftel des Gewichts eines Alfonsinischen Maravedí hatten. Nachdem diese Münze in Umlauf gelangt war, wurde der muslimische Dinar als „doppelter Maravedí“ oder Dobla bezeichnet, darauf geht die Bezeichnung „Dublone“ zurück. Der Alfonsinische Maravedí, auch unter den Bezeichnungen Maravedí viejo, Maravedí castellano oder Alfonsí, blieb bis in die Herrschaft Alfons X. die wichtigste Goldmünze im Umlauf. Darüber hinaus ließ Ferdinand eine Silbermünze, den León, und die Pepiónes schlagen, von denen 180 Stück auf einen Maravedí bueno gingen.
Im Jahr 1252 schaffte Alfons X. von Kastilien und León (reg. 1252–1284) den Silber-León Ferdinands und die Pepiónes wieder ab. Er führte die silbernen Maravedís blancos oder Maravedís de los Burgaleses ein, sechs von ihnen entsprachen einem alten Gold-Maravedí. Diese Münzen erhielten später die weiteren Bezeichnungen Maravedís viejos, Moneda viejo oder Moneda blanca. Bereits nach sechs Jahren zog Alfons dieses Geld wieder aus dem Verkehr und ersetzte es durch Billonmünzen mit den Bezeichnungen Maravedíses negros, Maravedís de los Prietos oder Prietos, die als Münzen bis in das späte 15. Jahrhundert unter Isabella I. und Ferdinand II. geprägt wurden. Die Einführung einer bereits von Ferdinand III. vorbereiteten neuen Goldwährung, die sich an dem doppelten Dinar der Almohaden anlehnte und von ihm das Münzgewicht übernahm, war das Ende des Maravedí als Goldmünze. Gleichzeitig wurde die neue Währung nicht mehr auf die römische Libra, sondern auf die Kölner Mark berechnet. Auf diese Münzreform, bei der einer Golddublone ein Wert von 35 Maravedí zugeordnet wurde, geht auch die Verwendung des Maravedí als Rechnungseinheit zurück.
Im Jahr 1281 führte Alfons X. eine zweite Serie „weißer“ Münzen ein, die Blancos segundos oder Maravedís novenes. Vier Maravedís novenes entsprachen einem Maravedí de los Prietos, zehn Maravedís novenes einem Maravedí de los Burgaleses, oder sechzig Maravedís novenes einem alten Gold-Maravedí. Diese Münzen wurden während des 13. Jahrhunderts weiter geprägt, und unter Johann I. (reg. 1379–1390) als „gegenwärtige Maravedís“ bezeichnet, gegenüber den alten Maravedís de los burgaleses, die auch „Maravedís der guten Währung“ genannt wurden.
Zu den Münzen Alfons X. kamen im Jahr 1286 die durch seinen Nachfolger Sancho IV. (reg. 1284–1295) eingeführten Coronados, später auch Cornados genannt, von denen sechs einem „Burgalesen“ entsprachen. Bedeutender war die Einführung einer Serie neuer Goldmünzen durch Alfons XI. (reg. 1312–1350). Er schuf die Doblas, später auch Castellanos genannt, eine Goldmünze im Gewicht von zunächst 48 Doblas aus 989er Gold auf eine Kölner Mark, die im Münzwesen die Rolle des Maravedí übernahm. Unter der Herrschaft von Peter I. von Kastilien und León (reg. 1350–1369) wurde der Real de Plata mit 66 Reales auf eine Kölner Mark eingeführt, ein Maravedí entsprach Real oder Castellano.
Es gab auch Münzen zu zwei, vier, sechs und acht Maravedí, deren Wert häufig durch Gegenstempel geändert wurde. Unter der Herrschaft von Heinrich III. (reg. 1390–1406) gab es schließlich 132 verschiedene Münzen im Königreich. Der Mangel an kleinen Münzen für den alltäglichen Gebrauch und die größere Wertschätzung für die Goldmünzen aus Frankreich und anderen Ländern führten dazu, dass die spanischen Goldmünzen nach und nach in kleine ausländische Münzen umgetauscht wurden und das Staatsvermögen schwand. Ein Ergebnis war, dass alltägliche Geschäfte überwiegend mit ausländischen oder illegal hergestellten Kupfermünzen abgewickelt wurden.
Maravedís im 15. und 16. Jahrhundert mini|Cuartillo, Heinrich IV. von Kastilien (reg. 1454–1474) mini|Blanca, Maravedí, Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón (reg. 1474–1504) mini|Doble excelente, 750 Maravedí, Katholische Könige, nach 1497