Der Hansetag (auch „gesamthansische Tagfahrt“) bezeichnet die Zusammenkunft von Vertretern der Hansestädte, um alle wichtigen Angelegenheiten der Gemeinschaft zu behandeln.

Bedeutung Der Hansetag war die oberste Instanz und das Organ der Gemeinschaft, auf dem ihre Interessen ausgehandelt, beschlossen und durchgesetzt wurden. Hierzu zählen insbesondere die Ratifizierung von Verträgen, das Aushandeln von Handelsprivilegien, Verhandlungen mit ausländischen Herrschern, Entscheidungen über Frieden, Krieg und Wirtschaftsblockaden, Festlegungen von wirtschaftlichen Vorschriften und die Aufnahme oder der Ausschluss aus der Gemeinschaft.

Zur Klärung regionaler Fragen fanden neben den Hansetagen Drittel- und Regionaltage statt.Ph. Dollinger: Die Hanse. 1998, S. 116–118.

Neben dem Hansetag gab es keine weiteren Organisationsstrukturen der Hanse, er kommunizierte in direkter Linie mit den Mitgliedern der Städtegemeinschaft. Die Organisationsform der Hanse wird daher auch als ein flaches, horizontal strukturiertes Netzwerk verstanden.Margrit Schulte Beerbühl: Das Netzwerk der Hanse. 21. Juli 2011.

Jeweils zum Abschluss eines Hansetages wurde ein Sitzungsprotokoll (der Hanserezess) mit den Tagungsergebnissen und Beschlüssen erstellt und den Ratssendboten für ihre Städte als Kopie übergeben. Die Hanserezesse, die die politischen Entscheidungsprozesse der Hanse dokumentieren, sind für die Geschichtsforschung von großem Wert, sie wurden jedoch nur bis einschließlich 1537 veröffentlicht.R. Hammel-Kiesow: Die Hanse. 2014, S. 17., Hansischer Geschichtsverein.

Die erste Versammlung der Hansestädte, auf der Vertreter der Städte aus allen drei Dritteln zusammenkamen, fand 1356 in Lübeck statt, sie wird daher als der erste allgemeine Hansetag bezeichnet.Ph. Dollinger: Die Hanse. 1998, S. 78. Städtebündnisse, wie der wendische und westfälische Städtebund existierten bereits 100 Jahre vorher, die auf Tagfahrten ihre gemeinsamen Interessen abstimmten. Der erste Eintrag eines Hansetages in Hanserecesse Band 1 aus dem Jahr 1256 berichtet über eine Zusammenkunft in Wismar, bei der ein Streit zwischen den Städten Lübeck und Rostock beigelegt werden sollte. Eine erste Zusammenkunft zweier Städtebündnisse fand 1305 statt, zu der Lübeck im Namen der wendischen Städte die westfälischen Städte zu einer gemeinsamen Tagfahrt eingeladen hatte. Es war der Beginn der allgemeinen Versammlungen der Hansestädte und kennzeichnet auch den Übergang von der Kaufmannshanse in den hansischen Städtebund.

Der bevorzugte Versammlungsort der Hanse war Lübeck aufgrund seiner Vorrangstellung und geografischen Lage. Zwischen 1356 und 1480 fanden von 111 Hansetagen 76 in Lübeck statt (mit Teilnahmen von drei Dritteln wie auch von zwei Dritteln).Ph. Dollinger: Die Hanse. 1998, S. 117–119. Es war auch überwiegend Lübeck, das die Initiative zur Einberufung eines Hansetages ergriff.

Die Beteiligung der Mitglieder an den Hansetagen war überwiegend gering, in der Regel waren nur 10 bis 12 Städte durch ihre Ratssendboten vertreten. Die größte Anzahl betrug 39 Abordnungen im Jahr 1447, kaum die Hälfte der Gesamtzahl. Ein Hauptübel war das Nichterscheinen, weil die Städte die Reisekosten für die Abgeordneten sparen wollten. Das Ausbleiben wurde wiederholt durch Geldstrafen geahndet. Neben den Ratssendboten wurden gelegentlich auch hochgestellte Gäste, wie der Kaiser, der Erzbischof oder Fürsten zum Hansetag eingeladen.

Heute existieren zwei Bedeutungen: Der (historische) Hansetag, auf dem die Beschlussfassungen des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Städtebundes der Hanse erfolgten, und die Hansetage der Neuzeit.

Hansetage von 1356 bis 1669 Im Folgenden werden die Hansetage wie die Städtetage vom Beginn des ersten Hansetages im Jahr 1356 bis zum letzten Hansetag im Jahr 1669 in Lübeck tabellarisch erfasst. Angemerkt werden schlagwortartig besondere Beschlüsse und ihre zeitlichen Einordnungen in die Geschichte der Hanse und ihrer Mitgliedsstädte.

Hansetage von 1356 bis 1365 Datum Tagungsort Teilnehmer/Vertreter Beschlüsse und zeitliche Einordnungen 2. Febr. 1356 Lübeck Entsandte Ratssendboten nach Brügge:Lübisches Drittel, Lübeck, Hamburg und Stralsund;Westfälisch-preußisches Drittel, Dortmund, Soest, Thorn und Elbing;Gothländisches Drittel, Gotland und livländische Städte. Erster allgemeiner Hansetag: Die wichtigste Entscheidung auf dem Hansetag war der Beschluss, eine Gesandtschaft unter Leitung des lübischen Ratsherrn Jakob Pleskow und Vertretern der drei hansischen Drittel nach Brügge zu schicken, um mit dem Grafen von Flandern über schwelende Streitfragen zwischen Flandern und deutschen Kaufleuten zu verhandeln. Die am 12. Juni 1356 in Brügge stattgefundenen Verhandlungen erreichten jedoch nicht die gewünschten Ziele. Dagegen konnte das bislang unabhängige deutsche Kontor in Brügge unter die Kontrolle der Hansestädte gebracht werden. Der Recess zu Brügge vom 12. Juni 1356 enthält über drei Seiten das Verzeichnis der Älterleute zu Brügge nebst ihren Herkunftsorten.G. Waitz u. a.: Hanserecesse. Band 1, Nr. 199, S. 125–131.Ph. Dollinger: Die Hanse. 1998, S. 78 und 80. 4. Aug. 1356 Lübeck Verhandlungen über Streitfragen zwischen Kampen und den Städten Stralsund, Rostock und Wismar, die mit einem Schiedsspruch Lübecks und Greifswalds beendet werden konnten.G. Waitz u. a.: Hanserecesse. Band 1, Nr. 202–211, S. 131–133. Durch den zunehmenden Seehandel auf der Ostsee wurden 1356 in Greifswald die Schonenfahrer- und die Bergenfahrer-Companie gegründet. 20. Jan. 1358 Lübeck Lübisches Drittel: Lübeck (Bertram Vorrade, Johann Wittenborg), Goslar, Hamburg, Rostock, Stralsund, Wismar und Braunschweig;Preußische Städte: Thorn und Elbing. Die westfälischen und livländischen Städte fehlten. Wegen der Verletzung von Handelsprivilegien in Flandern wurde eine Wirtschaftsblockade gegen ganz Flandern einschließlich der Städte Antwerpen und Mecheln beschlossen. Wegen der anhaltenden Mangelversorgung insbesondere von Getreide akzeptierte Flandern 1360 in einem Friedensschluss die Forderungen der Hanse, womit die Blockade beendet wurde. Der Sieg der Hanse im Wirtschaftskrieg gegen Flandern wurde als Zeichen für die Durchsetzungskraft der geeinten Städtegemeinschaft angesehen.G. Waitz u. a.: Hanserecesse. Band 1, Nr. 212, S. 135–139.Ph. Dollinger: Die Hanse. 1998, S. 80–82. 3. Aug. 1358 Lübeck Bremen nimmt in Lübeck vor der Versammlung der wendischen Städte die Bedingungen für die Zulassung zur Hanse an. Dazu zählen, zur Verteidigung des Öresundes ein Kriegsschiff mit 50 Bewaffneten und zur Verteidigung der Elbe (Hamburg) ein Schiff mit 100 Bewaffneten bereitzustellen. Sollten Bremer Kaufleute gegen eine verhängte Blockade verstoßen, dann würden diese ihre Güter und ihr Leben verlieren.G. Waitz u. a.: Hanserecesse. Band 1, Nr. 216, 217, S. 139–145. 1275 war Bremen wegen Weigerung, sich an der Blockade gegen Norwegen zu beteiligen, ausgeschlossen worden.Ph. Dollinger: Die Hanse. 1998, S. 536. 1. Nov. 1358 Rostock Lübeck, Hamburg, Wismar, Rostock, Stralsund, Greifswald, Anklam und Demmin. Die versammelten Städte beschlossen ein Schutz- und Treuebündnis auf drei Jahre gegen die Fürsten und Herren, die die Rechte der Städte einschränken würden.