mini|Die Ludendorff-Brücke zwischen 8. und 10. März 1945 mini|Die Brücke am 11. März 1945 mini|Strukturelle Schäden im Bereich des nördlichen Strompfeilers (März 1945) mini|US-Militär überquert die Ludendorff-Brücke mini|Die Brücke am 17. März 1945 vier Stunden vor dem Einsturz mini|Die Brücke am 17. März 1945 nach dem Einsturz mini|Brückenkopf in Remagen (1950)

Die Ludendorff-Brücke, als Brücke von Remagen bekannt, war eine zweigleisige Eisenbahnbrücke über den Rhein zwischen Remagen und Erpel. Sie wurde 1916, im Ersten Weltkrieg, aus militärischen Gründen in Auftrag gegeben und am 1. Mai 1918 nach General Erich Ludendorff benannt. Am 15. August 1918 fand die Einweihung statt. Wegen Schwierigkeiten beim Bau des Tunnels durch die Erpeler Ley und des Einschnitts in Erpel konnten die Schienen erst Mitte 1919 verlegt werden. Die Eisenbahndirektion Köln übernahm die Brücke am 23. Juli 1919, die Betriebseröffnung einschließlich der Zuführungsstrecken folgte am 1. September 1919. Die Brücke war das letzte große Bauprojekt der Preußischen Staatseisenbahnen.Volkhard Stern: Die Brücke von Remagen. In: Köln-Bonner Verkehrsmagazin Heft 11/2009, online

Am 7. März 1945, in der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs, erreichte eine kleine Vorhut von US-Soldaten die unzerstörte Brücke und eroberte sie. Dies ermöglichte es einigen westalliierten Divisionen, den Rhein zu überqueren, auf dem rechten Rheinufer einen Brückenkopf zu besetzen und ihren Vorstoß Richtung Ruhrgebiet zu beschleunigen. Es war der erste feste alliierte Übergang über den Rhein, jedoch wurden anderenorts sehr schnell Pontonbrücken von Pioniereinheiten über den Rhein errichtet, so dass der militärische Nutzen der Brücke für die Alliierten schnell zurückging. Die Brücke erlangte durch den 1969 erschienenen US-Kriegsfilm Die Brücke von Remagen besondere Bekanntheit. Beim Rückzug der Heeresgruppe B unter Generalfeldmarschall Walter Model auf die rechte Seite des Rheins 1945 sollten nach dem Willen der Wehrmachtführung alle Rheinbrücken gesprengt werden. Bei der Ludendorff-Brücke wurde aber weniger (300 kg statt 600 kg) und weniger effizienter Sprengstoff (Donarit statt Ecrasit) verwendet als geplant. Bei der Sprengung wurde die Brücke kurz aus ihren Lagern gehoben, aber nur beschädigt.

Wehrmachtsoldaten versuchten in den Tagen nach der Eroberung vergeblich, die Brücke zu zerstören. Sie stürzte schließlich am 17. März 1945 ein, wahrscheinlich eine Folge der Sprengung, der Kampfhandlungen seitdem und der hohen Belastung durch die westalliierte Nutzung der Brücke. Adolf Hitler ließ mehrere Offiziere, die für die nicht erfolgte Zerstörung verantwortlich gemacht wurden, von einem Standgericht verurteilen und erschießen.

In der Nachkriegszeit erwog die Deutsche Bundesbahn, die Brücke wieder aufzubauen; 1960 wurde eine Kostenprognose erstellt. Nach der Elektrifizierung der linken und der rechten Rheinstrecke (bis Mai 1962) ließ man diese Pläne fallen; die bis dahin freigehaltenen Zuführungsgleise in Remagen und Erpel wurden später aufgegeben. Die Strompfeiler der Brücke wurden im Sommer 1976 aus dem Flussbett entfernt. Übriggeblieben sind heute nur noch die Brückentürme auf beiden Seiten und Teile der Zufahrtsrampe. Sie und der Erpeler Eisenbahntunnel stehen unter Denkmalschutz.

Geschichte Ludendorff-Brücke Die Ludendorff-Brücke bestand von 1918 bis 1945. Ihre Brückentürme stehen linksrheinisch am Südende der Remagener Rhein-Promenade und rechtsrheinisch am südlichen Ortsrand von Erpel am Fuß der Erpeler Ley. Im Rahmen des Schlieffen-Plans wurde aus militärstrategischen Gründen eine Brücke an dieser Stelle bereits 1912 geplant, ebenso die Kronprinzenbrücke bei Urmitz und die Hindenburgbrücke bei Rüdesheim. Sie wurde aber erst von 1916 bis 1918, während des Krieges, auf Drängen der deutschen Generalität erbaut. Mit den beiden anderen dieser Brücken bildete sie eine „Brückenfamilie“ aus Eisenbahnbrücken über den Rhein und sollte vor allem als Verbindung von der rechten Rheinstrecke über die Ahrtalbahn zur Eifelbahn dienen und den Nachschub an die Westfront verbessern. Am 25. April 1918 gab Kaiser Wilhelm II. der neu erbauten Rheinbrücke den Namen Ludendorff-Brücke zu Ehren des Ersten Quartiermeisters, General der Infanterie Erich Ludendorff, und am 1. Mai 1918 wurde sie in Betrieb genommen.Telegramm aus dem Großen Hauptquartier vom 25. April 1918 Der Rat der Stadt Remagen ernannte am folgenden Tag Ludendorff in einer außerordentlichen Sitzung zum Ehrenbürger. Die einzigen Soldaten, die sie überquerten, waren Kriegsheimkehrer. Nach der Fertigstellung des Tunnels durch die Erpeler Ley wurde die Eisenbahnstrecke am 1. September 1919 eröffnet.

Der Brückenzug war insgesamt 398 Meter lang. Er hatte im linksrheinischen Vorland zwei massive Gewölbebögen mit jeweils 30 m lichter Weite und über den Strom eine 325,41 m lange Stahlbrücke. Die bestand aus einer Bogenbrückenkonstruktion in der Mitte, beidseitig flankiert von parallelgurtigen Fachwerkträgern mit jeweils unten liegender Fahrbahn. Der Zweigelenk-Fachwerkbogenträger mit Zugband und Kragarmen hatte eine Stützweite von 156,21 m, die Fachwerkträger hatten Spannweiten von jeweils 84,6 m. Der höchste Punkt des Brückenbogens lag 28,5 m über der Fahrbahn. Die lichte Höhe über dem normalen Wasserstand des Rheins betrug 14,8 m. Die 4.642 t schwere Stahlbrücke kostete rund 2,1 Millionen Mark. Die Konstruktion ähnelte der Binger „Hindenburgbrücke“ und der Urmitzer „Kronprinzenbrücke“. Der Mannheimer Architekt Karl Wiener wirkte bei der architektonischen Gestaltung der Brücke mit. An beiden Seiten befand sich ein Fußgängersteg.Hans-Wolfgang Scharf: Eisenbahn-Rheinbrücken in Deutschland, EK-Verlag, Freiburg 2003, ISBN 3-88255-689-7, S. 190.

Die Bauunternehmen Grün & Bilfinger und Philipp Holzmann errichteten die Brückenpfeiler und die Gewölbe; das MAN Werk Gustavsburg errichtete die stählerne Strombrücke. Bei den Bauarbeiten wurden auch russische Kriegsgefangene eingesetzt. Da die Brücke ein militärisch bedeutendes Bauwerk war, wurden beide Widerlager der Brücke mit den noch heute erhaltenen, festungsartigen Brückenköpfen versehen. Diese Türme haben Schießscharten, Vorratslager und Truppenunterkünfte für die Brückenbesatzungen. Von den Flachdächern hat man einen Rundumblick über das gesamte Tal. Die Brücke konnte schnell für Fußtruppen und Straßenfahrzeuge benutzbar gemacht werden, indem die Eisenbahnschwellen mit Holzplanken überdeckt wurden.

Nach dem Ersten Weltkrieg rollten nur noch wenige Züge über den Rhein; Fußgänger nutzten die Verbindung von Remagen gern, um ins gegenüber liegende Erpel zu gelangen.

Alliierte Rheinlandbesetzung Durch die Alliierte Rheinlandbesetzung ab Dezember 1918 kam auch die Brücke unter ausländische Kontrolle. Ab 1926 verkehrten im Sommer an Sonn- und Feiertagen Züge zwischen Unkel (über die Ludendorff-Brücke) nach Ahrweiler (später bis Kreuzberg) und zurück bis Honnef.Ein neuer Sonntagszug, Honnefer Volkszeitung, 14. Juli 1926Honnefer Volkszeitung, 14. Mai 1927, S. 5Honnefer Volkszeitung, 3. Juli 1928 S. 4 In Friedenszeiten war die Brücke ein touristisches Symbol des Rheinlands.

Remilitarisierung des Rheinlandes Die Franzosen zogen sich 1930 aus dem Rheinland zurück und bauten die Maginot-Linie aus. Die Reichswehr musste noch fernbleiben, erst 1936 kam es durch die Wehrmacht zur Remilitarisierung des Rheinlandes. Ab 1937 verlief nach mehrjähriger Unterbrechung erneut für mehrere Jahre im Sommer eine wochenendliche Zugverbindung über die Ludendorff-Brücke, nunmehr zwischen Ahrweiler und Königswinter.Mittelrheinische Landes-Zeitung, 6. Juli 1936, S. 10 (zeitpunkt.nrw)Mittelrheinische Landes-Zeitung, 9. Juli 1939, S. 7 (zeitpunkt.nrw)

Auch die Ludendorff-Brücke wurde von Pionieren der Reichswehr und der Wehrmacht sorgfältig für eine möglicherweise notwendig werdende Zerstörung vorbereitet: an ausgewählten Stellen war Platz für insgesamt 600 kg Pioniersprengstoff, dessen Zündung sie zum Einsturz bringen würde.

1939, bei Beginn des Zweiten Weltkrieges, wurde die Brücke von einer Brückenwach-Kompanie übernommen und zur Sprengung vorbereitet. Nach dem erfolgreichen Westfeldzug der Wehrmacht – er begann am 10. Mai 1940 und endete am 22. Juni mit der Besetzung von Nordfrankreich – wurde der Sprengstoff wieder ausgebaut und in ein Lager nahe Darmstadt gebracht. Eine Bedeutung für den Krieg war nicht abzusehen.

Am 19. Oktober 1944 erhielt die Brücke einen schweren westalliierten Bombentreffer; am 29. Dezember 1944 (während der deutschen Ardennenoffensive) und Ende Januar 1945 wurde sie erneut bombardiert.

Vorbereitung der Sprengung mini|Rheinfront mit der Brücke Nach der alliierten Invasion in der Normandie 1944 waren 600 kg TNT aus Darmstadt herangeschafft worden; doch der speziell in verschiedene Formen gegossene Sprengstoff wurde anderweitig von der Wehrmacht verwendet, so dass Ersatzlösungen genutzt werden mussten. Zusätzlich war eine sogenannte Schnellladung vorgesehen, die gezündet werden sollte, „wenn beschleunigtes Zünden notwendig ist, z. B. im Falle des Störens der planmäßigen Sprengvorbereitungen durch den Feind.“Lothar Brüne, Jakob Weiler: Remagen im März 1945. Vgl. Literaturangaben Für diese Schnellsprengung wären ebenfalls 600 kg Sprengstoff notwendig gewesen. Das Sprengmaterial durfte laut Befehl erst an der Brücke angebracht werden, sobald der Feind näher als acht Kilometer an die Brücke herangekommen war. Dies sollte eine unbeabsichtigte Sprengung verhindern, wie es bei der Mülheimer Brücke in Köln durch Bombeneinschläge geschehen war.

Der deutsche Kampfkommandant von Remagen, Hauptmann Wilhelm Bratge, wollte die Sprengung so früh wie möglich durchführen. Er hatte am Morgen des 7. März 1945 nur noch 36 Soldaten an der Brücke. Die Truppen der 1. US-Armee stießen jetzt nördlich und südlich an Remagen vorbei, da sie mit einer baldigen Sprengung der Brücke rechneten. Ein Teil der Bevölkerung suchte in dem Eisenbahntunnel Zuflucht, der sich rechtsrheinisch an der Brücke anschließt. Zur Verwirrung auf deutscher Seite führte die Übertragung der Befehlsgewalt in der Nacht auf Major Hans Scheller, den Adjutanten des zwischen Remagen und Schleiden eingesetzten LXVII. Armeekorps unter General Otto Hitzfeld, wovon Hauptmann Bratge erst am 7. März um 11:00 Uhr erfuhr. Scheller wurde von seinem Kommandierenden General beauftragt, die wichtige Aufgabe an dem Brückenkopf zu übernehmen. Der Major wollte die Brücke so lange wie möglich offen halten, damit noch möglichst viele deutsche Soldaten und ihr schweres Gerät (einige Panzer und Artilleriegeschütze) die Brücke überqueren konnten.Seite 40 Der verantwortliche Brückenoffizier, Hauptmann Friesenhahn, forderte 600 kg Pioniersprengstoff an, erhielt um 11:00 Uhr aber nur 300 kg Donarit, einen erheblich schwächeren Industriesprengstoff, wie er im Bergbau verwendet wird. Er versuchte, ihn für eine Schnellsprengung auf der rechtsrheinischen Seite einzusetzen.

Versuch der Sprengung und Einnahme durch US-Soldaten mini|Karl H. Timmermann