Als Einheitswagen werden in der Schweiz die Reisezugwagen der Eisenbahn bezeichnet, die nach bestimmten einheitlichen Konstruktionsmerkmalen ab Mitte der 1950er Jahre gebaut wurden. Zuerst wurden normalspurige Einheitswagen gebaut, derweil für die Schmalspur weiterhin Mitteleinstiegswagen gefertigt wurden. Anfang der 1960er Jahre gab es dann auch Einheitswagen-Konstruktionen für die Schmalspurbahnen, die damals einen recht grossen Nachholbedarf in der Erneuerung der Fahrzeuge hatten.

Merkmale Im Unterschied zu den normalspurigen Einheitswagen, die von allen Schweizer Wagenfabriken (SWS, SIG, SWP und FFA) nach einheitlichen Plänen gebaut wurden, ist den Schmalspurwagen die Herkunft anzusehen. Jeder Hersteller hatte für diese Personenwagen seine eigenen Entwürfe. Bei den Schmalspurwagen reicht es deshalb nicht, vom Einheitswagen I (EW I) zu sprechen, es muss auch der Hersteller angegeben werden.

Die gemeinsamen Merkmale der Schmalspur-Einheitswagen sind vierachsiger Leichtstahl- oder Leichtmetall-(Aluminium)-Wagen, Einstiege, Plattform und allfällige Toiletten am Wagenende, gesicktes Wagendach, Grossraumwagen (keine Seitengangabteile).

Im 21. Jahrhundert hat sich der Bedarf an Einheitswagen stark verringert. Die Zahl der Reisezugwagen auf Schmalspurbahnen ist durch die immer weitere Verbreitung der Triebzüge rückläufig. Die letzten in Betrieb gekommenen Wagen gehören deshalb entweder zu den Panoramawagen (die im Baukastensystem des PA 90 auch bereits enthalten waren) oder aber zur Gattung der Niederflurwagen, bei denen die Einstiegstüren aus konstruktiven Gründen wieder gegen die Mitte des Fahrzeuges versetzt werden mussten.

FFA EW I (FFA1) miniatur|RhB Einheitswagen I B 2372 in Chur Ab 1960 erschienen die ersten Vorläufer der Einheitswagen, die so genannten Umbauwagen der RhB. Dabei wurde die ursprüngliche Kasten­einteilung beibehalten und das WC somit in Wagenmitte platziert. Da auch neue Drehgestelle zum Einbau kamen, dürfte die vom ursprünglichen Holzkastenwagen stammende Substanz sehr gering gewesen sein.

1962 kamen dann die ersten Einheitswagen zur Ablieferung. Im Unterschied zu den normalspurigen Wagen, wurden die Einstiege ganz am Wagenende angeordnet und Plattform bzw. WC zwischen Einstieg und Personenabteil. Diese Anordnung kam bei der Normalspur erst mit den EC-Wagen auf.

Mit Rücksicht auf die zum Teil sehr engen Kurvenradien wurden die Wagen auch in verkürzten Versionen gebaut. Einige Bahnen mit eher kurzen Strecken verzichteten auf den Einbau eines WCs.

Nachteilig an diesem Wagentyp ist der sehr enge Sitzteiler in der 2. Klasse. Während die gleichzeitig gebauten Normalspur-Einheitswagen einen Sitzteiler von 1650 mm aufweisen, haben die Schmalspurwagen nur 1550 mm.

Lieferungen FFA EW 1 Bahn Typ Inbetriebnahme Drehgestell A AB B D/DZ RhB St lang mit 2 WC 1962–66 SIG-T 21 A 1223–43 16 AB 1519–34 33 B 2341–73 4 D 4210–132 RhB St 1970 1980 SWSSWP 74 5 D 4214–1818 D 4219–261 RhB Alu verkürzt mit WC 1968 SIG-T 4 A 1253–56 RhB Alu kurz mit WC 1968–72 SWP 68 6 AB 1541–46 18 B 2307–14, 2451–60 RhB Alu lang mit WC 1969 SWP 68 ABt 1701–031 5 B 2315–19 DZ 4231–331 RhB Alu lang mit WC 1971 SIG-S 4 ABDt 1711–14 4 4 B 2411–14 3 RhB Alu lang mit WC 1979 SWP 74 2 ABDt 1715–16 4 2 B 2415–16 3 MOB St verkürzt mit WC 1963–64 SIG-T 5 A 103–07 3 AB 301–03 2 B 201–02 AB St lang mit WC 1964–73 SIG-T 2 ABt 61–62 5 6 B 22–27 6 BAM St lang 1964 SIG-T 4 B 61–64 FO Alu verkürzt mit WC 1965–68 SIG-S 10 B 4263–72 3 D 4341–432 LSE Alu lang 1967–69 SIG-S 2 ABt 26–277 6 B 45–507 RBS St lang 1974 SIG 2 ABt 201–2027 Total 185 30 42 90 23 1durch SWS hergestellt, 4233 Nachbau 1981, 1997 Umbau in BD 2481 2Leichtstahlkasten, ohne Einstiegstüren, als Sanitätswagen verwendbar, Inbetriebnahme 1961 3 Zwischenwagen zu Be 4/4 511–516 4 Steuerwagen zu Be 4/4 511–516 5 später Nr. 146–147 6 später Nr. 231–233 und 246–248, heute 241–246 (nicht in gleicher Reihenfolge) 7 heute ZB ABt 926–927, B 545–550, ABt 931–932 (ex 131–32 ex RBS 201–202)

Modernisierte FFA EW I Die MOB setzte 1968 bis 71 vier Wagen B 203–206 in Betrieb, die durch Kombination alter Untergestelle, die 1960–62 neue SIG-Torsionsstabdrehgestelle erhalten hatten und neuer Wagenkasten von FFA nach den Konstruktionsprinzipien des EW I entstanden. Resultat war ein siebenfenstriger leichter Wagen mit offenen Plattformen ohne WC (siehe Leichtstahlwagen (Schweiz, Schmalspur)#Die FFA-Umbauwagen (mit Sickendach)). Um diese Wagen weiter verwenden zu können, liess die MOB die Wagenkasten bei R+J verlängern, mit normalen Einstiegen wie die EW I sowie einem erhöhten Dach versehen und rüstete sie mit neuer Inneneinrichtung und WC aus. So entstanden ab 1994 der B 203 und die BD 204–206. Anschliessend wurden auch einige der oben erwähnten EW I einer vergleichbaren Modernisierung unterzogen. Daraus entstanden die A 106, AB 303 und B 216–17 sowie 218 (AB 301–302 und A 104). Dabei wurde die Fensterteilung beibehalten. Einen noch weitergehenden Umbau erfuhren die A 103, 107 und B 201–202, die ab 2004 einheitliche Wagenkasten mit sechs pullmanartigen Erkerfenstern und mit hohem, sickenlosem Dach erhielten und seither als GoldenPass Classic verkehren.

FFA EW II (FFA2) miniatur|RhB Einheitswagen II B 2381 in Chur Für die weiteren Beschaffungen wollte die RhB den Komfort für den Fahrgast steigern und die durch den Leichtmetallbau möglichen Gewichts­einsparungen generell nutzen. Daraus entstand der 1975 erstmals zur Auslieferung gelangende Einheitswagen II mit vergrössertem Sitzteiler, doppelt verglasten und getönten Scheiben sowie einer Lüftung/Warmluftheizung «Hagenuk». Zur Verbilligung der Fabrikation und gleichzeitiger Erhöhung der Festigkeit wurde systematisch auf Aluminium-Grossstrangpressprofile zurückgegriffen.

Andere Bahnen bestellten ebenfalls Wagen nach den gleichen Konstruktionsprinzipien, allerdings sind die Abmessungen einschliesslich Sitzteiler praktisch für jeden Wagentyp neu festgelegt worden. Bei den Steuerwagen gibt es ausserdem zwei verschiedene Führerstandsformen (RhB/BVZ/LSE mit Stirnwandtüre, AB/CJ/RBS ohne). Die RhB wechselte auch zu einem neuen Drehgestell, nämlich dem Typ SWP 74. Andere Bahnen bevorzugten die FFA-eigene Konstruktion, nochmals andere kauften bei SIG ein.

Lieferungen FFA EW 2 Anzahl Bahn Typ a) Inbetriebnahme Drehgestell Typ und Nummer Sitzteiler Bemerkung 2 RhB kurz 1978 SWP 74 A 1261–62 2031 mm 8 RhB lang 1977–78 SWP 74 A 1263–70 2080 mm 10 RhB lang 1975–76 SWP 74 AB 1561–70 1780/2080 mm 40 RhB lang 1976–80 SWP 74 B 2374–83, 2421–50 1780 mm 4 RhB kurz 1982 SWP 74 BD 2471–74 1780 mm 3 RhB lang, Swt 1982 SWP 74 BDt 1721–23 1780 mm 1 RhB lang 1984 FFA WR 3815 2 BVZ lang, Swt, ohne WC 1980 (SWS) Bt 2241–42 1600 mm heute BDt 3 LSE lang, Swt 1980–91 SIG-S ABt 28–30 1650/2055 mm heute ZB 928–930 7 LSE lang, ohne WC 1989–91 SIG-S B 51–57 1650 mm heute ZB 551–557 5 RBS lang, oSwt, ohne WC 1980–91 SWP 74 ABt 203–207 1630 mm heute BOB 411–415 5 AB/SGA kurz, oSwt, ohne WC 1981 FFA 80 ABt 111–115 1650/1875 mm 3 AB lang, oSwt 1986 FFA 80 ABt 131–133 1650/2000 mm heute Nr. 141–143 4 CJ lang, oSwt 1986 FFA 80 ABt 711–714 1650/2000 mm 2 CJ lang, oSwt 1986 FFA 80 BDt 721–722 1650 mm 6 CJ lang 1986 FFA 80 B 751–756 1650 mm 105 Total a) Swt = Steuerwagen mit Stirnwandtüre (später zugeschweisst), oSwt = Steuerwagen ohne Stirnwandtüre auf der Führerstandseite

FFA EW III (FFA3) Anlass, nicht mehr den EW II weiter zu beschaffen, war dessen Preis. Die RhB fand dann in Gesprächen mit den FFA Möglichkeiten, vor allem im Innenausbau und bei den Ausrüstungsteilen kostengünstiger zu konstruieren, zum Teil durch Verwendung handelsüblichen Materials. Gleichzeitig sollte aber der Komfortlevel erhöht werden. Im Ergebnis entstand eine Serie von 10 Wagen für den Bernina-Express, die EW III genannt wurden, aber nicht weitergebaut wurden. Gegenüber dem EW II änderte sich nicht sehr viel, am auffälligsten sind die nun 1,40 m breiten Fenster auch in der zweiten Klasse. Hingegen seien Einsparungen von CHF 50'000 möglich gewesen.F. Skvor: Neue Wagen für den «Bernina-Express», RhB-Einheitswagen Typ III. in: Eisenbahn-Amateur 11/83, Seiten 721–726

Diese 10 Wagen waren mit allem ausgerüstet, was von Tirano bis Arosa gebraucht werden konnte, das heisst mit Vielfachsteuerung und Einrichtung für drei Heizspannungen (300 V ~, 1000 V =, 2200 V =). Die Arosa-Heizung wurde nach der Umelektrifikation entfernt, der Rest ist weiter vorhanden und wird auch genutzt. Bei der Revision im Jahre 2010 wurden die Wagen umnummeriert und die bisherige 61-polige Vielfachsteuerleitung durch die neue kombinierte LBT/Vielfachsteuerleitung ersetzt. 2015 erhielten die Wagen wieder ihre alten Nummern zurück.

Lieferungen FFA EW 3 Anzahl Bahn Typ Inbetriebnahme Drehgestell Typ und Nummer Sitzteiler Bemerkung2 RhB kurz 1983 SWP 74 A 1271–72 2031 mm 2010–15: 53101–02 8 RhB kurz 1983 SWP 74 B 2461–68 1780 mm 2010–15: 54101–08

PA-90 oder RhB EW IV (PA90) mini|Einheitswagen PA-90 der RhB im Bahnhof Cavaglia Für die zu erwartenden Beschaffungen von Reisezugwagen jener Bahnen, die (noch) nicht zu reinen Triebzugeinheiten übergingen, schuf Schindler Waggon Altenrhein (SWA) ein BaukastensystemWelte Herbert, Schaad Fritz: Ein Baukastensystem für Meterspur-Reisezugwagen. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. 6/1993, Luzern, Minirex. (Konstruktion PA-90 und Drehgestell SIG 90), das bei verschiedenen Fahrzeuglängen die Ausführung mit Festfenstern, Senkfenstern oder als Panoramawagen ermöglichen sollte. Während für die 1. Klasse ein einheitlicher Sitzteiler vorgesehen wurde, konnte in der 2. Klasse zwischen den Varianten Regional- und Fernverkehr gewählt werden. Einheitliche Merkmale aller Wagen sind Aufbau aus Leichtmetall-Grossstrangpressprofilen, elektrisch angetriebene aussenbündige Schwenkschiebetüren, verbesserte Isolation, breitere Fenster (1450 bzw. 1722 mm), geschlossenes WC-System (sofern WC vorhanden). Die etwas festere Aluminiumlegierung, die Grossprofil­bauweise, die vergrösserte Fensterfläche und die verbesserte Isolation zeigten sich aber auch in einem höheren Gewicht. Die Flexibilität des Baukastensystems zeigte sich darin, dass sich die 31 gebauten Wagen auf 11 verschiedene Typen verteilten. Nachbeschaffungen dieses gelungenen Wagentyps gab es nicht, indessen sind viele Elemente in die Konstruktion der Bernina-Express-Panoramawagen eingeflossen.

Lieferungen PA-90 Anzahl Bahn Typ Inbetriebnahme Drehgestell Typ und Nummer Sitzteiler Bemerkung 3 RhB kurz 1992 SIG 90 A 1273–75 2054 mm 7 RhB kurz 1992 SIG 90 B 2491–97 1782 mm 1 RhB kurz 1992 SIG 90 BD 2475 1782 mm 3 RhB lang 1992 SIG 90 A 1281–83 2054 mm 3 RhB lang 1992 SIG 90 B 2391–93 1782 mm 2 SBB lang, Panorama 1994 SIG 90 As 102–103 2054 mm Sitzanordnung 2+2 2 AB kurz, Bz, oF 1992–93 SIG 90 ABt 116–117 1650/2054 mm 4 AB kurz, Bz, oF 1992–93 SIG 902 B 291–294 1650 mm 2 AB kurz, Bz, oF23 1992–93 SIG 902 AB 191–1921 1650/2054 mm heute Nr. 296, 295 2 AB lang 1992–93 SIG 90 ABt 134–135 1650/2054 mm heute Nr. 144–145 2 AB lang 1992–93 SIG 90 B 234–235 1650 mm heute Nr. 247–248 31 Total Bz = Bremszahnrad, oF = ohne Faltenbalg und ohne WC 1AB 192 wurde als B 192 ausgeliefert und zu B 295 umnummeriert, AB 191 2005 zu B 296 umgebaut 2B 292 und 296 erhielten 2005 FFA-Drehgestelle, 296 ohne Bz. Die SIG 90-Drehgestelle gingen an ABt 121–123 3B 296 ist seit 2010 mit Faltenbälgen ausgerüstet

SIG EW I oder Brünig Typ III (SIG1) miniatur|BOB SIG Einheitswagen I B 242 in Interlaken