Die Schlacht im Ia-Drang-Tal war das erste große militärische Aufeinandertreffen US-amerikanischer und nordvietnamesischer Truppen während des Vietnamkriegs. Die Schlacht, die sich in zwei Teile gliedern lässt, erstreckte sich vom 14. bis zum 18. November 1965 in der Nähe zweier Landezonen im zentralen Hochland Vietnams. Der Name der Schlacht leitet sich vom Fluss Drang ab, der das Tal durchfließt, in dem die Schlacht stattfand.
Die amerikanischen Einheiten setzten sich aus Teilen des 1. und 2. Bataillons des 7. Luftkavallerie-Regiments und dem 2. Bataillon des 5. Luftkavallerie-Regiments zusammen. Auf kommunistischer Seite traten das 33., 66. und das 320. Regiment der nordvietnamesischen Armee (NVA) an, die von Teilen des H15-Bataillons des FNL unterstützt wurde.
Die Thematik der Schlacht wurde aus amerikanischer Sicht unter anderem in einem Buch (Moore & Galloway: We Were Soldiers Once… And Young, Random House, 1992) und der Verfilmung Wir waren Helden (2002) mit Mel Gibson dargestellt.
Hintergrund alternativtext=Karte der Entwicklung in Indochina 1964 bis 1967|mini|links|Entwicklung in Indochina 1964 bis 1967 Während der Jahre 1963 und 1964 waren die Truppen der Republik Vietnam, die pro-westlich war, durch eine Reihe militärischer und politischer Fehlschläge stark geschwächt. Vor seinem Sturz 1963 hatte der damalige Präsident Ngô Đình Diệm befohlen, die FNL auf keinen Fall in größeren Gefechten anzugreifen, was dem Widerstand erlaubte, relativ unbehelligt große Truppenteile aufzubauen. Selbst nach seinem Sturz waren die Kommandeure mehr mit Umstürzen gegeneinander beschäftigt als damit, die FNL zu bekämpfen.
In diesem Machtvakuum konnten sich ihre Truppen relativ ungehindert bewegen und größere militärische Operationen durchführen. Zuerst kümmerten sie sich nur um den Aufbau einer Armee, aber ab Ende 1964 trauten sie sich auch größere militärische Operationen zu, so dass sich langsam, aber sicher ein echter Krieg entwickelte. Die FNL (Vietcong) war der Armee der Republik Vietnam (ARVN) dabei in allen Belangen überlegen. Bis auf einige Großstädte waren fast alle Gebiete in der Hand der FNL, die zunehmend durch Nordvietnam unterstützt wurden.
mini|links|hochkant|General William Westmoreland, Kommandeur des MACV
Aufgrund dieser Probleme drängten die amerikanischen Militärberater des MACV darauf, das Kommando an amerikanische Generäle zu übergeben. Der Beauftragte für Vietnam, General William C. Westmoreland, sah es jedoch als besser an, eigene Truppen nach Südostasien zu schicken. Nach dem von der US-Administration bewusst hochgespielten Zwischenfall im Golf von Tonkin und der Ankunft von Marines in Vietnam im März 1965 begann er damit, die Truppen zu verstärken und auf große Operationen vorzubereiten.
Im Sommer 1965 waren die FNL nicht nur die uneingeschränkten Herren über einen Großteil der ländlichen Gebiete, sie hatten auch ein größeres Gebiet nordöstlich von Saigon zu einem militärischen Sammelpunkt ausgebaut, da die Region relativ schlecht zu erreichen war. ARVN-Einsätze gab es dort kaum, und so wurden viele Stützpunkte der FNL und NVA aufgebaut. Das Gebiet wurde später als Eisernes Dreieck bekannt. Im Sommer 1965 sammelten sich dort große Truppenteile der NVA, um mit einem Angriff Richtung Süd-West die Republik Vietnam in zwei Hälften zu trennen.
Die US-Armee sah dies als ideale Gelegenheit, neu entwickelte Taktiken auszuprobieren, in denen Hubschrauber eine große Rolle spielten. Diese sollten größere Truppenteile ins Kampfgebiet transportieren, versorgen und wieder zurückbringen. Da keine schweren Waffen mitgeführt werden konnten, sollten die Bodentruppen mit koordinierten Luft- und Artillerieschlägen unterstützt werden. Dafür wurde die 1. US-Kavalleriedivision (luftbeweglich) nach Vietnam verlegt. Im Juli 1965 bezog sie ihr Lager in Camp Radcliffe, An Khe. Im November war sie fast vollständig einsatzbereit.
Am 27. Oktober wurde die 1. Brigade der 1. Kavalleriedivision auf eine Suchen-und-Zerstören-Mission (Search and Destroy) geschickt (Operation SILVER BAYONET), um FNL-Kampfeinheiten zu vernichten, die erfolglos versucht hatten, ein Lager bei Plei Me zu erobern. Der Feind wurde nicht gefunden, und Westmoreland befahl, die Suche in Richtung der Grenze zu Kambodscha auszudehnen. Der Kommandeur des 7. Kavallerieregiments kehrte jedoch nach Pleiku zurück, da er nicht sicher war, wo er den Feind finden solle. Dort erfuhr er von der Aufklärung von einer Truppenkonzentration am Chu-Pong-Berg, 22 Kilometer südwestlich von Plei Me. Er schickte ein schwer bewaffnetes Aufklärungsteam in die Region, um die Angaben zu überprüfen. mini|hochkant|Harold G. Moore (10. Mai 2010)
Die Schlacht Lieutenant Colonel Harold G. Moore, Kommandeur des 1. Bataillons des 7. Kavallerieregiments, sollte den Einsatz leiten. Er bekam ausdrücklich den Befehl, den Berg nicht zu stürmen. In der Gegend gab es einige mögliche Landezonen, Moore wählte „X-Ray“, eine flache Wiese. Diese war umgeben von kleinen Bäumen am nördlichen Fuß des Berges. Sie wurde durch ein ausgetrocknetes Flussbett begrenzt. Der Ia-Drang-Fluss war ca. 2 Kilometer entfernt. Die Landezone Albany, die später noch eine Rolle spielte, war ebenfalls so weit entfernt. Artillerieunterstützung erfolgte aus der Fire Support Base „Falcon“, ca. 8 Kilometer im Nordosten. Die Landezone hatte etwa die Größe eines Footballfeldes. Dort sollten im Abstand von 30 Minuten vier Kompanien durch 16 Hubschrauber des Typs UH-1 „Huey“ je Anlandung abgesetzt werden.
Nach Moores Plan sollten die Kompanien Alpha und Bravo nach Nordwesten Richtung Fluss vorrücken, Charlie nach Süden in Richtung Berg. Die schwere Infanteriekompanie Delta sollte mit Mörsern und schweren Maschinengewehren als Reserve in der Landezone bleiben.
Landung am 14. November mini|hochkant|Schaukarte Südvietnam mit Ia Drang Tal Um 10:48 Uhr am 14. November landeten die ersten Teile der Bravo-Kompanie. Vorher wurde der Feind in der Gegend ca. 30 Minuten mit Luftschlägen und Artilleriefeuer niedergehalten. Moore landete mit seinen Offizieren des Stabes ebenfalls mit der Bravo-Kompanie. Anstatt die Landezone mit den zuerst angelandeten Soldaten zu sichern, befahl Moore Gruppen zur Aufklärung in die Umgebung vorzugehen. Der Großteil von Bravo blieb im Zentrum der Landezone.
Nachdem auch Alpha eingetroffen war, wurde die Kompanie nach Westen über das Flussbett geschickt. Nach ca. 30 Minuten machten die Soldaten einen ersten Gefangenen, einen unbewaffneten FNL-Kämpfer des 33. Regiments. Er sagte aus, dass sich beim Chu-Pong-Berg insgesamt drei Bataillone in Stärke von ca. 1.600 Mann befänden. Ihnen standen zu dieser Zeit nur ca. 200 Amerikaner entgegen.
Um 12:10 Uhr traf die dritte Welle ein, als die ersten Schüsse auf Teileinheiten von Bravo abgefeuert wurden, die nordwestlich des Flussbetts waren. Der 1. und 2. Zug bildeten die Spitze, der 3. Zug diente als Reserve.
Der 1. Zug wurde um ca. 13 Uhr unter schweren Beschuss genommen, musste erste Verluste hinnehmen und wurde niedergehalten. In diesem Augenblick bekam der Zugführer über Sprechfunk die Nachricht vom Führer des 2. Zuges, Lieutenant Henry Herrick, dass er ebenfalls unter Feuer läge und eine Gruppe von Feinden auf der rechten Flanke verfolge.
Bei der Verfolgung der gegnerischen Kämpfer war Herricks Zug zerstreut worden und bereits einige Meter vom Rest des Bataillons entfernt. Als er mit seinem Zug eine Lichtung überquerte, griffen ihn mehrere Wellen von NVA-Truppen an. Während der ersten Minuten des Feuergefechts konnten seine Männer dem Gegner bereits schwere Verluste zufügen. Herrick erkannte die drohende Gefahr und versuchte, zum 1. Zug zu kommen, um einer Umzingelung zu entgehen. Allerdings hatte sich bereits eine größere Feindgruppe zwischen den beiden Zügen postiert. Somit war sein Zug eingeschlossen. Innerhalb kurzer Zeit fielen nun mehrere Männer seiner Einheit. Auch Herrick selbst wurde tödlich getroffen, konnte aber noch wichtige Befehle geben, z. B. die Funkcodes zu vernichten und Artillerieunterstützung anzufordern.
Im Chaos des Gefechts übernahm Sergeant Ernie Savage das Kommando, da er dem Funkgerät am nächsten war und ranghöhere Soldaten gefallen waren. Er bat um Artillerieunterstützung um seine Position herum, um den Feind niederzuhalten. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Zug bereits acht Gefallene und 13 Verwundete. Durch die Führung von Savage und den Einsatz des Sanitäters konnte der Zug seine Stellung für den Rest des Tages halten.
Kampf um das Flussbett Während Herricks Zug vom Rest getrennt war, versuchte dieser einen Verteidigungsring zu halten. Weil inzwischen ein Hubschrauber mit einem Verbindungsoffizier eingetroffen war und über dem Schlachtfeld kreiste, konnte Moore Luftangriffe auf den Berg befehlen, um die Gegner aufzuhalten. Diese griffen nun das Flussbett, das von Alpha verteidigt wurde, mit ca. 150 Soldaten von Süden aus an. Den Truppen wurde ein Gegenangriff befohlen, der jedoch schnell im feindlichen Feuer liegen blieb. Dabei wurde der Führer des 3. Zuges, Lieutenant Bob Taft, getötet und mehrere Soldaten verwundet. Nach einem Rückzug ins Flussbett konnte der Angriff schlussendlich abgewehrt werden.
Die Soldaten Nordvietnams attackierten daraufhin die rechte Flanke des 3. Zuges. Der Angriff konnte gestoppt werden. Bei einem toten FNL-Kämpfer wurde die Erkennungsmarke des gefallenen Offiziers Taft gefunden, der mit seinem Gegenangriff gescheitert war. Nachdem die Guerrilleros ausnahmslos getötet worden waren, schlugen sich einige Soldaten zu den eigenen Gefallenen durch und holten sie zurück. Inzwischen versuchte Bravo, sich zu Herricks abgeschnittenem Zug durchzukämpfen.
Um 14:30 Uhr erreichten die letzten Truppen von Charlie die Landezone. Diese stand bereits unter heftigem Beschuss, sowohl die Hubschrauberbesatzungen als auch die eingetroffenen Soldaten erlitten Verluste.
Delta bezog auf der linken Flanke von Alpha Position. Charlie wurde unterdessen Ziel eines feindlichen Massenangriffs von 175 bis 200 FNL-Kämpfern. Durch freie Sicht konnte schweres Feuer auf die Angreifer gelegt werden, was vernichtende Verluste verursachte. Um 15 Uhr, ca. eine Stunde nach Beginn ihres Angriffs, zogen sich die Nordvietnamesen zurück.
Angriff auf Alpha und Delta Zur selben Zeit wurden auch Alpha und Teile von Delta schwer angegriffen. Mit zwei Maschinengewehren wurde die linke Flanke gedeckt, diese allein waren dafür verantwortlich, dass der Angriff die Stellung nicht erreichen und die Verbindung zwischen Charlie und Alpha unterbrechen konnte. Dabei wurden die MG-Schützen schwer verwundet und zum Zentrum der Landezone gebracht, wo auch die anderen Verwundeten auf ihre Evakuierung warteten.
Bei Delta waren inzwischen die meisten Offiziere ausgefallen, nachdem die FNL-Truppen einen Sturmangriff durchgeführt hatten.
Aufgrund des schweren Abwehrfeuers konnten die Hubschrauber nur zwei Verwundete evakuieren, dann wurde die Landezone vorerst geschlossen. Wenig später boten sich jedoch Kampfhubschrauber an, diese Arbeit zu übernehmen, und viele Verwundete konnten ausgeflogen werden. Dabei wurde ein Offizier getötet, als er gerade einen Kameraden in den Huey hievte.
Verteidigungsstellung Delta sollte nun die Südostseite der Landezone gegen den Feind sichern. Um 15:20 Uhr kamen die letzten Männer auf dem Schlachtfeld an. Dabei stürzte ein Hubschrauber nahe dem Verteidigungsring am Kommandoposten ab. Die Besatzung konnte aber schnell gerettet werden.
Die schweren Waffen der Amerikaner wurden zu einer Gruppe zusammengefasst um Alpha und Bravo zu unterstützen. Deltas Aufklärungsgruppe deckte nun auch den nördlichen und östlichen Bereich der Landezone ab. Hätten die Vietnamesen vorher die Amerikaner umgangen und sie von dort aus angegriffen, wären sie auf keinen Widerstand gestoßen.
Vorstoß zum abgeschnittenen Zug