Die Stadthalle Magdeburg, im Rotehornpark auf der Elbinsel Werder im Zentrum Magdeburgs gelegen, wurde von 1926 bis 1927 erbaut nach Plänen des Architekten und Magistratsbaurats Johannes Göderitz unter Mitwirkung des Formgestalters Wilhelm Deffke. Die Architektur der Halle wird dem Neuen Bauen zugeordnet,Diaschau: . In: MDR Sachsen-Anhalt, 15. Oktober 2020, Bild 2.Dorothea Bethke (DB): Stadthalle Magdeburg. In: bauhauskooperation.de, aufgerufen am 9. April 2024. mit seiner Klinkerverblendung zeigt das Gebäude zudem den Einfluss des deutschen Backsteinexpressionismus.Lutz Heidemann (Broschüre): Stadtprofile Gelsenkirchen: Backstein-Expressionismus. (PDF; 2,35 MB). In: Stadt Gelsenkirchen, Dezember 2010, aufgerufen am 3. November 2020; zur Definition von Backsteinexpressionismus siehe S. 3, „Sachlicher“ Expressionismus.

Geschichte Der Anlass für den Bau der Halle war die in Magdeburg geplante Deutsche Theaterausstellung 1927.Grit Warnat: Theaterausstellung. Glanzvolle Zeiten. In: Volksstimme, 12. Mai 2017. Die Grundsteinlegung erfolgte am 5. Januar, und bereits am 29. Mai 1927 fand die Einweihungsfeier statt. Diese kurze Bauzeit stellte eine bautechnisch herausragende Leistung dar, die durch parallel organisierte Bauarbeiten, vormontierte Bauteile und nächtliches Beheizen zur Austrocknung des Rohbaus erreicht wurde.Hartmuth Schreiber, Ludwig Schumann: . 2002, S. 11. Mit dem 100 Meter langen, 50 Meter breiten und 22 Meter hohen Bauwerk schuf Göderitz sein bedeutendstes Werk.Zahlen und Fakten #Stadthalle. In: magdeburg.de, aufgerufen am 14. April 2024.

Die Stadthalle wurde zu einem gefragten Schauplatz von vielen unterschiedlichen Veranstaltungen. Noch während der Theaterausstellung 1927 wurde hier der US-Pilot Clarence Duncan Chamberlin empfangen, da er zuvor den Atlantik erstmals ohne Zwischenlandung überquert hatte.

Konstruktion mini|Empfang der Ozeanflieger Chamberlin und Levine, 1927 Johannes Göderitz griff auf die von ihm schon beim Bau des Magdeburger Gaswerks 1925 angewandte Architektur zurück, deren Merkmal die je Längsseite fünf eingetieften, wandhohen Fenster zwischen dünnen Klinkerflächen sind. Der weiche Baugrund der Elbinsel wurde mit einer Pfahlgründung aus acht bis zehn Meter langen, blechummantelten Stahlbeton-Pfählen verdichtet, darüber ein Untergeschoss in Stahlbeton errichtet. Auf diesem Sockel erhebt sich ein Stahlskelettbau. Dieses Stahlträgergerüst ist mit Eisenschmelzklinkern von braunvioletter Färbung verblendet. Die Außenwände werden durch schwarze Klinkerbänder und (tagsüber) schwarze Fensterbänder aus Glasbausteinen gegliedert, sogenannte Luxfer-Prismen.Hartmuth Schreiber, Ludwig Schumann: Die Stadthalle Magdeburg. 2002, S. 9.Deutsche Luxfer Prismen Gesellschaft. In: glassian.org, (englisch), aufgerufen am 14. April 2024.

Der Große Saal hatte bis zum Jahr 2020 Raum für bis zu 3.100 Stehplätze oder 2.000 Sitzplätze.. In: mvgm.de. Zu seiner Zeit stellte der Saal eine Neuheit im Theater- und Festhallenbau dar, da vielfältig genutzt werden konnte. Der Große Saal ist 50 m lang, 30 m breit und 15 m hoch. Die Tiefe des Bühnenraums beträgt 18 m; ein weiterer, durch die rückwärtige Empore abgegrenzter Raum ist 13 m lang, so dass der Saal insgesamt eine Innenlänge von 81 m erreicht.Hartmuth Schreiber, Ludwig Schumann: Die Stadthalle Magdeburg. #Das Herzstück. 2002, S. 12. Vier Ecktreppen führten zu den Emporen, zu den seitlichen Wandelhallen gelangte man über je fünf Treppenaufgänge. Die geschlossene Holztäfelung im Innenraum garantierte eine gute Akustik. Das Podium konnte mittels einer besonderen Mechanik den unterschiedlichen Nutzungsformen angepasst werden.

1945 wurde die Halle durch Bombentreffer und Artilleriebeschuss stark beschädigt und brannte völlig aus. Das Dach brach zusammen.Hartmuth Schreiber, Ludwig Schumann: Die Stadthalle Magdeburg. #Die Zerstörung. 2002, S. 19.

Orgel Bereits zu Beginn der Planungen für eine neue Halle war der Einbau einer Konzertorgel vorgesehen. Die SPD-geführte Stadtregierung setzte nach der Eröffnung jeden Sonntagmorgen um 10 Uhr ein Orgelkonzert an, um das „Volkshaus“ als atheistische Alternative zu den Sonntags-Gottesdiensten in den vielen Kirchen der Stadt zu etablieren.Ludwig Schumann: Und sonntags zum Orgelkonzert. Größte und künstlerisch wertvollste Orgel als atheistische Alternative zu den Sonntagsgebeten. In: magdeburg-kompakt.de, 13. November 2015, aufgerufen am 9. April 2024. Außerdem sollte es ein Ort zum Feiern und zum gemeinsamen Lernen werden.

Dazu wurde die seinerzeit modernste Orgel Deutschlands bestellt. Mit ihr war es möglich, auch zeitgenössische Kompositionen wie etwa die Werke von Max Reger aufzuführen. Die Orgelbauwerkstatt Wilhelm Sauer baute eine große, viermanualige Orgel mit 131 Registern in den Großen Saal ein. Sie wurde von einem 18 m vor der Orgel stehenden, versenkbaren Spieltisch angesteuert, der 650 kg wog.Georg Sbach: Die Orgel der Stadthalle in Magdeburg. In: Zeitschrift für Instrumentenbau, 48. Jahrgang 1927, S. 1139–1142, hier: S. 1140, mit Fotos, Digitalisat von der Bayerischen Staatsbibliothek. Damit war der Organist nahe am Orchester, was das Zusammenspiel der Musiker erleichterte. Die elektrische Spiel- und Registertraktur erlaubte eine Vielzahl an Spielhilfen. Zur Orgel gehörte auch ein Fernwerk, dessen Klang etwa über der Saalmitte aus der Decke austrat. Göderitz nahm entscheidend Einfluss auf die Gestaltung des Orgelprospekts, da er zum Raum passen sollte. So entstand u. a. die ungewöhnliche, V-förmige Anordnung der in voller Länge ausgeführten und an ihrem oberen Ende mit Metallverkleidungen verzierten, schwarz polierten Holzbecher der Kontraposaune mit 32 Fuß Tonhöhe (= 9,60 m) in der Mitte des Prospekts.Martin Doering: Fußzahlen und Tonhöhe bei Orgeln. In: die-orgelseite.de, 2020, aufgerufen am 8. April 2024. Die Pfeifen des Schwellwerks waren beleuchtet und konnten bei offenem Schweller gesehen werden.Hartmuth Schreiber, Ludwig Schumann: Die Stadthalle Magdeburg. #Die Orgel. 2002, S. 16–17. (Memento)

Bei den Bombardements 1945 ging auch diese Orgel verloren.

Wiederaufbau Der Wiederaufbau begann 1959. Man beabsichtigte eine Nutzung als Konzert- und Kongresshalle. Ein reiner Konzertsaal war nicht mehr erwünscht, daher unterblieb u. a. auch der erneute Einbau einer Orgel. Finanziert wurde der Aufbau vor allem durch Spenden, Aufbaustunden von Betrieben und eine Lotterie.Dokumentarfilm: In: MDR, 17. Januar 2017, ab 10:26 Min. Erst 1966 war die Wiederherstellung abgeschlossen.

Die Mittelrisalite wurden schräg abfallend überdacht und ragen nicht mehr geringfügig über das Flachdach, wodurch auch ein äußeres Merkmal der Halle leicht verändert wurde. Bei der anfangs für den Zeitraum 2020–2024 geplanten Sanierung wird das ursprüngliche Dach weitgehend wiederhergestellt.2 Planungsbilder: DE-39114 Magdeburg, Projekt im Bau • Stadthalle Magdeburg. In: Gerkan, Marg und Partner (gmp), 2. Mai 2018, aufgerufen am 9. April 2024.

Vor Beginn der Wiederaufbauarbeiten an der Stadthalle lagen längere Abschnitte der Pioniereisenbahn Magdeburg auf dem Grundstück. Da eine Verlegung an Geldmangel scheiterte, wurden die Gleisanlagen abgebaut.Pioniereisenbahn Magdeburg. In: magdeburg.bahninfo.de, aufgerufen am 14. April 2024.

Sanierung Der Bau- und der Kulturausschuss des Magdeburger Stadtrats hatten 2017 zugestimmt, die Stadthalle von Grund auf zu sanieren.Martin Rieß: Stadthalle. Zeichen stehen auf Sanierung in Magdeburg. In: Volksstimme, 3. Juni 2017. Die Stadthalle soll mit unterteilbaren Sälen Platz für Konzerte und Kongresse mit bis zu 2000 Teilnehmern bieten. Eine mobile Mauer wird künftig das Gebäude gegen Hochwasser schützen. Die Sanierung war zunächst für die Jahre 2019 bis 2022 angesetztMartin Rieß: Projekt verschoben. Stadthalle Magdeburg wird ab 2020 saniert. In: Volksstimme, 18. Oktober 2018. und wurde schließlich auf September 2020 bis 2024 verschoben mit 3½ Jahren Bauzeit. Mit der Planung wurde das Hamburger Architekturbüro gmp beauftragt. Eine Finanzierung der Baukosten von 65 Millionen Euro durch Fördermittel vom Land Sachsen-Anhalt ist Teil der Finanzplanung.Rainer Schweingel: Stadthalle Magdeburg. 65 Millionen Euro teurer Umbau. In: Volksstimme, 4. Mai 2017. Die Sanierung ist Teil einer allgemeinen Verbesserung der Qualität des Rotehornparks.Michaela Schröder: Stadtumbau Ost. Schönheitskur für Stadtpark Magdeburg. In: Volksstimme, 2. Mai 2017. Eine Finanzierung der Stadthalle in Höhe von rund 60 Millionen € wurde vom Finanzministerium Sachsen-Anhalts genehmigt und am 29. September 2020 offiziell von Wirtschaftsminister Armin Willingmann an Oberbürgermeister Lutz Trümper überreicht.Pressemitteilung: Für Kultur & Tourismus: Ministerium fördert Modernisierung mit 60 Mio. Euro. In: Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt, 29. September 2020, aufgerufen am 9. April 2024.

Genauere Analysen zum Zustand des Gebäudes und zur Materialbeschaffenheit erbrachten einen höheren Finanzbedarf für die Verbesserung der Pfahlgründung, der Fassade und des Brandschutzes. Der Finanzbedarf summierte sich damit im Februar 2018 auf 70,1 Millionen Euro.Martin Rieß: . In: Volksstimme, 17. Februar 2018, mit Bildergalerie, Fotos: Anja Guse. Diese Summe wird zu 90 Prozent hälftig durch den Bund und das Land Sachsen-Anhalt übernommen. Am 5. April 2018 bewilligte der Magdeburger Stadtrat die Sanierung der Stadthalle ab Frühjahr 2019. Neben den infrastrukturellen Baumaßnahmen soll auch die ursprüngliche Fassade wiederhergestellt werden. Das schließt auch die Reaktivierung der Lichtbänder an der Fassade ein.Martin Rieß: Stadthalle Magdeburg wird ab 2019 saniert. In: Volksstimme, 5. April 2018.

Am 6. September 2020 führte die Betreibergesellschaft MVGM GmbH einen Tag der offenen Tür durch, bei dem man sich von der Stadthalle vorübergehend verabschieden konnte.vs: Letzter Blick in Stadthalle Magdeburg. In: Volksstimme, 18. August 2020. Das Interieur wurde auf andere Standorte verteilt und der Rest auf einem Flohmarkt in der Halle verkauft.Martin Weigle: Auktion von Erinnerungsstücken in Magdeburg. In: Volksstimme, 4. September 2020.Jana Heute: Vor Sanierung. Magdeburger Stadthalle: Alles muss raus! In: Volksstimme, 7. September 2020. Am 8. September 2020 begannen die bauvorbereitenden Maßnahmen.Geschichte der Stadthalle, Kap. Die Magdeburger Stadthalle macht sich schick. In: Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg GmbH (MVGM), aufgerufen am 14. April 2024. Im Zuge der Arbeiten soll auch die seit 1983 im Foyer stehende Thälmann-Plastik abgebaut und in das Technikmuseum Magdeburg umgesetzt werden.

Die Bühne wechselt vom Süden auf die Nordseite, damit eine störungsfreie Trennung von Zuschauer- und Technikeingang zustande kommt. Kleinere Anbauten nach 1959 wurden entfernt.Conrad Engelhardt: Endlich wird die Stadthalle auf Rotehorn saniert. In: dates-md.de, 26. Juni 2017, aufgerufen am 11. April 2024. Dafür zogen zwei neue Etagen unterhalb der Halle ein, um Raum für Garderoben und Sanitäranlagen zu schaffen.Video: Moderne neu gedacht IV – Sanierung und Umbau Hyparschale & Stadthalle Magdeburg. In: Architektenkammer Sachsen-Anhalt, 3. Juli 2023, ab 2:13 Min. Zusätzliche Stahlträger erhöhen die strukturelle Stabilität des Gebäudes. Teilbereiche der Klinkerfassade müssen wegen Wassererosion ausgetauscht werden. Gestiegene Dachlasten durch eine moderne Haustechnik werden durch weitere Dachstahlträger („Dachbinder“) verstärkt.Stefan Richter: Sanierung der Stadthalle und Hyparschale. In: MDF.1 Fernsehen, 15. Februar 2024, 7:23 Min.; Baustellen-Reportage, Stadthalle ab 3:09 Min. Denn die Saaldecke wird den künftigen Saalboden anheben und kann den Boden variabel nach oben in die Höhe ziehen. Die hinteren StuhlreihenModernisierung Stadthalle – Kleine Chronologie 1927 bis 2021. In: Stadt Magdeburg, 27. Dezember 2021, aufgerufen am 14. April 2024. und Randbereiche werden damit für eine bessere Sicht auf die Bühne bei bestimmten Veranstaltungen erhöht.