Der Kordigast (fränkische Mundart Korches) ist ein aus zwei benachbarten Teilbergen, dem Kleinen () und dem Großen Kordigast (), bestehender Zeugenberg der Fränkischen Alb bei Altenkunstadt im oberfränkischen Landkreis Lichtenfels (Bayern). Er ist der nördlichste Ausläufer der Fränkischen Alb.

Besiedelt wurde der Berg erstmals durch die Kelten im 4. und 5. Jahrhundert vor Christus. Während der Kordigast im Mittelalter für das soziale Gefüge der Region nur von geringer Bedeutung war, nahm diese in der frühen Neuzeit wieder deutlich zu, so dass Siedlungen gegründet und große Volksfeste dort abgehalten wurden. Der Berg ist ein beliebtes Wanderziel. Eine gewisse Bekanntheit kommt ihm darüber hinaus durch den jährlich stattfindenden Kordigast-Berglauf und die endemische Kordigast-Mehlbeere zu.

Geographische Lage und Beschreibung mini|links|Umgebung des Kordigast

Der Kordigast ist ein aus der umliegenden Landschaft durch die beiden Gipfel hervortretender Zeugenberg.Aas (2011), S. 59. Der Kleine Kordigast hat eine Höhe von ; des BfN der Große Kordigast erhebt sich Walter (1999), S. 48.. Die Bezeichnungen Groß und Klein beziehen sich nicht auf die Höhe der beiden Gipfel, sondern sind in ihrer historischen Bedeutung nördlich/östlich und südlich/westlich zu verstehen.Dippold (2011), S. 32–52.

Der Kordigast erhebt sich rund 230 Meter über dem WeismaintalInfotafel über den Kordigast und das keltische Hügelgrab, commons.wikimedia.org, abgerufen am 1. September 2012. im Altenkunstadt-Buchauer Albvorland, das als Teil des Obermainischen Hügellandes zu den Nordausläufern der Fränkischen Alb im Naturpark Fränkische Schweiz – Frankenjura gehört. Die Dominanz zum nächsthöheren Punkt im umliegenden Gelände, einem namenlosen, 558,2 m hohen Berg (), am westlichen Ortsrand von Köttel (Lichtenfels), beträgt vom Gipfel des Kleinen Kordigast aus 4,58 Kilometer.Google Maps Entfernungsmesser Kordigast-Berg bei Köttel, maps.google.de, abgerufen am 1. September 2012. Die Schartenhöhe zum nächsthöheren Berg kann aufgrund seiner Lage als Ausläufer einer Hochebene nicht genau bestimmt werden. Die beiden nächsthöheren markanten Berge sind der 13 km westlich gelegene Staffelberg bei Bad Staffelstein und die Radspitze bei Seibelsdorf, 22 km nordöstlich. Die Schartenhöhe zwischen den beiden Teilgipfeln beträgt hingegen rund 44 m. Bedingt durch Erosion, wird der Bergsattel, der den Kordigast von der übrigen Hochfläche abtrennt, im Laufe der Zeit abgetragen werden, so dass der Pfauengrund und das Tauschendorfer Tal sich verbinden und der Berg losgelöst von der Hochebene stehen wird.Johannes (1953), S. 5–11.

Beide Teilberge und auch die gleichnamige Einzelsiedlung Kordigast (Altenkunstadt) unweit nördlich des Großen Kordigast, die aus der Gastwirtschaft Waldfrieden besteht, gehören zur Gemeinde Altenkunstadt. Die nächstgelegenen Ortsteile Altenkunstadts sind Burkheim und Pfaffendorf im Norden. Über die südlichen Flanken der Gipfel verläuft etwa in Südwest-Nordost-Richtung die Grenze zur Stadt Weismain, deren Kern südöstlich liegt. Die am Fuße des Kleinen Kordigast gelegene Einzelsiedlung Kordigast (Weismain), bestehend aus einem Bauernhof, dem die Gastwirtschaft Steinerne Hochzeit angegliedert ist, gehört ebenso wie zwei weitere Berghöfe zu Weismain.

Großer Kordigast Der Große Kordigast ist ein etwa 420 Meter langes und 120 bis 210 Meter breites, von West-Süd-West nach Ost-Nord-Ost verlaufendes Hochplateau.Walter (1999), S. 8–11. An den Flanken im Westen, Süden und Osten fällt es klippenartig steil ab. Der mit 535,7 m ü. NN höchste Punkt des Plateaus befindet sich am ostnordöstlichen Ende, in der Mitte fällt es einige Meter ab und steigt zum westsüdwestlichen Ende hin wieder an. Der Große Kordigast ist bei Wanderern und Touristen das deutlich beliebtere Ziel der beiden Teilberge, da er besser erschlossen und leichter zugänglich ist und im nordöstlichen, baumfreien Bereich bei schönem Wetter eine Fernsicht über das Obermainland bis zu den südlichen Ausläufern des Thüringer Waldes, des Thüringer Schiefergebirges, zum Frankenwald und zum Fichtelgebirge ermöglicht.Dechant (2010), S. 28–33. Im Jahre 2001 legte die Gemeinde Altenkunstadt unter Beteiligung der Holzrechtler von Pfaffendorf mit Fördermitteln des Naturparks Fränkische Schweiz – Frankenjura um das Plateau einen 1,8 km langen Rundweg an. Entlang des Weges sind Infotafeln zum Thema Wald und Landschaft aufgestellt.Infotafel „Rund um den Kordigast“, befindet sich am Wanderparkplatz des Kordigast

mini|hochkant|Das Alte Gipfelkreuz von 1850, um 1925

Nördlich des Großen Kordigast entspringt oberhalb der Ornatentonschicht, die den oberen Quellhorizont darstellt, unweit der Gaststätte Waldfrieden eine Quelle.Walter (1999), S. 53. Der kleine Bach fließt durch das kurze Rothental am Nordhang des Kordigast, das nach der vor 1113 gegründeten und bereits 1390 wieder abgegangenen Siedlung Rudental oder Rodental benannt ist. Er mündet östlich von Pfaffendorf in den Kapellenbach.Motschmann (2006), S. 17–18. Bei einem ebenerdigen Ansitz, genannt Burgstall Pfaffendorf, mit einer Ausdehnung von 10 × 15 Metern, östlich des Rothentals und nördlich des Großen Kordigast auf einem schmalen Bergsporn des Kordigast-Massivs könnte es sich um die Reste eines Turmhügels handeln, der offensichtlich nie fertiggestellt wurde.Burger-Segl (2006), S. 121. Gegen die nach Süden verlaufende Hochfläche ist ein bogenförmig verlaufender Graben gerichtet. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege führt den Ansitz als Bodendenkmal., Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, geodaten.bayern.de, abgerufen am 2. September 2012.

Gipfelkreuz mini|hochkant|Das Gipfelkreuz am Großen Kordigast mit Blick ins Tal Auf dem Plateau des Großen Kordigast steht ein über fünf Meter hohes Gipfelkreuz auf einem massiven Betonfundament. Um 1850 war an selber Stelle bereits ein kleines, eisernes, vergoldetes Kreuz auf einer von Spannstangen aus Eisen gehaltenen Steinsäule errichtet worden. 1955 musste es aufgrund starker Verwitterung durch das heutige Kreuz ersetzt werden.Motschmann (2006), S. 167.Walter (1999), S. 14–19.

In den 1990er Jahren begann die Tradition der evangelischen Kirchengemeinden von Strössendorf, Altenkunstadt und Burgkunstadt, an Christi Himmelfahrt vor dem Gipfelkreuz des Großen Kordigast gemeinsam Gottesdienst zu feiern.Motschmann 2006, S. 123–125. Dieser Feldgottesdienst wird alljährlich mit reger Teilnahme der Bevölkerung abgehalten. Die katholischen Pfarreien von Burgkunstadt, Altenkunstadt, Weismain und Stadelhofen führen jedes Jahr zu Pfingsten eine Sternwallfahrt zum Großen Kordigast durch., stadt-weismain.de, abgerufen am 2. September 2012.

Kleiner Kordigast mini|Judenbrunnen am Nordhang des Kordigast, eine kleine Quelle

Beim Kleinen Kordigast handelt es sich um einen zu beiden Seiten steil abfallenden Berggrat. Er hat eine Südwest-Nordost-Ausdehnung von etwa 560 Metern. Der höchste Punkt befindet sich mit 538,1 m ü. NN im nördlichen Bereich und wird amtlich als absolute Höhe des Kordigast angegeben. Zum südlichen Ende hin fällt der Grat leicht ab und steigt, bevor er weiter über die Flurgemarkung Grundhölzer nach Tauschendorf abfällt, noch einmal auf 534,6 m ü. NN an. An der Nordflanke befindet sich die kleine Höhle Fuchsloch, an der Südwestflanke die nur noch in Teilen erhaltene sagenumwobene Felsgruppe Steinerne Hochzeit. Die ursprünglich sieben figürlichen Felstürme sind seit Mitte des 20. Jahrhunderts nur noch fragmentarisch erhalten. Bei einem kleinen Erdbeben im Jahr 1963 stürzte der Hochzeits-Brotlaib, ein etwa 4 × 4 m großer rundlicher Felsen, ab. Die Felsformation Hochzeitsgast, eine etwa 7 m hohe Felsnadel, zerschlug bei ihrem Fall das Felsentor.

Der Gartenbauverein Burkheim führte im Oktober 1998 die bisher letzte Felsfreilegung am Kleinen Kordigast durch.Schröder (1998), S. 25. Auch am Kleinen Kordigast gibt es eine kleine Quelle am unteren nördlichen Berghang; sie ist sehr wasseram. Wegen ihrer Lage an der Altstraße Judenstras erhielt sie den Namen Judenbrunnen. Sie diente den jüdischen Händlern bis Anfang des 19. Jahrhunderts auf dem Weg von Burgkunstadt nach Bamberg als Sammelplatz und den Tieren als Viehtränke.

Einzelsiedlungen rund um die Gipfel Berghaus Das Gehöft Berghaus (mundartlich [], sprich: bärchhaus) ist ein alter Bauernhof am oberen Ende des Pfauengrunds, wenige hundert Meter südöstlich des Kleinen Kordigast. Er gehört seit der Verabschiedung der Zweiten Verfassung des Königreich Bayerns im Jahr 1818, nach der in Bayern Gemeinden gebildet wurden, zu Weismain.Dippold (2011), S. 110–111. Am 1. Januar 2015 wurden dort fünf Bewohner verzeichnet., stadt-weismain.de, abgerufen am 10. Oktober 2015.

Kordigast (Weismain) – Gastwirtschaft Steinerne Hochzeit mini|Der Weiler Kordigast (Weismain), besser bekannt als Gastwirtschaft Steinerne Hochzeit (Südwestansicht) Der Bauernhof und Gasthof Steinerne Hochzeit direkt am südöstlichen Fuß des Kleinen Kordigast wurde 1870 von dem Woffendorfer Heinrich Baier als Berghof errichtet. Bis zur Gemeindegebietsreform im Jahr 1978 gehörte er zusammen mit dem Gasthof Waldfrieden als Ortsteil Kordigast zur Altgemeinde Pfaffendorf. Auf Betreiben des damaligen Wirts Friedrich Baier wurde der damals von acht PersonenGeorge (1985), S. 57–69. bewohnte Hof unter dem amtlichen Namen Kordigast (Weismain) nach Weismain und nicht, wie vorgesehen, nach Altenkunstadt eingemeindet. Der Grund war die Zugehörigkeit des Hofs zum Weismainer Pfarrsprengel. Am 1. Januar 2018 wohnten dort zwei Personen.

Kordigast (Altenkunstadt) – Gastwirtschaft Waldfrieden mini|Die Gastwirtschaft Waldfrieden Bis zur Gemeindegebietsreform gehörte der Gasthof Waldfrieden zusammen mit dem Gasthof Steinerne Hochzeit als Ortsteil Kordigast zur Altgemeinde Pfaffendorf. 1978 wurde der Gasthof Waldfrieden mit seinen damals sieben BewohnernMotschmann (2006), S. 183. nach Altenkunstadt eingemeindet. Auch am 30. Juni 2013 gab es dort sieben katholische Bewohner.Amtsblatt der Gemeinde Altenkunstadt, Nr. 7/2013, S. 3. (PDF; 2,8 MB)

Oberloch Wie die beiden Gasthöfe gehörte die Einzelsiedlung Oberloch (mundartlich [], sprich: ööbeloch) von 1818 bis 1977 zur Altgemeinde Pfaffendorf. Seit 1978 gehört der Hof zur Stadt Weismain. Der Name lässt sich als oberer bzw. hinterer versteckter Wohnort deuten. Erwähnt wurde der Ort 1819 als Loch, 1827 als das hintere Loch und 1854 erstmals als Oberloch.Dippold (2011), S. 112. Das Gehöft steht ebenso wie das Berghaus am oberen Ende des Pfauengrundes, jedoch näher an den beiden Kordigastgipfeln. Für den 1. Januar 2015 wurden vier Bewohner des Hofes gemeldet.

Geologie Schwarzer Jura mini|hochkant=2|Geologischer Aufbau des Kordigast und des benachbarten Kröttensteins (Nordwestansicht) Die Talsohle und die untersten Hanglagen bestehen aus der Schwarzjura-δ-Formation. Sie hat im nördlichen Weismaintaltrichter eine Mächtigkeit von etwa 40 Metern und besteht aus einem dunkelgrauen karbonatischen Tonstein mit deutlich sichtbarem Schluffgehalt. Am besten zu erkennen ist sie auf wenigen Metern an der nordöstlichen Seite des Kordigast zwischen Bernreuth und Pfaffendorf.Vgl. Schaubild Geologischer Aufbau des Großen und Kleinen Kordigast (Südostansicht) Der überwiegende Teil der Schicht liegt ebenso wie die darunter liegenden Ausprägungen des Schwarzjuras (α bis γ) unter der Erdoberfläche. Der 5 bis 6 Meter mächtige Schwarzjura ε bildet etwa 15 Meter über dem Talniveau eine deutliche Schichtstufe. Am besten ist diese in der Hanglage zwischen Bernreuth und Röhrig erkennbar. Die Formation besteht aus charakteristischem ölschieferhaltigem Gestein, mit einigen dazwischen eingelagerten Stinkkalkbänken. Der Schwarzjura ζ ist nicht eindeutig abgetrennt. Er besteht am Kordigast aus einer nur etwa 3 bis 4 Meter hohen Mergelschicht, die nahtlos vom Schwarzjura ε in den Braunjura übergeht.

Brauner Jura mini|hochkant=2|Geologischer Aufbau des Großen und Kleinen Kordigast (Südostansicht)