hochkant|mini|Vera Kopetz Vera Glykeria KopetzEheregister, Standesamt Berlin Köpenick, Nr. B 124/1930. (* in Sankt Petersburg, Russisches Kaiserreich; † 6. Februar 1998 in Ückeritz, Usedom) war eine deutsche Malerin und Grafikerin.
Leben und Werk Ihr Vater war der russlanddeutsche Ethnologe Bruno Adler (1874–1942) und ihre Mutter die Russin Eugenie Wera Adler geb. Horwitz. Vera Kopetz verbrachte ihre Kindheit ab 1914 in Lausanne (Romandie) und ab 1922 in Weimar. 1928 übersiedelte sie nach Berlin. Sie fand eine Anstellung als Retuscheurin und besuchte Abendkurse an Albert Reimanns Schule für angewandte Kunst.Swantje Kuhfuss-Wickenheiser: Die Reimann-Schule in Berlin und London 1902–1943. Ein jüdisches Unternehmen zur Kunst- und Designausbildung internationaler Prägung bis zur Vernichtung durch das Hitlerregime. Aachen 2009, ISBN 978-3-86858-475-2, S. 543. 1930 heiratete sie den Fotografen Edmund Kopetz. Um 1935 unterhielt sie in Berlin-Friedenau ein Atelier für Stoff- und Seidenmalerei.Amtl. Fernsprechbuch für Berlin und Umgebung, 1935, S. 595, „Kopetz, Vera, Atelier f. Stoff- u. Seidenmal., Friedn, Stubenrauchstr. 36.“ Nach der Geburt zweier Söhne 1941 und 1942 zog die Familie 1944 zunächst kriegsbedingt nach Neubrandenburg, 1945 nach Schwerin.
In Schwerin traf sie Erich Venzmer, der ihr vorschlug, in Techentin bei Hermann Schepler künstlerisch zu arbeiten. Bereits im Dezember 1945 war sie eine Mitbegründerin der Werkstätten für Bildende Kunst in Techentin. Es folgten erste Ausstellungen in mecklenburgischen Städten. 1947 trennte sie sich von Mann und Kindern. 1952 wurde Vera Kopetz in den Verband Bildender Künstler der DDR aufgenommen; sie beteiligte sich in Folge an Gemeinschaftsausstellungen in beiden deutschen Staaten und Skandinavien.
Während wiederholter Sommeraufenthalte auf Usedom ab 1956 fand sie Anschluss an den dortigen Künstlerkreis um Otto Niemeyer-Holstein und andere, nahm 1968 ihren Zweitwohnsitz in Ückeritz auf Usedom und siedelte 1978 endgültig dorthin über. Als eine der Ersten in der DDR beschäftigte sie sich ab 1956 mit der Siebdrucktechnik. Neben Ölbildern und Aquarellen schuf sie Mosaiken und Altarbilder sowie Plastiken. Anlässlich ihres 80. Geburtstages stellte das Staatliche Museum Schwerin 1990 einen großen Teil ihres Œuvre aus. Bilder von Vera Kopetz befinden sich u. a. in den Beständen des Staatlichen Museums Schwerin und der Nationalgalerie Berlin. Der künstlerische Nachlass sowie der verbliebene Schriftverkehr ist 2022 der Stiftung Mecklenburg übereignet worden.
Ehrungen Fritz-Reuter-Kunstpreis für das Mosaik in der Gehörlosenschule Güstrow Das Tor zum Leben (1956) Hans-Grundig-Medaille des VBK (1986)
Beispiele für architekturgebundene Werke Wandbilder (1953; Güstrow, Gehörlosenschule und Ernst-Barlach-Theater) Wandmosaik (1956/57; Bernitt, Pausenhalle der Mittelschule)Bildende Kunst, Berlin, 11/1957, S. 732/733 (mit Abbildung) Früchte Mecklenburgs (1958; Fresko; Kulturhaus Mestlin, 1990 zerstört) Land- und Nahrungsgüterwirtschaft (1965; Wandgestaltung, Keramik, 1,80 × 3,00 m; Schwerin, Speisesaal des damaligen VEB Molkerei und Dauermilchwerk)Ruth Pape et al.: Bildende Kunst + Architektur. Baukatalog Teil 4, Potsdam, Magdeburg, Schwerin, Rostock, Neubrandenburg. Deut-sche Bauakademie, Berlin, 1972, Schwerin, S. 111/112
Ausstellungsbeteiligungen (unvollständig) 1952: Bautzen, Görlitz und Zittau (Wanderausstellung „Berliner Künstler“) 1953 bis 1973: Dresden, alle Deutsche Kunstausstellungen bzw. Kunstausstellungen der DDR 1957: Schwerin, Staatliches Museum („Künstler schaffen für das Dorf“) 1958: Berlin: Deutsche Akademie der Künste (Jahresausstellung) 1960: Berlin, Pavillon der Kunst („Frauenschaffen und Frauengestalten in der bildenden Kunst. 50 Jahre Internationaler Frauentag.“) 1972, 1974, 1979 und 1985: Schwerin, Bezirkskunstausstellungen 1969 und 1974: Berlin („Grafik in der DDR“) 1970: Berlin, Altes Museum („Auferstanden aus Ruinen. Druckgraphik und Zeichnungen 1945–1970“) 1974: Weimar („Kunst für uns“) 1975 und 1979: Schwerin („Farbgrafik in der DDR“) 1985: Berlin: Neue Berliner Galerie im Alten Museum („Musik in der bildenden Kunst der DDR“) 1986: Gotha, Schlossmuseum („Das Urteil des Paris in der bildenden Kunst der DDR“)
Literatur Hela Baudis: Vera Kopetz. In: Bildende Kunst, Berlin, 2/1982, S. 64–66 Staatliches Museum Schwerin (Hrsg.): Vera Kopetz: Gemälde, Zeichnungen, Serigrafien, Collagen, Plastik. Schwerin 1990, ISBN 3-86106-005-1. Hela Baudis: Vera Kopetz. In: Norddeutsche Zeichner aus vier Jahrhunderten: Kupferstichkabinett, Staatliches Museum Schwerin. Staatliches Museum Schwerin 2009, ISBN 978-3-86106-110-6, S. 168–171. Kopetz, Vera. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 470. Grete Grewolls: Kopetz, Vera. In: Wer war wer in Mecklenburg und Vorpommern. Hinstorff, Rostock 2011, ISBN 978-3-356-01405-1, S. 5285 f. Christian Stelzer: Wie eine Künstlerehe in den Wirren der deutsch-deutschen Nachkriegszeit zerbrach. Vera und Edmund Kopetz – eine Spurensuche in Neubrandenburg, Schwerin und Berlin. In: Nordkurier / Report vom 12. Mai 2026, S. 22–23.
Weblinks
Vera Kopetz beim Bildindex der Kunst und Architektur
Website zu Vera Kopetz mit Abbildungen vieler Werke Biografie mit Fotos (Stadtgeschichte Güstrow)
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Mecklenburg-Vorpommern) Kategorie:Grafiker (Mecklenburg-Vorpommern) Kategorie:Siebdruckkünstler (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Russlanddeutscher Kategorie:Geboren 1910 Kategorie:Gestorben 1998 Kategorie:Frau Kategorie:Person (Usedom)