right|350px|Bildunterschrift=Jürgen Klauke, porträtiert von Albrecht Fuchs, 2013 Jürgen Klauke (* 6. September 1943 in Kliding bei Cochem an der Mosel) ist ein deutscher Künstler. Er gilt als einer der Pioniere der inszenierten Fotografie und der Performance Art. Er ist international bekannt für seine nonkonformistische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen, vor allem in Bezug auf Geschlechterrollen und Sexualität. Er war 1977 Teilnehmer der Documenta 6 und 1987 Teilnehmer der Documenta 8 sowie der Biennale in Venedig 1980.

Leben und Werk Klauke studierte von 1964 bis 1970 Freie Grafik an den Kölner Werkkunstschulen und schloss dort bei Alfred Will als Meisterschüler ab. Seither lebt er als freischaffender Künstler in Köln, darüber hinaus aber auch in Amsterdam, Bern und Zürich.

Nach seinem Studium war er bis 1975 als Lehrbeauftragter für Freie Grafik an den Kölner Werkkunstschulen tätig und übernahm anschließend Gastprofessuren an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, der Kunsthochschule Kassel und der Akademie der Bildenden Künste München. 1988 wurde er an die Universität Essen berufen, wo er erstmals eine Klasse für Konzeptionelle inszenierte Fotografie und Performance einrichtete. Die Fachgruppe Fotografie gehört inzwischen wieder zur Folkwang Universität der Künste. Von 1994 bis 2008 war Klauke Professor für Konzeptionelle Fotografie und Performance an der Kunsthochschule für Medien Köln.

Zu seinen Schülerinnen und Schülern zählen unter anderem Eva Bertram, Freya Hattenberger, Christian Keinstar, Philipp Lachenmann, Aurelia Mihai, Heike Mutter, Mischa Leinkauf, Achim Mohné, Jens Pecho, Johanna Reich, Oliver Schwabe und Sandra Vásquez de la Horra.

Werk Frühe Arbeiten In den 1960er- und 1970er-Jahren entwickelte Klauke polarisierende fotografische und zeichnerische Arbeiten zu Sexualität, Geschlecht und Identität. Sein Künstlerbuch ICH&ICH (1972) verband erstmals Zeichnungen und inszenierte Fotoarbeiten und verdeutlichte seinen konzeptionellen Ansatz. 1974 zeigte das Kunstmuseum Luzern in der von Christoph Ammann kuratierten Ausstellung Transformer – Aspekte der Travestie erstmals Klaukes Arbeiten in einem internationalen Kontext. Die vielbeachtete Schau war anschließend in der Neuen Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz und im Kunstmuseum Bochum zu sehen.

Werkgruppen der 1980er-Jahre Mit der Werkgruppe Formalisierung der Langeweile (1980) erlangte Klauke erstmals größere nationale und internationale Aufmerksamkeit. Die Arbeiten wurden unter anderem im Rheinischen Landesmuseum Bonn, im Kunstmuseum Luzern und im Landesmuseum Joanneum in Graz gezeigt. Darüber hinaus entstand in den 1980er-Jahren der Zyklus Prosecuritas, für den Klauke Durchleuchtungen von Objekten im Kofferschacht des Flughafens Köln/Bonn nutzte. Peter Weibel schrieb dazu: „Klauke treibt mit seiner Technologie des Unsichtbaren die Fotografie über die Grenze von Objekt, Sprache und visuelles Zeichen hinaus. Das Eintauchen in die Zone letzter Bilder und letzter Sichtbarkeit ermöglicht die Rückkehr des Realen, aber im Zustand seiner Bedrohtheit, das heißt seiner Phantomhaftigkeit.“Peter Weibel: „Prosecuritas“. In: Jürgen Klauke. Prosecuritas, Ausstellungskatalog Kunsthalle Bielefeld, Hatje Cantz Verlag, Bielefeld 1994, S. 106. 1987 fasste die Ausstellung Eine Ewigkeit ein Lächeln erstmals das Gesamtwerk in einer Überblicksschau zusammen. Sie wurde im Museum Ludwig in Köln, im Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam und in der Hamburger Kunsthalle gezeigt.

Werkgruppen der 1990er-Jahre Mit Sonntagsneurosen (1990) sowie dem Zyklus desaströses Ich (1996–2000) beschäftigte sich Klauke mit grundlegenden menschlichen Bedingungen wie Isolation und Körperlichkeit. Die großformatigen Fotografien (bis zu 180 × 240 cm) wurden unter anderem im Rupertinum in Salzburg und in der Maison Européenne de la Photographie in Paris gezeigt. 1997 folgte die Überblicksausstellung Phantomempfindungen in Japan mit Stationen im Saitama Museum of Modern Art Tokyo, dem Museum of Modern Art Shiga sowie dem Yamaguchi Prefectural Museum of Art.

Spätere Arbeiten und Retrospektiven 2001 zeigte die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn eine große Retrospektive unter dem Titel Absolute Windstille, kuratiert von Wenzel Jakob und Peter Weibel. Weitere Stationen waren die Hamburger Kunsthalle und das Staatliche Russische Museum in St. Petersburg. Eine weitere große Werkgruppe entstand unter dem Titel Ästhetische Paranoia. Die gleichnamige Ausstellung wurde am ZKM Karlsruhe (unter Leitung von Peter Weibel) und später im Museum der Moderne Salzburg (unter der Leitung von Toni Stooss) gezeigt. Im Zentrum stand die Arbeit Schlachtfelder, ein 16 Meter breites Tableau aus 144 Farbfotos.

2016 widmete das Max Ernst Museum Brühl des LVR unter der Leitung von Achim Sommer Klauke eine retrospektiv angelegte Ausstellung mit dem Titel Selbstgespräche. Zeichnungen 1970–2016. Mit rund 400 Exponaten wurde darin das zeichnerische Werk vorgestellt, das als Ausgangspunkt und Grundlage seiner fotografischen Bildwelten gilt.

„Im Zentrum meines Schaffens steht der Mensch“, so Klauke. Seine Fotoinszenierungen sind für ihn keine Abbilder des Realen, sondern Bilder der „Welt als Vorstellung“ – poetische Versuchsanordnungen, die von den Zonen des Unsichtbaren und Unaussprechlichen flüstern. „Mein Ziel ist es, die Unzulänglichkeiten unserer Existenz und die sie begleitenden Kältezonen in Bildern zu denken und umzusetzen.“ Klauke bezeichnet seine Arbeit in diesem Zusammenhang als „Ästhetisierung des Existenziellen“.Renate Bertlmann, Jürgen Klauke: „Questening Queerness – Ein Gespräch mit Renate Bertlmann und Jürgen Klauke“. In: EIKON, Nr. 124, 2023, S. 57–69.

Jürgen Klauke wird durch mehrere internationale Galerien vertreten, darunter die Galerie Alessandro Casciaro (Bozen), Galerie Anita Beckers (Frankfurt am Main), Guido Baudach (Berlin), Helga de Alvear (Madrid), Galerie Hans Mayer (Düsseldorf), Suzanne Tarasiève (Paris), Galerie Klaus und Elisabeth Thoman (Innsbruck/Wien) sowie Galerie Thomas Zander (Köln).

Einzelausstellungen (Auswahl) 1981: Rheinisches Landesmuseum, Bonn – Formalisierung der Langeweile 1982: Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz; Kunstmuseum Luzern – Formalisierung der Langeweile 1986: Nationalgalerie, Berlin – Neue Fotoarbeiten und Zeichnungen 1987: Hamburger Kunsthalle, Hamburg – Eine Ewigkeit ein Lächeln 1987: Museum Boymans van Beuningen, Rotterdam – Eine Ewigkeit ein Lächeln 1987: Museum Ludwig, Köln – Eine Ewigkeit ein Lächeln 1992: Staatliche Kunsthalle Baden-Baden – Sonntagsneurosen 1992: Kunstmuseum Düsseldorf – Sonntagsneurosen 1994: Kunsthalle Bielefeld – Prosecuritas 1994: Sammlung Goetz, München – Cindy Sherman / Jürgen Klauke 1997: The Museum of Modern Art, Saitama (Japan) – Phantomempfindungen 1998: Galerie Rudolfinum, Prag – Nebenwirkung 1999: Kunstverein Ulm – Fotoarbeiten 1972–1998 – eine Auswahl 2000: Rupertinum, Salzburg – Trost für Arschlöcher oder Desaströses Ich 2001: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn – Absolute Windstille 2001: The State Russian Museum, St. Petersburg – Absolute Windstille 2001: Maison Européenne de la Photographie, Paris – Absolute Windstille 2002: Hamburger Kunsthalle, Hamburg – Das photographische Werk 2003: Galería Helga de Alvear, Madrid 2005: Neues Museum Weimar (mit Cindy Sherman) – Selfperformance 2006: Museum Moderner Kunst Passau – Hoffnungsträger. Aspekte des Desaströsen Ich 2007: La Nuova Pesa, Centro per l’Arte Contemporanea, Rom – Jürgen Klauke 2010: ZKM Karlsruhe – Ästhetische Paranoia 2010: Museum der Moderne Salzburg – Ästhetische Paranoia 2012: Galeria Helga de Alvear – Schlachtfelder 2016: Max Ernst Museum Brühl des LVR – Selbstgespräche. Zeichnungen 1970–2016 2017: Centro de Artes Visuales Fundación Helga de Alvear, Cáceres – Jürgen Klauke – Fotoworks 2018: Art Unlimited, Basel (Galerie Thomas Zander) – Dr. Müller Sex Shop 2026: Kunsthalle Gießen

Gruppenausstellungen (Auswahl) 1974: Kunstmuseum Luzern 1977: documenta 6, Kassel 1979: Biennale of Sydney, Australien 1980: Biennale Venedig 1983: Kunsthalle Köln (1939) 1984: Museum of Modern Art, Toyama (Japan) 1986: Museum of Modern Art, San Francisco 1987: documenta 8, Kassel 1992: Museum of Modern Art, Saitama (Japan) 1995: Centre Pompidou, Paris; Solomon R. Guggenheim Museum, New York; Andy Warhol Museum, Pittsburgh 1997: Martin-Gropius-Bau, Berlin 1998: Museum of Contemporary Art, Los Angeles 2000: Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2002: PhotoEspaña, Madrid 2005: Deutsches Guggenheim, Berlin 2006: Nationalgalerie, Berlin 2007: Slought Foundation, Philadelphia 2008: Fotomuseum Winterthur 2010: Kunstmuseum Bonn 2011: Biennale Moskau; Musée d’Art Contemporain, Marseille 2012: Kunstmuseum Stuttgart; Museum für Moderne Kunst (MMK), Frankfurt am Main 2013: Tate Liverpool; Museum of Modern Art (MoMA), New York; Belvedere, Wien; Kolumba, Köln 2014: Neue Nationalgalerie, Berlin; La Maison Rouge, Paris; Kunsthalle Weishaupt, Ulm 2017: Biennale für aktuelle Fotografie, Mannheim (Kurator: Florian Ebner) 2019: Centre de la Photographie Genève 2024: RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain (Triennale) 2024: Neue Galerie Gladbeck

Sammlungen (Auswahl) Kunstsammlung NRW/K21, Düsseldorf Kunstmuseum Bonn Kunsthalle Bielefeld Kunststiftung DZ Bank Frankfurt am Main Centre Pompidou, Paris Maison Européenne de la Photographie, Paris Art Institute of Chicago The Museum of Modern Art, New York Helga de Alvear Foundation, Cáceres MOMA Saitama, Tokyo Sammlung Hall, USA La Maison Rouge, Paris Norton Museum of Art, Florida Sammlung Goetz, München Musée d'Art et d'Histoire, Genf Sammlung Falkenberg, Hamburg Hamburger Kunsthalle, Hamburg Jean Chatelus, Paris Manfred Heiting, Los Angeles Rahmi M. Koç, Istanbul Groupe Lhoist, Belgien Kunstmuseum Bern Metropolitan Museum of Art, New York

Preise und Auszeichnungen 1983 Förderpreis Glockengasse, Köln 1995 Großer Kulturpreis der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland 2013 Wahl zum ordentlichen Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste 2013 Cologne-Fine-Art-Preisartinfo24.com: Klauke erhält Cologne Fine Art-Preis 2013, abgerufen am 18. April 2018

Publikationen Künstlerbücher (Ich & Ich) – erotographische Tagesberichte. Tageszeichnungen & Fotos (Dinge Situationen Umgebungen). Okt. 70–Febr. 71, Selbstverlag, Köln 1972 Tageszeichnungen, Zeichnungen und Polaroids, Selbstverlag Köln / Constantin Post, Köln 1975 FAG – HAG. Tageszeichnungen 1974, Verlag Galerie ak, Frankfurt am Main 1976 Kunststoff: Nr. 1–6, Selbstverlag Bonvie und Klauke, Köln 1975–1978 Sekunden. Tageszeichnungen und Polaroids 1975/76, Betzel Verlag, Wiesbaden 1978 Zeitlebens, Verlag Constantin Post, Köln 1983 Ich war eine Dose, hrsg. von Galerie Bugdahn, Düsseldorf 1988 Stephen Heros. Arbeiten auf Papier, Galerie Hermeyer, München 1993 Stottern + Stammeln/länglich. Works on Paper 1992–1993, Galerie Bugdahn und Kaimer, Düsseldorf 1994 Idiotische Seinsbefragung, Verlag Rommerskirchen, Rolandshof 1999 Trost für Arschlöcher oder Desaströses Ich, Wienand Verlag, Köln 2000 ziemlich – Tageszeichnungen 1979–1989, Galerie Klein / Salon Verlag 2001 Entlang der Cioran Linien, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2012 KörperzeicheZeichenkörper, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2013 Kreuz & Queer, Verlag der Buchhandlung Franz und Walter König 2020 Antlitze / Faces, Verlag der Buchhandlung Franz und Walter König 2021

Monografien & Ausstellungskataloge Jürgen Klauke. Zeichnungen und Radierungen, Bonner Kunstverein / Rheinisches Landesmuseum Bonn 1972 Formalisierung der Langeweile. Fotoarbeiten, Performance und Videodokumente, Rheinland Verlag, Köln 1981