Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Reutlingen Gliederung: 30 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: 74.149 (31. Dezember 2008) 65.019 (31. Dezember 2017) Gemeindegliederzahl pro Kirchenbezirk 2008 - 2017 56.790 (31. Dezember 2022) Evangelischer Kirche Reutlingen: Zehn volle Pfarrstellen sollen bis 2030 entfallen Adresse desDekanatamtes: Lederstr. 8172764 Reutlingen Dekan: Marcus Keinath Karte 200px|Lage des Kirchenbezirks Reutlingen innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg

Der Evangelische Kirchenbezirk Reutlingen ist einer von derzeit (2026) 35 Kirchenbezirken bzw. Kirchenkreisen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet ist deckungsgleich mit dem Dekanat Reutlingen.

Geographie Der Kirchenbezirk Reutlingen liegt im Süden der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasst den westlichen Landkreis Reutlingen also die Städte und Gemeinden Eningen unter Achalm, Lichtenstein, Pfullingen, Reutlingen (ohne die Stadtteile Mittelstadt und Reicheneck), St. Johann (nur Ortsteil Ohnastetten), Sonnenbühl, Trochtelfingen und Wannweil, ferner die Städte und Gemeinden Gammertingen, Hettingen, Neufra und Veringenstadt des Landkreises Sigmaringen sowie die Stadtteile Hörschwag, Melchingen, Salmendingen und Stetten u.H. der Stadt Burladingen (Zollernalbkreis).

Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Reutlingen grenzt an folgende Kirchenbezirke (im Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten): Bad Urach-Münsingen (Prälatur Reutlingen), Biberach (Prälatur Ulm) sowie Balingen und Tübingen (beide Prälatur Reutlingen).

Geschichte mini|hochkant|Evangelische Marienkirche Reutlingen Das Gebiet des heutigen Dekanats bzw. Kirchenbezirks Reutlingen gehört zum Großteil zum Gebiet der früheren Reichsstadt Reutlingen und zu Württemberg, wo ab 1534 die Reformation eingeführt wurde. Das Gebiet ist daher mehrheitlich evangelisch geprägt, und es gibt auch in fast jedem Dorf eine meist alte evangelische Kirche. Der Süden des Kirchenbezirks Reutlingen war ehemals preußisch und gehörte zu den Hohenzollerischen Landen. Dieses Gebiet blieb nach der Reformation katholisch. Hier zogen überwiegend erst seit dem 19. Jahrhundert evangelische Bewohner zu und es wurden evangelische Kirchengemeinden gegründet.

Die Stadt Reutlingen errichtete nach Einführung der Reformation 1555 eine Superintendentur für das Gebiet der Reichsstadt. Die Hauptpredigerstelle der Stadt war an der Marienkirche. Nach dem Übergang an Württemberg 1802 wurde diese in eine württembergische Spezialsuperintendentur bzw. Dekanat umgewandelt und der Stadtpfarrer an der Marienkirche zum württembergischen Dekan ernannt. Das Dekanat gehörte zunächst zum Generalat Bebenhausen, ab 1810 zu Tübingen. 1824 wurde Reutlingen zwar eigenes Generalat, aus dem 1924 die heutige Prälatur hervorging, der Generalsuperintendent hatte jedoch damals noch seinen Sitz in Stuttgart. Erst im 20. Jahrhundert wurde das Amt des Prälaten von Reutlingen auch mit einem Geistlichen vor Ort verbunden. Das württembergische Dekanat Reutlingen umfasste seit seiner Gründung neben ehemals reichsstädtischen auch alt-württembergische Kirchengemeinden, die zuvor zum 1711 gegründeten Dekanat Pfullingen gehörten. 1817 wurde das Dekanat Pfullingen aufgelöst und seine Gemeinden überwiegend dem Dekanat Reutlingen zugeordnet, lediglich Pliezhausen und Sondelfingen kamen zunächst zum Dekanat Urach. Während Sondelfingen dann später ebenfalls zum Dekanat Reutlingen kam, wurde Pliezhausen dem Dekanat Tübingen angegliedert. 1842 wurde das Dekanat Reutlingen um Eningen erweitert.

Infolge der Auflösung einiger Kreise bzw. Oberämter in Württemberg 1939 wurden auch die kirchlichen Verwaltungsbezirke teilweise neu gegliedert. So wurden mit Wirkung vom 1. April 1939 die Kirchengemeinden Degerschlacht, Sickenhausen, Gönningen, Oferdingen, Altenburg und Rommelsbach vom Kirchenbezirk Tübingen sowie Ohnastetten und Sondelfingen vom Kirchenbezirk Bad Urach in den Kirchenbezirk Reutlingen umgegliedert. Am 1. April 1950 wurde dann die ehemals preußische Kirchengemeinde Gammertingen, die bis dahin zum Kirchenkreis der hohenzollerischen Lande gehörte, ebenfalls dem Kirchenbezirk Reutlingen angeschlossen. Mit Wirkung vom 1. Januar 2002 wechselten schließlich die bis dahin zum Kirchenbezirk Reutlingen gehörigen Kirchengemeinden Gomaringen und Stockach (letztere war erst 1983 von der damals aufgelösten Gesamtkirchengemeinde Dußlingen im Kirchenbezirk Tübingen abgetrennt und dem Kirchenbezirk Reutlingen zugeordnet worden) auf eigenen Wunsch in den Kirchenbezirk Tübingen. Ebenfalls zum 1. Januar 2002 wurde die Kirchengemeinde Burladingen vom Kirchenbezirk Reutlingen in den Kirchenbezirk Balingen umgegliedert.

Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks obliegt der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan. Derzeitiger Dekan ist seit 29. März 2015 Marcus KeinathReutlinger Nachrichten vom 30. März 2015, zugleich Geschäftsführender Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Reutlingen und Pfarrer an der Marienkirche Reutlingen.

Dekane des Kirchenbezirks Reutlingen seit 1802 1802–1810: Johann Heinrich Keller; bereits seit 1789 Stadtpfarrer in Reutlingen 1810: David Friedrich Cless 1810–1818: Karl Philipp Friedrich Kurrer 1818–1832: Christian Friedrich Eisenlohr 1832–1839: Karl August von Faber 1839–1840: Friedrich Wilhelm Gess 1840–1858: Bernhard Friedrich Baumeister 1858–1873: Karl von Beck (1818–1886) 1873–1887: Karl Ludwig Kalchreuter (1827–1889) 1887–1890: Gustav Adolf Schirm 1891–1896: Theodor Georg Albert Herzog (1840–1896) 1897–1905: Eduard Hermann Ströle 1905–1910: Johannes Kopp (1847–1911) 1910–1913: Wilhelm August von Stahlecker (1851–1931) 1913–1920: Gotthilf Herzog (1858–1923) 1920–1927: Theophil Wurm (1868–1953) 1927–1940: Immanuel Friz 1940–1954: Friedrich Keppler 1954–1968: Reinhard Macholz 1968–1980: Christoph Duncker (1914–1998) 1980–1989: Hartmut Heinrici (* 1921) 1989–1999: Gottfried Dinkelaker (* 1937) 1999–2014: Jürgen Mohr (* 1949) seit 2015: Marcus Keinath

Dekane des ehemaligen Kirchenbezirks Pfullingen 1711–1734: Johann Georg Wislicen; ab 1706 der 11. Pfarrer in Pfullingen seit Einführung der Reformation 1734–1751: Georg Michael Seeger 1751–1754: Wolfgang Ludwig Ziegler († 9. Dezember 1754) 1755–1762: Philipp Heinrich Lang 1762–1775: Christian Ludwig Neuffer 1775–1793: Gottlob Immanuel Siegfried Mezger († 9. Februar 1793) 1793–1808: Nathanael Köstlin 1808–1817: Sixt Jakob Kapff

Das Dekanat Pfullingen wurde 1817 mit dem Reutlinger Dekanat vereinigt.

Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Reutlingen gibt es insgesamt 30 Kirchengemeinden, von denen sich 11 zu insgesamt drei Gesamtkirchengemeinden zusammengeschlossen haben, bleiben aber weiterhin eigenständige Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die jeweils in Klammern hinter dem Namen der Kirchengemeinde angegebenen Gemeindegliederzahlen beziehen sich auf Dezember 2017 und sind leicht gerundet.

Das Gebiet des Kirchenbezirks Reutlingen ist im Norden überwiegend evangelisch, im Süden jedoch überwiegend katholisch geprägt. Alte evangelische Kirchen bzw. Kirchengemeinden gibt es daher nur in den Orten, die schon früh die Reformation eingeführt haben, also überwiegend im reichsstädtischen Gebiet Reutlingen und im altwürttembergischen Teil. In den mehrheitlich katholischen Orten des Fürstentums Fürstenberg, das seit 1806 zu Preußens (hohenzollerische Lande) gehörte, zogen evangelische Bewohner erst seit dem 19. Jahrhundert bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg zu, so dass es dort meist jüngere evangelische Kirchengemeinden gibt.

Altenburg Die Kirchengemeinde Altenburg (820) umfasst den Stadtteil Altenburg der Stadt Reutlingen. Kirchlich gehörte Altenburg zunächst zu Oferdingen. Eine Nikolauskapelle wurde aber bereits um 1070 erwähnt. Erst 1844 wurde in Altenburg eine Pfarrverweserei, 1896 eine Pfarrei errichtet. Die Kirche hat noch romanische Bauteile, wurde aber 1654 barockisiert und 1950/51 nach Osten verlängert. Bis 1939 gehörte die Kirchengemeinde Altenburg zum Kirchenbezirk Tübingen. Mit Wirkung vom 1. April 1939 wurde sie in den Kirchenbezirk Reutlingen umgegliedert.

Bronnweiler Die Kirchengemeinde Bronnweiler (550) umfasst den Stadtteil Bronnweiler der Stadt Reutlingen. Eine Kirche aus Holz ist in Bronnweiler bereits im 8. Jahrhundert durch Grabungen nachweisbar. Sie wurde im 9. Jahrhundert durch einen Steinbau ersetzt. Erstmals erwähnt ist eine Kirche aber erst um 1100, als die Herren von Hugenberg auf dem Burgstall eine Marienkirche als Grablege für ihr Geschlecht erbauten. 1432 wird diese Kirche als Wallfahrtskirche bezeichnet. 1437 wurde Bronnweiler und der aufgegangene Weiler Hugenberg durch Reutlingen erworben, das 1524 die Reformation einführte. Der romanische Kirchenbau aus dem 12. Jahrhundert ist in der heutigen Marienkirche teilweise noch erhalten. Der Chor und der Turm wurden 1415 durch die Reutlinger Marienkirchenbauhütte erbaut. 1968 wurde die Kirche grundlegend renoviert. Das Chorgestühl stammt noch aus dem 15. Jahrhundert.

Degerschlacht-Sickenhausen Die Kirchengemeinde Degerschlacht (1040) umfasste den Stadtteil Degerschlacht der Stadt Reutlingen. Degerschlacht war zunächst Filialort der Pfarrkirche St. Peter in den Weiden, nach der Reformation der Katharinenkirche in Reutlingen. 1679 erwarb Württemberg das Patronatsrecht der Kirche und richtete eine eigene Pfarrei in Degerschlacht zusammen mit dem benachbarten Sickenhausen ein. Die ursprünglich gotische Kirche St. Petrus Degerschlacht wurde 1681 verändert und im 18. und 19. Jahrhundert nochmals umgebaut. Bis 1939 gehörte die Kirchengemeinde Degerschlacht zum Kirchenbezirk Tübingen. Mit Wirkung vom 1. April 1939 wurde sie gemeinsam mit Sickenhausen in den Kirchenbezirk Reutlingen umgegliedert.

Die Kirchengemeinde Sickenhausen (960) umfasste den Stadtteil Sickenhausen der Stadt Reutlingen. Sickenahausen war mit Degerschlacht zunächst Filialort der Reutlinger Pfarrkirche St. Peter in den Weiden, nach der Reformation der Katharinenkirche in Reutlingen. 1679 erwarb Württemberg das Patronatsrecht und richtete eine eigene Pfarrei in Degerschlacht zusammen mit dem benachbarten Sickenhausen ein. In Sickenhausen stand ursprünglich eine gotische Kapelle, die zu einer Kirche erweitert wurde. Das Schiff wurde 1676 erbaut. 1978 wurde sie durch einen modernen Kirchenbau mit dem Namen „Pauluskirche“ ersetzt.

Eningen unter Achalm Die Kirchengemeinde Eningen unter Achalm (4440) umfasst die Gemeinde Eningen unter Achalm, ohne die Staatsdomäne Oberer Lindenhof, die durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 11. Dezember 1946 von der Kirchengemeinde Eningen unter Achalm in die Kirchengemeinde Würtingen (Kirchenbezirk Bad Urach) umgegliedert wurde.

Eine Kirche St. Andreas wird in Eningen im 11. Jahrhundert erwähnt. Das Patronat hatten die Grafen von Achalm und Urach. Im 14. Jahrhundert erwarb Württemberg die Rechte. Graf Eberhard übertrug 1477 die Pfründe der Pfarrei der Universität Tübingen. 1534 führte Württemberg die Reformation ein. Die spätere Kirche wurde 1528 im spätgotischen Stil neu erbaut. Sie wurde 1930 durch die heutige Andreaskirche ersetzt. Dabei wurden Teile des Vorgängerbaus verwendet. Heute gibt es in Eningen unter Achalm zwei Pfarrbezirke. Die Zukunft des 1975 errichteten Johanneshauses ist ungewiss.

Verbundkirchengemeinde Gammertingen-Trochtelfingen Die Verbundkirchengemeinde Gammertingen-Trochtelfingen ist ein Zusammenschluss der selbständigen Gemeinden Gammertingen, Hausen an der Lauchert, Mägerkingen und Trochtelfingen Christuskirche.

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