mini|Vom deutschen Rhein, lederner Prachteinband mit Ansichten von Caspar Scheuren, gestochen von Heinrich Emil und Clemens Kissel, 1877–1879 Buchgestaltung betrifft die grafische und typografische Gestaltung des Inhaltes und des Einbandes eines Buches. Meist ist der Verlag für die Gestaltung verantwortlich und nimmt dazu oft die Fachkenntnis von Spezialisten in Anspruch. Das können Buchgestalter, Typografen, Kommunikationsdesigner, in Ausnahmefällen auch freischaffende Künstler sein. Viele Verlage übernehmen die Gestaltung ihrer Bücher in einer dafür spezialisierten eigenen Abteilung, der Herstellung. Ziel ist es, das Buch so zu gestalten, dass es den Inhalt am besten und deutlichsten kommuniziert, in Material und Preis ausgewogen ist und natürlich auch von der möglichen Zielgruppe angenommen wird.

Ziele und Aufgabenbereiche der Buchgestaltung Das Buch ist in erster Linie ein Gebrauchsgegenstand. Das heißt, es soll nicht nur schön aussehen, sondern muss eine angenehme Größe haben, sich gut anfühlen und vor allem gut zu benutzen sein. Neben guter Lesbarkeit des Textes muss auf die Wahl des richtigen Papieres, des Einbandes, der Schrift, des Satzspiegels und vieles mehr geachtet werden. Die Gestaltung muss an den Buchtyp angepasst sein, sei es in Unterschieden bei der Herstellung oder bei Unterscheidung nach Inhalt des Buches. Zusätzlich sollte die Verwendung und die Leseanforderungen an das Buch beachtet werden. So ist ein Buch für Kinder anderen Belastungen ausgesetzt als ein Band eines mehrbändigen Nachschlagewerkes; und auch die Schrift wird bei diesen Büchern entsprechend unterschiedlich gewählt. In manchen Fällen wird die Verkäuflichkeit eines Buches aufgrund einer besonders guten oder schlechten Gestaltung stark beeinflusst. Besonders abhängig ist die Gestaltung eines Buches vom jeweiligen Zeitgeschmack: „Der Autor nimmt zumeist bewusst oder unbewusst Stellung zu seiner Zeit. Nicht nur der direkt gesellschaftskritische oder politische Roman, auch der religiös betonte oder der utopische Roman stehen nicht jenseits der gesellschaftlichen Auseinandersetzung, ebenso das Drama, die Novelle, das Gedicht und andere Arten der schönen Literatur. Der Buchgestalter muss Kenntnis vom Wesen des ihm vorliegenden Textes besitzen.“Kapr: Buchgestaltung. S. 13.

Die Arbeit des Buchgestalters Der Buchgestalter ist für das Aussehen eines Buches innen und außen – die sogenannte Ausstattung – verantwortlich: „Zur Ausstattung eines Buches zählt alles, was üblicherweise nicht im Manuskript enthalten ist und also ausschließlich die äußere Formgebung des Buches betrifft: Format und Satzspiegel, Schriftart und Schriftgröße, Satzeinrichtung, Art des Bucheinbandes und des Schutzumschlages, das Papier sowie eventuell besonderes Zubehör wie Lesezeichen, Schutzkarton usw.“Hiller/Füssel: Wörterbuch des Buches. S. 35. Somit trägt der Buchgestalter entscheidend zum Gesamteindruck des Buches bei. Deswegen ist es besonders wichtig, dass der Gestaltung, egal welches Gestaltungsprinzip verfolgt wird, ein einheitlicher Plan zugrunde liegt – von der ersten bis zur letzten Seite des Buches. Dies ist nicht nur für die Ästhetik wichtig, sondern auch für das Verständnis des Textes. Denn gerade Dinge, die oft als Kleinigkeiten abgetan werden, wie Untertitel, Vorschläge oder Abzüge, entscheiden, ob man ein Buch gerne zur Hand nimmt oder nicht.

Arbeitsbereiche des Buchgestalters Neben dem Gesamtkonzept muss sich der Buchgestalter mit vielen Details befassen, nicht nur mit dem Layout, der typografischen Anlage, sondern auch mit dem typografischen Detail, denn ein ansprechender Gesamteindruck lädt den Leser ein, das Buch in die Hand zu nehmen. Das heißt, dass der Leser ein Buch von außen nach innen wahrnimmt. Der Buchgestalter sollte jedoch im optimalen Falle von innen nach außen arbeiten. Der Buchgestalter beschäftigt sich vor allem mit folgenden Einzelfragen: Format, Umfang, Typografie, Materialien (Papiere, Einbandmaterialien), Reprografie und Druck. Im Bereich der Typografie ist er besonders für den Bereich der Makrotypografie (auch Layout, Großtypografie oder typografische Anlage genannt) zuständig, also für die Bestimmung des Seitenformats, der Größe der Satzkolumnen und Abbildungen sowie deren Platzierung, die Organisation der Titelordnung und der Legenden sowie für alle weiteren typografischen Elemente.

Reihenfolge der Arbeit des Buchgestalters Im optimalen Falle arbeitet der Buchgestalter in folgender Reihenfolge: Einsicht des Manuskriptes/Inhaltes: Forderungen und Wünsche des Verlags, Herausgebers und Autors herausfinden, Format erfragen. Beginn der konkreten Arbeit (der Gestalter hat schon eine Vorstellung): Festlegung des Satzspiegels auf der Doppelseite, Planung des gesamten Inhalts. Daraus entwickelt der Buchgestalter/Typograf aus der Mitte heraus nach vorn und hinten die Seiten vor und nach dem Inhalt: die Titelei mit dem Inhaltsverzeichnis, den Anhang, den Apparat mit Anmerkungen, Bibliografie, Register. Entwicklung des Einbandes/Umschlages, Deckels und das Finden der dazu passenden Farben: Ton des Inhaltspapieres, Farben des Vorsatzes, Einbandmaterial, Kapital- und Leseband und die Farben des Umschlags.

Die Rolle des Buchgestalters bei der Planung Der Buchgestalter ist heute nicht mehr nur auf sich und sein künstlerisches Verständnis gestellt. Das Buch ist – trotz seines kulturellen Wertes – ein Gegenstand, der verkauft werden muss. Bei der Arbeit des Buchgestalters wirken auch Fachleute aus anderen Bereichen des Verlages mit: Werbepsychologen, Vertriebsfachleute, Typografen, Reproduktionsfachleute, Drucktechniker und Kalkulatoren. Alle Einwände und Vorschläge dieser Spezialisten müssen vom Buchgestalter berücksichtigt werden. Deswegen ist es besonders wichtig, dass diese Absprachen schon während der Planung des Buches gemacht werden, denn viele Änderungen sind, wenn die Herstellung schon begonnen hat, nicht mehr möglich oder mit hohem Kostenaufwand verbunden. Auch die Absprachen mit dem Drucker sollten möglichst früh getroffen werden: Hält der Gestalter bestimmte Formate, Bogenzahlen und Falzschemen ein, lassen sich Kosten einsparen. Andererseits wird vom Gestalter erwartet, dass er als „Kenner der graphischen Techniken alle Möglichkeiten, die ihm die modernen Technik gibt, von Anfang an in die Planung einbezieht.“ Im optimalen Fall begleitet der Buchgestalter „das Buch von der Idee bis zum fertigen Produkt. Er ist als der Mittler zwischen dem Autor und Lektor auf der einen, dem Kalkulator und Techniker auf der andern Seite, der Mann, dessen Aufgabe es ist, den Ausgleich der verschiedenen Wünsche und Interessen herbeizuführen.“beides nach Temming: Vorschläge zur modernen Buchgestaltung. S. 25 f. Der Verlag muss marktgerecht produzieren, dazu muss der Buchgestalter den Markt, auf dem sich seine Erzeugnisse beweisen sollen, kennen.

Gestalterische Elemente Die gestalterischen Elemente beziehen sich hauptsächlich auf den Buchschmuck, also das dekorative Beiwerk des Textes und die weiteren, ein vollständiges Buch ausmachenden Elemente sowie auf die farbliche und formale Gestaltung insgesamt.

Der Einband oder Umschlag Heute beeinflusst kaum etwas mehr als der Umschlag oder der Bucheinband die Kaufentscheidung. Der Umschlag ist das, was der Kunde als Erstes – und oft als Einziges – wahrnimmt. Die Gestaltung muss hier ansprechend sein und den Leser neugierig machen. Gerade bei Buchreihen ist der Wiedererkennungseffekt von hohem Wert, denn bei einem kaum überschaubaren Angebot blättert der Leser selten wie einst in Ruhe durch das Buch und lässt den Inhalt wirken. Spricht ihn der Einband nicht an, nimmt der Kunde das Buch oft nicht einmal in die Hand. Heute sollte der Inhalt eines Buches an seiner Aufmachung erkennbar sein. Ein Buch ohne einen Einband oder Umschlag, der dem Zeitgeschmack entsprechend gestaltet ist, wird mitunter schlecht zu verkaufen sein. Auch das Bezugsmaterial oder die Titelschildgestaltung spielt eine große Rolle: Manchmal lockt es den Käufer, das Buch in die Hand zu nehmen oder unterstützt die positive Wirkung des Buches.

Format Die Auswahl des Formats steht am Anfang der Buchgestaltung. Maßgebend für das Format sind in erster Linie das Literaturgenre, der Leserkreis und Verkaufspreis des Buches, der Umfang des Manuskriptes sowie die eventuellen Bindungen an Reihen- und Normformate. Inzwischen gibt es für die meisten Literaturgruppen passende Normen. Für Gedichtbände wird ein zierliches, schmales Oktavformat gewählt, für Romane und Erzählungen ein mittleres Oktavformat; grundsätzlich gilt: Unterhaltungsliteratur sollte für gemütliches Lesen im Sessel bequem zu handhaben sein. Sonderausgaben oder Bildbände sind meist etwas größer, denn viele Bilder entfalten ihre Wirkung erst ab einer bestimmten Größe. Jugend- und Kinderbücher sind meist etwas größer, genauso wie wissenschaftliche Bücher und Lexika, die viel Platz für Tabellen und Texte brauchen. Durch die Formatwahl kann die Stärke des Buches beeinflusst werden; je größer das Format, desto dünner wird das Buch.

Papier Bevor der Gestalter das Papier wählt, sollte klar sein, welchen Bedingungen sich das Buch einmal stellen wird. Wird es zu einem Taschenbuch, das günstig sein soll? Oder zu einem strapazierfähigen Schul- oder Kinderbuch? Soll das Buch einmal als Sammlerrarität im Bücherregal eines Bibliophilen liegen oder wird es als Urlaubslektüre benötigt? Der Leser stellt Anforderungen an das Buch, die der Gestalter berücksichtigen muss. Aber auch der Verlag schränkt den Gestalter ein: So sind holzfreie, dafür aber langlebige Papiere teurer als holzhaltige Papiere. Gefärbt, gestrichen, Volumen, Opazität, Gewicht: Dies alles sind Eigenschaften, die den Preis des Papieres und somit die Ausgaben des Verlages beeinflussen. Auch der Inhalt eines Buches hat Einfluss auf die Papierauswahl: Bei wissenschaftlichen Werken wird meist (hoch-)weißes Papier verwendet; das Papier eines günstigen, klassischen Romanes ist meist in einem warmen Weiß gehalten. Auch verschiedene Druckverfahren, sei es der Hoch-, Tief- oder Offsetdruck, verlangen genauso wie Bücher mit Illustrationen verschiedene, den Anforderungen angepasste Papiersorten. Das Papier kann auch die Stärke eines Buches beeinflussen. Hat das Papier ein geringes Volumen, wird das Buch später dünner, will der Verlag jedoch „aus weniger mehr“ machen, ordert er eine Papiersorte mit hohem Volumen. Wörterbücher oder andere Nachschlagewerke werden aus Gründen der Platzersparnis extra auf dünnem Papier gedruckt, meist sogar auf speziellem Dünndruckpapier.

Weitere Gestaltungselemente Typografie: Durch die gewählte Schrift, den gesetzten Satzspiegel und vieles mehr trägt die Typografie maßgeblich zum Aussehen einer Buchseite bei. Titelei und der Anhang: Beide sollen sich in das Gesamtkonzept des Buches einfügen. Übersichtlich gestaltet, bieten sie dennoch Raum für individuelle Konzeptionen. Illustration: Obgleich man unter einem Buch meist einen gedruckten Text versteht, haben Illustrationen eine nicht zu unterschätzende Wirkung, und sie machen viele Bücher erst zu etwas Besonderem und Außergewöhnlichem. Schuber: Er bietet die Möglichkeit einer zusätzlichen Werbefläche, schützt das Buch und steigert oft seinen bibliophilen Wert. Lesebändchen: Am Buchrücken befestigt und in zum Buch passender Farbe ist es als Lesezeichen eine Erleichterung für den Leser. Kapitalband: Auch wenn es für die Herstellung und Haltbarkeit eines Buches heute nicht mehr nötig ist, verziert es das Buch durch viele Farbvarianten.

Buchgestaltung und Buchkunst